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Archive for Mai 2010

Verschlafene Typen

Eigentlich halte ich von solchen Kerl(ch)en ja nichts… gucken einen mit großen Knopfaugen an, aber verschlafen die Hälfte der Zeit. Man hat wirklich Glück, Sie mal zu Gesicht zu bekommen. Ja, ich gebs zu, ich habe heimlich gehofft… irgendwann, irgendwann würde ich einen treffen! Genau! Aber meist hofft man vergeblich. Naja, eigentlich sehen sie ja aus, wie graue Mäuse, nichts Besonderes, bis auf den großen Schwanz vielleicht. Und immer feuchte Füsse, wie unangenehm. Natürlich halten Sie Verabredungen absolut nicht ein. Von wegen „ich komm in sieben Monaten„. Da konnte einer nicht rechnen. Meistens verspäten sie sich glatt um zwei Monate. Ich verstehe auch nicht, wie man so unvorsichtig sein konnte, ihnen einen ganzen Tag zu widmen, der uns mit viel Pech, einen verregneten Sommer bringt. Außerdem gehen Sie einem an die Nüsse. Sie benehmen sich wirklich tierisch, machen Krach, wie eine ganze Armee. Was soll man von einem Knilch äh… Bilch auch anderes erwarten.

Was aber echt erstaunlich ist: Im Gegensatz zu vielen Anderen werden sie nur Väter, wenn die Familie ernährt werden kann. Wirklich ein Phänomen. Wenns im Herbst keine fette Ernte gibt, dann gibts im Frühjahr (davor) auch keine Frühlingsgefühle. Meines Wissens sind das die ersten Kugeln (wenn auch nicht aus Glas), die die Zukunft vorhersagen können. Gut, ich kenn den Spruch „ich hatt´das im Urin„, aber Ertragsvorhersagen mit Fortpflanzungsorganen? Das ergäbe völlig neue Einstellungsprofile für Betriebswirtschaftler…

Alles in Allem eigentlich kein charmanter Steckbrief sollte man meinen. Aber man sollte auch nicht vorschnell urteilen, bis man einen kennengelernt hat. Oft sind sie ja ganz anders, als im Allgemeinen beschrieben.

Und seien wir mal ehrlich… können diese Augen lügen?

Na, vielleicht. Aber süß sind sie doch. Ein bisschen angegnatzt bin ich trotzdem. Der kleine Prinz hat sich nämlich nicht in meinen Garten verlaufen, mein Schwiegervater hatte die Ehre. Schade, wirklich. Aber als kleinen Trost habe ich dieses Bild bekommen…

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Große Güte, grade als ich diesen Beitrag schreiben wollte, musste ich mal eben nachspülen… hab gestern ein lecker Kräuterbrot gebacken. Bei uns ist grad Schmalhans ein wenig Küchenmeister, weil der Monat mal wieder zuviel Tage fürs Geld hat. Darum dacht ich, ich back ein lecker Brot, mit Kräutern von draußen, und dann schmeckt das auch mal mit Butter oder pur…

Also raus in den Garten und gesammelt: Giersch, schottischen Liebstöckel,  Rauke, Zwiebellauch und pfeffrigen Oregano. Letzterer ist ziemlich scharf, pfefferähnlich eben und pur nicht unbedingt jedermanns Sache. Aber wer selbst Brot backt, hat sicher auch die Erfahrung gemacht, dass man nicht zu wenig Kräuter in den Teig geben sollte, damit der Geschmack durchkommt. Letzteres gilt, das weiß ich jetzt, nicht unbedingt für den pfeffrigen Oregano. Der setzt sich ordentlich durch. Das hatte ich bisher noch nicht, meist geht die Schärfe beim Backen ziemlich zurück.

Nun, sie ist da, wie meine gesunde Gesichtsfarbe und mein extremer Trinkwasserverbrauch sicherlich belegen können…

Der pfeffrige Origano ist etwas pelzig, was aber nicht unbedingt stört. Man nimmt ohnehin nur kleine (!) Mengen und die gehackt. Angeblich nicht winterfest strotzt der zweite Versuch mit dieser Pflanze nach dem Extremwinter in voller Pracht.

Strotzen, ja… da war noch Thema zwei.

