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Archive for Januar 2011

Das ist jetzt mal nur ganz indirekt ein Kräuterthema. Es hat damit zu tun, dass ich mit meiner Kräuterpassion meinen Lebensunterhalt verdienen möchte, aber in Deutschland ja nicht heilend tätig werden darf. Daher muss ich andere Wege finden, meine Kräuterliebe zu leben. Wenn ich meinen Brotberuf dann irgendwann ganz ablegen könnte, wäre das prima.

Aber das ist nicht so einfach. Auch bei der Naturkosmetikherstellung gibt es viele Hürden, ja so viele, dass ich bisher noch keinen kompetenten Ansprechpartner finden konnte…

Das ist jetzt vorbei. Für JEDEN, der sich selbständig machen möchte, egal womit, gibt es jetzt Hilfe. Hier erfahrt ihr, was für Voraussetzungen ihr erfüllen müsst, welche Anträge zu stellen sind, welche Genehmigungen nötig sind…

 

Möglich macht das die europäische Dienstleistungsrichtlinie. Diesen guten Tipp bekam ich von meiner Schwester, die allen Beamtenwitzen zum Trotz, keinen Baumann- und Clausenjob hat und in der Wirtschaftsförderung sitzt.

Durch diese Richtlinie sind die Gemeinden oder Kreise verpflichtet einen „einheitlichen Ansprechpartner“ zu stellen. Eigentlich ist dieser Ansprechpartner zur Betreuung unserer ausländischen Mitbürger gedacht, die sich hier als Unternehmer niederlassen wollen und eben so gar nicht wissen, was auf sie zukommt. Wer schon einmal versucht hat, sich selbständig zu machen, kennt den Behördendschungel…

Aber natürlich hat auch jeder Deutsche das Recht, diesen Dienst in Anspruch zu nehmen, so erklärte mir das jedenfalls meine Schwester und die muss das in ihrer schwer erarbeiteten Position (wehe es grinst einer) ja wissen. Wenn ich sie recht verstanden habe, muss der Ansprechpartner sogar realtiv zeitnah antworten.

Der Service beinhaltet auch Hilfe beim Ausfüllen der notwendigen Formulare. Bei manchen kostet das einen kleinen Obolus, in Niedersachsen ist das sogar kostenlos.

Das sich die Verantwortlichen nicht unbedingt um den Job des „einheitlichen Ansprechpartners“ reissen, dürfte klar sein. Wirklich lückenlos alle Formalien und /oder Voraussetzungen für den jeweiligen Gewerbewunsch herauszufinden ist schon eine Sisyphosarbeit. Außerdem beklagen sich unsere Behörden ja nicht gerade über Arbeitsmangel. Aber der Rat steht jedem Existenzgründungswilligem zu und ist beim deutschen Amtsschimmel und dem Gesetzesdschungel auch mehr als nötig.

 

Also warum nicht einmal unverbindlich anfragen und schauen, wie realisierbar der Wunsch nach Selbständigkeit wirklich ist?

Einfach „einheitlicher Ansprechpartner“ googeln, manchmal gibts den beim Kreis, manchmal auch fürs Land… die Umsetzung der Richtlinie wird noch geübt…

 

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Gegen die Panikattacken

Die Bemerkung des Kieler Arztes, man müsse sich nur der Angst stellen, um sie zu überwinden, ließ mich grübeln. Wenns hilft, mach ich alles! Das wird wohl jeder Paniker nachvollziehen können. Aber wem oder was stelle ich mich, bei scheinbar grundloser Panik? Ich hab keinen Auslöser. Die Attacken treffen mich scheinbar so völlig wahllos, dass ich keine Idee hab.

Naja, ich hatte tatsächlich schon einmal eine ganz Abstruse: Da ich meistens die Uhr nach stellen konnte (abends um 19:00 Uhr gehts richtig los) und da die körperlichen Reaktionen so auftraten, als würde mir jemand einen Strohhalm zwischen die Schulterblätter stechen und mir den Lebenssaft aussaugen, hatte ich sogar schon überlegt, ob mich jemand verflucht oder verzaubert hat, ob es Dämonen sind…

Nein, nein… ich bin nicht verrückt geworden. Ich sagte ja schon, jemand, der das noch nie erlebt hat, wird es nicht nachvollziehen können und du hältst dich an jeden Strohhalm, du suchst verzweifelt nach allen Möglichkeiten, so absonderlich sie auch sein mögen.

 

Ich hatte mittlerweile ein paar Ausweichhandlungen, die so eine Attacke manchmal im Keim ersticken konnten. So z. B. eine Autofahrt (weil mein Wagen einen heizbaren Sitz hatte), ein Wannenbad oder eine Tiefenentspannung von CD (Rüdiger Dahlke). Mich selbst in tiefe Entspannung zu bringen, löste seltsamer Weise eine Attacke aus. Aber einer CD konnte ich gut zuhören.

Da ich den Angstauslöser nicht kannte, wollte ich es nun anders herum versuchen. Ich überlegte, an was mich meine Panik hinderte. Ich ging z. B. gar nicht mehr aus dem Haus, ich hatte (neuerdings) Angst vor Schiffen, Brücken und Tunneln. Mir brach der Schweiß in Fahrstühlen aus. Ich konnte keine Pilze mehr sammeln und Essen, weil ich mir trotz jahrzehntelanger Erfahrung nichts mehr zutraute, mir nicht, und meinem Körper nicht.

Also Konfrontation – das hat der Arzt ja gesagt. Er meinte auch noch, dass die Attacken nur abends kämen, wenn ich zur Ruhe komm, würde auch darauf hinweisen, dass sie keine organischen Ursachen haben. Abends wäre so die Nervenzeit…

Ich meldete mich zu einem Motorbootführerschein an. Abends (im Dunkeln), an der See (1 Stunde Fahrt), ein Boot führen können (ich kann auch nicht einparken – Boot ist noch schlimmer) unter fremden Leuten…

Im Urlaub wurden Tunnel und Fähren genutzt…

Ich kaufte mir ein Boot…

 

Anfangs wurde ich in jedem Tunnel still und griff die Hand meines Mannes. Auf Fähren stand ich draußen, so gut es geht am Rettungsboot, egal wie das Wetter war. Bei einer Urlaubsfahrt nach England schrieb ich auf der Fähre dreimal mein Testament…

 

So hab ich mich zurück ins Leben geschlichen. Tatsächlich wurden die Attacken etwas weniger…

 

Irgendwann sagte dann einmal H.-P. Zimmermann, den ich sehr schätze, aber der schon irgendwie extrem ist, in einem Podcast: “ … oder wie Frauen, die ihre Panikattacken nur bekommen, um die Aufmerksamkeit ihres Mannes zu erhalten…“

 

Na, da war ich erstmal sauer. Ja, am Anfang dieses Schreckens hatte ich ihn wirklich permanent angerufen. Aber nachdem ich 1000 Mal doch nicht gestorben bin, hab ichs gelassen. Meist weckte ich ihn gar nicht mehr Nachts, wenn es losging und Tagsüber bin ich einfach rausgegangen und im Wald verschwunden.

Nach diesem Kommentar, der mich echt geärgert hat, beschloss ich, Attacken noch mehr zu verstecken. Wenn da ein Körnchen Wahrheit drin ist, dann sollen sie mal sehen, diese blöden Attacken. Immer wenn es mich nun überfiel, schlich ich mich von dannen und machte es mit mir allein aus.

 

Tatsächlich ging das irgendwann so weit, dass ich es teilweise selbst ignorieren konnte. Ich stellte mich hin und sagte mir: „Was soll der Scheiss? Wenn ich jetzt sterben soll, dann bitte gleich, ist auch egal, aber nicht mit so einer Show vorher, sieht doch keiner!“

Wenn es mir gelang, ruhig zu bleiben und mit der Haltung: „Sterben ist auch egal“ da hineinzugehen, verging der Attacke scheinbar die Lust. Ich muss aber auch zugeben, dass man das nicht immer hinbekommt. Meine ganzen Taktiken waren alles nur Krücken und beseitigten allenfalls das Symptom.

Eine Freundin gab mir da tatsächlich noch einen wichtigen Schlüsselsatz mit auf den Weg: „Du musst dich nicht wundern, dass du Angst kriegst“, sagte sie, du entscheidest ja über gar nichts. Du entscheidest nichtmal über das Mittagessen… wer über gar nichts mehr entscheidet, der hat keine Macht mehr und wer sich machtlos fühlt, hat Angst…“

Oh wie wahr…

In dieser Zeit ging es uns wirklich so gut, dass mein Haushalt mit Kindermädchen und Putzfrau lief. Ich entschied nichts… Ich wurde von der Putzfrau als lebendes Inventar mit abgestaubt. Wenn einem das Leben so durch die Finger fließt, muss man sich wirklich nicht wundern.

Das Schicksal war wohl der gleichen Meinung und riss mir als mein Hab und Gut unterm Hintern weg. Plötzlich stand ich alleinerziehend mit drei Kindern und arbeitslos auf der Straße.

