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Archive for Januar 2016

Manchmal kauft sich auch eine Kräuterhexe ihre Kräuter. Sammeln ist eben nicht immer möglich.

Ich esse gern, was man mir durchaus ansieht. Aber es muss was Gutes sein. Das hat zur Folge, dass wir meist selbst kochen. Wirklich gute Restaurants und damit meine ich die, die frische, hochwertige Lebensmittel noch selbst verarbeiten, sind rar. Aber heute waren wir in einem dieser Raritäten speisen.

Unser Ausflug mit Papa bringt uns ins Töpferhaus. Die Speisekarte des zugehörigen Bistro-Restaurants ist übersichtlich. Kein Vergleich mit den telefonbuchdicken Karten eines durchschnittlichen griechischen Restaurants. Es gibt nur wenige, aber exquisite Gerichte.

Da ich Gelegenenheitsveganer bin, hab ich mich heute für einen Quinoa-Obstsalat entschieden. Große Güte… was für ein Genuss…

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Gesundheit auf dem Teller

 

Einige wilde Blüten zieren diese Vitaminbombe. Es gibt also wirklich noch Obst mit Geschmack.

Die Aussicht hier ist herrlich. Die Sonne spiegelt sich in den kleinen Wellen des Sees. Die Luft ist klasse… hier könnte ich anwachsen.

Aber dazu hab ich natürlich nicht die Ruhe. Während meine Lieben noch einen Nachtisch genießen, muss ich unbedingt alles genauer erkunden. Plötzlich stehe ich vor dem hauseigenen Kräutergarten und komme aus dem Staunen nicht heraus:

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Zitronenverbene

 

Ich rubble und rieche, aber nein, wirklich: hier wächst die Zitronenverbene! Wie machen die das?

Die Zitronenverbene können wir in unserem Klima nicht überwintern und nur per Steckling vermehren und hier steht sie und sieht aus, als würde sie das ganze Jahr hier wuchern. Ich bin platt!

Die Zitronenverbene ist keine Verbene, was leider oft zu Verwechslungen fühlt. Die echte Verbene, auch oft unter „Vervain“ verkauft, ist ein Eisenkrautgewächs. Neben der heilkräftigen „Verbena officinalis“, dem echten Eisenkraut, gibt es noch bunte Arten, die gern im Garten gepflanzt werden. Die echte Verbene hat viele heilende Eigenschaften und ist eine hochmagische Pflanze.

Die Zitronenverbene, die ein mehrjähriger Strauch ist, hat damit absolut nichts zu tun. Sie hat eigene Heilwirkungen und wird besonders kulinarisch oder in der Naturkosmetik geschätzt. Ihre Blätter sind der Grund der Namensgebung, denn sie haben ein unvergleichlich zitroniges Aroma, das sich auch lange hält. So kann man sie hervorragend für Tees, aber auch Potpourris nutzen. Es gibt ganze Parfum- und Pflegelinien, die dieser Pflanze gewidmet sind, zum Beispiel von l´occitane (nein, ich krieg hier keine Prozente, finde es aber richtig, Kosmetikhersteller, die nicht mit künstlichen Duftstoffen arbeiten, zu nennen.)

Ihr Heilpotential zeigt die Verbene hauptsächlich durch ihre beruhigende Wirkung. Ein Tässchen Tee vereint also Genuss und Entspannung. Er wird in Frankreich gern abends getrunken. Nicht zu unterschätzen, aber in unserem Klima nicht oft zu ernten: der aromatische Blütenstand. Aus diesem zarten Gebilde kann man herrliche Desserts zaubern.

Hier ein leckeres, heilsames Tränklein für euch (nein, ich hab nicht geklaut, da hab ich meine eigene Verbene für geplündert)

 

Lavendel-Minze-Elixier

Verdauungsfördernd, blähungswidrig

 

20 Stgl. Lavendel
30 g Zitronenverbene
20 g gestoßene Fenchelfrüchte

5 Stgl. Minze 2 Zimtstangen 1 l Obstler

 

Zwei Monate im Hellen reifen lassen, dann 100 g weißen Kandis hinzugeben.