Bei meinen Kräuterwanderungen sind nicht allzu oft Männer dabei. Ich denke mal, meist kommen sie ihren Frauen zuliebe mit. Manch einer kann ob der wunderschönen Landschaften wenigstens seinem Hobby fröhnen und fleißig fotografieren. Kräuter für Männer nehmen sich in meinen Vorträgen auch meist rar aus, diese Lücke will ich mal füllen.

Also hier ein Rezept für ein „Götterelixier„. Es gehört zu den Lebenselixieren (die heute nicht mehr gebraut werden), ist aber speziell auf Männer zugeschnitten. Also meine Damen, wenn Sie Ihren Liebsten kräftigen und stärken wollen damit er… na sagen wir mal, bei der Gartenarbeit helfen kann, versuchen Sie Folgendes:

Götterelixier

2 Teile Damina

2 Teile Fo-Ti

2 Teile Ingwerwurzel

2 Teile Süßholz

2 Teile Sassafraswurzelrinde

2 Teile Yamswurzel

1 Teil Badian (Sternanis)

1 Teil Sarsaparillawurzel

1/2 Teil Sägepalmenbeeren

Ginsengwurzel (2 auf einen Liter Tinktur)

Brandy

Traubenkirschenkonzentrat

Die Kräuter in ein Gefäß geben und mit Brandy übergießen, 2 Mondläufe lang ausziehen lassen (die Hexen unter uns machen das im Mondlicht…). Danach abfiltern. Pro Tasse Elixier eine halbe Tasse Traubenkirschenkonzentrat hinzugeben (keinen Saft!)

Die Dosis wäre ein Likörgläschen am Tag, oder eben nur an „besonderen“  Tagen. Da können Sie mit Ihrem Liebsten zusammen eins nippen und dann das Feld bestellen…

Die Schwierigkeit ist hier nicht unbedingt der Ansatz, sondern das Besorgen der Zutaten. Wenn in der Apotheke kein Erfolg beschieden ist, dann vielleicht mal im Reformhaus schauen. Eventuell auch Zutaten in homöopathischer Form wählen oder austauschen (Kreativ bleiben!).

Wem das zu aufwändig ist, oder wer keinen Alkohol mag, für den hätte ich noch:

Energiebällchen (Rezeptname – kein Wirkungshinweis, obwohl die Wirkung ähnlich ist…)

3 Teile gemörserte Kürbiskerne

2 Teile gemörserter Sibirischer Ginseng

1 Teil Ginkgo oder Gotu Kola Pulver

1/2 Teil Spirulina oder Super-Blau-Grün-Algen

1 Tasse Tahin

1/2 Tasse Honig

1/2 Tasse Mandelsplitter

Kokosraspel, Kakaopulver, Rosinen, Schokoladen- oder Karobchips, Granola, Karobpulver oder Milchpulver.

Mischen Sie die Kräuterpulver und die Algen. Dann Honig und Tahin zu einer Paste vermengen. Jetzt so viel Kräuterpulver zugeben, bis die Paste dick wird, schließlich Mandeln und Geschmackszutaten beifügen. Mit Carob- oder Milchpulver bis zur gewünschten Konsistenz andicken.  Walnussgroße Stücke rollen.

Zwei Bällchen täglich reichen normaler Weise. Da kann ein normaler Müsliriegel nicht mithalten.

Bei schwerer Gartenarbeit kann das Rezept noch mit ein wenig Guarana, Damiana, Brennnesselsamen, Traubenkirschenkonzentrat und Bitterschokolade angereichert werden. Aber bitte nicht bei mir beschweren, wenn der Göttergatte zu aktiv wird.

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Wir waren gestern im Kräuterpark in Stolpe. Ich fahre dort immer wieder gern hin, ich kenne ihn seit seiner Entstehung. Erfreut habe ich die Entwicklung beobachtet. Es war wohl auch naheliegend, diesem Park ein kleines Hexenmuseum anzugliedern. Meine Kräuterhexenseele wurde also zweifach gestreichelt.

In den letzten Jahren hatte der Park immer wieder ums Überleben zu kämpfen. Zwar scheint der Kräuterboom recht ungebrochen, aber man wird nicht unbedingt reich mit Kräutern. Was auch immer der Grund ist, der Park leidet jedenfalls. Man sieht an vielen Stellen das Fehlen der ordnenden Hand.