Hier musste ich sie nun wieder übernehmen, die Verantwortung für mein Leben und nicht nur für meins… Allein ein Telefon auf meinen EIGENEN Namen anmelden, machte mir irre Angst. Ich dachte ich  spinne, als ich damals auszog, in meine erste kleine Wohnung, da war ich stolz auf Telefon und Mietvertrag und nun macht mir das Angst?

Wer Kinder hat, kann sich leider nicht fallen lassen, ich musste mich da durchbeißen und ich biss mich durch…

Ich glaube in dieser Zeit hatte ich oft keine Zeit für Attacken. Aber sobald ich ein bisschen zur Ruhe kam, nutzten sie die Zeit und überfielen mich mit Gewalt. Oft griff ich hier wieder zu meiner beruhigenden Teemischung, aber so konnte es doch wirklich nicht weitergehen!

Diese schwere Zeit, in der ich jeden Cent viermal umdrehen musste, hat mich tatsächlich einen großen Schritt weitergebracht. Aber es war wohl nur ein Stups in die Richtung. Los war ich die Attacken immer noch nicht. Ich hatte das Gefühl, dass ich manchmal nur „halbe Attacken“ hatte, indem ich über Tage einen hohen Puls mit mir rumschleppte… und dann waren noch diese Herzschlagaussetzer… irre ängstigend, vor allem wenn diese Schlagpause etwas länger dauerte und der nächste Schlag dann heftig kam.

Ich raste wieder zum Arzt. Dieses Mal zu einer Ärztin. Die erklärte mir, dass mein Herz ok, wäre, die „Extrasystolen“ nicht schlimm und das ich halt ein bisschen arg nervös wäre. Sie verschrieb mir ein Beruhigungsmittel, das nicht abhängig mache.

„Nervös“… da dachte ich drüber nach. Tatsächlich lief ich rum wie ein Tiger im Käfig, fühlte mich gespannt. Ist „nervös“ sein so? Unruhe, hoher Herzschlag? Wenn ich darüber nachdenk, war ich schon immer irgendwie der „nervöse Typ“, schon als Kind – hibbelig, aufgeregt, ja und so fühlte ich mich da auch.

Ok – nervös… das hörte sich nicht ganz so gefährlich an. Natürlich war mir klar, das das als Dauerzustand auch nicht gesund sein kann.

Nachdem ich über mein „harmloses Medikament“ recherchiert hatte, musste ich feststellen, dass auch dieses eine Art Abhängigkeit verursacht. Zwar nicht die Substanz an sich, aber nach dem Absetzen ging es den Menschen schlimmer, als vorher. Logisch eigentlich, es löst ja nicht mein Problem.

 

Ich stellte Ernährung und Kräuter auf nervenstärkende Vertreter um. Hafer, Zitronenmelisse, Lavendel… und wieder Zitronenmelisse, weil sie auch herzstärkend und blutdrucksenkend wirkt, eine blutdrucksenkende Kräuterkur über drei Wochen und immer wieder mal Melissentee und Melissenbad. Manchmal den balsamischen Melissengeist von Weleda. Meine Herzschlagaussetzer, so stellte ich fest, konnte ich mit meiner Chiropraktorin lösen. Durch die Nervosität und Angst war ich dermassen verkrampft, dass ich wohl irgendwie auch die Nerven zum Herzen hin mit belastete. Wenn mich die Chiropraktorin einmal „graderückte“ fühlte ich mich zwar noch einen Abend wie verprügelt, aber danach ging es mir wirklich gut. Die Extrasystolen waren fast verschwunden.

Insgesamt konnte ich beobachten, dass die Attacken immer dann häufiger wurden, wenn meine Gedanken um meine desolate finanzielle Lage kreisten und das taten sie in dieser Zeit oft. Ich versuchte also verstärkt Entspannungstechniken einzusetzen.

 

Tatsächlich nahmen meine Attacken mit dem Zunehmen meiner Finanzen allmählich ab. Da ich immer noch ein bisschen kämpfe, bin ich sie noch nicht ganz los. Ich weiß auch nicht, ob man so etwas jemals wieder los wird. Die Attacken haben sich auf leicht erhöhten Blutdruck und Puls zurückgezogen. Da das auch kein Dauerzustand sein darf, bin ich jetzt da dran. Ich jogge (wie in den vorherigen Beiträgen erzählt) und nehme immer noch, abwechselnd und nur ab und zu, meinen Sch. – egal-Tee, Melissentee, viel Hafer und übe mich in Yoga und Meditation. Da ich dabei langsam abnehme, dürfte ich insgesamt auf einem guten Weg sein.

Die letzte Attacke ist mittlerweile etwa zwei Jahre her (aufholzklopf). Natürlich möchte ich diesen Status halten, noch mehr zur Ruhe kommen und sportlicher/gesünder werden. Das ist mein Weg, ich denke, es ist kein schlechter. Es kann schließlich nicht der Weg sein, dieses Problem mit dickem Geldbeutel zu kurieren, das würde abhängig machen, ich muss einfach irgendwie Gelassenheit und Zuversicht gewinnen. Und das passiert zunehmend.

 

Im Nachhinein möchte ich wirklich behaupten, dass der Ausbruch der Attacken durch mein sinnloses Driften durchs Leben, gepaart mit Existenzängsten, verursacht wurde. Hinzu kamen Verluste von lieben Menschen und dann auch den Verlust meiner Existenz. Einmal meinte ein Arzt sogar, es wäre eine „posttraumatische Belastungsstörung“, also die nachträgliche körperliche Reaktion auf ein traumatisches Ereignis. Das kommt bei mir tatsächlich auch dazu. Ich habe in einem Jahr meine Mutter, ein Kind und meine Existenz verloren. Wäre ich nicht zum Paniker geworden (die Panik fing seltsamer Weise aber vor diesen Verlusten an), hätte ich möglicher Weise zu Alkohol oder Drogen gegriffen.

Obwohl ich relativ deutlich die Auslöser sehe, ist das Problem damit nicht automatisch gelöst. Ja, ich hab sogar nochmals versucht, einen Psychologen hinzuziehen. Da die Psychologin allerdings auch bei meinem dritten Besuch regelmässig einschlief, mich mit falschem Namen ansprach und nicht wußte, warum ich überhaupt da war, gab ich das auf. Vielleicht muss ich da wirklich ganz alleine durch. Vielleicht ist ein „Hilf dir selbst“ wirklich eine der besten Therapien.

Inzwischen habe ich eine nette Gruppe kennengelernt, deren Lebensziele den meinen gleichen. Hier fühle ich mich gut. Es ist heilsam, mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Ich habe also inzwischen fast alle Faktoren zur Gesundung zusammen:

  • gesunde Beziehungen
  • Freundschaften
  • Familie
  • Sport
  • gute Ernährung (nicht immer ganz so gesund)
  • eine Aufgabe
  • eine Aufgabe
  • eine Aufgabe

 

Ja, die Aufgabe halte ich für oberwichtig. Du musst das Gefühl haben, dass du hier einen wichtigen Platz auf diesem Planeten hast. Das muss nichts medienträchtiges sein. Vielleicht hilfst du „nur“ kleinen Seelen in die Welt, als Hausfrau und Mutter. Aber damit legst du einen wichtigen Grundstein. Vielleicht hast du „nur“ ein offenes Ohr für deine Mitmenschen, vielleicht bist du „nur“ Sänger und schickst mit deinen Liedern Freude in die Menschenherzen. Es gibt keine besseren oder schlechteren Aufgaben.

Ich glaube, wenn du irgendwann herausfinden kannst, was deine Aufgabe ist, wird deine Seele so gesunden, dass dein Körper folgen kann.

 

 

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Nein, ich habe mit dem Titel nicht einen reißerischen Aufmacher gesucht. Ich habe das am eigenen Leibe erleben müssen. Ich bin Paniker.

 

Wer mich kennt, würde das nicht gleich vermuten und bevor mich die Angst im wahrsten Wortsinne überfiel, konnte ich mir unter einer „Panikattacke“ beileibe nichts vorstellen. Wer es nicht selbst erlebt hat, steht diesem Phänomen hilflos gegenüber. Nein, ihr Lieben, alle die, die das nicht selbst und persönlich durchmachen mussten, können hier nicht raten… sie wissen nicht, um was es geht…

 

Tatsächlich gibt es auf dem Markt ein Buch eines Psychologen, der wirklich jahrzehntelang Panikpatienten behandelt hat. Schließlich entwickelte er selbst diese Angststörung und erklärte schonungslos offen, wie banal ihm seine Therapie von der anderen Seite – der Seite des Betroffenen – plötzlich vorkam. Den Satzanfang „du musst doch nur…“ kann ein Paniker nämlich komplett streichen…

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Angststörungen haben Paniker oft keinen direkten Auslöser für ihre Angst. Leider auch kein „Objekt“.  Wer z. B. Angst vor Spinnen hat, kann sie meiden, oder eine Konfrontationstherapie machen. Diese Wege stehen einem Paniker nicht offen.

