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Archive for Juni 2010

Nachdem ich doch einiges an Resonanz nach dem Gierschpesto hatte, möchte ich mich mit Kräuterpasten noch einmal befassen:

Eine Kräuterpaste ist wirklich universell:

  • zum Würzen von Gerichten aller Art (Suppen, Saucen, Fleisch, Gemüse)
  • Als Brotaufstrich
  • Zur Marinade von Grillgut

Da Pasten immer Salz enthalten, braucht man beim Würzen entsprechend weniger davon.

Das klassische Pesto enthält Parmesankäse und Pinien, wie in dem Rezept damals beschrieben. Und natürlich Basilikum. Achtung: Schaut mal im Handel! Ich hab noch kein Fertigpesto gefunden, wo wirklich nur Basilikum drin ist. Meist wird mit anderem Grün gestreckt. Auch mit den Pinien wird gegeizt (weil teuer). Selbst wenn „Barilla“ oder Ähnliches draufsteht, es ist wirklich schade…

Eine Kräuterpaste muss nicht unbedingt Parmesan haben. Schmeckt auch nicht immer. Ich liebe z. B. Hanfpaste. Die ist ungeheuer lecker auf Honigbrötchen. Auch Pinienkerne müssen nicht sein. Man kann Walnüsse nehmen, oder Haselnüsse. Klassisch besitzt die Kräuterpaste aber nichts weiter als Salz und Öl (und natürlich Kräuter).

Wenn ihr dafür sorgt, dass immer eine kleine Ölpfütze obenauf steht, sind sie sehr lange, auch ohne Kühlschrank, haltbar.

Das Grundrezept ist simpel:

Kräuterpaste

100g Kräuter, gehackt

9 g Salz

100 ml Öl (meist Olivenöl – haltbar und lecker)

Mehr ist nicht „drin“.

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Hier ein paar Variationen für die kreative wilde Köchin:

  • Bohnenkrautpaste – zur Hälfte mit Petersilie zubereiten. Super zu Bohnengerichten aller Art. Überhaupt ist Bohnenkraut ein wunderbares Pastenkraut.
  • Estragonpaste – Mit etwa 1/3 Petersilie verarbeiten. Wer einmal das herrliche Estragonaroma (französischer Estragon) erlebt hat, möchte es nicht missen. Leider ist es schwer zu konservieren und verliert sich beim Trocknen nahezu völlig. Hier haben Sie eine Alternative zu Essig. Ein Gaumenstreichler zu Fleisch, Geflügel und natürlich Sauce Béarnaise.
  • Fenchel- Dill – Paste – nur die jungen Triebspitzen verwenden und zu Fisch oder Suppe genießen.
  • Hanfpaste – Nein, nicht für bunte Träume. Ich meine den ganz normalen, „rauschfreien“ Nutzhanf. Wenn Sie die Möglichkeit haben, dranzukommen, „verpasten“ sie ihm eines. Herrlich zu Süßem!
  • Kümmelpaste – Die Samen müssen noch grün sein!
  • Liebstöckelpaste – recht fein hacken. Nicht nur als Suppenwürze. Probieren Sie das Aroma mal auf Butterbrot. Da denkt keiner mehr an „Maggi“. Wunderbares Pastenkraut.
  • Majoran oder Oreganopaste – Stiele weglassen. Super für Kartoffel- und Geflügelgerichte, Suppen und natürlich Pizza!
  • Minzen- oder Zitronenmelissenpaste – Je nach Wunsch Minze oder auch die Melisse verwenden. Ohne Stiele zerkleinern. Lecker an Erbensuppe, Salatsaucen, Süßwassergrillfisch.
  • Petersilienpaste – Ohne Stiele verarbeiten. Die passt wirklich überall hinein. Denken Sie auch an Kräuterbutter!
  • Rosmarinpaste – Die Nadeln sehr fein hacken. Universell zu Fleisch, Geflügel, Teigwaren.
  • Salbeipaste – Junge zarte Blätter verwenden. Besonders für die italienische Küche geeignet.

Lassen Sie sich nicht daran hindern, auch fleissig zu kombinieren. Vielleicht sind Ihnen da die klassischen Würzmischungen eine kleine Hilfe.  Sie können z. B. Petersilie, Dill und Fenchel für Fischgerichte herstellen oder Basilikum, Petersilie und Rosmarin für Fleischgerichte. Sehr ans Herz lege ich Ihnen auch Bohnenkraut. Obwohl natürlich der klassische Bohnenbegleiter, steckt doch viel mehr in ihm…

Gerade jetzt ist das Herstellen optimal. Viele Kräuter treiben dann nach der Ernte noch mal aus.

Guten Appetit!