So kam es, dass viele der Kräuterbeete nahezu die gleichen Kräuter führten. Was sich ungehemmt vermehrt, durfte sich vermehren. Andere Kräuter, die laut Beschriftung hätten wachsen sollen, waren verschwunden. Wir bekamen  nur Altes, Eingewachsenes und Bewährtes zu Gesicht.

Da für den Rundgang nur 1 1/2 Stunden geplant hatten, war das immer noch mehr als genug, aber ein wenig traurig machte mich das schon, schließlich durfte ich den Park auch schon in voller Blüte (im doppelten Sinne) erleben.

Eines der Kräuter, das sich diesen Umstand zu nutze gemacht hatte, war der Gundermann. Nun, mir behagt die Bezeichnung „Gundelrebe“ mehr. Für mich haben die Kräuter eigentlich mehr etwas Weibliches.

Auch das „Gund“ von „Eiter“ kommt, gefällt mir nicht. Klar – das könnte schon stimmen, schließlich weist das auf eine Anwendung der Gundelrebe hin. Viel schöner finde ich aber den Gedanken, dass die Gundelrebe ihren Namen von der altnordischen, wunderheilenden Walküre Gumir, althochdeutsch Gundja, bekommen hat,  die diese Pflanze als Heilmittel verwendet haben soll (Jakob Grimm).

Zum Heilen ist es letztendlich nicht wichtig, wo der Name herkommt. Ich liebe die Gundelrebe, sie hört zu meinen Lieblingspflanzen. Da gehts mir wie Wolf-Dieter Storl. Ich mag den herbwürzigen Geruch und Geschmack.

Auf deutschen Kräuterseiten ist nicht allzuviel über die Anwendung zu finden. Sie wird als ausgezeichnetes Wundheilmittel und entgiftende Pflanze gelobt. Sie war das tägliche Teekraut der Maler und Gerber, die mit ihrer Hilfe die Gifte (der damals rech blei- und schadstoffhaltigen) Farben und Gerbemittel ausschwemmten.

Die besten kulinarischen Rezepte mit Gundermann hab ich den Büchern von Dr. Brigitte Klemme von der Gundermannschule zu verdanken (Noch ein Fan!), die, wie ich jetzt leider erfahren musste, im April verstorben ist. Von dieser Stelle aus einen herzlichen Dank an Frau Dr. Klemme. Ich bin sicher, dass wir zu einem sehr großen Teil ihr zu verdanken haben, dass die Wildgemüse wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt sind.

Meine Lieblingsrezepte (aus ihrem Buch „Delikatessen am Wegesrand„): Gundermanneis, Gundermannkonfekt und Gierschlimonade… wers mal googelt wird sehen, dass die Rezepte oft kopiert wurden. Das sagt ja Einiges aus. Ob der Tipp „3 Blättchen in die Sahnesoße“ auch von ihr stammt, vermag ich gar nicht zu sagen.

Im Frühjahr ist die Gundelrebe jedenfalls unser bester Petersilienersatz.

Auf unsere Schleimhäute wirkt die Rebe heilend. Sinusitis, Bronchitis, chronischer Schnupfen sind ihre Anwendungsgebiete. Sie wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, astringierend, stoffwechselanregend, entgiftend, verdauungsfördernd, appetitanregend, harntreibend, fiebersenkend, hustenlösend, wurmwidrig und tonisierend.

Man hat auch positive Wirkung bei der Behandlung von hypersensitiven Kindern und bei Nierenproblemen festgestellt.

Der Presssaft wird bei Wunden und Hämatomen (auch das berühmte „blaue Auge“) eingesetzt.

Hildegard von Bingen empfiehlt die Rebe bei Mattigkeit und schwindender Vernunft (sollten wir sie nicht einmal den Köchen unserer Politiker empfehlen?) und bei Geschwüren in der Brust.

Eines ist klar, das Kräutlein verdient mehr Beachtung. Für Wolf-Dieter Storl ist sie der ständige Begleiter bei öffentlichen Auftritten. Er steckt sich einen Stängel ins Haar oder windet sich die Rebe gar um den Kopf.  Ich hab gestern im Kräuterpark ein Stängelchen an meinen Kragen gesteckt. Mein Mann meint, ich hätte sehr gut vorgetragen. Ich denke, ich werde das jetzt öfter machen – sowohl das Vortragen, als auch die Gundelrebe tragen.

