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Archive for Oktober 2010

Dieses Thema ist jetzt mal völlig losgelöst von Kräuter und Co.

Gerade wieder heiß diskutiert: Der Mindestlohn. Ich bin ja in meinem Brotberuf ab und an auch mal auf der Arbeitgeberseite tätig, habe auch oft genug als Arbeitnehmer gedient. Ich kenne also beide Seiten. Ob uns der Mindestlohn allerdings aus der Krise holt, wage ich zu bezweifeln.

Keine Frage: Es gibt Löhne, die sind geradezu menschenverachtend. Ich bin durchs Steuerfach meist bei freiberuflichen Arbeitgebern gewesen, die zahlen ohnehin keine Tarife, oder ich hatte „nette“ Chefs, die sich aus der Tarifbindung freigekauft hatten. Ich gehörte so oder so nicht zu den tarifverwöhnten Arbeitnehmern und auch den Luxus, für die Durchsetzung besserer Arbeitsbedingungen zu streiken, gibts in meinem Brotberuf nicht. Ich gebe zu, dass ich da ab und an schon ein wenig neidisch auf die durch Gewerkschaften vertretenen Arbeitnehmergruppen schielte. Aber so wie mir geht es vielen, sei es der Bäckereifachverkäuferin, der Floristin, oder der Friseurin… ich glaube die meisten sind wirklich froh, irgendwo einen Job zu haben.

Auf der anderen Seite hatte ich als Arbeitgeberin auch schon Arbeitnehmer. Hier musste ich bereits Mindestlohn zahlen. Im Prinzip spricht da nichts gegen, aber da kollidiert die Theorie mit der Praxis. Es gab in der Branche eine Menge schwarzer Schafe, die eben KEINE Mindestlöhne zahlten, auch viele Schwarzarbeiter hatten und so jegliche Ausschreibung „gewannen“. Aufträge kann ein ehrliches Handwerk so nahezu vergessen, jedenfalls so lange, wie es der Gesetzgeber nicht schafft, die schwarzen Schafe vom Markt zu holen. Leider ist meist das Gegenteil der Fall: Die öffentliche Hand vergibt ihre Aufträge dem „Preiswertesten“, der nun mal nicht immer der Ehrlichste ist.

 

Wenn ich da an den Handwerkermeister ums Eck denk, der mal grad ein, zwei Gesellen beschäftigen kann, der dürfte mit Mindestlöhnen auch in die Bredouille kommen. Er kürzlich klagte mir ein Drucker (ein Ein-Mann-Betrieb), dass er beinahe in Konkurs ging, weil das Arbeitsamt seinem Gesellen eine Existensgründung finanzierte, dieser damit die Preise am Markt weit nach unten trieb und die auf sich gestellten Ein-Mann-Druckereien nach und nach die Pforten schließen mussten.

Nach Ablauf der Bezuschussung  des Arbeitsamtes konnte aber auch der Existenzgründer sein Unternehmen nicht mehr halten. Somit hat eine eigentlich gut gemeinte Maßnahme mehrere Existenzen gekostet.

Aber auch von Arbeitnehmerseite ist das oft nicht gewollt. Glauben Sie nicht? Ich erlebe das immer wieder. Für einen Kunden suche ich händeringend Personal (Gastronomie). Seit drei Monaten z. B. einen Koch. Wenn Sie mal beim Arbeitsamt nachfragen, werden Ihnen viele arbeitssuchende Köche aufgelistet. Wenn von denen tatsächlich einer zum Gespräch erscheint und die Frage nach dem Arbeitslohn auf den Tisch kommt, so wird dreist verlangt, dass der Lohn schwarz gezahlt wird, damit nebenbei auch noch Hartz IV abgegriffen werden kann… Wirklich offiziell richtiges Geld verdienen mochte bisher noch keiner…

 

Wer sich ein bisschen mit kaufmännischen Grundsätzen auskennt, der weiß, dass eine Gastronomie sich Schwarzzahlungen gar nicht erlauben kann. Damit meine ich nicht mal irgendwelche Strafen im Falle der Aufdeckung. Aber jeder „schwarze“ Arbeitnehmer ist nicht versichert. Berufsunfälle im gastronomischen Bereich sind nicht gerade selten. Außerdem muss der Unternehmer Schwarzgeld aus der eigenen Tasche zahlen. Er kann es nicht „absetzen“ und kommt mit so einer Vereinbarung sogar oft noch schlechter davon, als würde er die Löhne regulär bezahlen.