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Es sieht ja wirklich nach Sommer aus, etwas, was wir gerade im klammen Norden nicht oft haben, und dieses Jahr konnte sich die Sonne sogar gegen die Kieler Woche durchsetzen!

Genauso wie wir nach Sonne, Wärme und Strand lechzen, lechzt unser Körper jedoch nach mehr Pflege. Ich gehe mal davon aus, dass Sie sowieso verantwortungsvoll Sonnenbaden. Zugegeben, Sonnenschutz ist ein Kapitel für sich. Die meisten käuflichen Cremes sind bedenklich.

Der Emulgator PEG ist Hauptverdächtiger als Auslöser der Mallorca-Akne.

Dabei kann man Sonnenschutz auch essen (natürliche Carotinoide): 40g Tomatenmark und 10g Olivenöl 10 Wochen lang täglich eingenommen erhöht den Eigenschutz um Lichtschutzfaktor 4. Wenn Sie selbst Cremes oder Salben herstellen, verwenden Sie im Sommer doch öfter Jojobaöl. Jojoba hat selbst ebenfalls einen LSF 4.

Damit haben Sie auf ganz natürlich Weise schon etwas für den Sonnenschutz getan, denn gerade bei Sonnenschutzmitteln wird nicht ausreichend informiert:

  • Ein Lichtschutzfaktor jenseits der 20 bringt kaum noch etwas. Faktor 20 hat eine 96%ige Filterwirkung, Faktor 40 nur 1,5% mehr.
  • Es wird bei Sonnenschutzmitteln oft mit dem Zusatz „ölfrei“ geworben, wobei mancher Konsument sich in Bezug auf die Mallorcaakne in Sicherheit wähnt. Aber gerade die stattdessen eigensetzten Silikone (die ölähnliche Eigenschaften aufweisen) scheinen die Auslöser für die Akne zu sein.
  • Sonnenschutzcremes schützen vor Sonnenbrand, aber nicht unbedingt vor den schädlichen UV-A Strahlen. Erst seit kurzem gibt es überhaupt eine verlässliche Methode zur Messung des UVA-Schutzes.

Besser einmal dick eincremen, als mehrmals nachcremen (Empfehlenswerter Naturkosmetik-Sonnenschutz: Lavera).

Aber die UV-Strahlen sind nicht grundsätzlich zu verdammen. UV-B-Strahlen bringen Energie und Lebensfreude, UV-C-Strahlen werden zur Vitamin D Synthese benötigt. Mässig sonnen, der gesunde Mittelweg, wie immer Leben. Eigentlich einfach, oder?

Im Sommer nie „ohne“. Auch an bedeckten Tagen an Sonnenschutz denken!

Eine gute Pflege nach dem Sonnenbad braucht die Haut, denn Sonnencreme hin oder her, Hitze, (Salz-)Wasser… insgesamt wird unser größtes Organ doch ganz schön beansprucht. In vorhergehenden Beiträgen haben wir schon Bodylotionen kennengelernt. Langanhaltend pflegend, feuchtigkeitsspendend und wirklich einfach ist das Tegomulsrezept.

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Ebenfalls wunderbar und auch als Gesichtsreiniger und Erfrischer zu verwenden ist der:

Orangensorbet-Reiniger für heiße Tage

4 EL Orangenblütenwasser

5 Tr. ätherisches Bitterorangenöl

2 TL Ringelblumenblüten

1 Pr. Iriswurzel (wenn zur Hand)

Alle Zutaten in eine hübsche Flasche geben. Die Iriswurzel verlängert die Haltbarkeit, aber Sie können natürlich das Blütenwasser auch immer neu ansetzen

Die Ringelblumen sind hübsch anzusehen und sorgen für die reinigenden Eigenschaften.

Mit einem Wattebausch auftragen, im Sommer als Erfrischung den ganzen Tag über verwendbar (evtl. ohne Blüten in Zerstäuber umfüllen).

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Wer seine möglicher Weise im Urlaub hart verdiente Sonnenbräune erhalten will und die Haut erstrahlen lassen möchte, rührt sich nach dem Sonnenbad ein:

Papayabalsam

1 Papaya

1 El Kakaobutter

Das Papayafruchtfleisch mit einer Gabel zerdrücken. Die Kakaobutter vorsichtig erwärmen (im Wasserbad, oder auf einem Löffel), nicht flüssig, nur weich werden lassen. Beides mischen und gut durchrühren. Sofort verwenden, wenn es die richtige Konsistenz hat. Leider nicht haltbar, aber wirklich ein „Hautwunder“. Gut auch für bereits „schälende“ Partien. Nach dem Auftragen vorsichtig abduschen.