Wie das wirkt? Große Güte, ich weiß es nicht. Vielleicht der Geruch, der uns ja nachweislich noch beeinflussen kann, obwohl er bewußt schon nicht mehr wahrnehmbar ist. Oder auf ganz anderer, feinstofflicher Ebene. Letztendlich finde ich das nicht wichtig. Wenn wir Heilkräuter erst dann verwenden, wenn wir durch unzählige Labortests alles nachgewiesen haben, bleiben wir noch lange krank. Erstens bezahlt das keiner, zweitens will das eine große Lobby gar nicht und drittens können wir mit heutigen Mitteln nur labortechnisch überprüfen und finden, was wir suchen. Für viele Dinge haben wir die Gerätschaften einfach nicht.

Vor ein paar hundert Jahren hätten Wissenschaftler exakt Volumen und Gewicht eines Steines feststellen können, eine eventuelle Radioaktivität wäre ihnen aber entgangen. Woher nehmen wir die Ignoranz zu behaupten, da gäbe es nicht mehr in Pflanzen? Halten wir uns für allwissend?

Nach unserem Tode kann uns die Medizin in alle Einzelteile zerlegen und sicherlich Zeugnis darüber ablegen, an welchen körperlichen Krankheiten wir litten, oder wie wir aussahen. Über den Geist können Sie gar nichts sagen. Auch nicht über die Talente. Sie können nicht sagen, ob sie einen Heiligen oder einen Massenmörder seziert haben, ob es jemand war, der außergewöhnlich gut Musik spielen konnte, oder jemand, der selbst beim Schuhezubinden Hilfe brauchte…

Entschuldigung, wenn ich das mal so krass sage, aber die Wissenschaftler, die behaupten, mehr als sie finden können, wäre in einem Wesen nicht, die können sich ihre Messmethoden gelinde gesagt in den…  ihr wißt schon – schieben!

Was viele auch vergessen, die Pflanzenheilkunde ist nunmal zum größten Teil „Erfahrungs“-Heilkunde. Wir heilen aus Erfahrung. Diese teils mehrere Hundert Jahre dauernden Erfahrungen sind ja wohl weitreichender, als zwei, drei Laborstudien. Ja, ich halte das Anwenden über Generation für die umfassendsten Studien überhaupt! Wenn dann so ein Laborkittel uns grinsend einen fürchterlich gefährlichen Inhaltsstoff unter die Nase reibt, gleichzeitig die eigene über unsere naiv-blöden Ahnen rümpft, würde ich ihm gern einmal eine meiner ganz eigenen Kräutermischungen verabreichen, damit er sich den Blödsinn aus dem Leib k…

Oha… irgendwas reizt mich heute.

Letzendlich würden wir nicht mal mehr von Luft und Liebe leben können, wenn unsere Lebensmittel durchs Labor gingen. Kaffee und Kartoffeln kämen auf den Index, Salz gleich hinterher. 2 Esslöffel davon reichen schließlich, um einen kleinen Menschen umzubringen.

Mein Teerezept für alle, die Kräuter anwenden:

1 Teel. Kraut auf eine Tasse

*1 Prise Menschenverstand

Das Kraut mit kochendem Wasser überbrühen, Tasse abdecken, nach etwa 10 Minuten abseihen. 3 x tgl. eine Tasse.

* Diese Zutat ist enorm wichtig: Ich informiere mich über jedes Kraut gründlich. Ich beobachte, wie es mir bekommt. Ich nehme typische Heilkräuter nur kurmässig und nicht maßlos. Ich überprüfe jede Dosierung. Ich glaube nicht alles, was Kräutergegner veröffentlichen.

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Nichts gegen Stevia und Co., ich bestelle selbst regelmässig meine Pflänzchen beim Rühlemann. Aber ich bin nach wie vor auf der Suche nach einheimischen Pendants. Ich kann mir z. B. auch nicht vorstellen, dass nur die Chinesen heilkräftige Pflanzen haben. Der ganze Hype um die TCM (traditionelle chinesische Medizin) ist nichts für mich. Nicht etwa, weil ich von chinesischen Kräutern nichts halte – im Gegenteil – TCM ist hochwirksam.

Aber ich bin nun mal hier, europäisch aufgewachsen, lebe und nähre mich auf und von diesem Grund und Boden. Ich denke, für meinen Organismus wären Heilkräuter aus dem Umfeld optimal. Sie sind den gleichen Einflüssen ausgesetzt, wie ich.