Nun, glauben Sie es, oder nicht, hier bei uns oben scheint es keine Köche zu geben…

 

Ich bin absolut dafür, dass wir alle, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer anständig verdienen. Bei vielen Arbeitgebern ist leider noch nicht angekommen, dass nur ein zufriedener Arbeitnehmer auch ein guter Arbeitnehmer ist. Aber auch bei viele Arbeitnehmer verstehen einfach nicht, dass manch ein Chef einfach nicht mehr zahlen kann… manch ein Unternehmen steht selbst am Rande der Betriebsaufgabe. Und die kriegen keinen Zuschuss vom Staat wie die Banken oder seiner Zeit die Holzmann Gruppe.

 

Ich will damit nur sagen: Mit dem Knüppel geht gar nichts. Für viele Arbeitgeber würde der Mindestlohn zur Geschäftsaufgabe führen. Und die, die sich eine Mindestlohnzahlung leisten könnten, stellen mittlerweile nur noch ungelerntes Personal mit Zeitarbeitsverträgen ein, oder bemühen gleich einen Subunternehmer, der nun seinerseits den „Mindestlohn-Schwarzen-Peter“ hat. Denn so gerecht ein Mindestlohn für den Arbeitnehmer auch wäre, wer soll ihn denn bezahlen?

Größe Konzerne lassen doch schon lange im Ausland arbeiten.

Ich fürchte, dieses Problem kann nicht über Mindestlöhne gelöst werden. Wer sich die nicht leisten kann, gibt auf oder setzt auf Schwarzarbeit. Andere scheren sich einfach nicht darum. Wenn die Behörden dann nachfragen, wird mit Massenentlassung gedroht und schon ist Ruhe… ja, das habe ich wirklich so erlebt. Auch ein Grund, warum ich der Welt der Zahlen den Rücken gekehrt habe und lieber eigenverantwortlich, aber ehrlich einen bescheidenen Neustart wagte.

Insgesamt, so behaupte ich einfach aufgrund meiner bereits länger andauernden Existenz auf diesem Planeten, ist unsere Wirtschaft auf einem schlechten Weg. Tja, hätte ich da eine Patentlösung, würde ich mich für den Kanzlerposten bewerben, hab ich leider nicht. Vielleicht sollten die Regierenden das Geld einfach mal auf innovative Firmenkonzepte setzen und nicht irgendwelchen Bankmanagern nachschmeissen. Dieses Aufstacheln von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gegeneinander durch solche Diskussionen wie Mindestlohn lenkt ja nur von den Fehlleistungen unserer Führenden ab. Wie man sieht, sehr erfolgreich.

 

Ich wünsche mir, dass Unternehmer und Arbeitnehmer wieder aufeinander zugehen können. Das gilt für den Selbständigen, der seinen Mitarbeiter schätzt und ausreichend honoriert genauso, wie für den Mitarbeiter, der in dem Chef nicht immer nur den Blutsauger sieht (zugegeben, davon gibts heutzutage leider sehr viele). Wenn wir das schaffen könnten, dann könnte man zusammen mal der Führungsriege in Berlin ein wenig Feuer unterm Hintern machen.