 

 

Ich hab mich nicht getraut zu fragen, ob die Zitronenverbene hier wirklich überwintern konnte und sich irgendwie selbst vermehrt. Das wird wohl ein Geheimnis bleiben…

 

Es sei denn, jemand von euch schaut auch mal im Töpferhaus vorbei und hilft mir, das Geheimnis zu lüften.

 

 

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Endlich wieder unterwegs. Zugegeben: Es war nicht nur die Werkstattpause. Ich scheute mich auch ein bisschen vor dem Touristenstrom. Da immer noch Ferienzeit ist, verkrümele ich mich etwas mehr ins Binnenland. Autark möchte ich wegen der bisherigen Aussetzer meines Womos aber auch noch nicht stehen…

Also schau ich mal nach Rantrum. Hier hat die Gemeinde einen vorbildlichen Stellplatz am Schwimmbad eingerichtet. Zunächst finde ich die Zufahrt nicht, dabei stehe ich direkt davor: ein hoher Metallzaun mit großem Tor. Ich trau mich, mache auf und fahre hinein. Hier gibt es nichts zu meckern. Die Plätze sind ausreichend groß und ordentlich. Wegen meiner lauten Mitfahrer verkrümle ich mich wieder an den Rand des Geschehens…

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Rantrum – ruhig und sauber

 

Schon bald kommt die Platzwartin und erklärt mir alles. Das Schöne: die Nutzung des Schwimmbades ist in der niedrigen Stellgebühr enthalten. Sie zeigt den Neuankömmlingen die Örtlichkeiten. Als Betreiberin des Kiosks des kleinen Bades ist sie auch für die frischen Frühstücksbrötchen zuständig. Was ja leider nichts für mich ist. Trotzdem finde ich den Service toll.

 

Eigentlich habe ich es nicht so mit Schwimmen. Ich schwimm wie ein Hammer und tauch wie ein Korken. Aber die gute Platzwartin redet mir gut zu. Naja… was solls… ist ja im Preis mit drin und ich bin… wie lange…? Meine Güte, bestimmt fünf Jahre nicht mehr geschwommen.

 

Ich schnapp mir meinen Badeanzug und geh die wenigen Schritte zum Becken. Es ist abend und traumhaft ruhig. Ich bin die Einzige hier. Nach ein paar zaghaften Runden komme ich zufrieden aus dem Becken. Ich möchte es nicht gleich übertreiben. Aber es hat mir Spaß gemacht und sehr gut getan.

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Alles meins! Ich bade allein hier…

 

Ich beschließe, irgendwann einmal wiederzukommen. Aber der Hauptgrund meiner Reise ist ja immer noch mein Buch. Wo sind sie, die Rezepte?

Der Stellplatz ist sehr schön, aber die Gegend kein Kräutereldorado. Selbst für jemanden wie mich, der nahezu überall was zu pflücken findet, eine kleine Herausforderung.

Bei der abendlichen Hunderunde gesellt sich eine Anwohnerin zu mir. Wir kommen ins Gespräch und sie verrät mir eines ihrer gesunden Lieblingsrezepte, einen Walnusslikör. Das interessiert mich total, da ich gerade erst zu Haus auch einen angesetzt hatte. Den der freundlichen Anwohnerin gebe ich jetzt noch nicht preis. Den muss ich erst ausprobieren. Für die Neugierigen kommt jetzt aber Eines nach Oskar Marti, von dem ich nahezu jedes Büchlein habe…

 

Walnusslikör

1 l Obstbrannwein

2 Nelken

1/2 Zimtstange

2 El Kakaopulver

1 El Kaffeepulver

20 grüne Walnüsse

1/2 Vanilleschote, längs halbiert

50 g Puderzucker

Die Nüsse (am besten mit Handschuhen) in Scheiben schneiden und mit den restlichen Zutaten 10 Tage an der Sonne stehen lassen, danach 5-6 Wochen kühl ziehen lassen. Abseihen und mindestens noch 3 Monate reifen lassen.

Ein leckeres Verdauungsschnäpschen. Eines von der Sorte, dass man mit Messer verteidigen muss. Manch einer mag auch die gut durchgezogenen Nüsse (die schwarz werden) so essen. Der Schnaps riecht himmlisch und schmeckt toll. An Walnuss denkt da keiner!