Leider ist unsere Kräuterkunde verbrannt und ersäuft worden. Im leichtesten Fall noch ignoriert…

Erfahrungen in dieser Richtung durfte ich z. B. mit Bachblüten machen. So gibt es für die meisten Anhänger dieser Mittel nur die einzig wahren, ENGLISCHEN, original „Bachblüten“. Ich habe mich damals während meiner Heilpraktikerausbildung aber auch mit den Deutschen befasst. Die dürfen sich nur nicht „Bachblüten“ nennen. In Deutschland heissen sie einfach „Deutsche Blütenmittel“ (Fa. Keilholz in Hilpoltstein), was auch Sinn macht, denn sie sind hier aus deutschen Blüten hergestellt.

Ich wich also so manches Mal auf die deutschen Mittel aus, teils auch aus Geldgründen (sie sind erheblich preiswerter) und nach meiner Beobachtung, zumindest bei uns Deutschen, auch wirksamer…

Aber zurück.

Ich bin eine Naschkatze, was meine Waage mir leider jeden Tag um die Ohren schleudert. Da kam mir ein Kraut, wie Stevia schon recht. Stevia ist ja mittlerweile schon ein Politikum geworden, wie leider unsere Heilkräuter überhaupt. Es scheint doch eine Lobby zu geben, die uns dringend von kostenlosen und gesunden Mitteln wegbringen möchte. Vor allem, wenn das wirtschaftlich zu Lasten der Süßstoffe geht. Wer die wohl auf den Markt gebracht hat? Ja, das große „M“… genau das „M“, dass dafür sorgt, dass im Frühjahr in Schleswig-Holstein kein gesundes Grün auf den Äckern schimmert, sondern schmutzigbraun Verdorrtes. Verbranntes Land… „Roundup“ machts möglich. Unser Kulturgemüse scheint nur zu gedeihen, wenn der wilde Gegner aufs Brutalste vernichtet wurde. Ich frag mich manchmal, welches Kulturgemüse auf diesen Böden noch kommt. Richtig geraten: Die Saaten kommen auch vom großen „M“.

Ich schweife schon wieder ab. Vollmond… oder schlechter Schlaf… 😉

Also gut: heimische Süßkraft ist leider rar. Zumindest pflanzliche. Zuckerrüben zähl ich hier nicht, die sind mir zu „raffiniert“.  Zuckerahorn wächst hier nicht (mehr). Scheinbar ist die Süßdolde das einzige heimische, relativ süße, Kräutlein.

Zugegeben, so richtig „süß“ ist sie nicht, mehr süß-aromatisch. Ein Hauch Anis schwingt mit. Das merkt man schon in Blätter oder Blüten. Ganz lecker, mit leichter Schärfe, sind die noch grünen Samenstände. Die nasch ich oft so oder streu sie über Desserts und Müsli.

Da sie als Doldenblütler viele giftige Verwandte hat, ist es für den Anfänger ratsam, sich doch erstmal ein Exemplar im Kräuterfachhandel zu holen. Außerdem ist sie in Norddeutschland leider auch nicht heimisch. Wer beim Sammeln alle Sinne öffnet (und das sollte man immer tun), kann sie aber eigentlich nicht verwechseln.

Man kann tatsächlich alle Pflanzenteile nutzen. Als Heilpflanze wird sie hier nur in homöopathischer Form bei Venenschwäche genutzt. Aber sie kann mehr: Sie ist hilfreich bei Magen-Darm-Beschwerden (auch Blähungen), Husten und zur sanften Stimulation des Verdauungssystems. Abkochungen der Wurzel wurden bei Tierbissen (Schlange, Hund) angewandt. Wurzelsalbe mildert Gicht und wirkt wundheilend.

Die Blätter oder grünen Samen können auch super als Möbelpolitur genommen werden. Besonders für Eichenholz. Einfach pur rüberrubbeln und nachpolieren, bis das Grüne weg ist. Der angenehme Duft dazu ist gratis.

Sie hat jedenfalls einen (mittlerweile großen) Platz in meinem Garten. Oft zupf ich mir Blättchen oder Blüte und natürlich auch die Samen. Selbst ausgereift kann man sie gemahlen noch verwenden.