Tja, so gehöre ich auch zu denen, die ihren Senf dazu geben, aber keine Lösung parat haben. Trotzdem musste ich das mal loswerden. Genaugenommen müssen wir alle an einem Strang ziehen. Die Leute sind ja nur so erbost, weil unsere Politiker oder die Manager mancher Unternehmen das eben NICHT tun und dicke Taschen haben – unverdient… ich hätte kein Problem mit dem Kürzertreten, aber nur, wenns wirklich für alle gilt. Und Mindestlohn gern, dann aber für alle – auch für den kleinen Unternehmer, wo es dann wohl eher Mindestgewinn heißen müsste…

Ideen zur Realisierung des Ganzen nehm ich gern entgegen. Vielleicht können wir ja doch was auf die Beine stellen. Wenn wir was erreichen wollen, dann müssen wir zusammenarbeiten. Das gilt für BEIDE Seiten, dass kann man gar nicht oft genug betonen.

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Eigentlich wollte ich mich nicht mit Hildegard von Bingen befassen. Das hat nichts mit ihr persönlich zu tun, mir ging nur irgendwie der „Hildegard-Hype“ auf die Nerven. Sie hat für das Verfassen ihres ersten Werkes etwa zehn Jahre gebraucht und heutzutage kann man mit Hildegard-Büchern nahezu eine Bibliothek füllen, da stimmt doch was nicht…

Auch wenn  mir so manches Kräuterrezept unterkam, das angeblich aus der „Hildegard-Medizin“ stammte, musste ich schlucken. Teilweise wirklich übler Humbug.

Ich gebe also zu: Ich war ihr nicht sonderlich gesonnen. Hinzu kommt wahrscheinlich auch, dass sie als Nonne absoluten Kirchengehorsam zeigte, was mir auch nicht behagt.

 

Nun hatte meine Tochter als Hausaufgabe, eine Biografie einer berühmten Persönlichkeit zu schreiben, die als Vorbild dienen konnte. Was haben wir überlegt… eine Frau sollte es schon sein, weil die definitiv unterrepräsentiert sind. Politisch? Wissenschaftlich?

 

Ich weiß nicht warum, aber ich kam auf Hildegard von Bingen. Immerhin rechnete ich ihr hoch an, dass sie ihre Visionen und Lehren in den damaligen, frauenfeindlichen Zeiten durchsetzen konnte. Sie hat mit „ihren“ Büchern die Kräuterlehre beeinflusst und mit Sicherheit auch wieder ins Bewußtsein der Menschen gebracht.

 

Also schaute ich mir mit meiner Tochter zusammen den Film an und die Biografie wurde gelesen. Hier lernte ich so viel mehr über Hildegard. Tatsächlich leistete sie einen „gehorsamen Widerstand“ – unglaublich. Sie hat wirklich Ungeheuerliches geleistet. Respekt! Bisher war mir ja nur ihre „Kräuterlehre“ bekannt, die allerdings auch durch mehrfache Revision gegangen ist…

Die Kräuterlehre war tatsächlich nur eine Nebenbeschäftigung. Sie war Mystikerin. Sie wollte den Menschen zu einer gottgefälligen und gesunden Lebensweise bringen, die sich nicht unbedingt mit der Ansicht der Kirche deckte.

Ich war also definitiv beeindruckt und schaute dann doch noch mal tiefer in die Hildegard Bücher. Aber da war er wieder, der Widerstand. Ich hatte den Eindruck, dass die Bücher nicht allzuviel mit dieser bewundernswerten Frau zu tun hatten…

In einem Kochbuch (das sie natürlich nicht geschrieben hat, aber von ihren Lehren abgeleitet wurde), wird Straußenfleisch empfohlen. Ehrlich gesagt, kann ich mir das schwerlich vorstellen, dass Hildegard mal eben visionär über die Kontinente geguckt hat.

In einem ihrer Gesundheitsratgeber warnt sie vor dem Verzehr von Kartoffeln und Tomaten… hmm… hätte Kolumbus das gewußt, hätte er sie 300 Jahre später vielleicht gar nicht mitgebracht, als er sie entdeckte…

Gartenerdbeeren und grüne Bohnen kannte Hildegard ebenfalls noch nicht… wieviel Hildegard steckt also in „ihren“ Büchern?