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Wilde Küche, das ist kreativ, unkonventionell, hier und da aus Garten und Wald gepflückt, nicht immer Haute Cuisine, aber immer lecker…

Wilde Küche, das ist auch improvisieren, austauschen, ja… auch mal geschmacklich daneben liegen. Keine Bange, es gibt mit Sicherheit irgendwo auf der Welt jemandem, dems schmeckt… vielleicht ein kleiner Trost.

Lassen Sie sich „wild“ machen. Pündern Sie das herrliche Grün, die berauschenden Aromen. Das das auch noch gesund ist, haben Sie ja schon von mir erfahren. Dieses Wetter, ein lauschiger Balkon, ein Plätzchen am Baggersee und im Picknickkorb Kräutermuffins, vielleicht einen Obstsalat, gesunde Sandwiches (ja die gibts)… raus ins Grüne! Die Natur bietet uns ihre Schätze an. Wir sollten nicht ablehnen.

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Das Saucenrezept

„Rezepte willst du wissen zarter Saucen?

Da musst du Salbei, Minze, Thymian geben,

das Ganze drauf mit Rosmarin beleben,

und Knoblauch wie die Juden im Land Gosen.

Dies alles dann in einen Mörsel stoßen

Vergiss ja nicht den Schlägel oft zu heben!

Gib Lorbeer bei, drei Blätter auch von Rosen.

Auch ein Basilienkraut musst du zerdrücken.

Gut ist ein Pfefferkorn, auch Kräutersäfte.

Und spare nicht an ein paar Nelkensütcken.

Die Butterblume gibt dem Seim die Kräfte.

Hast du gar Ingwer, wird´s besonders glücken.

Zerbrösle dann zwei, drei, vier Zimmetschäfte.

Zu all dem Kraut ist Essig sehr ersprießlich

Nimm ihn nur scharf, sonst ist er recht verdrießlich.“

Antonio Pucci (14 Jh., Florenz)

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Die ersten richtigen Sommertage machen Lust auf Garten und Kräuter! Nichts wie ran! Endlich haben wir Aroma in den Pflanzen. Wir können Essige, Sirupe, Kräuteröle ansetzen.

Sie haben noch keine Idee? Wie wäre es damit:

Kräutermuffins

Die ofenwarmen Gaumenstreichler

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1 großes Bund Basilikum (oder auch Bärlauch! Lecker!)

½ Bund Oregano (od. 2 Tl getr. Oregano)

½ Bund Thymian (od 2 Tl getr. Thymian)

4 getr. Tomaten in Öl

1 kleine Chilischote, grob zerstoßen

150 g Ziegenfrischkäse

Salz / langer Pfeffer

50 g Parmesan

170 g Mehl

2 ½ Tl Backpulver

½ Tl Natron

etwas Muskatnuss

½ Tl Zucker

75 g weiche Butter

2 Eier

250 ml Buttermilch

Ein Muffinblech fetten und bis zur Teigfertigstellung ins Tiefkühlfach stellen. (Falls kein Muffinblech vorhanden, immer zwei Muffinförmchen ineinanderstellen).

Kräuter waschen und trocknen. Die Basilikumblätter in feine Streifen schneiden. Die übrigen Kräuter fein schneiden. Die abgetropften Tomaten in kleine Würfel schneiden.

Die Tomatenwürfelchen mit der Hälfte des Basilikums, dem geschroteten Chili und dem Frischkäse vermengen.

Parmesan, Mehl, Backpulver Natron, 1 Tl Salz, eine Prise Muskat und den Zucker mischen.

Butter mit Eiern schaumig rühren, die Buttermilch und die restlichen Kräuter dazutun, zuletzt die Mehlmischung unterrühren.

Die Hälfte des Teiges in die Förmchen geben. Je 1 Tl Frischkäsemischung in die Mitte jedes Förmchens klecksen. Mit dem restlichen Teig auffüllen.

Im vorgeheizten Backofen bei 175 Grad (Umluft 160 Grad) 20-25 min backen. 10 min auskühlen lassen, dann aus dem Blech nehmen. Schmeckt am besten warm!

Auch Rosenessig kann man jetzt herstellen – äußerst delikat, aber auch zur Körper- und Gesundheitspflege

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Für Süßschnäbel der Abschluss:

Feennester

Holundernudeln mit Ingwerknusperchen

Teig:

2 Holunderblütendolden

100 ml Weißwein

200 g Mehl

100 g Kamut – Mehl

2 Eier

Salz

Knusperchen:

20 g Ingwer

75 g Butter

75 g Semmelbrösel

120 g Zucker

Die Holunderblüten 30 min im Wein ziehen lassen. 4 El davon unter das Mehl mischen (ein paar verbleibende Blütenblätter schaden nicht). Die Teigzutaten gut verkneten und zu einer Kugel formen, mit etwas Mehl bestreuen, in Folie wickeln und etwa 30 min ruhen lassen.