Und was ist sonst noch süß? Viel fällt mir leider nicht mehr ein. Man kann Schilf anritzen, oder Engelwurz/Wiesenbärenklau und am nächsten Tag den dicklichen Saft naschen. Manche Blüten sind süß… Flieder, Taubnessel… aber nur, wenn das kleine Flügelvolk nicht schon vor dir dran war und die Mengen sind bescheiden.

Wer also noch Kräutersüßtipps für mich hat, immer her damit! Engelsüß vielleicht noch, aber das schmeckt doch mehr lakritzig…

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Himmel, ich erfrier mir allmählich den Charakter… 😉
Das ist doch kein Wetter mehr. Hat hier niemand einen Draht zu Petrus?
Bei dieser Kühle eine Idee für Kräuter zu haben, ist nicht so einfach. Aroma lässt sich ohne Sonnenschein auch nicht herauslocken. Also mach ich mich heute mal auf die Suche nach Zunderschwamm. Ich wusste zwar, dass er als „Zunder“ genutzt werden kann, mir war aber nie bewusst wie. Dieses Problem konnte ich dank Wolf-Dieter Storl aber lösen. Wie unsere Ahnen aus dem Pilz ganze Kleidungsstücke herstellen konnten, wird mir wohl ein Rätsel bleiben. Wer da mehr weiß…?
Der Zunderschwamm ist super zum Räuchern, als Ersatz für die Kohle. Er bringt ein wenig Eigengeruch mit. Aber das schadet nicht. Storl erwähnt in seinen Büchern, dass im Herstellungsland der Kohletabletten die Hausfrauen stundenlang für ein wenig Herdbefeuerung laufen müssen und fühlt sich bei dem Gedanken, von dort die Kohle zu verbrennen nicht wohl. Wenn das so ist, ziehe ich den Zunderschwamm auch vor. Außerdem ist er umsonst zu haben und heimisch. Was will man mehr?

Was alternativ ginge, wäre ein „Zusammenrollen“ von getrocknetem Beifuss. Das mache ich öfter. In der Hand hin und hergerubbelt gibt das ein kleines Knäuel, das beständig durchglimmt. Man kann dort auch andere Kräuter oder Harze mit auflegen. Da Beifuss meine Lieblingspflanze ist, stört es mich absolut nicht, den Geruch ständig um mich zu haben.

Bei dem Wetter frieren mir jedenfalls die Gedanken mit ein… es ist wirklich nicht leicht, eine norddeutsche Kräuterhexe zu sein.

Der „dunklen“ Ecke in meinem Hexengarten scheint es da gut zu gehen, Krähenbeere, Alraune, Bilsenkraut, Datura… die fühlen sich trotz der Kühle recht wohl und wuchern sogar ein wenig. Wer weiß, was das zu Bedeuten hat. Vielleicht sind dieses Jahr Tinkturen (potenziert!) dieser starken Pflanzenschwestern nötig.

Auch mein heiliger Dornbusch treibt gut. Heiliger Dornbusch? Klar… ihr kennt vielleicht den Weißdornbusch aus Glastonbury, der aus dem Wanderstab des Joseph gewachsen sein soll. Bei mir wächst ein Ableger. Nein, ich habe keinen Frevel begangen. Es gibt eine kleine Gärtnerei, die ihn vermehren darf. Und hier hab ich ihn nun… *grins*

Ich sammle Pflanzen von heiligen Plätzen. Ob das nun sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Durch die Umsiedelei in einen profanen Garten werden sie sicherlich nicht mehr die gleiche „Schwingung“ wie am Ursprungsort haben. Trotzdem hab ich das Gefühl, ein wenig vom Geheimnis des Kraftortes mitzunehmen. Das ist nicht immer ein Bäumchen, oft auch nur ein Kraut…, Bucheckern aus dem Avebury-Ring oder sonst eine kleine Erinnerung. Ich fühle mich diesen Orten damit immer noch ein wenig verbunden.

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Endlich! Am Samstag war es soweit. Ich konnte an einem Seminar von Wolf-Dieter Storl teilnehmen. Vormittags referierte er über die ganz normalen Kräutlein, die er grad eben mal als unerwünschte Beikräuter aus der gepflegten Anlage des Veranstaltungsortes gepflückt hatte. Ich hab all seine Bücher gelesen und konnte teilweise fast mitsprechen, wenn er liebevoll Anwendung und Heilpotential erklärte. Aber bei Storl ist mehr. Es ist nicht nur das reine Wissen, was er vermittelt.  Storl kann über Klimakatastrophe, Teslastrahlen und Umweltgifte erzählen, ohne das man in Panik verfällt. Es überkommt einen das Gefühl, dass alles gut gehen wird, das Mutter Erde schon Einiges in Gang setzen wird, um das Chaos, dass ihr die Menschen bereiten, wieder zu glätten. Da ist Hoffnung in seinen Berichten. Hoffnung, dass wir nur mit offenen Sinnen durch die Natur gehen müssen, um Heilung zu erfahren, für uns und für unsere Mitgeschöpfe.