Kurzum: es scheint viel in den Büchern zu stehen, was Hildegard  nicht kannte. Auch scheint mir Einiges empfohlen zu werden, was sie selbst nicht empfohlen hätte…

 

Ein Blick auf die Bücherliste bei Amazon zeigt, das nahezu alle Hildegard-Bücher aus einer Feder stammen. Ich habe einige alte Kräuterbücher, aus dem 14. und 15. Jahrhundert, und schon da ist es schwierig, die Rezepturen zu übersetzen. Man darf nicht vergessen, dass es noch keine eindeutige Kategorisierung von Pflanzen gab, und die Übersetzer ernsthafte Schwierigkeiten damit hatten, die alten deutschen Namen den heutigen Pflanzen zuzuordnen. Gehen Sie doch nur mal raus und fragen sie, was eine „Butterblume“ ist. Sie werden einen ganzen Strauß von verschiedenen Gewächsen bekommen…

Erst Carl von Linné, der schwedische Wissenschaftler, hat Pflanzen benannt und eingeordnet. Was viele nicht wissen, Unkraut und unangenehme Pflanzen bekamen oft den lateinisierten Namen eines unangenehmen Zeitgenossen. Linne´fand also einen wunderbaren Weg, Gegnern und Nörglern eins auszuwischen…

Hildegards Werke sind im 12. Jahrhundert entstanden. Das war noch weit entfernt von Buchdruck, Fotokopierer, Kartoffel und Tomate. Folglich wurden wichtige Schriften in „Skriptorien“ handschriftlich kopiert. Das wäre jedenfalls der Idealfall. Leider ging das nicht immer 1:1. Es gab die puren „Abschreiber„, aber auch „Kommentatoren„. D. h., wer ebenfalls Wissen auf diesem Gebiet hatte, durfte ändern und hinzufügen.

Die frühesten, noch erhaltenen Abschriften von Hildegards Büchern sind aber 150 – 200 Jahre älter, als die Originale (die leider verschwunden sind). Man darf annehmen, dass sie doch durch einige Kommentatoren-Hände gegangen sind. Dieses Phänomen lässt sich ja auch heute noch beobachten, denn allein ein „Hildegard-Kochbuch“ dürfte ohne die vermeintlich richtige Weiterführung des hildegardschen Gedankengutes gar nicht entstanden sein. Ob dieses Kochbuch tatsächlich ihrer Lehre entspricht, vermag ich nicht zu beurteilen, dazu hab ich ihre Gesamtlehre noch nicht genug studiert. Ich hoffe jedenfalls, das die Autoren das getan haben. Und auch dann ist es immer noch Interpretationssache.

 

Wer also die Kräuterlehre Hildegards so pur wie möglich studieren möchte, sollte sich vielleicht die „Physica“ vornehmen. Auch dieser Titel ist erst nach hildegardschen Zeiten dafür gefunden wurden. Dieses Werk wurde tatsächlich erst recht spät übersetzt. Man hielt die reine Kräuterlehre für nachrangig. Die mystischen Werke hatten Vorrang. Außerdem muss ein Übersetzer botanisches, geschichtliches und medizinisches Wissen haben, um wirklich zu erfassen, was gemeint war.  Auch arbeiteten die Schreiber mit Abkürzungen, die entschlüsselt werden mussten und um das Maß voll zu machen: Eine unbekannte Sprache wurde ebenfalls verwandt…

Um die echte, pure, Hildegard aus all diesen Informationen herauszufiltern, müssen wir wohl unsere eigenen „Visionen“ bemühen.

 

Hildegard kannte höchstwahrscheinlich die medizinischen Publikationen ihrer Zeit. Sie wird einen Teil der Erkenntnisse (z. B. Dioskurides) übernommen haben. Hinzu kamen eigene Beobachtungen, Schlussfolgerungen und Visionen.

Unwahrscheinlicher scheint es da, das sie eine Art „Signaturenlehre“ vertrat, und so z. B. auf die Verwendung der Alraune (wo die Wurzel ja einem menschlichen Körper ähnelt) für die Körperteile empfiehlt, die der Alrauenwurzel ähneln. Solche Tipps scheinen eher von einem der späteren „Kommentatoren“ zu stammen.