Danach nochmals kneten, dünn ausrollen (oder die Nudelmaschine benutzten) und zu Bandnudeln schneiden. In kochendem, gesalzenen Wasser 5 – 7 min garen.

Den Ingwer schälen und fein raspeln. Die Butter erhitzen und die Semmelbrösel leicht anrösten. Ingwer und Zucker beifügen und leicht karamellisieren lassen.  Auf die angerichteten Nudeln streuen

Varianten:

Man kann auch Ananassalbei nehmen, der dann allerdings nach dem Ziehen im Wein zwischen zwei Nudelteigplatten gelegt wird. Die Bandnudeln werden jetzt etwas breiter, weil zwischen den Blättern geschnitten wird.

Auch Waldmeister eignet sich. Der darf allerdings nur 15 min. im Wein ziehen.

Als pikante Variation (ohne Knusperchen und Wein) kann man auch herrliche Bandnudeln mit Kerbel herstellen.

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Das ist Sommer, oder? Konnte ich Sie „wild“ machen?

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Die Frage sollte oft eher lauten: Will man das essen?

Auf meinen Wanderungen fragen die Teilnehmer immer, wie der Tee des aktuellen Kräutleins dosiert werden muss. Das ist ganz einfach, in der Regel in der Standarddosis und das ist seit Urzeiten eine Prise (was man zwischen drei Finger bekommt) auf eine Tasse, dreimal täglich. Diese Art der Zubereitung haben wir noch von den Kelten und sie hat einen nicht zu übersehenden kultischen Hauch, einen magischen Hintergund (STORL; 2000).

Die Dosis passt auf alles, was wir verwenden. Mit Betonung auf: Was WIR verwenden. Natürlich gibt es Kräuter, die maßvoller genutzt werden sollten. Aber die sogenannten „Mite-Kräuter„, also sanfte, nahezu nebenwirkungsfreie Kräuter wie Kamille und Pfefferminz können problemlos Dosierungsabweichungen von 300 % haben, ohne das was passiert. Versuchen Sie das mal mit herkömmlicher Arznei.

Ich halte nichts von standardisierter Arznei, schließlich haben wir keine standardisierten Menschen. Aber allein diese Diskussion würde diesen Blog sprengen.

Die nächste Frage, die meist kommt: Also erst trocknen, dann eine Prise?

Nein, mitnichten! Getrocknet werden Kräuter nur für den Vorrat! Frisch ist besser, oder trocknen Sie Ihren Salat vorm Essen? Beim Trocknungsprozess geht viel verloren, Aroma und Wirkstoffe. Über ein Jahr verschwinden etwa 30 %. Darum kann es gut sein, dass der FRISCHE Kräutertee aus Ihrem Garten dem Arzneitee überlegen ist, obwohl das Pflänzlein nicht in optimaler Lage im Süden gezogen wurde.

Melisse verträgt das Trocknen sehr schlecht. Probieren Sie den Unterschied einmal aus!

Noch größer werden die Augen, wenn ich das Kraut an Ort und Stelle einfach pur esse… da müsse man doch einen Tee draus machen. Nein – müssen Sie nicht. Ganz optimal wäre wirklich das frische Kraut. Denken Sie wieder an das Salatbeispiel. Die Hitze ist nun mal nachteilig für ätherische Öle und Vitamine.

Darum essen Sie die gut Essbaren lieber. Öfter mal ein Blättchen Spitzwegerich oder Löwenzahn beim Spazierengehen oder Unkrautjäten ist sehr gesund! Spitzwegerich ist ohnehin heikel zu trocknen. Entweder braucht er lange und verdirbt dabei leicht, oder er hat einen ihm eigenen wichtigen Wirkstoff verloren. Der erhält sich nur bei schneller Trocknung. Spitzwegerich also im Erdkammersirup verwenden, trocknen, wenn man geeignete Apparaturen dafür hat, oder eben aus der Apotheke holen.

Bei aller Liebe, auch wenn in Ihrer Brust ein Kräuterhexenherz schlägt, es ist absolut in Ordnung und oft auch anzuraten, ein Kraut aus der Apotheke zu holen. Wenn Sie sich bei der Identifizierung nicht sicher sind, oder keine unbelasteten Sammelgründe finden, sollte das obligat sein.

