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Archive for Januar 2016

10. September

Die letzte Tour war in Bezug auf Kräuter ernüchternd. Aber ich erwähnte ja bereits, dass wir hier so artenarm sind, eine regelrechte Kultursteppe, dass wir uns über manches Kräutlein so bannig freuen, das einem „südlichen“ Niedersachen vielleicht nur ein müdes Lächeln abfordern würde. Man merkt wirklich deutlich, dass die Flora bunter wird, wenn man hinter Hamburg (hier von uns aus gesehen, also südlich davon) ist. Das gilt aber ebenso für den Osten. Auch in Mac-Pomm gibt es schöne Ecken. Am Klima dürfte es also nicht liegen. Ich vermute, es liegt an der Bewirtschaftung. Schleswig-Holstein ist das waldärmste Bundesland (fällt gar nicht so auf, weil wir mit unseren Stränden punkten, gell?). Landwirtschaft wird hier groß geschrieben (vor Allem auf den Flurkarten) und auch die Art und Weise, wie man heute mit Beikräutern verfährt, lässt ihnen kaum noch eine Chance. Wegränder werden vor der Blüte gemäht (So sind Johanniskrautstellen hier echte Geheimtipps) und auch das in anderen Bundesländern immer mehr praktizierte natürliche Belassen eines Randstreifens in Feldern (für Kornblumen u. ä.) hab ich in meinem Umfeld noch nicht gesehen.

Zum Glück gilt das Gesagte nicht zu 100 %. Hier und da finden sich noch kleine Idyllen. Wobei die Betonung auf „klein“ liegt. Das von mir letztens besuchte Schutzgebiet für Birkhühner, war ein winzig kleines Moor – ich möchte mal behaupten, es hatte etwa Fussballfeldgröße. Da kannst du schützen was du willst, auf so einer kleinen Fläche bleibt doch nichts, was Puls hat. Da hast du auf dem Papier ausgewiesene Schutzgebiete und in Wirklichkeit zeigt dir das Birkhuhn den Stinkeflügel und tippt sich an die Stirn. Ich habe sogar einen Anwohner gefragt, der mir ebenfalls bestätigte, das kein Birkhuhn so lebensmüde wäre, dort zu nisten.

Etwas größer und auch artenreicher ist da schon der Naturpark Aukrug. Das hört sich jetzt gewaltiger an, als es ist. Denn auch der Naturpark Aukrug ist nicht mehr als eine auf der Landkarte großzügig umkreiste Fläche, die vielleicht im Vergleich zum Rest unseres Kreises wirklich mehr Wald hat und den auch noch teilweise zusammenhängend.

Wie dem auch sei – hier gibt es, am Boxberg, wunderschöne Heideflächen. Der Wald sieht in letzter Zeit etwas arg zersaust aus. Mir ist nicht bekannt, ob Absicht oder Windbruch. Wir werden sehen. Jedenfalls kann man am Boxberg wunderbar wandern. Auch für Familien mit Kindern ist das eine schöne Idee, denn hier ist ein kleiner Wanderpfad mit Spielattraktionen und Informationen für den Nachwuchs. Manche dieser „Spielgeräte“ (alle aus Holz, sich gut einfügend) sind etwas in die Jahre gekommen. Aber für gute Ideen brauch es ja auch immer Idealisten, Freiwillige und Ehrenamtliche, die so etwas am Laufen halten. Ein Budget seitens unserer Obrigen ist da in der Regel nicht vorgesehen…

 

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Die Heide am Boxberg- hier gibt es noch Blaubeeren!

 

Manchmal wandere ich also auch bei uns am Boxberg. Ja, nehmt euch ruhig mal eine Landkarte und schaut, wie winzig die Wälder hier sind. So kann es dir zur Pilzzeit in der Gegend von Lohe – Förden schon passieren, dass dir die Pilzsammler in Reih und Glied, im praktischen Zwei-Meter-Abstand, mit Körbchen bewaffnet entgegenkommen. Auch hier gibt es etwas Heidelandschaft und wenn die Pilzfreunde unterwegs sind, kannst du glauben, das ist irgendein CSI-Geschwader bei der Tatortuntersuchung. Die Möglichkeit an „Altersschwäche“ zu sterben, haben Pilze in diesen Wäldern nicht.

Rund um den Boxberg gibt es auch viele Pilze (Wenn das hier jemand von den Lohe – Fördernern – Pilzsucher liest… nein, stimmt nicht…  schreibe ich nur aus künstlerischer Freiheit… 😉 ).

Also hier gibt es für unsere Verhältnisse viele Pilze, darunter Birkenpilze, Maronen und Steinpilze. Manchmal findet ihr mich hier zum Sammeln…

 

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Ein Perlpilz – zu meinem und seinem Glück selten auf der Sammelliste der Pilzjäger

 

Hier am Boxberg kann man auch, wenn man schneller ist, als die Ziegen, wunderbar Blaubeeren sammeln. Seltsamer Weise findet man wenig Menschen im Gesträuch. Heutzutage nutzen diese kleinen Geschenke von Mutter Natur kaum noch Menschen, oder sie haben Angst davor… Oft kräftig von den Medien geschürt. Nach denen ist man schon nach 50 Bucheckern dem Tode geweiht (Danke liebe Volkszeitschrift mit den vier großen Buchstaben!). Aber könnt ihr euch etwas Leckereres vorstellen, als Blaubeermarmelade mit weißer Schokolade?

Zurück zu meinen Pilzen. Wenn man nicht unbedingt einen der ganz giftigen Vertreter erwischt, sind sie sehr gesund… Okay, okay, ich muss da mal wieder ein paar Einschränkungen machen. Auch die guten Pilze sind nicht unbedingt gesund, wenn sie zu strahlenbelastet sind, aber so etwas könnte man hier überprüfen: BfS

Zugegeben, in diesem Fall sind wir Nordlichter besser dran. Die Strahlenbelastung ist in Süddeutschland (nicht nur bei Pilzeen, auch bei Wild) deutlich höher. Aber beim Bundesamt für Strahlenschutz könnt ihr die Werte erfahren. Das geht sogar soweit, dass man die Belastung für einzelne Gewässer oder Fischarten einsehen kann.

Es ist wie es ist: wir müssen mit der Belastung leben. Ich habe mich bisher nicht vom Pilze- und Fischessen abhalten lassen, übertreibe es aber nicht. Auch das gehört zu einer „ausgewogenen“ Ernährung.

Gut…, das haben wir geklärt. Also auch bei uns gibt es sehr gesunde Pilze. Dazu müsst ihr nicht unbedingt auf Reishi oder Shiitake ausweichen. Den realtiv geschmack- und wirkstofflosen Champignon meine ich damit auch nicht. Leider könnt ihr nicht durch meinen Blog zum Pilzkenner werden, das müsst ihr schon Life und in Farbe lernen, aber dazu gibt es ja überall gute Kurse.