Auch wird in vielen Hildegard-Rezepten von der „Melisse“ gesprochen. „Melissa“ ist Latein für „Biene“. Im damaligen Deutsch war eine Bienenpflanze halt ein „Bienensaug“. Wenn man sich Hildegards Rezepte nun genauer anschaut, dann scheint sie oft eher die Taubnessel, als die echte Melisse gemeint zu haben. Auf die beruhigende Wirkung der Melisse geht Hildegard gar nicht näher ein. Vermutlich haben wir es hier mit einem Übersetzungs- oder Kategorisierungsfehler zu tun.

 

Problematisch ist sicherlich auch, dass der Mensch um die erste Jahrtausendwende ganz anderen Einflüssen ausgesetzt war, als heutzutage. Umwelt- und Gesellschaftsfaktoren der damaligen Zeit weichen stark von unseren ab. Wie gut sind also die Hildegardschen Rezepte für uns heute noch?

Ich empfehle: Schmeissen Sie Ihre Hildegardbücher NICHT weg. Wenn Sie sich ein wenig näher mit ihnen befassen, werden Sie den Geist der ursprünglichen Hildegard entdecken. Schauen Sie ein wenig kritischer, wenn es „magische“ Ratschläge gibt, oder wenn es sich um moderne Erkenntnisse, Gemüse und Pflanzen handelt. Probieren Sie die Rezepte einfach aus. Ihr Körper wird Ihnen sehr schnell sagen, ob es Ihnen gut tut, was Sie da tun. Aber nehmen Sie nicht jede Aussage als 100 %ig feststehende Weisheit an. Es könnte tatsächlich ein Übersetzungs- oder Interpretationsfehler sein. Oder schlicht und ergreifend für heutige Verhältnisse nicht mehr passend. Auch die Krankheiten haben sich geändert. Bleiben Sie flexibel. Auch ein „Kommentator“ muss ja nicht unbedingt etwas Falsches angefügt haben.

Hildegard soll gesagt haben: „Erst muss die Seele gesunden, damit der Körper folgen kann“. Damit ist sie sogar unserer klassischen Schulmedizin voraus gewesen und statuierte etwas, was wir erst langsam wieder begreifen.

Egal ob Sie Gesundheit erlangen oder erhalten wollen: tun Sie Ihrer Seele Gutes! Alles was kränkt macht krank! Überprüfen Sie Ihre Beziehungen, Ihren Job, Ihre Lebensumstände… wenn es nicht passt, können Sie das mit keinem Kraut der Welt ändern (außer vielleicht, wenn Sie eine Lucrezia Borgia sind), sondern nur mit Courage und Entschlossenheit. Dann kann auch Ihr Körper folgen und dem helfen Sie mit Kräutern.

 

Alles Gute!

 

Buchempfehlung: Die „purste“ Hildegard, allerdings nicht so einfach zu lesen und auch nicht zur sofortigen „Verwendung“ aufbereitet:

 

Hildegard von Bingen – Heilkraft der Natur

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Krähenauflauf

für 5 – 6 Personen

6 junge Krähen

340 g Rumpsteak

115 g Butter

0,3 l Geflügelfond

Salz, Pfeffer,

Eigelb

Blätterteig

Enthäuten Sie die Krähen ohne sie vorher zu rupfen, indem Sie die Haut an den Keulen einschneiden und dann über den Körper und den Kopf hinweg abziehen.

Entfernen Sie Hälse und Rückenteile und teilen Sie die Vögel entlang der Brust. Arrangieren Sie die Krähen in einer tiefen Kasserolle und bedecken Sie die Brüste mit dünnen Steakstreifen. Mit Salz und Pfeffer würzen

Butterflocken hinzugeben und mit soviel Geflügelfond aufgießen, bis die Kasserolle zu Dreiviertel gefüllt ist.