„Du spielst mit dem Feuer“, sagte mir neulich eine Freundin. Da musste ich erst einmal lange drüber nachdenken. Aber Sie hat Recht. Natürlich kann man auch gegen jedes Kräutlein eine Allergie entwickeln und manch einer mag mir die Schuld geben. Man kann sie falsch dosieren und anwenden, oder täglich über Jahre trinken… Ich weise zwar immer darauf hin, dass die Kräuter (auch Pfefferminztee) sich nicht als Haustee eignen (mit wenigen Ausnahmen), aber weiß das einer nach Jahren noch?

Auf einer Wanderung entdeckte eine Teilnehmerin den giftigen Hahnenfuss und kam freundesstrahlend damit an. Sie hätten den als Kinder schon immer gesammelt und Tee draus gemacht. Ich wies auf seine Giftigkeit hin und dachte, die Angelegenheit wäre erledigt. Wieder kam die Teilnehmerin auf mich zu und beharrte darauf, dass diese Pflanze als „Butterblume“ in der Familie zu Tee aufgebrüht wurde.

Nun gut, „Butterblume“ mag sein. Im Volksmund wurde viel so benannt. Und tatsächlich ist nicht jede giftige Pflanze gleich tödlich. Und wir sind nicht standardisiert: Manch einer verträgt mehr als der andere.  Einige sind eben schwach giftig und verursachen bei Menschen vielleicht nur eine leichte Übelkeit. Wie auch immer. Ich beharrte darauf, dass der Hahnenfuss giftig und nicht zu verwerten sei, sie bestand darauf, dass er verzehrbar wäre. Etwas ungehalten sagte ich dann: Für „Erbensuppe“ vielleicht. Wie bitte – „Erbensuppe“? Wieso Erbensuppe? Naja, die servier ich dem, den ich beerben will…

Ja, ich spielte mit dem Feuer. Ich bemerkte erst etwas später, dass einige fleißig mitschrieben und eine Teilnehmerin sogar fragte: „Kann man das nachweisen?“ Mannomann… ich hab mich reizen lassen. Eilig sagte ich: „Ja, das ist leicht nachzuweisen!“ Obwohl ich das definitiv nicht weiß. Ich glaube sogar, dass dieser kleine Hahnenfuss, den wir da hatten, nicht mehr als übles Erbrechen und Magenkrämpfe auslöst, aber egal. Ich wußte NICHT, ob die Teilnehmerin aus reinem Interesse, Spaß, oder mit ernstem Hintergrund fragte…

Um es noch einmal deutlich zu machen: Ich denke heutzutage kann man fast alles nachweisen. Was meiner Meinung nach unter die Rubrik „fast“ fällt, werde ich nicht kundtun. Wenn man allerdings einmal erlebt hat, wie schnell und leicht ein Totenschein ausgefüllt wird, ahnt man, das Serien wie „CSI“ in Deutschland noch reine Fiktion sind. Es sei denn, man hat ein prominentes Opfer oder ein Schlachtfeld hinterlassen.

Große Güte… in was für Themen man doch rutschen kann!

Wenden wir uns von den schweren Zwischenfällen ab, die passieren könnten. Wenn die unter meiner Kräuterführung auftreten sollten, könnte ich den Job an den Nagel hängen, den mir die Staatsanwaltschaft für fahrlässige Tötung oder Körperverletzung in der Zelle bereit halten würde. Darum werde ich potentiell gefährliche Kräuter auch nie besprechen. Nur so weit, dass man sie erkennt und meidet. Auf Wirkung und Nachweisbarkeit werde ich mit Sicherheit nicht eingehen. Mit so einer Intention brauchen Sie mich nicht zu kontaktieren…

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Aber sogar mit den gängigen Kräutlein kann man viel erleben. Mein Tipp: stecken Sie nicht gleich alles in den Mund. Ich habe vor ein paar Jahren mal die Parakresse angepflanzt. Aus Neugier. Ich hatte eine kleine Handvoll Rezepte mit diesem Würzkräutlein, dass die Eingeborenen auch gegen Zahnschmerz verwenden. Die Kresse sollte ähnlich wie normale zu verwenden sein. Das Pflänzlein sah niedlich aus, die Blüten wie kleine dicke Hummeln. Da ich nicht unbedingt so auf „scharf“ stehe, bot ich meinem Mann eine Blüte an. Wenn Sie Wert auf Ihre Ehe legen, sollten Sie so etwas lieber nicht tun. Mein Mann, die gute Seele, nahm also eine Blüte und kaute…

„memee zunme iga tub….“

„Wie bitte?“

mmme zujng i taaaaaaaaaabbbb!“

Himmel! Ja, ich sah es! Der gestammelte Schrei hieß: „Meine Zunge ist ganz taub!“ Der gesamte Mundraum meines Göttergatten war betäubt (gegen Zahnschmerz – aha!), die Zunge hing raus, wie bei diesem Jar Jar Binks, dieser komischen kleinen Figur aus den Star Wars Filmen (nachdem sie am Auspuff geleckt hat) und der Speichel floss unaufhaltsam.