Am Nachmittag war daher auch ein Heilungsritual vorgesehen. Von einem Treffpunkt aus marschierten wir los… das war ein Fehler! Eine normale Wohnsiedlung ist noch zu grün für einen Storl. Er entdeckte so viel in den Mauerritzen, Ödflächen und Vorgärten, dass man sich ernsthaft fragt, warum unsereins sich das Gemüse noch aus dem Supermarkt holt. Sogar Feldsalat hat er aufgespürt.

In seiner ganz eigenen Art gab er zu jedem Pflänzchen eine Geschichte preis. Nicht nur die Teilnehmer lauschten andächtig. Auch so mancher Passant wurde aus seinem Alltag gerissen um gebannt den Ausführungen zu folgen.  Von vielen unbemerkt, lockte der Pflanzenfreund sogar tierische Begleiter an. Recht hartnäckig zeigten sich dabei ein Kleiber und ein Eichhörnchen, die ebenfalls aufmerksam zuhörten – so schien es jedenfalls. Damit zog sich der Weg zum Ritualplatz, mit seinen mächtigen 800 Metern Länge, nahezu eineinhalb Stunden hin.

Vor Ort schließlich wurden die Teilnehmer eingestimmt und das Ritualzubehör verteilt.

Die Teilnehmer schmückten den Baum mit kleinen Blumensträußchen und legten Teilweise ihren Schmuck zu Füssen dieses mächtigen Baumwesens. Storl erläuterte, dass der Schmuck durch das Ritual mit aufgeladen werden könne. Begleitet durch ein kraftvolles Mantra, gesungen von den Teilnehmern, gab sich Storl den rituellen Handlungen des Räucherns, Anrufens (und sicher auch Dankens) hin.

Auf Wunsch der Teilnehmenden wurde ein deutsches Mantra gewählt. Für mich war das eine ungewohnte Geschichte. Ein DEUTSCHES Mantra…. da kann man mal sehen, wie wenig ich in der eigenen Tradition verwurzelt bin. Der Mantrachor wurde nur noch gelegentlich von einem mächtigen Hörnerklang übertönt. Ich hatte das Gefühl, wir wären im Umkreis von mehreren Kilometern zu hören. Trotzdem verlief sich nur selten einmal ein Zuschauer hierher… hierher, zu der mächtigen Buche inmitten eines belebten Parks in einer deutschen Großstadt.

Das Ritual klang aus, mit einem stillen Lauschen und Spüren, manch einer saß oder lag der herrlichen Sonne zugewandt, während die laue Sommerbrise die Sinne streichelte. Wer mochte, erhielt noch den Puja-Segen und wurde herzlich von Storl verabschiedet.

Mir lag noch so viel auf der Seele, was ich hätte fragen wollen, aber ich wollte auch mit mir und meinen Eindrücken zunächst allein sein. So nahm ich meine Kette wieder an mich und machte mich auf den Heimweg. Storl, ja – der Mann ist eine Urgewalt. Aber eine sanfte. Der Weise, der Fels, die Zuversicht, die wir in unserem hektischen Alltag suchen. Manchmal höre ich einfach in seine CD „Die Seele der Pflanzen“ und obwohl es „nur“ ein Hörbuch ist, entspanne ich mich nahezu auf der Stelle. So einen Großvater hätte ich mir gewünscht. Einen, der mich bei der Hand nimmt, mir die Welt erklärt und mir Sicherheit gibt.

Ja, es gibt noch wirklich viel, was ich Wolf-Dieter Storl gern gefragt hätte. Aber da war ich nicht die Einzige. Mir behagen Menschenmassen nicht so. Ich ziehe mich da eher zurück. Vielleicht ergibt sich für mich ja nochmal die Chance, meine Fragen loszuwerden. Wer Wolf-Dieter Storl selbst einmal persönlich erleben möchte, der sollte es bald tun. Er ist ein gefragter Mann mit vollem Terminkalender. Und er lebt schon eine ganze Weile auf diesem Planeten. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich in ein paar Jahren vielleicht wieder in die Stille der Natur zurückzieht und die Gesellschaft seiner Pflanzenverbündeten dem hektischen Treiben der Städte vorzieht.