 

Als mich die erste Panikattacke überfiel, wusste ich nicht, was mir geschah. Ich war eigentlich nie der „Held“, bin aber auch kein ängstlicher Typ. Ich hab mich schon vielen Herausforderungen gestellt, also wovor sollte ich Angst haben? Zu der Zeit, als die Attacke zuschlug, ging es mir finanziell und emotional gut. Ich hatte scheinbar keinerlei Probleme und dann kam sie…

Mir wurde schlagartig warm und schwindelig. Mein Herz raste… es raste wirklich… grundlos… es schlug, dass ich Angst hatte, es würde den Brustkorb durchschlagen, die Beine wurden weich, der Brustkorb eng… Schmerzen im ganzen Brustbereich, Todesangst…

Ja, Todesangst. Es können die hundert besten Ärzte der Welt um dich herumstehen und dir sagen, es ist gleich vorbei, das ist nur Panik. Tatsächlich fühlen tust du: „Du stirbst jetzt!

Natürlich weiß ich nicht, wie sich sterben wirklich anfühlt, aber du bist in dem Moment der Attacke vom sofortigen Eintritt deines Todes überzeugt. Dein Denken, Fühlen und Handeln wird auf den reinen Überlebensinstinkt, auf den winzigen Bereich in unserem Hirn, beschränkt. Der Körper reagiert, als würde ein geifernder Tiger direkt vor dir stehen.

Natürlich fuhr mich mein Mann sofort zum Arzt. Der untersuchte mich und meinte sachlich: „Das ist nur eine Panikattacke, nicht schlimm!“

Nicht schlimm? NICHT SCHLIMM? Leidet der an Augeninkontinenz oder was? Ich sitz hier und sterbe und der meint: Nicht schlimm?

 

Mein Arzt erklärte mir ruhig obige Zusammenhänge. So logisch das auch alles sein sollte, ich wollte das nicht nochmal. Ich fragte nach dem Auslöser… den könne er mir nicht sagen. Er schaute in die Krankenakte, die, weil er Homöopath war, sehr ausführlich war und meine Vita enthielt und stellte die Diagnose:

„Scheiß-Karma“

Ich war so wütend und gleichzeitig irritiert, dass ich ihn am Liebsten über seinen biologisch geölten Buchenholzschreibtisch mit Rosenquarzequipment gezogen hätte. Wut ist übrigens bis heute die Emotion, die mich recht schnell aus einer Attacke herausholen kann… Seltsam oder?

 

„Scheiß-Karma“ – würde mich mal interessieren, ob der das so auf die Krankmeldung schreibt. Wo bin ich denn hier? Ich vergewisserte mich noch mal eben am Namensschild, ob ich wirklich in einer Arztpraxis war…

Da meine Wut nur noch von meiner Sprachlosigkeit übertroffen wurde, fuhr mein Arzt von mir unbehelligt fort: Es wäre eine spirituelle Prüfung, meinte er, ich müsse nur die vom Schicksal gestellte Aufgabe lösen.

Na fein… hört sich an, wie in einem Märchen, oder einem Computerspiel. Finde die Quelle des Lebens und alles wird gut! Im Computerspiel liebe ich solche Aufgaben. Da gibts aber auch immer irgendwo einen Cheatmodus, oder jemanden, der das schon durchgespielt hat und Tipps weitergibt.

„Und wie ist die Prognose“? fragte ich, nachdem die Wutstarre nachließ.

„Ja, manche können diese Aufgabe lösen, manche nicht!“ sagte er sachlich. Dann entließ er mich wieder in mein Privatleben. Keine weiteren Tipps, keine Hinweise, keine Medikamente…

 

 

Aus heutiger Sicht bin ich ihm sogar dankbar, aber damals fühlte ich mich wirklich von allen guten Geistern verlassen….

Die folgende Zeit war wohl die Schlimmste meines Lebens. Ich schaukelte mich von einer Attacke in die nächste. Ein Paniker beobachtet seinen Körper mit Argusaugen. Ich wurde schier wahnsinnig, wenn ich meinen Herzschlag spüren konnte, weil ich Angst hatte, das Herz könne mal eben einfach stehen bleiben (das ist nicht logisch – ich weiß – aber die Angst ist nun mal da), ich kann mein Herz aber immer schlagen hören, die Aufmerksamkeit eines Panikers liegt auf der anderen Seite der Haut, wir leben in unserem Inneren, leider im negativen Sinne. Dinge, die ich früher nicht mal bemerkt hätte, machten mir Angst… ständig hatte ich die Finger auf meinem Puls… da! Hat da nicht gerade ein Herzschlag ausgesetzt? Wenns nochmal passiert? Wenns Herz nicht wieder „anspringt“?

Können Sie nun verstehen, warum Nicht-Paniker einen Paniker nicht verstehen können? Man kann es nicht nachvollziehen… man ist pure Emotion… der Verstand hat nichts mehr zu sagen. Der Fokus liegt auf Körperreaktionen, die man sich negativ interpretiert…

Die Attacken gingen oft fast nahtlos ineinander über. Schlimm war es hauptsächlich abends und kurz nach dem Einschlafen. Wenn die Panik kam, musste ich mich bewegen, oder raus… nur nicht stehen oder sitzen… wer rastet – stirbt… raus, raus… im Nachthemd, nachts um drei, in den Wald….

Dann der Schüttelfrost, so heftig, dass man nicht mal mehr sprechen kann… unter die Dusche.. schnell….   etwas beruhigen, etwas setzen… die nächste Attacke kommt…

 

Ich war verzweifelt.

 

Die nächste Attacke – Megapanik – Notarzt gerufen – ins Krankenhaus gefahren….

Der Notarzt untersuchte mich kurz und sagte, ich bräuchte keinen Arzt sondern einen Psychologen…

Er gab mir eine Valium, sagte, da ich bisher keine Medikamente nehme, sollte ich es erstmal mit einer halben probieren…

 

Na, da kennt er den Paniker aber schlecht. Trotz großen Leidensdrucks, war die Panik stärker… ich hatte Angst, wenn ich die Valium nehme, bleibt mein Herz stehen! Also nur ein Viertel. Nein, noch zu gefährlich noch mal teilen… viel zu groß, wenn das Ding da Nebenwirkungen hat… ich teils nochmal… die Tablette zerbröselt… Ok, Minimaldosis. Ich lecke vorsichtig an einer ganzen Tablette und leg mich hin.

Da! Ich spürs, das Ding will mich vergiften, mir wird heiß, das Herz rast…

 

Ich sagte doch – der gesunde Menschenverstand ist das Erste, was bei einer Panikattacke ausfällt… man denkt und handelt nicht mehr logisch. Tunnelblick auf Todesauslöser…

 

Natürlich hat mich das Valiumlecken nicht umgebracht. Aber so ging es nicht weiter. Wieder zu meinem Arzt. Ihm eindrücklich erklärt, dass ich ihm nicht glaube, dass mein Herz gesund ist! Punkt! Auf welcher Uni hat der denn seinen Doktor gemacht!

Er nahm mir das zum Glück nicht übel. Gab mir eine Überweisung zu einem Kollegen, einem Internisten.

Der untersuchte mich gründlich und bestätigte die Diagnose des anderen. Ich hätte einen sehr hohen Grundpuls, was aber auf meine völlige Untrainiertheit zurückzuführen ist. Er empfahl mir, jeden Tag eine Stunde Rad zu fahren. Er sagte, bei diesen Panikattacken hätte ich eine Menge Adrenalin im Blut. Mein Adrenalinspiegel wäre grundsätzlich sehr hoch. Mit Sport könnte ich da Einiges runterfahren und die eine oder andere Attacke umgehen. Das wäre natürlich nur eine Hilfsmaßnahme, denn auf die Ursache müsste ich selbst kommen.

Außerdem, erklärte er mir, sei das Adrenalin nach etwa 20 Minuten aufgebraucht, dann wäre die Attacke vorbei.

 

Das half mir ein bisschen. Ich radelte also der Angst davon… Natürlich machte ich mich auch im Internet kundig. Es gibt viele Foren mit Panikern. Leider gibt es hier meist Einträge wie: Ich leide jetzt seit 15 Jahren unter Panikattacken…

Das irgendwer da wieder rauskam, war nicht zu lesen… Nicht grad mutmachend, keine gute Info für einen Paniker.

Schlimm waren Friseurbesuche. Hier sitzt man eine ganze Zeit ruhig in seinem Sitz. Da konzentriert man sich leider sehr auf seinen Körper. Ich versuch mich abzulenken, les eine der Zeitschriften.  Ein Artikel über Herzinfarkte… bei Frauen oft unerkannt, sie nehmen aber zu, manchmal auch als  „Hinterwandinfarkt“, die Schmerzen strahlen nach hinten aus… wie bei mir, jetzt, hier beim Friseur… der Brustkorb wird eng, die Luft bleibt weg, Schmerzen… ich spring vom Friseurstuhl auf und rase zum Arzt….

Der Internist untersucht mich und sagt, mein Herz ist in Ordnung. Ich widerspreche wehement… der hat wohl die neusten Untersuchungen nicht gelesen! Ich reibe ihm den Artikel unter die Nase, die Zeitung hab ich dem Friseur einfach geklaut.