Dem Gestammel entnahm ich, dass er mittlerweile gar nichts mehr spürte… und ich, ich muss es zu meiner Schande gestehen, krümmte mich vor Lachen, ob dieses abstrusen Anblickes. Er tat mir aufrichtig leid, wirklich, aufrichtig, aber der Anblick…

Meine Familie ist seit der Zeit etwas zögerlicher, wenn ich gekocht habe…

Sie sehen, wenn Sie schon mit neuen Kräutern experimentieren, auch mit eindeutig harmlosen, seien Sie selbst die Versuchsperson. Aktionen dieser Art hält kaum eine Ehe aus. Mein Mann hatte glücklicher Weise genug Vertrauen, dass er keine Angst bei der Reaktion hatte. Es hätte aber auch anders kommen können und ja – er probiert auch heute noch, wenn ich ihm was Neues anbiete. Die betäubende, speicheltreibende Wirkung ließ nach einer halben Stunde nach. Er hat, wie gesagt, nur eine Blüte genommen. Die Parakresse ist immer noch als Gewürzkraut zu haben. Gering dosiert oder im Gemisch mag die Wirkung eine andere sein. Wir haben es nicht mehr ausprobiert. Machen Sie das jetzt auch nicht aus Spaß nach. Die Reaktion kann schon beängstigend sein, wenn man nicht mit etwas Bösem rechnet.

Wenn Sie ein taugliches Rezept mit der Kresse haben, lassen Sie es mich gern wissen. Es interessiert mich schon. Allerdings sind mir die Freiwilligen ausgegangen. Jetzt dämmert mir allmählich, warum mein Mann angefangen hat, uns zu bekochen…

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Obwohl man Salben und Balsame auch „leicht“ dosieren kann und sie damit als sommerliche Pflege tauglich sind (z. B. auf die feuchte Haut auftragen, mit etwas Wasser in der Hand vermischen, hauchdünn benutzen), gefällt manch einem eine typische leichte Lotion während der heißen Tage besser.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, so eine Lotion oder Milch herzustellen.

Die wirklich Einfachste und sehr Erfrischende ist:

Badeöl
Pflege – Öl der Wahl
einige Kräuter oder äth. Öle

Als Kräuterzusatz empfehle ich Rosmarin. Auf der duschfeuchten Haut ein wenig dieses Öls auftragen, eventuell noch mal ganz kurz (wirklich kurz) lauwarm überduschen. Durch den Rosmarin entsteht ein frisches, leichtes, sommerliches Hautgefühl, man ist sofort wach und munter. Wunderbar fürs morgendliche Duschen vor einem aktiven Tag.

Körperfluids

Sie können auch einen Schritt weitergehen, und einen wässrigen Anteil  in das Öl bringen. Im Badeöl bringen wir ihn einfach durch manuelles Mischen unter der Dusche ein. Die Haut ist feucht und warm und nimmt das Öl gut auf. Im Fluid geben wir den wässrigen Anteil einfach in die Flasche, müssen aber auch hier manuell Mischen (schütteln!), da wir keinen Emulgator benutzen. Für sommerliche Hautöle nehme ich meist Jojobaöl, da es sehr haltbar ist und von sich aus schon Lichtschutzfaktor 4 hat.

Körperfluid

60 ml Öl

30 ml Hydrolat (Rosenwasser, Hamamelis – schön für würzige, männliche Düfte, oder ein anderes Kräuterwasser)

20 Tropfen äth. Öl nach Belieben (auch hier wieder erfrischend: Rosmarin, evtl. Minze)

Einfach mischen und vor dem Anwenden schütteln. Da wir hier mit Wasserbestandteilen aber ohne Konservierung arbeiten, nicht zu lange aufheben!

Mehr Pflegestoffe, als ein einer Parfümerie...

Sie haben es doch lieber dick? Kein Problem: Dann rühren Sie eine klassische Lotion. Der Besuch beim Kosmetikzubehörhandel ist da aber obligat.

Körperlotion

3 El Kräuter

20 ml Öl

4 g Tegomuls (Apotheke, Kosmetikhandel)

20 Tr. äth. Öle nach Wahl (z. B. Lavendel, Myrrhe)

Brühen Sie aus den Kräutern einen Tee. Am besten mit destilliertem Wasser, das erhöht die Haltbarkeit. Wenn Sie nichts im Haus haben, plündern Sie den Vorgarten und nehmen z. B. Gänseblümchen, Rosen und wer hat, auch die wunderbaren Ringelblumen. Lassen Sie den Tee 10 Minuten ziehen und auf  etwa 70 Grad abkühlen.