Wenn ihr so einen Kurs besucht, lasst euch unbedingt mal das Judasohr zeigen. Zugegeben, dieser Pilz sieht nicht lecker aus. Tatsächlich meint man, einen Baum mit knorpeligen Ohren zu sehen. Aber die meisten von euch haben ihn schon mal gegessen: Den berühmten Mu – Err Pilz beim Chinesen! Die Pilze dort wurden meist aus Vietnam importiert, aber er wächst auch bei uns und zwar am Holunder. Wolf-Dieter Storl weiß in seinen Holundergeschichten zu berichten, warum dort und warum er Judasohr heißt… ich verrate es euch nicht.

Von mir erfahrt ihr nur, dass er sehr gesund ist. In der chinesischen Medizin wird er gegen Arteriosklerose, zu hohem Cholesterin und bei Kreislauferkrankungen eingesetzt. Er wirkt entzündungshemmend und blutverdünnend. Es gibt Studien, die ihm eine Immunsystem steigernde Wirkung zuschreiben.

Kleingeschnitten und in heißer Milch (notfalls auch Wasser) eingelegt kann er nach kurzer Ziehzeit genutzt werden für:

Bindehautentzündungen, Lidrandentzündungen, Gerstenkörner, Augenentzündungen und Schleimbeutelentzündungen

Ich gehöre zu denen, die ihn trotz seiner seltsam weich-knorpeligen Konsistenz ganz gern mögen. Wenn wir Gesundes essen, tragen unsere Lebenmittel ihren Namen wieder zu Recht.

Wer nun dem Judasohr eine kulinarische Chance geben möchte: raus in die Natur und die Holunderbüsche absuchen. Oder kaufen. Dann würde ich jedoch Bioware bevorzugen. Besonders, wenn ihr „Heilendes“ im Sinn habt.

Auch andere Pilze sind heilsam. Unsere Speisepilze sind nun leider keine Vitaminbomben, aber mit Mineralstoffen können sie schon punkten.

Also traut euch wieder: Ran an die Pilze. Ganzjährig. Es müssen nicht immer Maronen sein (besonders auch deswegen, weil sie zu den „Strahlenden“ gehören – siehe oben). Natürlich könnt ihr auch weiterhin recht kostspielige Vitalpilze als Nahrungsergänzung kaufen. Aber: Warum in die Ferne schweifen…?

 

 

 

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September… es wird allmählich herbstlich, was im Wohnmobil ja eigentlich kein Problem darstellen sollte. In einem Wohnmobil nicht, aber in einem Hobby Vantana durchaus. Die Heizung, besser: die Steuerung derselben, funktioniert nämlich elektronisch und das mit dem Strom ist eine Never-Ending-Story in diesem rollenden Wohnwürfel. Nicht nur, dass die Batterie schnell im Nirvana ist, wenn man die Kiste mal drei Tage irgendwo abgestellt hat, nein, auch der Direktanschluss mit dem Stromnetz führt, vor allem nachts, wenn es einem kalt wird, zu ziemlich handfestem Frust.

Denn wenn eine Steuerung nicht steuert, passiert gar nichts. Manchmal verweigert schlicht das Display seinen Dienst. Weg isses. (ich habe das später testen lassen, am Display liegt es nicht… durch die Blume hab ich wieder „Anwenderdummheit“ suggeriert bekommen)

Ich schnattere mir mit gutem Bettzeug nicht so schnell was ab, meine beiden kleinen Begleiter schon eher, vor allem der Mops, der ja nun durch seine gesundheitlichen Probleme sehr schütteres Fell hat.

Das mir jetzt keiner kommt und sagt, so ein Auto hat ja noch eine Fahrzeugheizung. Notfalls könne man dreimal um den Block fahren. Ja, schau mal, das weiß eine Hausfrau auch. Aber ich weiß nicht, ob ich es mal erwähnt habe: ich fahre einen nagelneuen Hobby Vantana und da geht die Fahrzeugheizung auch nicht!!! Leider bemerke ich das erst jetzt, wo es deutlich frischer wird. Im Sommer ist mir das nicht aufgefallen, man möge mir das verzeihen.

Ich lass meine beiden also unter die Bettdecke. Normaler Weise dürfen sie das nicht. Sie haben ihr Körbchen unter dem Tisch und da käme unter normalen Umständen auch schöne warme Heizungsluft hin.

Aber zurück zum Standplatz. Hier gibt es Einheitspreis. Den finde ich, nachdem ich relativ preiswert an den schönsten Ostseestränden stand, im Vergleich schon recht happig. Außerdem gleiten wir ja gerade in die Nebensaison. Nun ja. Der Platz ist recht ordentlich, etwas betagt, der Stromkasten kriechend erreichbar. Kräuterhexen scheuen zum Glück keinen Bodenkontakt.

Nach der Ankunft schnapp ich mir meine Beiden. Viel auf- und umzubauen hast du ja bei einem Wohnmobil nicht. Ich gehöre nicht zu denen, die hier und da noch ein Unterlegkeilchen einbauen, um den Wagen genau in die Waagerechte zu bekommen (ist vermutlich bei längeren Mobilen eher nötig) und fahre auch nicht gleich Markise und sämtliches Gestühl aus. Was bei einer Ein-Personen-Reise ja noch übersschaubar wäre…

Also rauf auf den Deich… und wieder runter an den… den Strand? Kruzifix nochmal! (ich höre gerade nebenbei einen Rita Falk Krimi) Ich bin doch den Schildern gefolgt, wo ist denn der Strand? Am Deichfuss (heißt das so?) läuft ein Fahrradweg entlang, dahinter, so weit mein Auge reicht – zugegebener Maßen bei meiner Körperhöhe nicht so weit, wie bei anderen – grünes Marschland. Es sind ein paar Trampelpfade zu sehen, sonst nix. Aha! Ein Hinweisschild leitet mich rechts weiter. In der Ferne kann ich Tönning erkennen.

Jetzt aber zum Badestrand! Nur noch hier, an der Grasfläche entlang und…

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Land in Sicht – ein Strand nicht

 

Wie jetzt? Das ist der Strand? Der BADE-Strand wohlgemerkt?

Ich gehe etwas weiter, wo eine schmale Treppe über den Schotter ins Watt führt. Kein Irrtum möglich. Hier steht es sogar dran. Das ist die Badestelle. Nun ja, Wattenmeer: Das Meer ist nicht immer da, wenn du da bist. Aber so was, wie etwas Sand, wo man nach Muscheln gucken kann, hätte ich schon erhofft. Sehnsüchtig schau ich gen Norden, wo sich die Kulisse von Tönning abzeichnet. Da hab ich auch mal gestanden (Mit meinem alten Nugget! Drei Tage ohne Strom, aber warm! – friss das Hobby!). Ziemlich zentrumsnah, auf einem Platz mit allem Komfort, Blick aufs Wasser (erste Reihe), billiger und mit SAND am Wasser. Da gab es sogar ein paar Bäume in der Gegend und eine Menge schöner Kräuter am Strand… Gut, das war „nur“ die Eider, bzw. ihre breite Mündung. Aber DAS hier?