„Ich beweise es Ihnen“ sagt er, holt eine große Spritze und lässt mich auf dem Bauch liegen. Er spritzt mir den ganzen Rücken lang und die Schmerzen verschwinden.

„Bitte sehr“, sagt er, „es waren ihre durch Angst verkrampften Muskeln, Herzschmerzen hätte ich so nicht betäuben können!“

Mir war das totpeinlich. Aber ich bin erstmal beruhigt. Fange an, dem Internisten zu glauben. Ja, er wird wohl Recht haben. Es ist alles wirklich nur  seelisch…

Ich frage, ob ich trotzdem wiederkommen könne, wenn ich mal wieder Angst hätte, einem Infarkt zu erliegen.

Er bejaht das, und meint, solche Aktionen würden mir immer nur eine Zeitlang Sicherheit geben. Ich würde immer wieder panisch irgendeine Ambulanz aufsuchen, solange, bis ich die Sache geklärt hätte, dahintergekommen wäre, was die Ursache ist. Die Ursache war mir eigentlich klar, es hatte etwas mit einer wirklich schlimmen Krise zu tun, die in der Vergangenheit lag. Aber wie nutzte mir dieses Wissen? Die Panik blieb.

„Der medizinschen Forschung haben wir es zu verdanken, dass wir ein hochwirksames Instrument entwickeln konnten, das zwar sehr kostspielig, aber effizient ist.  Ich würde es ihnen gern überlassen!“ er zwinkerte der Schwester zu.

Triumphierend überreichte er mir eine Papiertüte. „Wenn sie demnächst hyperventilieren, immer schön da hinein atmen!“

Nun, das war ja nett gemeint, aber ins Hyperventilieren bin ich beim Panik schieben nie gekommen…

Angst, Angst, Angst… vor Tod, Spinnen, Dunkelheit, dem Ungewissen…

 

Ich werde regelmässig wiederkommen, um mir bestätigen zu lassen, dass ich organisch gesund bin, hatte mein Arzt gemeint… nein, die Aussicht gefiel mir gar nicht. Ich ließ mir eine Liste von Psychologen geben und hoffte auf professionelle Hilfe für meine entrückte Seele…

Es war entmutigend… ich kam mir vor, wie ein Telefonverkäufer. Die Therapeuten hatten alle eine mehrjährige Warteliste. Dann fand ich doch noch einen, der auch einen Termin anbieten konnte. Wohlgemerkt: ich stellte mich als Paniker vor, der regelmässig unter solchen Attacken zu leiden hat…

In seiner Praxis bekam ich dann auch wirklich eine Attacke… er begleitete mich zur Tür hinaus und sagte, solch aktute Fälle könne er nicht behandeln….

 

In meinem Städchen wurde damals grad eine psychologische Notfallambulanz gegründet. Man könne jederzeit anrufen, wenn man Panik bekomme…

Tja, was soll ich sagen? Irgendwie wussten die bei der Ambulanz das wohl nicht, oder hatten Urlaub… was weiß ich, vielleicht waren auch schon 3 Wochen nach Eröffnung die Gelder ausgegangen…

Die Panik also wieder allein auf dem Fahrrad weggestrampelt…

Das Fahrrad, ja, dass hat mich die ganze Zeit begleitet. Während einer Attacke ist einem so schwummrig, dass man es sich eigentlich nicht zutraut. Aber ich hatte mittlerweile das Motto „Entweder es hilft, oder es bringt mich um, beides wäre ne Lösung!“

So konnte das nicht weitergehen… das ist doch kein Leben, es muss doch auch anders gehen!

Ich wandte mich zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder meinen Kräutern zu. Ich wußte, das Jasmin (echter natürlich) angstlösend ist. Also Jasmin in die Duftlampe.

Mein „Scheiß-Karma-Arzt“ hatte außerdem empfohlen, irgendwas zu haben, dass ich während der Panik festhalte, einen Rosenquarz oder so was, und Duft, ja, wäre auch nicht schlecht, alles, was meinen Fokus von drinnen, wieder nach draußen bringt.

 

Ich  durchwühlte weiter meine Kräuterbücher. Damals war die Kräuterkunde noch mehr auf körperliche Probleme ausgelegt. Ich musste bei seelischen Problemen also um die Ecke denken. Welches seelische Ungleichgewicht löst welches körperliche Symptom aus – dann welches Kraut hilft bei diesem Symtpom – aha….

 

Doch dann fand ich wirklich eine super Mischung, für funktionelle Herzprobleme, also Herzprobleme, die nicht organischen Ursprungs sind. Da meine Herzpanik und meine Herzreaktionen auch nachweislich keinen organischen Ursprung hatten, probierte ich den Tee sofort aus. Tatsächlich hatte er eine super Wirkung auf mich. Ich wurde recht gelassen und hat sicher die eine oder andere Attacke wirklich unterdrücken können. Ein leichtes Lächeln umspielte dabei meine Lippen. Da ich immer an den Erdal-Frosch auf der Dose denken muss… nannte ich diese Mischung „Scheiß-Egal-Tee„.

Das Rezept ist wirklich einfach und ich habe es schon oft weitergegeben. Es ist eine Mischung aus gleichen Teilen von:

Baldrian, Herzgespann, Hopfen, Lavendel, Weißdorn, Zitronenmelisse

Ich habe viele positive Rückmeldungen zu dieser Rezeptur bekommen. Es muss aber deutlich gesagt werden, dass das nicht zur abendlichen Droge werden darf. Heiltees sind maximal über ein paar Wochen zu nehmen. Also so schön die Wirkung auch war, ich musste trotzdem irgendwie an mir arbeiten.

Neuer Arzt, neues Glück. Ich besuchte einen Mediziner in Kiel. Der war total begeistert. Er war Allgemeinmediziner, schien sich aber aus Passion mit Angststörungen zu beschäftigen. Total verzückt hörte er mir zu. In Amerika hätte man ungeheure Erfolge mit Konfrontationstherapie, freute er sich, man müsse sich halt ganz einfach nur dem Angstauslöser stellen, Menschen, die Angst vorm Fahrstuhl haben, müssen da rein, Höhenangst wird super auf dem Eifelturm kuriert, alles Bestens, alles super! Heilungschancen wie nie. Mit diesen aufmunternden Worten entließ er mich…

Naja, die Panik kommt doch nun sowieso, ob ich auf der Straße, oder dem Eifelturm stehe… ich würde das machen. Aber was, bitte schön, ist mein Angstobjekt? Ich weiß ja nicht WOVOR ich Angst hab, oder warum sie kommt… mit was konfrontier ich mich?

Nachdenklich ging ich heim. Ich hatte sowas wie Hoffnung, aber immer noch keine Ahnung, wie ichs umsetzen sollte… Her mit der Konfrontation, jetzt sofort! Ich muss praktisch den Tod üben, oder? Weil ich da ja irgendwie am meisten Angst vor hab. Ja, in mir keimte eine Idee… eine Idee, die mich tatsächlich aus diesem Kreislauf herausholen sollte… aber das erzähl ich mit dem nächsten Beitrag

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Da mich hier keiner bedauert, streu ich meine sportlichen Erfahrungen unter das Volk. Diszipliniert, wie ich nun mal bin.. üapw9jfösäässrrrr… entschuldigung, mir sind die Finger ausgerutscht, ich musste einen Lachkrampf bändigen, also –  ich bin wieder gejoggt. Bin ganz stolz auf mich, weil ich meinen Plan einhalte.

Da ich tatsächlich bisher einen zwei Tage Rhythmus einhalten konnte (mindestens einen Tag brauchen die Kniegelenke für die Heilungsversuche), könnte ich diese Woche noch einen dritten, oder gar vierten Lauf“tag“ einschieben.

 

Gestern war Tag der (weit-)offenen Tür in der Dörfergemeinschaftsschule Todenbüttel.  Ich war da auch vertreten, weil ich Nachmittagskurse in Naturkosmetik anbiete. Ein bisschen nervös war ich ob der öffentlichen Veranstaltung schon und nach dem Joggen laufe ich stundenlang noch wie John Wayne, bis sich die Muskulatur in ihren ursprünglichen Sitz zurückgefunden hat, aber so einen kleinen Stand haben, da sitzen und was erzählen, das hab ich mir eigentlich zugetraut.

Also mit durch das Joggen angenehm niedrigem Adrenalinspiegel und einem Gang, der das Neanderthaler-Gen im Menschen zu bestätigen scheint, kämpfte ich mich die 50 m zur Schule.

Die Dörfergemeinschaftsschule Todenbüttel kennen Sie vielleicht noch aus den Medien, sie ist letztes Jahr zu einem großen Teil abgebrannt. Aber hier wird mit viel Engagement der Schulbetrieb so gut wie möglich aufrecht erhalten. Ja, auch wenn die Unterrichtsbedingungen nicht optimal sind, so schweißte der traurige Vorfall scheinbar alle Beteiligten enger zusammen.