Mit Blätterteig bedecken und 1 1/2 bis 2 Stunden backen, die erste halbe Stunde im heißen Ofen, damit der Blätterteig aufgeht. Danach in den kühleren Ofen geben, damit die Krähen gut durchziehen und gar werden.

Wenn der Rock Pie (denn es ist eigentlich ein Pie, kein Auflauf – Rock Pie ist der Originalname) zu 3/4 gebacken ist, mit Eigelb bestreichen. Vor dem Servieren den restlichen Geflügelfond durch ein Loch in der Kruste hinzugeben.

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Na? Da hab ich Sie schon vor Halloween ein wenig geschockt? – Dieses Rezept ist tatsächlich echt, es ist einem Rezeptbuch von 1861 entnommen. Ausgegraben hat das Elke Kößling. Sie finden es zusammen mit „normalen“  Leckereien in ihrem „Gruselkochbuch“
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Das Gruselkochbuch. Grauenhaft gute Gerichte und Geschichten
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Damit bin ich beim Thema: „Halloween“. Leider scheiden sich hier nicht nur die Geister (im wahrsten Wortsinne), nein, das Thema ruft sogar aggressive Reaktionen hervor. Oft kommt die Kritik von kirchlicher Seite, es wird beklagt, dass die Menschen „Allerheiligen“ nicht mehr respektieren oder besinnlich begehen, und sich stattdessen mit diesem „neumodischen Kram“ aus Amerika beschäftigen..

Ich denke  nicht, dass man das so schwarz-weiß sehen kann. Halloween ist kein neumodischer Kram aus Amerika, sondern hat uralte europäische Wurzeln. Früher wollte man mit ausgehöhlten und mit Kerzen bestückten Steckrüben Geister vertreiben, von denen man glaubte, dass sie in der Nacht vor Allerheiligen besonders häufig umgehen und das eifrige Sammeln von Süßigkeiten geht auf einen alten Brauch aus London zurück, wo man an diesem Tage Spenden für die Armen sammelte.

Heute ist Halloween jedoch mehr ein lustiges Spektakel, hauptsächlich für Kinder, geworden. Ist das nun schlecht?

Tatsächlich hab ich da lange drüber gegrübelt. Meine Familie und ich, wir sind bekennende Halloweenfans. Ursprünglich haben wir nur den Kindergeburtstag meines Sohnes als Gruselfest gefeiert. Den Kindern hat es Spaß gemacht. Auch viele Erwachsene stehen ja auf Gruselfilme. Unser jährlicher Gruselkindergeburtstag hat sich schließlich verselbständigt und wird nun jährlich als Halloweenparty gefeiert.

 

Warum gefällt den Menschen das Gruseln? Was ist dran, an der spielerischen Beschäftigung mit solch ernsten Themen wie Tod und Vergänglichkeit?

 

Ich glaube, es ist eine Art, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. In Südamerika sind die Friedhöfe z. B. bunt. Da sieht es aus und geht es zu, wie auf turbulenten Familienfeiern. Die Hinterbliebenen gehen tatsächlich auf die Friedhöfe, nehmen Picknickutensilien mit und feiern mit den Toten. Ein völlig anderer Umgang mit dem Tod. Ist das respektlos? Ich denke nicht. Der Tod gehört zum Leben. Ich finde es eher bedenklich, dass der Tod und auch die Sterbenden aus unserem Alltag und Bewußtsein gedrängt werden, ja, dass die Gesellschaft so tut, als sei sie ewig jung und unsterblich.

Der sterbende Mensch wird ins Krankenhaus abgeschoben (auch in Fällen, wo ein friedliches Abschiednehmen zu Haus möglich gewesen wäre) und die Beerdigung möglichst schnell hinter sich gebracht. Zunehmend geht´s dann unter den „grünen Rasen“, weil man nicht genug Zeit oder Geld hat, oder körperlich zur Grabpflege nicht in der Lage ist, oder weil der Verstorbene seinen Lieben nicht mehr zur Last fallen will. Aber wir können machen was wir wollen, ignorieren, verdrängen, der Tod gehört zu unserem Leben…

 

Also mir ist es lieber, sich zu Lebzeiten dessen bewusst zu werden, auch wenn es spielerisch ist, als es zu verdrängen und zu verleugnen.