Gegenüber der Treppe ist ein kleiner Rastplatz mit einem Spielplatz. Zwar ganz nett und niedlich, aber nee… das hier, ist es wirklich nicht. Wer gern Rad fährt, der mag am Deich entlang seinen Spaß haben. Ich trolle mich.

Ich setz mich ins kühle Womo und koch erstmal ein Süppchen. Das macht die Bude etwas wärmer. Nach der Mittagspause geh ich auf der inneren Deichseite spazieren. Hier verläuft ein langer Wirtschaftsweg, vermutlich bis Deichende. Links Felder, rechts Deich. Nicht mal ein Schaf ist zu sehen. Wenigstens Schafgarbe. Ich nehme mir welche mit.

Die Schafgarbe ist so ein „Hilft-gegen-Alles“-Kraut, ähnlich wie die Kamille. Tatsächlich ähneln sich auch ihre ätherischen Öle in der chemischen Zusammensetzung. Und beide (Öle) sind blau. Sollte man nicht denken. Meistens kennt man die Garbe nur als Magenmittel oder gegen Frauenleiden. Gerade bei Letzteren spielt sie all ihre Trümpfe aus. Sie ist mein erstes Mittel bei Frauenbeschwerden aller Art. Erst wenn sie wirklich nicht mehr helfen kann, geh ich tiefer in die Sache.

Aber nicht nur Frauenleiden: Sie regelt auch zu hohen Blutdruck (schmeisst jetzt bitte nicht eure Bluthochdrucktabletten weg! So was muss langsam gemacht werden! Wenn ihr die Schafgarbe nehmt und sie deutlich hilft, dann wird euer Arzt euch mit den Tabletten neu einstellen!). Und noch einmal ein deutliches Wort: Bluthochdruck kriegt weder der Arzt mit EINER Pille weg, noch die Kräuterhexe mit einer Tasse Tee. Er kann viele Ursachen haben und in der Regel muss man genau DIE beseitigen. Die Schafgarbe hilft hier regulieren, besonders in leichten Fällen. Wer sehr hohen Blutdruck hat, wird seine Lebensumstände ändern müssen (Sorry, kein Medikament, weder Schulmedizin noch Alternativmedizin, können eine gesundheitsschädigende Lebensführung auffangen) und natürlich therapeutischen Beistand suchen. Nicht das irgendwann auf eurem Grabstein steht: Die Kräuterhexe hat gesagt…

Zurück zur Garbe. Ihr Potential ist sehr hoch. Neben o. g. Beschwerden kann sie auch bei Kopfschmerzen und in der Wundheilung hilfreich sein. Das gilt sogar für innere Wunden. Wer nach einer Operation Schafgarbe trinkt, ist meist schneller wieder auf den Beinen. Bei den Bachblüten und in neueren Alternativtherapien wird sie auch bei Strahlungsschäden, bzw. zum Schutz vor diesen und gegen Krebs eingesetzt.

Nicht zu vergessen: Sie ist lecker! War jahrhundertelang so etwas wie Pfefferersatz. Die frischen grünen Blättchen könnt ihr so kauen und in den Salat tun. Werden sie älter und zäher, ergeben sie immer noch ein gutes Suppengewürz. Dem Vergleich mit echtem Pfeffer kann sie m. E. nicht standhalten, aber etwas würziger wird das Ganze schon.

Und auf jeden Fall gehört sie in die Nähe geschwächter Pflanzen und auf den Kompost (als Komposthelfer).

Ich muss aufpassen, das das nicht schon wieder ein Plädoyer für die kleine Garbe wird. Ich habe schon an anderer Stelle viel über sie geschrieben…

Nach dem Abendbrot setzt hier eine Völkerwanderung ein: Alles läuft hoch auf den Deich. Einige haben eine Flasche Wein dabei. Ich frage mich wirklich, was ich gerade verpasse. Dann sehe ich es: Den Sonnenuntergang. Ja, das ist natürlich ein kleines Highlight. Und dann noch eine Flasche Wein links, den Liebsten rechts… meine Güte!

Aber das hier ist trotz des Sonnenunterganges (an der Ostsee hab ich halt den Sonnenaufgang zelebriert) nicht meins. Ich werde mit dem Platz nicht warm. Mir ist schlicht zu wenig „Gegend“ drumrum. Und mir ist völlig unklar, wie so ein Platz eine Bombenbewertung bekommen kann. Sicher: nette Betreiber sollen auch in eine Bewertung einfließen, aber das kann ja nicht Alles sein. Nette Nachbarn hab ich zu Haus auch.

Ich schau mir noch mal die Seite an, wo dieser Platz sogar mit Video in allen Tönen gelobt wird. Da Werbung alles suggerieren kann, schau ich lieber in die Bewertungen, die das normale Volk von sich gibt. Auch dieses Video soll so etwas sein. Nun ja, Geschmäcker sind ja auch verschieden, trotzdem kann ich diese Lobhudelei nicht nachvollziehen… und dann sehe ich: Als Platzbetreiber kannst du bei diesem „privaten“ Anbieter ein Video von deinem Platz machen lassen. Ziemlich professionell und mit einem Gütesiegel. Das Siegel vergibt er also nicht, es wird gekauft… naja.. von der Wirtschaft kenne ich das ja. Oder er findet wirklich jeden super, der ihn bezahlt.

Wie dem auch sei… Ich fühle mich nicht wohl. Ein bisschen wie abgeschoben. „Eingedeicht“. Vielleicht wirklich nur Geschmackssache, aber ich mach mich wieder auf die Reifen, hoffe auf genügend Fahrtwind, denn Reibung soll ja warm machen…

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  1. – 3. September 2015

Ich möchte nicht immer auf einen Campingplatz. Aber reine Stellplätze sind nicht so häufig. Mir gehen allmählich auch die Ideen aus. Da ich meinen Mops wegen seiner Impfprobleme nicht erneut impfen konnte, kommt ein Trip nach Dänemark auch nicht in Frage.

Aber ich habe schon oft Kräuterwanderungen in Städten gemacht. Kräuter wachsen überall. Und ich bin mehr auf Erfahrungen, als auf Kräuter aus. Ich lese eine Empfehlung über den Stellplatz in Friedrichstadt, der sich von viel Grün um geben an die Stadt schmiegt. Das Beste aus beiden Welten sozusagen.

 

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Schafe und Eider – wir sind in Friedrichstadt

 

Der Stellplatz gehört zu den modernen voll automatisierten Plätzen. Du ziehst eine Karte und suchst dir ein schönes Plätzchen. Davon gibt es hier genug. Alles läuft über diese Karte, dein Strom, Duschen, Waschmaschine…

Gut, ist nicht ganz so persönlich, funktioniert aber bestens. Nicht so ein Desaster wie in Pelzerhaken. Nachdem ich mich eingerichtet habe, nehme ich die beiden Hunde und wir sehen uns die Gegend an.