Ich fand also meinen Platz in einem Klassenraum, aus dem mir gleich ein eisiger Wind entgegenwehte… Mein Muskeln zogen sich zur „Hab-acht-Spannung“ zusammen und mein fast noch aufrechter Gang festigte sich endgültig in den demütigen Begrüßungswinkel eines Japaners…

 

Ich bibberte ein freundliches „guten Tag“ und wurde ebenso freundlich von der anderen Kursleiterin begrüßt. Noch bevor ich fragen konnte, ob denn die Heizungsanlage auch ein Opfer des Brandes wurde, sagte sie mir fröhlich: „Ich lüfte ein bisschen!“ Aha, wäre mir so gar nicht aufgefallen.

 

Mit  klammen Fingern packte ich meine Kosmetikmuster aus. Irgendwie hatte ich gar nicht mehr präsent, wie niedrig Grundschulstühle sein können. Regelmäßig knallte ich hörbar in den Sitz, weil mir meine geschundenen Knie ein derart tiefes Beugen nicht ohne gehörigen Schmerz erlauben wollten. Das ich meinen Mantel draußen in die Garderobe gehängt hatte, bedauerte ich fürchterlich. Aber ich kann ja an so einem Stand nicht so eingemummelt, wie auf dem Wochenmarkt stehen.

Mein leises Flehen nach stickiger, warmer Luft fand keinen Empfänger. Ich weiß nicht, warum die agile Kursleiterin des Bastelkurses so viel Sauerstoff brauchte. In Gedanken ging ich mögliche Gründe durch: Wechseljahre, Missempfindungen, zu hoher Blutdruck, Angoraunterwäsche, Sonnenbrand, oder schlichtes Vergessen des Schließvorganges?

Dann begannen die Vorführungen des Tagesprogrammes. Auch wir Kursleiter wurden dazu eingeladen, in die alte Aula nämlich, die nach dem Brand wieder zum Leben erweckt wurde…

Endlich… ein wenig in die… Kälte?

Auch hier war es recht unkuschelig. Nun ja, die Aula war eigentlich mehr eine breite Halle ohne Türen, hier gingen die Flure direkt ab, es war doch kühl… die Sitzbänke gaben mir schließlich den Rest, hier kam die Kälte durch das Metall erbarmungslos nach oben. Ich schielte nach meinem kuscheligen Mantel, der einsam einen Haken an der Garderobe wärmte. Als einziger übrigens. Alles um mich herum saß dick eingekuschelt. Da die Vorstellung begonnen hatte, wagte ich es nicht, die Gäste zum Aufstehen zu zwingen und meinen Mantel zu holen.

Schließlich war der vortragende Teil beendet. Ich stürzte ins Klassenzimmer zurück, von dem ich hoffte, es hätte sich mittlerweile wieder etwas erwärmt. Die Eiskristalle am Fenster belehrten mich eines Besseren…

Wie es aussah, hatte das Zimmer tatsächlich die ganze Zeit mit frischer Luft gewuchert.

 

Die ersten Interessenten kamen gleich hinterher. „Oh, hier ist es aber kalt“, sagte jemand. Die andere Kursleiterin sah mich erstaunt an und fragte:“ja haben sie denn das Fenster nicht zu gemacht?“

Nein, hatte ich nicht…  „Hab ich gemacht“ sagte eine Schülerin mit blauer Nasenspitze. Ich hätte das Kind knuddeln können.

Im festen Vertrauen darauf, das das alte Heizungssystem den Frost schnell aus Raum und Gliedern trieb, ließ ich mich hoffnungsvoll auf den Zwergenstuhl knallen.

Stockend erklärte ich meinem Mann den Weg in die Caféteria, die hoffentlich kochend heißen Kaffee vorhielt. Er sputete sich… und ich ärgerte mich, dass ich nicht die wärmende Ingwercreme als Muster mitgebracht hatte.

 

Das Interesse an der Naturkosmetik war erfreulicher Weise groß. Nur eine Mutter, die ihr Kind zum „Basteln“ unterbringen wollte, konnte ich nicht so recht beraten. Ich erklärte, dass wir schon alles selbst herstellen würden, aber das wäre weit entfernt vom Basteln. Nun, ich weiß nicht, ob ich die junge Dame später im Kurs wiedersehen werde.

Zum Schluss der Veranstaltung wünschte ich mir nur eins: ein heißes Bad. Leider ging das nicht, ich hatte noch einen Termin in Flensburg und musste mich sofort auf die Reifen machen. Mit einer Dankestirade an den Erfinder der Sitzheizung machte ich mich auf den Weg, bis mein Hintern wieder kalt wurde.

„Was ist das denn jetzt?“ entsetzt blickte ich meinen Mann an. „Ja“, sagte er ruhig, „wann die Sitzheizung sich einstellt, entscheidet sie selbst. Ich hab extra in die Betriebsanleitung geguckt. Sie macht das irgendwo von der Innenraumtemperatur abhängig, händisch kann man da gar nichts machen.“

Oho, und ob ich da händisch was machen kann. Den Franzosen mal einen gepfefferten Brief schreiben, ob die so einer blechernen Präsidentenkutsche nicht mal anständige Bordelektronik einbauen können… schneit es nie in Frankreich? Werden Exportländer mit minderwertiger Ware beliefert?

 

Meine Gedanken kreisten um die Frage, ob „Eiswürfelpinkeln“ ernsthaften Schaden in der Harnröhre anrichten könnte…

 

Flensburg – endlich – am Ziel meines letzten Termins. Ich stand bibbernd vor dem Eingangstor einer Freundin. Es ist doch empfindlich kalt geworden. Minus  4 Grad zeigte das Thermometer.

Mit dickem Mantel erschien sie in der Tür. Von hier aus wollten wir uns zusammen zu einer Veranstaltung begeben. Ich musste jedoch dringend aufs Klo, die Eiswürfel loswerden. „Ich glaub, ich hab mir was eingefangen.“ sagte, ich, „bin so kalt geworden.“

„Tja“, sagte sie etwas triumphierend, „kann mir nicht passieren, ich hab mich impfen lassen!“ Klar, musste kommen, zu diesem Thema waren wir unterschiedlicher Meinung und es lag ein ganz klein wenig Schadenfreude in ihren Zügen.

„Gegen Kältefolgen in dieser Region kann man sich nicht impfen lassen!“ maulte ich.

 

Es ging mir (nicht) Alles am … vorbei…

 

Schließlich war ich bereit und wir zogen los. Etwa 15 Minuten Gehzeit, meinte sie. Kein Ding. Gehen sollte ich noch hinbekommen, hier im Flachland…

Das war ein äußerst voreiliger Gedanke. Kommt davon, wenn man sein Umfeld nicht so kennt. Wenn Flensburg eines nicht ist, dann ist es flach. Und mit Sicherheit nicht so flach, wie mein Dörfchen.

Sie zeigte mir ein paar verschlungene Bergpfade… äh Schleichwege. Ich war so außer Atem, dass ich die schöne Architektur leider nicht würdigen konnte. Getoppt wurde unser „Spaziergang“ von einem Anstieg, der jeden Bergwanderurlaub überflüssig gemacht hätte, mit nachfolgender, steiler und nicht endenwollender Treppe…

Ich war weder zu Protest noch Regung fähig. Meine Freundin, sicherlich trainiert durch das jahrelange Leben hier, konnte noch munter erzählen.  „Oh“, sagte sie schließlich und deutete auf einen beleuchteten Raum der Schule auf der Bergspitze, hier findet noch ein Kurs statt.“

 

„Schade“, presste ich hervor, mit massivem Luftmangel und einem Pomuskelkrampf kämpfend, „ich hatte so gehofft, es wären Rettungssanitäter!“

„Warum denn? “ fragte sie freundlich.

„Weil ich Angst hab, hier gleich zusammenzubrechen und niemand da ist, der erste Hilfe kann.“ keuchte ich…

 

„Mach dir da mal keine Sorgen“, sagte sie leise, “ ich hab schon Sterbebegleitung gemacht“…

 

Pures Entsetzen ob der Nichtwürdigung meiner Situtation weckte meine letzten Lebensgeister. Die Lungenbläschen entfalteten sich. Erhobenen Hauptes, nur noch unmerklich humpelnd und mit nahezu normaler Schrittgeschwindigkeit steuerte ich auf unser Ziel zu. Mit warmem Hintern allerdings… das hat die Kraxeltour gebracht.

Als wir abends wieder zu Haus ankamen, musste mein Mann mich aus dem Auto meißeln, ich war dermaßen verkrampft und steif, dass ich es nicht einmal mehr schaffte, mich in der Badewanne zu „entfalten“. Ich hoffte auf die lösende Wärme einer Luxusbettdecke und  die generierende Wirkung gesunden Nachtschlafs… Letzteres stellte sich nicht wirklich ein. Halsschmerzen und Schnupfen hielten mich wach… ich muss wohl irgendwie zu kalt geworden sein.

 

Tipp der Kräuterhexe: Schnell ein Fussbad! Viel Knoblauch und Thymian und den „Voodoo-Extase-Grippekiller“ aus je 2 Orangen, Zitronen und Pamelmusen, fein zu Saft gepresst, mit etwas Lindenblütenhonig verfeinert … sollte helfen… jedenfalls, wenn ichs anwende.

