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Archive for Mai 2011

Kinder sind unsere Lehrmeister. Auch als Kräuterhexe komme ich immer wieder zu dem Schluss. Ich unterrichte z. Zt. innerhalb der Nachmittagsbetreuung Naturkosmetik an unserer Schule. Diese Woche sind wir (da mein Budget ein wenig knapp ist), einfach in den Schulwald marschiert und haben ihn geplündert. Wir wollten Gesichtswasser gegen erste Pickelchen machen und eine Creme für Mutti (Muttertag naht)…

Da diese Gruppe aus 10-11 Jährigen besteht, die beileibe noch keine komplizierte Kosmetik nötig haben und die sowieso noch spielerisch an die Sache herangehen, halten wir die Rezepte wirklich absolut einfach. Unser Gesichtswasser besteht da nur aus Kräutertee (mit destilliertem Wasser gekocht) und einem Schuss Obstessig.

Als Kräuter haben wir Gundermann gesucht (super für die junge Haut und auch erste Pickel) und auch Spitzwegerich (für die empfindlicheren). In die Creme, die ich mit einer anderen Gruppe machen wollte, sollte Goldnessel.

Die Rezepte habe ich aus einem Naturkosmetikbuch, dass sich wirklich aufs Wesentliche beschränkt. Andere Zutaten als Öl und Bienenwachs sind hier kaum zu finden.

So ein Gesichtswässerchen ist natürlich im Handumdrehen gemacht. Es riecht ein wenig nach Essig, aber wen das nicht stört, der hat einen wunderbaren Hautpfleger. Da die Kinder kaum zu bremsen sind, nahm ich mir auch Einiges mit nach Haus. Für die empfindliche Haut kam auch noch ein wenig Honig ins Wässerchen.

Die Goldnesselcreme ist eigentlich eher eine Salbe. Sie hat keinerlei wässrige Anteile. Normaler Weise mögen die meisten diese Haptik nicht. Natürlich ist Salbe „schwerer“ und zieht nicht so leicht ein. Wir sind halt chemieverwöhnt. Ich nehme meist ganz wenig Salbe, oder trag sie auf die feuchte Haut auf, oder vermische sie in der Hand mit ein wenig Wasser. Meine nicht mehr ganz junge Haut mag die Konsistenz eigentlich ganz gern.

Ich habe zuvor auch noch nie Goldnessel verarbeitet. Mir war keine herausragende Wirkung der Nessel auf die Haut bekannt. Da diese Salbe eine hervorragende Nacht-Nährcreme sein soll und da die Nessel z. Zt. üppig in den Wäldern wächst, musste ich das natürlich ausprobieren.

Wir haben also auch die Goldnesselsalbe gemacht. Statt eines Pflanzen-Ölauszugs sollte in diesem Rezept das Öl (100 ml Weizenkeim) zusammen mit der Pflanze (500g) erhitzt werden.  Das Ganze sollte langsam erkalten und danach nochmals kurz erhitzt werden.

Das war gar nicht so einfach. 100 ml Öl für 500 g Kraut ist wirklich wenig. Teilweise hatte ich Angst, die Blätter zu fritieren und wechselte schnell von Herdplatte zu Wasserbad. Auch kenne ich es eigentlich nicht, Weizenkeimöl zu erhitzen. Ich gebe es meist nur in mäßiger Wärme zum Schluss dazu.

Nach dem zweiten Erhitzen hatte ich eigentlich mehr einen grünen Brei. Den abzuseihen war gar nicht so einfach. Die Salbe erkaltete teils schon im Sieb.

Schließlich hatte ich doch genügend Creme erbeutet. Und seit ein paar Tage wende ich die Mittel an. Das einfache Gesichtswasser mit Obstessig und die Bienenwachs-Weizenkeimsalbe mit Goldnessel.

Die Wirkung ist umwerfend. Ja, so etwa ein halbes Stündchen nach dem Auftragen merke ich noch deutlich den Salbencharakter, aber dann ist die Creme kaum noch zu spüren. Nur die Haut ist deutlich weicher und „entknittert“. Dieses Gefühl hält den ganzen Tag an.

Ich finde es wirklich schade, das Salben für die reine Pflege so einen schlechten Ruf haben. Wem eine Salbe deutlich zu üppig ist, der sollte sie wirklich nur hauchfein und auf feuchter Haut auftragen.

Ja, Kosmetik kann pur und einfach sein. Ohne Harnstoff – sorry – weniger anrüchig: Urea, ohne Allantoin, ohne Hyaluronsäuren und irgendwelche Mikro-, Nano-, Sonstwaspartikel.

Die Ergebnisse sind so spektakulär, dass man sich echt fragt, wie wir dazu gekommen sind, soviel Brimborium auf unsere Haut zu lassen. Und Salben, ja Salben halten mangels Wasseranteil wirklich sehr lange. Das Wasser wird, wenn überhaupt, beim Auftragen frisch mit zugegeben.

Erste Versorgungsengpässe aufgrund der neuen Eu-Richtlinie sind mir schon aufgefallen. Da ist es doch super, dass wir mit einfachen Mitteln soviel erreichen können.

So gibt es den ehemals größten Kräuterarzneihersteller „Madaus“ so nicht mehr. Er hat sich „übernehmen“ lassen. Ein Blick auf die Homepage lässt gerade nochmal drei Heilkräuter finden.