Friedrichstadt liegt sehr schön. Die Stadt allein ist als „Holländerstadt“ eine Reise wert, aber sie ist heute nicht mein Ziel. Wir wandern also in Richtung Eider und Schafe. Was die Natur hier zu bieten hat, ist typische norddeutsche Artenarmut. Ich bin ein wenig enttäuscht. Wenigstens ist der Platz von einer schönen Wildrosenhecke umwachsen, da kann ich mir noch eine wunderbare Rosenessenz machen.

Wieder am Platz schau ich mich dort noch ein wenig um. Er ist wirklich nett angelegt. Von Wasser umgeben. Mehrere Sitzgruppen, eine erhöht hinter jungen Weiden. Es gibt ein „Hundeörtchen“ das aber keiner in Anspruch nimmt. Als ich quer über den Platz schlendere, da entdecke ich sie dann doch, meine Artenvielfalt:

Mitten auf dem Platz sind zwei wunderschöne großes Kräuterbeete angelegt. Hier darf man nehmen, was man braucht. Von der Petersilie bis zur Pfefferminze, in Hochbeeten und damit sogar rollstuhlfreundlich. Obwohl das Beet sehr zentral liegt, nehmen viele das Angebot nicht an. Ich pflücke mir etwas, zur Würze für mein Abendbrot und als Kräutertee.

Wer Friedrichstadt besuchen möchte, steht hier auch richtig. Das Zentrum ist fussläufig gut zu erreichen. Wer mehr über den Stellplatz erfahren möchte: www.womoclick.de. Hier findet ihr ein wunderbares Video, sogar aus der Vogelperspektive könnt ihr auf den Platz schauen. Die Seite ist für Mobilreisende sehr interessant.

Ich stehe hier gut und ruhig. Mit einigen Reisenden komme ich nett ins Gespräch. Na, das findet ihr später in meinem Buch wieder. Und damit ihr seht, dass man trotz Artenarmut etwas machen kann, folgt hier die Rosenessenz:

 

Rosenessenz

Blütenblätter von duftenden, ungespritzen Rosen in Lagen abwechselnd mit Zucker in ein Einmachglas schichten. Ordentlich pressen. Als Essenzstarter ein paar Tropfen Zitronensaft darüber geben. Schon bald saften Duft und Farbe aus. Wichtig ist wirklich das Zusammenpressen der Schichten. Ordentlich drücken! Nach ein paar Tagen habt ihr (je nach Rosenfarbe) eine kräftig rote oder pinkfarbene Essenz, die intensiv nach Rose duftet und schmeckt. Schon ein paar Tropfen davon verschönern einen Quark und lassen ihn himmlisch rosig schmecken.

Wenn ich hierfür Rosen pflücke, zupfe ich gleich am Strauch die Blätter ab. Die Alleräussersten lasse ich stehen. Die sind meist nicht mehr ganz so saftig. Da ich damit nicht die Rose köpfe, entwickeln sich im Herbst dann auch noch Hagebutten und die Bienen sind nicht ganz so sauer auf mich…

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Ich bin mit meinen beiden kleinen Rackern auf engstem Raum unterwegs. Da stellt sich mir auch die Frage nach eventuellen Parasiten. Wie ich das gelöst habe, könnt ihr u. a. auch weiter vorn lesen. Da ich ja fleißig Erfahrungen mit anderen Kräuterfreunden austauschen möchte, komme ich mit vielen Menschen ins Gespräch. Oft kommen wir dann auch „auf den Hund“.

Vielleicht kennt ihr das auch: Während noch vor ein, zwei Jahrzehnten der Tierarzt gerade mal zum Impfen aufgesucht wurde, könnte man ihn mittlerweile fast schon duzen. Die Tiere sind oft krank. Meine Beiden haben Lebensmittelunverträglichkeiten. So etwas kenne ich von früher gar nicht. Meine Tierärztin meinte daraufhin nur, dass sich eben die Qualität unserer „Lebens“-mittel sehr geändert habe. Das ist nun wirklich vorsichtig ausgedrückt. Aber ich sehe das genau so. Mein Mops hat durch einen Impfschaden (Staupe) ein empfindliches Immunsystem bekommen und darf an Fleisch nur noch Rind und Weißfisch (wer irgendeinen Hersteller weiß, der wirklich NUR Rindfleisch in seinem Futter hat – bitte mitteilen! Die bisher getesteten „puren“ Rindfleischprodukte hatten meist nur 4%, der beste 36%!). Auf Getreide reagiert sie sofort mit Entzündungen. Mein Rattler, deutlich fitter, verträgt weder Getreide noch Milch. Wenn er Milch bekommt, fallen ihm die Haare kreisförmig aus.

Nun, auf so was kann man zum Glück mit einer angepassten Diät Rücksicht nehmen.

 

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„Nein, wir haben dein Frühstücksei nicht geklaut…“

 

Wenn ich also mit anderen ins Gespräch und auf das Thema „Hund“ komme, wird mir oft das Leid der armen Tiere geklagt. Ob es nicht ein Kraut hiergegen oder dagegen gäbe. Bei so empfindlichen oder immunschwachen Tieren rate ich meist als Erstes dazu, ihnen keine Gifttröpfchen mehr in den Nacken zu träufeln.

Oha! Da hab ich ja was gesagt! Das ginge ja gar nicht und der Hund vertrüge das super und ohne geht überhaupt nicht und… und… und…

Der Hund verträgt das super… fein! Woher wissen sie das denn? Eine Halterin sagte mir mal, der Hund kotze und kote nur die ersten drei Tage Blut… das beruhigt doch ungemein. Es gibt immer noch Menschen, die sich einreden (ich kann mir nicht vorstellen, dass sie es glauben), dass ein Mittel, das mit Ganzkörperkondom produziert wird und die Haut eines Tieres so giftig macht, das Insekten beim Reinbeißen sterben, dem Tier so gar nichts tut! Entschuldigung, da kann ich nur mit den Augen rollen.

Natürlich gibt es robuste Hunde, denen es womöglich nicht viel ausmacht. Helmut Schmidt war auch bis zuletzt Kettenraucher. Aber das blauäugige Behaupten, diese Gifttropfen seien harmlos, machen mich giftig. Es tut mir leid, wenn ich jetzt den Einen oder Anderen verunsichere, aber es ist so. Auf den deutschen Webseiten werdet ihr da leider ganz und gar nichts zu finden, da müsst ihr schon auf ausländische ausweichen. Hier gibt es nicht nur Studien zu den Nebenwirkungen, sondern auch über die Resistenzen, die sich mittlerweile bei Flöhen bilden.

Und jeder, der in Bio aufgepasst hat, weiß das die Leber Gifte abbaut. Wir belasten zunächst hauptsächlich diese. Der Hund wird also nicht gleich tot umfallen, wenn ihr die Nackentropfen benutzt. Womöglich werdet ihr aber im Laufe der Jahre die Leber schädigen.