Besser: Vorbeugung! Und nächstes Mal allen Widrigkeiten zum Trotz den Mantel anziehen und offene Fenster schließen…

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Wer mich kennt, oder diesen Blog verfolgt hat, kennt mein „Joggingexperiment“. Ich bin seit 30 Jahren schlicht und einfach unsportlich und auch als junger Mensch  war Ausdauer nicht eine meiner Eigenschaften. Das zur ganzheitlichen Gesundheit auch eine gewisse sportliche Fitness gehört, sieht auch eine vernaschte Kräuterhexe jammernd ein…

Meine früheren Joggingversuche scheiterten jedesmal kläglich: Die Anfängerprogramme machten mich dermaßen fertig, dass ich eine Woche Urlaub brauchte… und was hab ich nicht alles versucht: Fitness-Studio, Brigitte – Lauftraining, meinen Mann, der mit einer Sahnetorte bewaffnet vorauslief…

Da ich in dem Alter bin, wo sich jahrelange Fitnesspausen doch böse bemerkbar machen (ein bisschen Neid auf die Jugend…) musste was passieren. Radfahren bei norddeutschem Dauerschietwetter – nein… Nordic Walking (wurde mir so oft empfohlen)? Bitte nicht böse sein… also echt… nee… irgendwie… ich will keinen beleidigen, aber irgendwie hab ich das Gefühl gehabt, kostet Einiges an Spezialequipment und ist für mich irgendwie nichts halbes und nichts Ganzes… ja, ja ich weiß, die Bewegungen sollen total natürlich sein, naja, ich bin halt auch nicht natürlich, vielleicht passt es deswegen nicht unbedingt zu mir.

 

Es führt nun mal kein Weg drumrum: praktisch, prima, preiswert, vorbereitungsfrei und überall zu machen: Laufen! Sicherlich auch ein wenig effizienter als Walken, so auf den Zeiteinsatz bezogen…

Irgendwo hatt ich dann auch gelesen, man könne in jedem Alter anfangen. Sämtliche Ausreden sind mir somit abhanden gekommen.

 

Da die bisherigen Trainingspläne bis auf Wundenlecken nichts gebracht haben, suchte ich weiter. Und da fand ich ihn: Einen Trainingsplan für Menschen meines Alters und meiner Kondition…

 

Also ran. Die Einheiten waren sehr überschaubar. So fängt der Plan mit mehreren 1-Minuten-Abschnitten an. Ja, das ist ein erreichbares Ziel, eine Minute sollte man irgendwie schaffen…

Was soll ich sagen? Ich schaffte… naja, die letzte Minute in diesem Plan ist immer gefühlte 2 Stunden lang, aber überschaubar. Noch ein Schritt und noch ein Schritt…

Ich mach das jetzt ein paar Wochen. Jede dritte Einheit wird um eine Minute gesteigert, schließlich werden auch die Laufintervalle gesteigert. Scheinbar ist das jetzt genau für mich gemacht. Die Einheiten sind immer noch anstrengend, aber ich liege nicht mehr „Lunge, komm bald wieder“ – lallend am Straßenrand.

Schon in der zweiten Woche bemerkte ich erstaunliche Veränderungen. Erstaunlich deshalb, weil ich ja wirklich nur minimale Einheiten gelaufen bin, für die der Profi nicht mal Schuhe anziehen würde. Ich hatte nicht soviel Hunger, war insgesamt wacher, fitter und schlief besser. Ich schlaf leider nicht so gut, weil ich doch einiges an Problemen hab, die mir ständig im Kopf kreisen. Scheinbar kann man sich die, zumindest stundenweise, wirklich aus dem Hirn laufen.

 

Leider war mein Mann in den letzten Tagen recht oft unterwegs. Irgendwie wog das Wohlgefühl nach dem Laufen aber die Strapazen voll auf. Ich war stolz auf mich, das ich kleine dicke Unsportliche schon bis hierher gelangt bin. Damit das ganze nicht wieder aufgegeben wird, fasste ich mir ein Herz und lief allein. Hätt ich sonst nicht gemacht, weil ich schlicht und einfach Angst hatte, tot als Vierfruchtmarmelade aufs Pflaster zu knallen, wenn meine Organe sich doch zu sehr beansprucht fühlen und niemand bei mir ist, der erste Hilfe kann oder wenigstens ein Handy bei sich hat.

Da ich das Laufen aber bisher gut weggesteckt hab, lief ich nun allein. Auch noch eine längere Einheit…

 

So stolz war ich lange nicht: Zum Einen, weil ich mich aufgerafft hab, zum anderen, weil ich keine Angst hatte, das mein Körper versagt.

 

Als ich meinem Mann meine Beobachtungen der körperlichen Veränderungen mitteilte, sagte er mir, dass eine junge Nachbarin seit letztem Herbst auch jogge. Am Anfang genau wie ich, mit der Grazie eines fußkranken Nilpferdes, keuchend und nur meterweise. Inzwischen würde sie morgens flott an ihm vorbeijoggen und hätte nach seiner Schätzung etwa 20 kg verloren…

Holla! So eine Motivation hätte auch eher kommen können!

Ja, ich hatte auch schon in den ersten 2 Wochen 2 Kilo abgenommen. Hab aber mit gerechnet, das das nur so ein Anfangseffekt war. In einem halben Jahr 20 kg? Weiß nicht, geht vielleicht. Fakt ist aber, du nimmst ab. Wieviel auch immer.

 

Ich bemerke auch, dass mir Muskeln wehtun, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Joggen scheint also nicht nur auf die Beine zu gehen. Vor allem mein Brustkorb ächzt und stöhnt.

Mir scheint, als wäre Bewegung im Alter wichtiger, als in der Jugend. Oder vielleicht bewegt man sich im Alltag doch so wenig, dass der Körper jede Aktivität gierig aufsaugt.

Möglicher Weise bemerkt man die positiven Auswirkungen wirklich erst, wenn einen das Zipperlein plagt. Ein junger, gesunder Mensch hat die Probleme ja nicht.

Ich werde jedenfalls dabeibleiben. Fühle mich trotz immer noch lächerlich kleiner Laufintervalle 10 Jahre jünger! Das ist auch schon anderen aufgefallen.

 

Wer weiß, vielleicht mach ich bald statt Kräuterwanderungen Kräuterläufe??

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Ich hab neulich ein wenig Großstadtluft gewittert und bin auch in den Shop eines namhaften Herstellers für biologisch hochwertige Möbel und Kleidungsstücke gegangen. Ein neu erblühendes Untersegment ist hier die Naturkosmetik. Naturkosmetik – wenn sie denn wirklich welche ist – hat schon ihren Preis. Hochwertige Öle schlagen kräftig zu Buche. Da es nicht schwer ist, sich reine, pure Naturkosmetik selbst zu machen, kauf ich in der Regel nichts, aber mal schnuppern, schauen und Rezepturen und Ideen als Anregung mitnehmen, macht mir Spaß.

Da stieß ich auf ein kleines Päckchen mit Badepralinen. Drei kleine Pralinchen hatten hier den stolzen Preis von 11,80 Euro! Ich kann es nur noch mal sagen: 11,80 Euro! Das sind fast 4 Euro pro Pralinchen.

Badepralinchen sind meist aus Kakaobutter und pflegen die Haut wunderbar. Ich liebe Badepralinen und mache sie in allen Variationen. Da Kakaobutter schon bei 30 Grad schmilzt, reicht es aus, die Dose auf die Heizung zu stellen, ätherische Öle dazuzugeben, das ganze in Eiswürfelförmchen zu geben und fertig sind sie… ruckzuck und vor allem: Preiswert! Meine Pralinen, in der Größe der dort angebotenen, dürften in der Herstellung, je nach Aromaöl oder sonstigen Zusätzen, etwa 20 bis 50 Cent kosten. 4 Euro wäre da schon mal ein recht stolzer Aufschlag.

 

Ich schaute noch schnell auf die Zutaten, nicht das hier irgendwas Superbesonderes drin ist, was den Preis rechtfertigen würde. Nööö… Kakaobutter und eine Prise Lavendelblüten obenauf. Wirklich nichts Spektakuläres.

 

Also entweder fällt mir das Geld förmlich aus der Tasche, oder ich verzichte auf den Hautschmeichler, oder ich mach ihn mir selbst. Letzteres empfehle ich von ganzem Herzen! Es geht schnell und einfach. Wer einmal welche gemacht hat, bleibt dabei.

 

Wenn man bei den Selbstgemachten dann mal mit dem Preis aus dem Shop hochrechnet, hat man einen fürstlichen Stundenlohn.

 

Wer selbst Hauschka, Weleda oder Logona zu seiner Marke erkoren hat, liegt richtig. Die Ingredienzen sind wertvoll und der Preis sicherlich auch gerechtfertigt. Aber mir scheint, das unter „Naturkosmetik“ mittlerweile auch viel auf den Markt kommt, das ob der einfachen Inhaltsstoffe schlicht überteuert ist.