 

Wenn Kirchen zunehmend mit Austritten zu kämpfen haben, ist das sicherlich nicht die Schuld des Halloweenspektakels.

 

Das bunte Treiben ist auch nur eine Seite von Halloween. Viele Heiden (Menschen, die einen vorchristlichen Glauben haben – nicht etwa, wie vielfach angenommen, gar keinen) begehen Halloween auch still und in Gedenken an die Verstorbenen. Meist wird ein Gedeck für die Ahnen mit aufgelegt. Für Hexen zum Beispiel (das Hexentum ist in vielen Ländern bereits eine anerkannte Religion) ist Halloween einer der höchsten Feiertage und gleichzeitig der Beginn des neuen Jahres. Vergessen Sie hier bitte die Hollywood-Hochglanzhexchen aus dem Fernsehen. Hexen im heutigen Sinne sind meist naturreligiöse aber auch christliche Menschen, aber keine Teufelsanbeterinnen oder Giftmischerinnen.

 

Allerheiligen ist ein feststehender Feiertag, Halloween eigentlich nicht. Jedenfalls nicht das urheidnische, auf dass sich viele Hexen berufen. Die Kelten hatten nämlich nicht unseren Kalender. Wir mussten einige Kalenderreformen überstehen, was man noch deutlich an den unterschiedlichen Weihnachtsfeiertagen der verschiedenen Völker sehen kann. Da es in vorchristlichen Zeiten weder einen anständigen Kalender noch Elektrizität gab, liegt die Vermutung nahe, dass Halloween, natürlich noch unter anderem Namen, am Vollmond „um“ den ersten November gefeiert wurde. Unsere Ahnen lebten eher nach einem „Naturkalender“ mit Mondumläufen, Jahreszeiten und natürlich dem Vollmond, was schlicht und ergreifend am Licht lag… Außerdem hat der Vollmond eine ganz eigene „Magie“, was viele von uns noch heute fühlen.

 

Warum aber ist Halloween gleichzeitig „Hexenneujahr“? Der aufmerksame Naturbeobachter (was Hexen oder weise Frauen eben früher waren) kann entdecken, wieso.

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Schon lange vor dem Frühjahr hält die Natur ihre Schätze bereit

 

Kräuterschätze in der dunklen Zeit

 

Im Herbst ziehen sich die Pflanzenkräfte zurück. Der Kräutersammler nutzt das, indem er bevorzugt Wurzeln erntet. Aber nicht nur hier sind die Vitalstoffe zu finden. Wer genau hinsieht, entdeckt schon jetzt die prallen Knospen für das nächste Frühjahr. Obwohl das Kräuterjahr seinem Ende zu geht, steht das neue schon in den Startlöchern. Es ist also schon da…

 

Wir können das nutzen und die wertvollen Knospen ernten. Natürlich sollte das nicht in Plünderei ausarten, wir wollen dem Baum oder Strauch ja nicht schaden. Am wirkungsvollsten wären Tinkturen oder Auszugsöle, beim Trocknen würden zu viele Stoffe verloren gehen. Birke, Esche, Buche, Pappel… es lohnt sich wirklich, einmal näher hinzusehen. Die Birke, oder auch die Pappel können uns wertvolle Grundlagen für Salben bieten, die gerade auch bei Rheuma oder Arthritis helfen. Die berühmte „Hexenflugsalbe“ soll übrigens auch Pappel als Grundlage haben.

Die Esche schenkt uns Vitalstoffe, z. B. für Lebenselxiere. Und nichts sollte Sie davon abhalten, während eines Winterspazierganges mal hier oder da ein paar Knospen zu naschen. Purer und gesünder gehts kaum.

 

 

 

 

 

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