Was hab ich gelernt? Nix… nein wirklich, „lernen“ war nicht mein Anspruch. Was Kräuterkunde angeht, da kenn ich mich selbst gut aus. Das Seminar war auf Interessierte ausgerichtet und fing mit Grundlagen an. Ich glaub schon, dass Wolf-Dieter noch Einiges im Schatzkästlein hat, dass ich ihm gern entlocken würde, aber das gehört sicherlich nicht in ein Anfängerseminar. Ich wollte dieses Mal auch nicht lernen, sondern „erleben“. Am Ritual teilnehmen und spüren. Und natürlich auch Storl hören: Er könnte mir das Münchner Telefonbuch vorlesen und ich würde sofort entspannen…

Ja und „erleben“ durfte ich. Das sind Dinge, die man nicht in Buchstaben und Sätze quetschen kann. Ich denke auch, dass jeder anders erlebt. Darum empfehle ich: Erfahrt es selbst. Unter http://www.storl.de findet ihr alle Termine und Publikationen. Ich wäre nicht böse, wenn ihr eventuelle Bestellungen von Büchern über meine HP macht. Da habe ich meine Lieblings-Storlbücher auch aufgelistet. War nicht schwer, sind eigentlich alle.

So… ich ziehe mich wieder ein wenig zurück – Eindrücke verarbeiten. Wie gesagt: In Worte fassen kann man das alles nicht… man muss spüren und dafür sollte man sich Zeit nehmen.

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Wonnemonat Mai, von wegen…  für Aale und Reisbauern vielleicht. Unser Heilerkreistreffen, das eine kleine Kräuterwanderung (ab in die Hecke) im Knick beinhalten sollte, drohte es in Wasser zu fallen. Bei dem Wetter kann man nichts wirklich dauerhaft konservieren.

Eigentlich wollte ich mit den letzten aromatischen Blüten der Traubenkirsche einen himmlischen Sirup machen:

Aber das wurde nichts. Kein Aroma – kein Sirup. Mindestens zwei sonnige Tage brauchen die guten Blüten schon, um ihr bittermandelähnliches  Geheimnis preis zu geben. Wir mussten also irgendwas „aushecken“, was nicht unbedingt bei Sonne geerntet werden muss, oder nicht konserviert werden soll.

Hopfen – wir fanden Hopfensprossen. Die erntet man schnell und reichlich. Immer so die obersten 20 cm ins Körbchen. Nachher etwa 3 Minuten bissfest blanchieren (mit Essig und einem Schuss Zitrone im Wasser) und nochmal in Butter schwenken, Salzen, Pfeffern, fertig. Am Leckersten als Nest für Rühr- oder Spiegelei.

Natürlich kann man die Sprossen auch als absolut tauglichen Spargelersatz mit Bechamelsauce anrichten.

Pflücken – nutzen – nicht konservieren: da kam mir nur ein schönes Shampoo in den Sinn. Wir haben also drauflosgepflückt. Birke natürlich und auch Brennnessel. Aus dem Garten kam noch Eisenkraut (fördert den Haarwuchs) dazu. Ein paar ätherische Öle, je nach Bedarf gegen feines Haar, Schuppen, oder andere Unbefindlichkeiten – und fertig. Der einzige Nachteil unseres Hecken-Shampoos: Die Haptik ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Es ist nicht gelartig, wie wir es gewohnt sind. Man könnte es zwar mit Guarkernmehl oder Xylit andicken, aber das ist mir noch nie so richtig gelungen. Muss auch nicht sein. Es schäumt gut, pflegt und die Haare werden locker und duftig.

„Das schmeckt ja wirklich!“ hörte ich von meinen Mitsammlern. Na klar! Deswegen haben wir ja den Hopfen gesammelt. Ich mach das ja nicht aus Langeweile. Es trauen sich immer noch viel zu wenig Menschen ans Wildgemüse. Dabei ist das nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für den Geldbeutel. Und es schmeckt. Hopfensprossen brauchen sich hinter Spargel nicht zu verstecken…

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