So hab ich neulich in Hamburg auf dem Markt sogar einen Stand entdeckt, wo selbstgemachte Beinwellcreme verkauft wird. Das ist – man möge mir verzeihen – schon sträflich! Niemand, außer der Apotheker ihres Vertrauens und sie natürlich für ihren Eigenbedarf, darf Medikamente selbst herstellen. Und eine Creme die zur Linderung mancher Leiden  angepriesen wird, ist ein Medikament. Zudem sollte das kleine Döschen üppige 35,– Euro kosten! Das ist schlicht Abzocke. Ein Blick auf die anderen Döschen sprach dann auch noch Bände. Die hochgelobten Gesichtscremes gaben weder Inhaltsstoffe noch Haltbarkeitsdatum preis. Das hier jemand illegal rührt, ist sehr wahrscheinlich.

 

Nichts gegen den kleinen Kosmetikrührer, der hier und da mal was verkauft. Ist zwar auch verboten (davon kann man nahezu ausgehen, weil in der Kosmetikverordnung strenge Maßstäbe angelegt werden, wie z. B. eine Ausbildung in Chemie, labortechnische Prüfungen der Rezepte usw…), aber naja… ich bin genaugenommen auch dafür, dass der normal Kundige Kosmetik herstellen darf (Lebensmittel darf jeder, ist das nicht gefährlicher?), aber illegal ist das leider noch. Nur das der kleine Rührer nicht den dicken unverschämten Reibach macht. 35 Euro für ein kleines Döschen ist schon der absolute Hammer!

 

Also muss ich leider sagen: Augen auf! Auch bei Naturkosmetik und Kräuterfrauen. Was sich da allmählich tummelt, ist auch schon grenzwertig. So was macht den Ruf und auch den Markt kaputt. Seid nicht dumm, fragt nach, fühlt der Expertin auf den Zahn! Sich gründlich zu informieren, bevor man das Portemonnaie zückt, ist nicht verkehrt und kann vor Schaden bewahren.

Da holt euch die Beinwellsalbe lieber beim Apotheker. Die ist im Vergleich zu dem Marktdöschen ja gradezu spottbillig. Ich meide Apotheken ja auch, was bei mir aber mit dem Preis zu tun hat, aber wer wegen der Qualität sicher sein will, der sollte dort hingehen. Es ist möglich, dass hier die Salben auf Basis künstlicher Fette gemacht werden. Einfach mal fragen.

Also: Traut nichts und Niemandem. Mir auch nicht! Das lesen dieses Blogs ersetzt nicht den Einsatz des eigenen Gehirns! Im Gegenteil, Letzteres ist ausdrücklich erwünscht.

So! Wenn ich euch mit meinen Ausführungen, Tipps und Rezepten hilfreich sein konnte, freut mich das sehr. Wenn ihr dazu auch noch aus eigener Abschätzung und nicht blindem Vertrauen gekommen seid, freut mich das richtig. Ich bin schließlich auch nicht vor Irrtümern und Schreibfehlern geschützt. Traut EUCH mehr zu. Dazu gehört auch die Herstellung eigener Pflege. Es muss ja nicht gleich die komplette Serie von der Zahnpasta bis zum Shampoo sein. Ihr könnt so viel und seid nicht abhängig! Und da ich diese kleinen Pflegebömbchen sehr empfehle, wäre es doch mal eine Idee, sich so ein Pralinchen herzustellen…

 

 

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Ich bin recht zwiespältig beim Thema „Vorsorge“.

Irgendwas hat mich immer daran gestört, regelmäßig den Körper unters Mikroskop zu legen. Ja, sogar das obligatiorische Brüste abtasten ( im medizinischen Sinne, meine Herren!), war und ist mir unangenehm. Irgendwie assoziiert man seine Brüste nicht mehr mit Lust und Weiblichkeit, sondern als potentiellen Todbringer… Lasst uns die bloß gründlichst im Auge haben!

Dieses Vertrauen in Labor- und Gerätemedizin, ja auch das Verteufeln jeder Normabweichung (wie oft wurden die Normen z. b. für Blutdruck, Cholesterin und Gewicht schon geändert?) erscheint mir so widernatürlich.

Als ich mein erstes Kind bekam, stürmte die Hebamme dreimal mit dem Aufschrei: „Das Kind ist tot – wir haben keine Herztöne!“ auf mich zu (was selbst in dem Fall, dass das gestimmt hätte sträflich gewesen wäre), nur um festzustellen, dass sich diese blöde Kopfschwartenelektrode gelöst hat.

Kopfschwarte… irgendwie suggeriert das ja, das Babys dien Hornhaut am Kopf haben und sie nicht merken, wenn ihnen diese Metallfeder dort reingebohrt wird…

Mein Kind sah das wohl anders und hat sich das Ding regelmäßig  rausgerissen.

 

Eine andere Freundin war einige Monate nach der Geburt immer noch so fertig und geschafft, dass sie erstmal ein großes Blutbild machen ließ, um zu sehen “ wie es ihr geht“.

Also ich weiß das nach dem morgendlichen Aufstehen immer sofort und ohne Labor.

Als ich selbst nach einer schweren Krise vom Internisten ein 24 Stunden EKG machen ließ, überlegte er erst, ob er mich an dien Kardiologen weiterleiten sollte, aber dann zerknüllte er die Auswertung mit den Worten:

„Man kann Patienten auch machen.“

 

Oha, wieviel Weisheit in diesen Worten! Nicht jede Normabweichung ist unbedingt zu behandeln. Schwierig ist natürlich die Frage, was tolerierbar ist.

Da wurde ich zum ersten Mal darauf aufmerksam, wer um mich herum überhaupt Medikamente bekommt und wogegen. Und plötzlich unterhält man sich nicht mehr über Theater und Balett, sondern über seinen Blutdruck

Unser Fokus liegt nun auf der strengen Einnahmekontrolle und den Kontrolluntersuchungen.

Fast jeder, den ich kenne, und der Medikamente nehmen muss, bastelt eigenmächtig an der Dosierung. Da werden Tabletten halbiert, geachtelt, oder auch mal weggelassen. Man wird zum „Profi“. Weiß, in welcher Stimmung man wieviel Bruchteile seiner Arznei ins Wasserglas krümeln muss. Die Nebenwirkungen sind ja beängstigend. Manchmal nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich auch in Natura.

Ich finde diese Entwicklung nun wieder bedenklich… der Arzt verschreibt mir Medikamente und geht davon aus, dass ich diese Dosis zu mir nehme. Er stimmt seine Behandlung und zukünftige Dosierungen natürlich darauf ab. Mit eigenmächtigen Rezeptveränderungen ist der Behandlungserfolg nicht wirklich einzuschätzen.

 

Mein Vater hat öfter Probleme mit seinen Medikamenten. Teils schwillt ihm das Zahnfleisch so an, dass er kaum sprechen kann. Der Zahnarzt schneidet es dann schon mal runter. Da ihn das sehr belastet, „bastelt“ er an der Dosierung. Schraubt runter, regt sich auf, weil der Blutdruck zu hoch ist, nimmt mehr, hat dickes Zahnfleisch, mogelt runter…

Wie oft lag ich ihm in den Ohren, doch einfach den Arzt ein wenig zu nerven. Es muss ja wohl Alternativen geben. Wenigstens in der Medizin ist man doch nicht so alternativlos, wie in der Politik…

Sollte der Arzt so gar nicht zugänglich sein, würde ich einen anderen fragen… Punkt!

 

Völlig daneben finde ich die neuen Darmkrebsvorsorge-Werbespots. Wie gehen wir mit ernsten Krankheiten um? Wir gucken regelmässig in den Körper und schaun mal, ob was da ist… würde man genauso viel Energie in die „Vorbeugung“ legen, wie in die „Vorsorge“ (im Sinne von „vorher Sorgen machen“), hätten wir sicherlich weniger Krebsfälle. Denn eins ist sicher: Wenn ich nachguck und wegschneiden muss, dann ist der Krebs ja da. Ich habe da absolut nicht vorgesorgt, sondern nur kontrolliert, ob mein Körper mir eventuell gefährlich wird.

 

Mit dieser ständigen Fokussierung auf meinen „gefährlichen Körper“ wird Angst geschürt. In den USA ist „frau“ teilweise so verängstigt, dass sie sich die Brüste vorsorglich abnehmen lässt…  Was nicht da ist, kann nicht entarten. Mit diesen Worten hat mir auch mal ein Chirurg mehrere Leberflecke entfernt, die nachweislich nicht bösartig waren. Dafür habe ich heute ein paar Ziernarben am Körper, die Frankensteins Gesellenstück alle Ehre machen würden. Nun, ich war jung, ließ mich noch in Panik versetzen…

Für meine obigen Ausführungen, gibt es mittlerweile Studien. In Bezug auf Brustkrebs ist der Wert der Vorsorge tatsächlich umstritten. Zum Einen, weil Sie ein ständiges Angstbild hinterlässt und zum Anderen weil sie längst nicht die Erfolgsquote hat, die man uns glauben machen will. Die meisten Brustkrebsknoten werden immer noch von den Frauen selbst und nicht bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt.