Ja, ich weiß… ich komme jetzt auf die Abschussliste einiger Tierärzte. Und manch ein Tierarzt oder Hundehalter kommt mit dem Todschlagargument unserer Angela: „Wir sind da alternativlos.“

Aber das stimmt nicht! Es gibt eine Menge Alternativen, nur müsste so manch einer da aus seiner Bequemlichkeitszone heraus. Natürlich sind die Tröpfchen einfacher.

Jeder, der sich mit der Flohbehandlung beschäftigt, bekommt eingebläut: 90 % der Flöhe sitzen nicht auf dem Tier…

Warum bitte, kommt dann das Gift auf das Tier? Ist doch in sich unlogisch. Natürlich muss ich den Hund so lange giftig halten, bis alle Flöhe mal zu „Tisch“ waren…

Gut, lange Rede, kurzer Sinn. Wenn sich jetzt jemand überlegt, was er anders machen könnte, mit dem teile ich meine Erfahrungen:

Zecken: keine Probleme mehr seit der Beifütterung von Kokosöl (1/4 Teel. bei 6 kg Körpergewicht) und der gelegentlichen Nutzung von einem Tröpfchen Patchouliöl auf dem Halsband.

Flöhe: Bekämpfung außerhalb des Tieres mit Flohlampen (nichts weiter als eine Wärmequelle mit klebender Oberfläche). Hier ist etwas Geduld gefordert. Manchmal tut sich da ein zwei Wochen gar nichts. Die Flöhe landen in Schüben drauf. Wir haben jetzt aber seit drei Jahren nicht mal mehr Einen gefangen oder gesichtet. Ich nehme die Billigste des großen Warenversenders (um die 10 Euro).

Am Tier: bei uns geht das prima mit einem Flohkamm. Leider taugt das nur bei kurzhaarigen Rassen wirklich. Wenn so ein Floh auf dem Kamm sitzt, diesen sofort in Wasser tauchen. Nasse Flöhe sind relativ bewegungsunfähig. Ich habe sogar mal einfach auf einen flitzenden Floh gespuckt um ihn dann zu greifen. Einige Wüstenbewohner sollen ihre stolzen Afghanen so entflöhen, Finger anfeuchten und durch das Fell. Die manuelle Jagd am Tier ist zeitraubend und nicht wirklich so effizient. Die Flohlampe bringt es bei uns auf Dauer. Wenn wirklich hoher Flohdruck herrscht (feuchtwarmes Wetter), sprühe ich die Hunde vor dem Gassigehen auch mal mit ätherischen Ölen ein (z. B. Geranie, Zitroneneukalyptus, u. a., hochverdünnt, nicht ins Gesicht oder in den Schambereich). Wer sich nicht traut zu mischen, es gibt Fertigpräparate. Verdünnter Zitronensaft oder Essig leisten aber auch gute Dienste.

Am Liegeplatz: Wenn der Flohbefall schlimm ist, gebe ich Rainfarn oder Lavendel unter die Liegekissen – aufpassen: der Hund sollte nicht dran knabbern können. Das musste ich zum Glück seit Jahren nicht mehr tun. Auch doppelseitiges Klebeband in den Zimmerecken kann hilfreich sein. Mit einer dicken Lage Rainfarn unter dem Wohnzimmerteppich konnte ich einmal eine Wohnung entflöhen, in die ich einzog. Zu der Zeit hatte ich keine Haustiere und die dort ansässigen Flöhe nahmen meine Kinder als Ersatz. Über einen damals eingesetzten „Fogger“ (Flohgiftgasbombe vom Tierarzt), haben sich die Flöhe scheinbar fast totgelacht, aber nur fast. Er nutzte nichts… erst der Rainfarn brachte Ruhe.

Ja und wenn es gar nicht geht: ich weiß, es kann so schlimme Fälle geben, dass das Tier ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommt. Womöglich ist da der umsichtige Einsatz der Gifttropfen eine erste Hilfe. Aber das ist mir halt wichtig: Umsichtig. Nicht als Dauerbehandlung zur reinen Prophylaxe. Denn die Leber wächst eben nicht mit ihren Aufgaben.

Letztendlich: Wer mehrere Hunde hat, weiß das sich nicht jeder Flöhe einfängt. Meist wird das schwächste Tier „ausgesucht“. Warum die mehr nach dem „Geschmack“ der Plagegeister sind, weiß ich nicht. Wenn euer Hund also rundum fit ist, ist ein Flohbefall gar nicht so wahrscheinlich. Wäre es dann nicht auch eine Idee, erst zu den Tropfen zu greifen, wenn es wirklich sein muss? Obwohl ich ja gerade ein schwaches Tier nicht noch zusätzlich vergiften würde…

Würmer: Wieder ein zweischneidiges Schwert. Denn eine Wurmbehandlung geht nun wirklich so gut wie gar nicht ohne Gift, sei es synthetisch oder pflanzlich. Darum plädiere ich dafür, wirklich nur zu behandeln, wenn ein Wurmbefall vorliegt. Das kann man per Kotprobe feststellen. Aber auch hier wird mal eben alle drei Monate prophylaktisch die Paste verschrieben. Kotproben kosten halt was… und man muss unter Umständen zweimal zum Arzt.

Meine Beiden werden aus den Unverträglichkeitsgründen „gebarft“, sie bekommen also rohes Fleisch, Gemüse, Kräuter. Bei den Kontrollen sind bisher (auf Holz klopf) keine Würmer aufgetreten. Die Tierärztin meinte hierzu, dass auch Würmer ein bestimmtes „Milieu“ bevorzugen. Bei Tieren, die rohes Fleisch bekommen, scheint sich die Zusammensetzung der Verdauungssäfte so zu ändern, dass sie den Würmern schlechter bekommen. Außerdem bekommen die Hunde oft geraspelte Möhren ins Futter, was das Ganze noch unterstützt.

Lausfliegen: Ich weiß gar nicht, was die Biester außer fies aussehen und erbärmlich beißen noch anrichten. Sie sind fast noch flinker als Flöhe. Schmeißen ihre Flügel ab, sobald sie auf dem Tier gelandet sind und piesacken es. Wir haben sie uns bisher beim Passieren von Schafweiden eingefangen. Ich vermute also das es Schaflausfliegen waren, es gibt aber auch Hirschlausfliegen. Von früher kenn ich diese Insekten überhaupt nicht. Vermutlich vermehren sie sich auch erst in den letzten Jahren so freudvoll.

Bisher bekommen wir sie am Besten mit sofortigem Abduschen vom Hund. Einige schwimmen im Wasser, die anderen kann man relativ leicht auskämmen.

 

Hab ich euch jetzt ein paar Gewissensfragen aufgedrückt? Das wollte ich nicht. Aber mir sind halt schon ein paar Gifttropfengequälte untergekommen. Ja einer unserer kleineren Hausbewohner ist vor unseren Augen elendig daran verreckt. Die Tierärztin kommentierte das lapidar mit „bei so kleinen Tieren ist die Dosierung eben schwierig“. Das war so traurig, so fürchterlich mit anzusehen, wie sich das Tier quälte, ich konnte unsere Tochter monatelang nach dem Vorfall nicht mehr aufrichten.