Nun auch das Öl-Tegomulsgemisch auf 70 Grad erwärmen und zusammen mit dem Tee in ein verschließbares Gefäss geben. Dann schütteln, alles zusammen. Eine Minute sollten Sie schon durchhalten. Wenn die Masse klumpt, noch etwas Tee nachgeben. Nach dem Abkühlen die äth. Öle hinzugeben

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Oft werde ich gefragt, was das Beste für die Haut ist. Ich sage schlicht: Mayonnaise. Ja genau, eigentlich die Mayonnaise. Allerdings würde die aus dem Lebensmittelregal etwas seltsam auf der Haut riechen. Aber genau in diesem Prinzip machen wir die nächste Körperlotion. Erinnern Sie sich bitte kurz zurück, an den Kochunterricht in der Schule: Bei der Herstellung von Mayonnaise ist Fingerspitzengefühl erforderlich:

Körperlotion – gerührt, nicht geschüttelt

6 g Kokosfett

2 g Bienenwachs

30 g Jojobaöl

60 ml Kräuterhydrolat

13 magische Tropfen äth. Öl

Erwärmen Sie die Fette auf etwa 70 Grad (Bienenwachs schmilzt erst ab 60 Grad). Parallel dazu das Blütenwasser auf die gleiche Temperatur. Nehmen Sie ihren schnellsten Rührer und geben Sie nun, wie beim Maynonnaiserühren, das Wasser Tröpfchen für Tröpfchen, ständig rührend, in die Ölmischung. Sie müssen so lange „rührend“ bleiben, bis die Masse lauwarm ist. Nun können Sie auch die äth. Öle zugeben.

Kokosfett hat einen Lichtschutzfaktor von 2, Jojobaöl, wie schon erwähnt, 4. Kokosfett zieht leicht ein und kühlt ein wenig. Nehmen Sie ein frisches Blütenwasser, für den Sommer je nach Geschmack, Rosenwasser, Lavendel, vielleicht aber auch Orangenblüte? Kreieren Sie Ihren eigenen Sommertraum!


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Sicherlich hat sich jeder schon mal mit guten und schlechten Pflanzennachbarschaften befasst, aber das es schlechte und gute Nachbarn auch im Kräuterreich gibt, ist noch relativ unbekannt. Wenn bei Ihnen das eine oder andere Pflänzlein gar nicht so recht will, schaun Sie doch mal, ob Sie nicht eine Zwangsehe arrangiert haben:

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Pflanzengemeinschaften

Viele Pflanzen fördern sich gegenseitig. Eine Faustregel besagt, dass alles, was auch auf dem Teller zusammenpasst und gut schmeckt, auch zusammen wachsen kann. Trotzdem hier noch ein paar Kräuterhexentipps:

Baldrian ist ein wunderbarer Helfer. Neben Gemüse gepflanzt, beschleunigt er das Wachstum und regt die Aktivität der Regenwürmer an (scheinbar wirkt der Baldrian auf Würmer anders als auf Menschen).

Basilikum schmeckt nicht nur zu Tomaten wunderbar, sondern fördert auch deren Wachstum. Was ihn nicht davon abhält, bei Gurken die Fruchtbarkeit zu fördern und frühen Mehltaubefall zu verhindern.

Bohnenkraut zu Bohnen ist schon ein Klassiker. Es hält Läuse fern.

Borretsch, der Seelentröster, tröstet auch Zucchini. Vielleicht weil sie genau soviel Wasser in sich tragen, wie sensible Seelchen…

Die Brennnessel wirkt sich auf Aromapflanzen positiv aus. Neben Minzen sollte sie nicht fehlen.

Dill fördert das Wachstum seiner Pflanzenschwestern Karotte, Kohl, Petersilie, Schnittlauch und Zwiebel.

Kapuzinerkresse, die Pflanze und Mensch mit ihrem Anblick und auch natürlichem Antibiotika erfreut, wohnt gern auf Baumscheiben, weil sie damit die Blattläuse auf sich zieht. Das freut den Baum. Ameisen mögen die Kresse auch nicht…

Die vielseitige, mütterliche Kamille fördert Kohl, Kartoffeln, Sellerie und Lauch. Und damit nicht genug: Als Kamillentee kräftigt sie die Kulturen und gibt eine wunderbare Samenbeize für Erbsen, Bohnen, Kohl und Radieschen.

Kerbel sollte ein Plätzchen in unserem Speiseplan und zwischen Salaten bekommen. Im Gegensatz zu uns mögen ihn Schnecken und Läuse nämlich gar nicht.