Interessant ist dabei eine Studie aus Dänemark (hier), die zu dem Ergebnis kommt, das der Brustkrebs im allgemeinen zurückgegangen ist. Das gilt aber nicht nur für die Frauen, die die Vorsorgetermine einhielten, sondern auch für die Gruppe, die keine Vorsorgetermine in Anspruch nahm. Bedenklich ist eine gewisse Zunahme bei jüngeren Frauen.

Bei „Bild der Wissenschaft“ geht man sogar noch weiter und zeigt negative Folgen der Vorsorge (Beispiel Prostatakrebs) auf (hier).

„Mythos Krebsvorsorge“ ist der Artikel betitelt.

Glaube also keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Bisher sieht es scheinbar so aus, das in 10 Jahren eine von 1000 Frauen ihren Brustkrebs durch die Vorsorge entdeckt…

Nun, da scheiden sich absolut die Geister und die Fachleute. Wie sinnvoll das „vorher Sorgen“ ist, lässt sich sicherlich nicht abschließend beantworten.

„Ich habe viel durchgemacht, in meinem Leben und einiges davon hab ich auch erlebt…“

Dieser Satz geht mir nicht aus dem Sinn. Ich kenne viele, die sich ständig um irgendetwas sorgen, was dann doch nie eintritt. Meine liebe Mutter hatte vor so vielen bösen Krankheiten Angst, die nie eingetreten sind. Für mich zählt übertriebene Vorsorge dazu.

Was heißt übertrieben? Ja, da hab ich auch kein Patentrezept. Zum Zahnarzt würde ich regelmässig gehen, auch wenn hier die Säumigkeit nicht tödlich wäre…

Speziell beim Krebs hab ich es in meinem Umfeld oft erlebt, dass die Erkrankung vom Patienten selbst, aber nicht durch die Vorsorge entdeckt wurde. Die nahezu als Stippvisite zwischen Mittag und Kaffeetrinken umworbene Darmspiegelung ist ebenso umstritten. Sowohl in ihrer Zuverlässigkeit (nicht jeder Polyp ist ein Tumor), als auch in ihrer Belastung für den Körper, gerade für Ältere. Wer einfach mal „Vorsorge“ und „Kritik“ googelt, wird hier eine Menge finden.

Das verunsichert noch mehr. Es gibt Bereiche, wo ich Vorsorge, die ja eigentlich mehr eine Kontrolle ist, uneingeschränkt  für wichtig halte. Bei der Entwicklung von Kindern zum Beispiel. Aber viele andere Fälle halte ich sogar für bedenklich.

Genaugenommen ist der Weg auch nicht der, den Krebs rechtzeitig zu entdecken, das wäre zweitrangig, der Weg wäre, ihn zu verhindern. Was eben Vorbeugung und nicht Vorsorge ist.

Wenn wir uns da mal mein Lieblingsthema „Darmsanierung“ angucken, haben wir schon einen Ansatzpunkt. Eine gesunde Darmflora ist in der Lage kanzerogene Zellen zu neutralisieren, eine kranke produziert u. U. welche. Also saniere ich hier und warte nicht ab, bis ich einen Krebs entdecke…

Ich will nicht behaupten, dass Darmsanierung ein Allheilmittel oder eine Garantie gegen Darmkrebs ist. Aber mit Sicherheit ein wichtiger Punkt. Nach meiner ganz persönlichen Meinung wichtiger, als diese propagierte „Hafenrundfahrt“ in meinen Eingeweiden.

 

Es gibt viele einfache Mittel gegen Krebs. Keines davon ist ein Wundermittel mit Heilungsgarantie. Aber genauso, wie ich Krebsauslöser meiden soll (Essen und Umfeld, Stress…), kann ich Krebsbekämpfer bevorzugen. Ich lebe damit vielleicht das kleine Bisschen gesünder, das einen Krebsausbruch verhindern könnte… da die Krebsbekämpfer keinerlei Nebenwirkungen haben und oft auch schmackhaft sind, wüsste ich nicht, was dagegen sprechen sollte. Wir können sie in unseren Alltag integrieren.

 

Vielleicht müssen wir Krankheiten wie Krebs völlig neu bewerten. Schulmedizinisch wird die Bekämpfung der entarteten Zellen in den Fokus gerückt. Was aber macht der Herbalist (Kräuterheilkundige)?

Im Herbalismus wird Krankheit anders gesehen. Herbalisten (in England – hier gibt es keine Praktizierenden) und viele Heilpraktiker können nur durch Ansehen und Zuhören sehr viel über den Gesundheitszustand des Patienten lesen. So ungefähr wie der mittlerweile ausgestorbene Landarzt, früher, ohne Labormedizin.

Das ist keine Zauberei. Eine Krankheit im Inneren sendet immer ihre Zeichen auch ins Außen. Wer aufmerksam zuhört, zusieht, riecht… der dürfte eine recht gute Diagnose hinbekommen. Es gibt sogar die „Antlitzdiagnostik“, wo man dem Patienten nur ins Gesicht schauen braucht… ich verlasse mich jedenfalls lieber auf den gesunden Menschenverstand meines Behandlers, als auf eine Laborauswertung.

 

Im Herbalismus sieht man Krebs als ein Versagen des Immunsystems. Jeder Mensch hat normalerweise eine gewisse Anzahl von Krebszellen im Körper. Und normalerweise entledigt sich der Körper dieser Zellen, wie jedem anderen Stör- oder Schadstoff auch.  Aber plötzlich passiert etwas: Der Körper scheint die Krebszelle nicht als solche zu erkennen.

Der Herbalist wird nun also immunstimulierende Kräuter verschreiben, auch Kräuter, die das befallene Organsystem stärken. Außerdem wird er die Leber unterstützen. So ungefähr darf man sich eine Begleitung eines Krebsgeschehens bei einem englischen Herbalisten vorstellen.

Es gibt auch Kräuter, die direkt auf, oder über dem Tumor (auf der Haut eben) aufgetragen werden. Diese Kräuter gehören allerdings nicht in Laienhand. Ich kenne auch keine Herbalisten, die das bei Menschen anwenden. Bei Tieren wirds noch oft erfolgreich gemacht (Herbalisten behandeln auch Tiere – oder eben der Tierheilpraktiker). Ansonsten machen es einige Mutige in Eigenregie. Für den Fall, dass die Schulmedizin aufgegeben hat, wäre das meiner Meinung nach durchaus legitim.

 

Nun, wir sind die Meister unseres Lebens! Von unserer Entscheidung hängen unsere Chancen ab. Wir können uns unsere Therapeuten und Therapien selbst aussuchen. Natürlich müssen wir mit den Konsequenzen auch leben. Wenn ich mich wirklich nach allen Seiten informiert habe, ist meine Entscheidung ok. Auch wenns letztendlich vielleicht doch die falsche Entscheidung war…

 

Also ich empfehle „vorbeugen“ und nicht „Sorgen machen“. Sorgen machen dann, wenns auch wirklich nötig ist. Schon allein ein bisschen gesünder leben, dürfte ein paar Pluspunkte in der Vorbeugung geben. Alles was den Körper stärkt. Sport, Ernährung, seelische Streicheleinheiten, gesunde Beziehungen und Jobs.

Wer mehr tun will, nimmt auch öfter krebswidrige Kräuter zu sich. Auch wer vielleicht familiär belastet ist, könnte mit den „grünen Schwestern“ viel tun. Kräuter, die im allgemeinen in den sog. „Lebenselexieren“ enthalten sind z. B., Brennnessel, Löwenzahn, Schafgarbe, die Vielzahl der asiatischen Kräuter, die jetzt im Handel sind, wie z. B. der Jiaogulan…

Brennnessel für die Herren, Kakaobutter und Rhizinusöl (Rhizinus natürlich äußerlich) für den Busen…, Schokolade (in therapeutischen Dosen ;-)).

Nebenbei werden wir insgesamt gesünder und auch schöner… den in der Hautpflege ist Kakaobutter fast nicht zu übertreffen.

 

Meine ganz persönliche Meinung: Durch unsere Entfremdung von der Natur, besonders durch die permanente Belastung mit Chemikalien und Schwermetallen (allein durch unsere denaturierten und gepanschten Lebensmittel), hat es unser Körper schwer, sich selbst zu helfen. Sobald wir „Natürliches“ zu uns nehmen, wie z. B. Wildgemüse, spricht unser Körper sofort freudig darauf an. Seltsamer Weise werden fast täglich neue krebswidrige Kräuter gefunden. Wie kann das sein? Ich denke, weil da halt noch etwas drin ist, was in unseren Lebensmitteln nicht mehr zu finden ist, der Körper aber dringend braucht. Somit wäre eine natürliche Ernährung an sich krebswidrig und nicht unbedingt jedes einzelne Kraut.

 

Wieviel „Vorsorge“ jeder braucht, kann ich natürlich nicht beantworten. Vielleicht fühlen Sie sich sicher, wenn Sie die Empfehlungen gewissenhaft befolgen. Vielleicht quälen sie sich auch unnötig Wochen vorher… für mich gibt es auch hier den „goldenen Mittelweg“. Wie Ihrer aussieht, kann ich nicht sagen. Alternativlos sind wir hier aber nicht 😉

 

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