Aber ich wünsche mir, das gefährliche Arzneien mit mehr Umsicht und nur wenn überhaupt nötig eingesetzt werden. Wer nun meint, die Nackentropfen seien nicht gefährlich – ich weiß gar nicht, ob ich auf so einen Kommentar überhaupt noch antworten würde, nachdem, was ich bisher alles darüber gelesen, gesehen und am eigenen Tier erfahren habe, den bitte ich doch, vor irgendeiner Kritik mal die ausländischen Studien zu lesen.

Die Entscheidung kann ich euch nicht abnehmen. Ich wünsche mir nur, dass ihr einmal ernsthaft darüber nachdenkt. Dann lasst den Bauch entscheiden. Nicht das Hirn, nicht den Arzt, nicht eure Bequemlichkeit, nicht das Portemonnaie. Wenn euer Bauch weiterhin zu den Tröpfchen steht, dann mag das in eurem Fall die bessere Alternative sein.

 

 

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12. – 14. August 2015

Vielleicht merkt ihr an den Daten, dass ich in Etappen fahre. Am Wochenende bin ich zu Haus bei meinen Männern. Mein Vater braucht etwas Betreuung und kann nicht allein bleiben. Mein Mann ist selbständig und ist daher flexibel mit seiner Arbeitszeit. Das gibt mir für meine Fahrten Freiraum. In 2016 möchte ich aber auf „große Fahrt“ gehen. Daumendrücken hierfür gern gesehen und gewünscht.

Dieses Mal fahr ich zum Steinberghaff. Durch die Hemmelmark auf Kräuterjagd eingestellt, erhoffe ich mir hier auch ein paar Funde.

Was ich zunächst finde, ist Ruhe. Genau das brauche ich. Der Campingplatz selbst ist preiswert, auch ein wenig in die Jahre gekommen, erinnert eher an eine Kleingartenkolonie auf Rädern. Ich stehe hier nicht in dritter Reihe, dafür kann ich das Meer sehen!

Wir sind ruckzuck am Strand. Zunächst müssen meine Vierbeiner noch an der Leine bleiben, aber hinter dem Badestrand ist das Freilaufen „geduldet“.

 

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Meistens allein… ein Naturstrand für uns!

 

Der Strand ist sehr schmal, was uns nicht wirklich stört. Wir laufen bis zum Wäldchen. Wo es beginnt, ist ein verwunschener kleiner Platz entstanden (auf dem Foto hinten, der große Baum im Kreis aus Steinen). Ich weiß nicht, warum die Gemeinde ihn angelegt hat, doch wird er fleissig genutzt. Immer wieder lassen es sich Wanderer und Einheimische hier gutgehen. Da ich unter der Woche fahre, treffe ich allerdings kaum Menschen. Hinter dem Baum im Steinkreis ist noch eine kleine Sitzgruppe aus Stein und ohne jegliche Erklärung überspannt ein großes Holztor den Waldweg. Sollte mich hier jemand schlau machen können, ich bin gespannt!

 

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Unter dem Baum im „Steinkreis“

 

Normaler Weise hab ich ein „Gefühl“ für alte Kultstätten. Wenn ich mich irgendwo besonders wohl fühle, oder einen Platz geheimnisvoll finde, kann ich meist später zu Haus auf der Karte die Erklärung dafür finden. In der Regel stand ich auf alten bis zur Unkenntlichkeit überwachsenen Hügelgräbern. Diesen Platz finde ich auch irgendwie „magisch“. Allerdings konnte ich keine Erläuterungen zu seiner Entstehung oder seinem Zweck finden. Alt scheint er mir nicht zu sein. Ich achte auch auf die Vegetation in und um solchen Plätzen (wie zum Beispiel beim Figsbury Ring, der einige seltene Pflanzen nur innerhalb seines Walles vorweisen kann), aber da findet sich nichts Besonders. Nun – schön ist der Platz allemal.

 

Eine solche Artenvielfalt, wie in der Hemmelmark, findet sich hier leider nicht:

 

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Salzmiere

 

Ein paar „Strandklassiker“ kann ich entdecken. So zum Beispiel die Salzmiere, deren junge Sprossen einen hohen Vitamin C und A – Gehalt aufweisen. Sie schmeckt fein säuerlich und ein paar Blättchen werden mir heute Abend den Salat verfeinern. Auch ein wenig Salzmelde wandert in mein Sammeltäschchen. Ihr hoher Chromgehalt wirkt blutzuckersenkend. Nach meinem Strandlieblingsgemüse, den Queller, halte ich umsonst Ausschau. Er scheint die Nordsee zu bevorzugen. Davon abgesehen: Bei uns dürfen wir ihn auch nicht pflücken. Zumindest war das bisher so. Aber immer mehr Sterneköche entdecken sein Potential: Wer z. B. auf Sylt etwas feiner essen geht, wird ihn serviert bekommen. In Dänemark und England ist er schon ein „alter Hut“.

Für die etwas magere Ausbeute entschädigt mich das Steinberghaff mit viel Landschaft…

 

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Blick auf den kleinen Yachthafen vom Steinberghaff

 

 

Ich genieße meine Zeit hier, bis etwa zum letzten Tag. Da trifft mein ralliger Rattler auf drei Mopsdamen. Eine davon in Hochhitze. Bisher war mein Kleiner ein wirklich gut hörender Hund. Jedenfalls auf „Komm“. „Sitz“ und andere recht passive Befehle gehen ihm irgendwie nicht ins Blut. Aber wie gesagt: er war immer sehr folgsam.

Ich gehe also mit der Nase fast am Boden, nach Kräutlein Ausschau haltend, bis mir mein fiependes Möpslein ein wenig auf die Nerven geht. Ich dreh mich zu ihm um, um den Grund zu erfahren…

Den Grund seh ich zunächst gar nicht. Der Mops schaut aufregt immer zu mir und dann nach hinten. Ich kneif die Augen zusammen: Da rennt der Rattler! Kaum noch zu erkennen! Er verschmilzt gerade mit dem Horizont und ich schreie, rufe und pfeife wie eine Besessene! Rattler haben ein ausnehmend feines Gehör! Wenn nicht gerade das Weib lockt.

Weg isser…

Da Rattler von Natur auch ein wenig laut pöbeln und nicht die Gemütsruhe eines Mopses haben, bin ich natürlich schnurstracks hinterher. Ich weiß nicht, ob ich bereits erwähnt habe, dass meine Kondition mehr als erbärmlich ist. Das Frauchen der Möpse hat leider kein Einsehen gehabt und ist ebenfalls weitergegangen. Mit vier Hunden…

Als ich nach ungefähr einem Kilometer für mich äußerst schnellen Laufens vor der Gruppe zum Stehen komme (also vor dem Camper des Mopsfrauchens), klatschen meine Herzklappen Beifall und ich kann nur noch ein leises „Lunge komm bald wieder“ pfeifen.