Die Kresse liebt Radieschen. Ob das auf Gegenseitigkeit beruht, entzieht sich meiner Kenntnis… scharf zu scharf gesellt sich gern.

Kümmel ist die optimale Randbepflanzung bei Gurken, Kartoffeln, Kohl und roten Rüben. Dort macht er das, was wir Frauen oft bei unseren Männern machen: Er verbessert den Geschmack.

Die richtige Nachbarschaft ist auch im Blumenbeet ein wichtiger Faktor

Die Wohn- und Lebensgemeinschaft Lavendel/Rose ist auch schon ein Klassiker. Gemeinsam halten sie ihren Duft und sich Läuse fern.

Liebstöckel erweckt nicht nur bei den Menschen die Liebe wieder, sondern fördert Estragon im Wachstum (wobei sich der liebe Estragon gleich revanchiert).

Löwenzahn liebt Rasen. Ja, ich weiß, gegen die Verbindung haben Sie was. Aber vielleicht kann man sich doch arrangieren. Immerhin lockert der Löwenzahn als Tiefwurzler dem Rasen den Boden. Er holt auch die ausgeschwemmten Nährstoffe wieder zurück in die oberen Schichten. Und wenn fleissig gemäht wird, macht er sich eh ganz, ganz klein. Wenn Sie nicht unbedingt passionierter Golfer sind, können Sie sich vielleicht doch zum Asyl für die Pusteblume entscheiden. Das ist doch ein Pappenstiel! (ja, da kommt er tatsächlich her, der Begriff. Der Pappenstiel ist der von den Samenständen freigeblasene Stängel des Löwenzahns). Wenn Sie sich dann noch vor Augen führen, dass die Makrobiotiker den Löwenzahn vom Gesundheitswert her, dem Ginseng gleichsetzen…

Außerdem lieben kleine Regenwürmer den Löwenzahn. Und auf Regenwurmkinderstuben mögen kluge Gärtner nicht verzichten.

Pfefferminze, die sich selbst gern von der Brennnessel verwöhnen lässt, ist selbst gut zu Karotten, Kartoffeln, Salat und Tomaten.

Ringelblumen mögen keine Nematoden, was auf Gegenseitigkeit beruht. Und sie sehen überall im Garten hübsch aus. Solange bis sie uns als beste Zutat für Salben oder Tee dienen.

Rosmarin liebt Salbei. Nun ja, die lieben es ja beide sonnig…

Der Salbei ist nicht monogam, der verträgt sich außer mit Rosmarin auch sehr gut mit Bohnen, Fenchel, Erbsen, Karotten und Kohl.

Die Schafgarbe wirkt heilsam auf kränkliche Pflanzen und wachstumsfördernd auf junge Setzlinge.

Tagetes hemmen Nematoden. Wenn man sich auf die fruchtigen, essbaren Sorten verlegt, dann darf die eine oder andere auch in den Topf wandern.

Thymian, der uns bei Viren und Bakterien hilft, kümmert sich um seine Pflanzengeschwister indem er Kohlweißlinge und Läuse abwehrt.

Der Wermut ist ein brummiger Einsiedler. Er verträgt sich mit (fast) gar keinem. Einzig die Johannisbeere hat Mitleid. Dafür schützt er sie vor Säulenrost.

Zitronenmelisse lebt im Zickenkrieg mit der Goldmelisse… die beiden sollten nicht zusammenkommen.

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Auf dem Beet ist´s wie im richtigen Leben: Wenn die Nachbarschaft stimmt, blüht man auf!

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Gerade hab ich entspannt auf meinem Gartenbett ein Päuschen gemacht. Die leichte Brise, die uns Nordlichtern ja glücklicher Weise immer um die Nase weht, sandte dabei den berauschenden Duft des falschen Jamins (Pfeifenstrauch) zu mir herüber. Natürlich hab ich diese Mittagspause überaus genossen. „Man müsste diesen Duft konservieren können“, dachte ich mir.

Gute Nachricht: Man kann!

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Jasminblütensirup

2 kg Zucker

3 l Wasser

3 Zitronen, in Scheiben geschnitten,

60 g Zitronensäure

250 g Jasminblüten

Zucker und Wasser aufkochen, dann die Zitronenscheiben dazugeben und alles abkühlen lassen. Dann die Zitronensäure und die Blüten einrühren und zugedeckt kühl eine Woche ausziehen lassen. Abseihen, auf Flaschen ziehen und kühl aufbewahren!

Was man damit machen kann?

Getränke verfeinern, Mineralwasser, Prosecco, Wein…

Eis veredeln… Quarkspeisen, Kuchen… da wird Ihnen schon noch etwas einfallen!

Guten Appetit!

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