Bei Weleda fällt noch nicht viel auf, allerdings lässt sich z. Zt. die Seite „Mittel von A-Z“ nicht abrufen. Da scheint etwas überarbeitet zu werden.

Es ist wie es ist. Auch die kleinen Kräuterarzneimittelhersteller müssen sich ja irgendwie anpassen und ihre Schäfchen ins Trockne bringen. Das haben sie sicherlich schon bei Inkrafttreten (2004!) gemacht. Ob durch Reduzierung des Angebotes, Fusionen, oder Verlegung der Märkte, das werden wir erst noch rausfinden müssen.

Außerdem häufen sich die Beiträge in den Medien, die Alternativmedizin in Frage stellen. Ja sogar neue Angriffe auf die Homöopathie musste ich feststellen. Es werden „Wunderheiler“ an den Pranger gestellt und alle labortechnisch nicht gesicherten Methoden gleich mit (NDR). Ich rechne damit, dass wir demnächst vermehrt Studien über die Gefährlichkeit einiger Kräuter um die Ohren kriegen und ein paar Fälle, die nach der Einnahme von Löwenzahn ins Koma fielen…

Gut, das war vielleicht ein bisserl überspitzt, aber so und so ähnlich geht es doch schon seit Jahren. Naturmediziner und -heiler werden das wissen.

Schön, dass wir beim Einfachen bleiben können. Schlicht nach der Faustregel: Was man Essen kann, kann man sich auch ins Gesicht schmieren. Wobei ich das ein wenig auf Lebensmittel ohne Puls beschränken würde….

Die Rückkehr zu den einfachen Schönheitsrezepten bewahrt uns auch vor Konservierungsmitteln. Ich hab vor grob einem Jahr über die Gefährlichkeit der Parabene geschrieben und auch darüber, dass die in Frankreich wegen Brustkrebsgefahr längst verboten sind. Meine Warnungen hier wurden heruntergespielt. Auch eine Apothekerin meines (damaligen) Vertrauens wies freundlich darauf hin, dass sie schließlich studiert hätte und ich nicht jeden Scheiss glauben solle. Auch in der Apo würden sie diese Stoffe für ihre Cremes nehmen.

Wer jetzt mal aufmerksam durch die Kosmetikregale geht, wird vermehrt den Aufdruck „ohne Parabene“ finden. Aha. Warum extra darauf hinweisen, wenn die doch harmlos sind?

Weil hier der Verbraucher auch erst informiert wurde, nachdem die Wirtschaft ihre Produktion umgestellt und die Lagerbestände verramscht hat.

Wir Deutschen streiken doch so gern. Sie nicht? Weil Sie auch nicht bei der IG Metall sind, oder kein Eisenbahner? Sondern genau so ein kleiner Fisch wie ich, der beim bloßen Andeuten von Streik auf der Straße stehen würde?

Na, dann mal jetzt. Lasst uns alle gemeinsam streiken. Also so ein Streik, von dem JEDER Bürger etwas hat. Man kann wirklich ALLES, was zur Körperpflege gehört, selbst machen, ohne studiert zu haben. Sogar Deo. Da findet ihr ein paar super Rezepte auf Elianes Seite (siehe meine Links auf der rechten Seite 😉  )

Es gibt mittlerweile viele Kosmetikrührerinnen. Auch einige, die wie ich, mehr Kräuterhexen sind und nicht den Hobbythekbaukasten verwenden. Wir dürfen euch das zeigen. Machen leider nicht. Die Auflagen sind nahezu nicht erfüllbar. Oder wir würden uns illegal betätigen. Viele Seifensiederinnen machen das und hoffen, das da nichts passiert. Na, ich drück euch die Daumen, Mädels, aber ich kenn auch andere Fälle.

Wer eine Seifensiederin kennt, oder eine ist, ist ebenfalls glücklich dran. Handgekochte Seifen mit natürlichen (!) Zutaten machen weitere Körperpflege mit Cremes oft entbehrlich. Zwar ist der Säureschutzmantel eine Weile weg, aber der kommt rasch wieder. Lasst euch da nichts erzählen. Die Pflege hingegen ist super!

Aber Vorsicht auf den so beliebten Bauernmärkten! Gerade weil diese Seifen so beliebt sind, wird hier viel gemogelt. Besonders wenn es recht farbintensive Seifen sind, sollte man mal kritischer schauen.

Wirklich handgesiedete, mit Liebe hergestellte Seife kann auch nicht billig sein. Rechnet sich jedoch trotzdem, weil man viel Creme spart…

Meine Pläne nach England oder Irland auszuwandern, werden mir leider auch nicht lange helfen. Die EU ist überall. Nun ja, was ich in meinen vier Wänden für mich tue, geht (noch) niemanden etwas an. Irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass wir so langsam auf eine zweite (Kräuter-) hexenverfolgung zusteuern. Aber ich werde das Wissen bewahren und auch weitergeben. Und da bin ich nicht die Einzige. Denn dieses Mal gibt es viele von uns. Und wir sind da! Bleibt kritisch!

So – ich creme mir eins… da fällt mir ein, ich wollte auch die Haarfarbe mal wieder etwas anhübschen. Zwiebeln und Lorbeerblätter – ein nettes Rotbraun!

Einen schönen Muttertag euch allen!

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