Mangels Sauerstoff bekomme ich kein Wort raus. Mein rasselndes und pfeifendes schnelles Atmen scheint für mich zu sprechen. Ich ernte mitleidige Blicke und einen geilen Rattler. Wortlos – nickend ein „Danke“ andeutend, schleppe ich mich zu meinem Wohnmobil, einen triebigen Hund hinterherschleifend. Meinen Mops habe ich in der Aufregung total vergessen. Aber Möpse sind treue Seelen. Im Wohnmobil wartet schließlich das Hundefutter und am Wohnmobil mein Mops.

Am liebsten hätte ich dem liebeskranken Flüchtling das Wort zum Sonntag gepredigt. Aber er ist ja auch nur Sklave seiner Triebe. Wie ich – vor einer Schokoladentorte…

 

 

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4. August 2015

Der Platz ist schön, ein wenig in die Jahre gekommen, aber ordentlich und sauber. Etwas  kniffelig war der Stromanschluss. Der versteckte sich weit entfernt im Dickicht. Was für mich auch ziemlich nervig war: Die Toilettenhäuschen öffnen erst ab 7:00 Uhr. Naja…

Es gibt auch auf diesem Platz keine übermäßig ausgebauten „Camping-Haziendas“, aber schöne, liebevoll dekorierte Ferienheime auf Rädern. Viele von Windschutzzäunen umgeben. Genau so etwas, einen kleinen nur kniehohen Windschutzzaun, hatte ich mir auch zugelegt. Einfach als optische Hundebremse und für ein klitzekleines Bisschen Privatsphärengefühl. Ich fand diese Idee einfach prima. Ab heute finde ich sie voll daneben.

Es gibt viele Hunde hier auf dem Platz und meine Kleinen finden bald Spielkameraden, die sich dann aber zur Pinkelparty eingeladen fühlen. Und… ja, vielleicht habt ihr es schon erraten: es wird fleißig an den Windschutz gepieselt. Nachdem das alle machen, macht mein Kleiner das auch.

Die eingefleischten Camper haben dafür extra eine Gießkanne parat, mit der regelmäßig die Ecken abgespült werden. Ich tue es ihnen gleich, aber ich darf euch verraten, dass es ein deutlicher Unterschied ist, ob es ein Windschutz aus Planenmaterial ist, der draußen bleibt, oder einer aus synthetischem Stoff, den man einpackt und mitnimmt. Meiner jedenfalls, ist trotz Abbrausens dort in einer Mülltonne geblieben. Nun gut. Dafür ist das Meer in Riech- und Hörweite. Wir ziehen los, um endlich Kräuter zu finden und das tun wir auch. Ich bin schlicht begeistert:

 

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Etwas seltsam fand ich den Stechapfel dort. Er ist keine typische Strandpflanze. Aber es schien ihm zu gefallen.

Der Meerkohl musste leider dran glauben. Irgendjemand hat ihn über Nacht kurzer Hand zerstört.

Ich finde außerdem noch einzelne Johanniskräuter und natürlich die obligatorischen Rosen. Himmlisch! So eine Vielfalt hatte ich bisher noch nirgends.

 

Ich komme mit einer Dauercamperin der ersten Reihe ins Gespräch und frage sie, ob sie denn weiß, was da alles Tolles vor ihrer Haustür wächst. Sie bejaht und zeigt auf den Sandthymian. Ich finde es schön, dass es immer mehr Menschen gibt, die wachen Auges durch die Natur gehen. Von ihr bekomme ich auch ein nettes Rezept für mein Büchlein. Mit dem Thymian natürlich. Ich finde das dieser schon eher ein zitroniges Aroma hat. Falls das hier ein Botaniker lesen sollte: Möglicher Weise ist es auch ein Quendel. Aber wenn da in der Literatur schon nicht exakt unterschieden wird, wie soll das ein armes Kräuterhexlein können? In heilender und kulinarischer Hinsicht sind sie sowieso Geschwister, obgleich der Quendel ausgiebiger zur Heilung genutzt wurde. Falls jemand von euch jetzt allerdings eindeutige Bestimmungsbücher kennt (wo zur Bestimmung des Schierlings z. B. mehr steht als nur „Mäuseharngeruch“ und „gefleckter Stängel“), immer her damit. Es wurmt mich natürlich auch ein bisschen, da noch nichts Exaktes gefunden zu haben…

Am letzten Tag hier treffe ich noch einen Mann, der mir begeistert ein Kräutersträußchen zeigt. „Oh“, sagte ich, „Da haben sie aber was Gesundes gesammelt!“ Und zähle die Kräuter auf.

„Ja!“, sagt er, dreht das Sträußchen und ergänzt meine Aufzählung noch um die Kräuter der anderen Seite, die er genau zu betiteln weiß. Auch er ist ein Kräuterkenner, der Führungen veranstaltet. Wir müssen lachen. Im Gegensatz zu mir hat er noch ein paar Schätze mehr gefunden. Aber er kennt sich hier auch aus und ist ein bisschen weiter gewandert.

Ja, ihr Lieben. Dieser Campingplatz ist wirklich ein kleines Juwel für Menschen, die einen relativ unberührten nahen (!) Strand suchen, Kräuter lieben und/oder auch mit ihren Hunden mal ans Wasser wollen. Wer allerdings Nachts mal raus muss… ihr wisst schon… naja… da findet sich vielleicht auch noch was.

Und jetzt bekommt ihr noch eines von mir, ein Rezept mit S(tr)andthymian. Ihr wisst doch: Die nächste Grippe kommt bestimmt, doch nicht zu dem, der Thymian nimmt…

Ihr habt die Bleistifte gespitzt? Nicht nötig, heute wird es ganz einfach: Ihr müsst nur ein paar Stängelchen in feinstem Olivenöl ansetzen. Eure Salate werden es euch danken. Natürlich kann der Thymian auch wie seine kultivierten Brüder getrocknet und als Gewürz oder Tee genossen werden.

 

 

 

 

 

 

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3. August 2015

Endlich geht es weiter. Nach langem hin und her mit dem Finger auf der Landkarte will ich es heute in Hemmelmark versuchen. Ich wollte ein Plätzchen finden, an dem ein bisschen Wald oder freier Strand angrenzt, schließlich bin ich auf Kräutersuche.

Die Fahrt hierhin erweist sich allerdings schon wieder als halbe Katastrophe. Eigentlich ist dieses beschauliche Plätzchen gut zu finden, auf der Landkarte jedenfalls. Gleich nach Eckernförde rechts, hinter der militärischen Zone.

Gleich nach Eckernförde geht es nur nicht rechts… Ich lande auf dem Gut Hemmelmark. Hier weisen gleich mehrere Schilder darauf hin, das es NICHT zum Campingplatz geht. Vermutlich sind die Gutsbesitzer leicht angegnatzt, dass jeder Hinz und Kunz, der den Platz sucht, über deren Gelände fährt (fuhr…). Also zurück. Der Platz liegt definitiv links von mir, dann muss es da doch reingehen. Beim Umdrehen seh ich auch ein Schild, das den Campingplatz ankündigt, zunächst noch gerade aus. Aber kein „links ab“ Schild und nein – ich habe keine Rechts-links-Schwäche.

Ich fahre also weiter und seh schon wieder die ersten Häuser von Eckernförde und mein Navi sagt laut und deutlich „Jetzt links“, also gehorche ich und steh…

im Nichts… hier war wohl auch mal ein Weg, aber der ist zu…

Mann bin ich sauer… wende mal permanent mit einem Womo. Auch wenn es klein ist… auf so einer Dorflandstraße..

Entnervt ruf ich meinen Mann an und bitte um Navigation. Der meinte, ich müsse RECHTS ab… im Geiste zeige ich ihm einen Vogel.

Nach gefühlten 25 Wendungen, einen Puls von 180 (gleich dem Blutdruck), mit kleinen Rauchwölkchen aus den Ohren, fahr ich denn beim letzten Versuch doch mal rechts ab… und bin richtig. Um an diesen Campingplatz zu kommen, muss man, ähnlich wie bei einer Autobahnauffahrt, rechts rum und über eine Brücke links zurück.

Das ist an sich ja ok., aber könnte man das nicht mal korrekt ausschildern? Das Hinweisschild dazu war mickrig und nur von einer Richtung lesbar.

Ich fahr also erleichtert dem einen winzigen Hinweisschild nach, dem dann sogar ein zweites und endlich nach links folgt und stehe…

wieder in der Pampa…

Ist nichts mehr mit Hinweisschildern. Nur weite Felder und so staubige Wege, dass schon bei Schritttempo ein Wüste-Gobi-Feeling aufkommt. Ich sag euch: die Wüste Gobi ist nichts gegen die wüste Gaby, wenn sie richtig, richtig sauer ist.

Der Campingplatz unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt jedoch nicht von all den anderen Campingplätzen: es herrscht ständiges Kommen und Gehen. Ich entscheide mich also in Richtung der entgegenkommenden Staubwolken zu fahren, besser: zu schleichen.

Tatsächlich erreiche ich nach einer längeren kurvenreichen Schleichstrecke den Platz. Er macht einen guten ersten Eindruck. Da ich in vierbeiniger Begleitung bin, bekomme ich einen Platz in dritter Reihe, nahe dem Hundestrand. Das hört sich doch super an. Ein Brötchenkiosk ist für mich ja eh uninteressant.

Ich habe mich kaum hingestellt, schnapp ich mir die Vierbeiner und erkunde das Gelände. Manch einer steht hier in erster Reihe… Junge, das sind wirklich tolle Plätze… direkt am Meer… auf Jahre ausgebucht… leider… hier könnte ich sonst zum Camper werden!

Kaum vom Platzgelände runter, bin ich am wilden Strand. Hier trifft man nicht so oft auf Menschen, wie es scheint. Und es ist sehr schön hier.

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Naturstrand – kaum besucht

 

 

Ich findes es super. Jetzt kommen die Vierbeiner erst einmal von der Leine. Das Fusseltier ist mit wenigen raumgreifenden Sprüngen verschwunden…

Wer einen Mops hat, weiß, dass die meistens nicht so bewegungsfreudig sind. Mein Möpschen trippelt mit „ich-möchte-endlich-was-zu-beißen-Miene“ hinter mir her. Der Rattler ist weg. Natürlich. Er hat eine Möwe gesehen. Die schwimmt im Wasser. Was Wasser ist, hat er bisher noch nicht so richtig begriffen. Aber Möwen sind andere Tiere und die kann man fangen, man muss nur hinspringen…

Dumm nur, das Wasser keine Balken hat. Eine völlig neue Erfahrung für meinen Kleinen. Schwups, weg ist er… die erste Tauchübung. Seltsamer Weise scheint ihn das nicht zu schocken. Meine Fine, die schon im Vorjahr bis zum Bauchnabel in der Ostsee stand, kann Wasser nichts abgewinnen. Sie meidet das nasse Element. Der Fussel jedoch, jetzt etwas schlauer, wagt den nächsten Versuch. Ganz rattleruntypisch mit vorsichtigen kleinen Schritten…

 

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Wasser ist nass, das hat ihm keiner gesagt

 

 

Na, die Möwe kichert sich eines und segelt in elegantem Bogen davon. Und mein Hund staunt. Ich nicht weniger. Rattler sollen etwas kälteempfindlich sein…

Wir gehen zurück. Es ist Abendbrotzeit. Jetzt führt der Mops die Gruppe an. Für Kalorien können Möpse trotz der kurzen Übersetzung der krummen Beine recht schnell sein (jetzt tu ich meiner Fine unrecht, sie hat gerade Beine. Sie stammt aus einer Zuchtlinie, wo man versucht, die Beine wieder gerade und die Nase etwas länger zu bekommen, was den Hunden definitiv gut tut).

Zu meiner großen Freude entdecke ich schon jetzt Strandpflanzen, die ich bisher nicht finden konnte…

 

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Meerkohl

 

Wie zum Beispiel diesen schönen großen Meerkohl. Leider nur ein Exemplar. Er wirkt sogar ein wenig deplatziert. Zum Ernten (was ich bei nur einem Exemplar nicht täte) ist er definitiv zu groß, die Erntezeit für Meerkohl (Frühjahr) ist auch längst vorüber.

Ich freue mich darauf, diesen Strandabschnitt morgen näher zu erkunden. Und jetzt freue ich mich auf das Abendbrot. Aber da bin ich nicht die Einzige. Der Mops zieht an der Leine wie ein Wolters-Brauereipferd. Wir passieren wieder die Glücklichen der ersten Strandreihe. Einige haben sich Tisch und Stühle über den Weg hinweg direkt an den Strandanfang gestellt und genießen den Sonnenuntergang bei einer guten Flasche Wein. So lässt es sich leben!

Ich nehme einen angenehm würzigen Duft wahr. Noch kann ich ihn nicht zuordnen. Wer mal einen hungrigen Mops an der Leine hatte (und Möpse sind meistens hungrig), der weiß auch, dass sie keine Pausen vor dem Abendbrot dulden. Also auch das auf morgen verschieben: das würzige Kräutlein finden. Es sieht ganz so aus, als würde ich hier endlich ein paar heilsame Entdeckungen machen. Ich freue mich.

 

Der Meerkohl ist an unseren Küsten meist geschützt. Ihr könnt ihn aber auch kaufen und im eigenen Garten anpflanzen. Auch ihm tut es gut, wie allen im Garten angesiedelten Strandpflanzen, hin und wieder eine Prise Salz zu bekommen. Zubereiten könnt ihr ihn wie normalen Kohl, z. B. mit Béchamelsauce. Zarter ist er, wenn er gebleicht wird. Also die Frühjahrstriebe gern unter einem Tontopf anziehen. Eine leckere, weil sehr würzige Alternative zu unserem Kulturgemüse!

 

 

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