 

 

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Walnussliköransatz

 

Wenn die Nüsse ausziehen, färbt der Ansatz in getrennten Farben durch. Ein kleines Schauspiel. Später wird der Likör schwarzgrün.

Bei uns war es nicht einfach, Walnussbäume zu finden. Wer einen in der Nähe hat, sollte den Likör unbedingt mal ausprobieren. Am besten sind Juninüsse. Die Schale muss noch grün und das Innere noch weiß sein.

 

Dann entdeck ich aber doch noch ein Kräutlein, dass üppig in unseren Wäldern wächst, aber kaum einer findet… (weil es unscheinbar ist?)

Zumindest die Hexen unter euch sollten es kennen:

 

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Kaum einer nimmt es wahr…

 

Na? Erkannt?  Es ist das große Hexenkraut, Circaea lutetiana. Die meisten bemerken es nicht einmal. Aber warum heißt es „Hexenkraut“ und was bedeutet der lateinische Name? Na zumindest der, das weiß der Lateiner (oder der fleißige Asterix-Leser), weist auf Circe hin. Können wir also jemanden magisch becircen? Auch der englische Name „Enchanters Nightshade“ – Zauberers Nachtschatten, lässt ja Ähnliches vermuten.

Angeblich soll man Männer um den Finger wickeln können, wenn man einen Tee aus dem bei zunehmendem Mond gepflücktem Kräutlein zu sich nimmt. Geschlechtsgenossinnen hingegen könnten aggressiv reagieren.

Mir fehlen, zumindest zu diesem Zauber, allerdings die Erfahrungswerte… 😉

Als Heilkraut fand es früher bei Rheuma, Fieber und der Wundbehandlung Verwendung. Eine neuere Studie bescheinigt ihm entzündungswidrige Eigenschaften.

Wenn ich jedoch noch mal auf die Namen dieses unscheinbaren Kräutleins schaue… Ob da nicht doch mehr dahinter steckt?

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Die Überschrift ist geklaut, wie ihr vielleicht schon aus den Kommentaren entnommen habt.  Ich habe mal wieder Hausarrest. Es sind nicht nur die technischen Ausfälle, sondern einfach auch die Termine… du kriegst ja nicht sofort einen in der Werkstatt und schon gar nicht, wenn du zwischen Wohnaufbau-Werkstatt und Basisfahrzeug-Werkstatt und Fahrzeughersteller (hier soll wohl extra mal ein Spezialist für den „Schleuder“-Sitz kommen) hin und her koordinieren musst.

Toll… ein nagelneues Wohnmobil… bis ich das wirklich mal länger als zwei Wochen am Stück nutzen kann, ist es nicht mehr nagelneu. Hast du einen Hobby, hast du ein Hobby. Du lernst nette Leute können (Werkstatt), auch mal nicht so nette (Werkstatt), lernst spontan zu sein und zu improvisieren (Heizungsfehler… Werkstatt kennt den Fehlercode nicht… muss Termin abmachen… bis dahin dicke Decke kaufen), trainierst deine Autoschrauber- und Heimwerkerfähigkeiten (wenn das Dachfenster mal wieder runterkommt, die Verlängerung der Arbeitsplatte bricht, der Nupsi des Abflussstopfens abgeht…)

Bisher hat man ja immer geglaubt, der normale User vor dem Computer sei ein Beta-Tester und müsse sich mit Bugs quälen…

Weit gefehlt… auch der frischgebackene Neuwagenbesitzer, zumindest wenn es ein Wohnmobil ist, kann seinen Wagen erst im vollen Umfange nutzen, wenn er ein paar „Updates“ gemacht hat.

Also eine kleine Zwangspause. Mal wieder. Aber zu Hause ist es ja auch ganz schön und im Sommer fällt einem im eigenen Garten bestimmt Etwas ein…

 

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Auch zu Hause ist es schön

 

Im Sommer bieten sich aromatische Kräuter an. Da ich doch noch hoffe, mit meinem Mobil wieder auf Tour gehen zu können und ich dafür die Vorräte etwas aufstocken will, gibt es einen super Weg um das Aroma einzufangen:

 

Knoblauch-Kräutersalz
1/2 Tasse grobes Salz (Ich nehme gern Meersalz)
2 Tassen frische Kräuter (z. B. je 1/2 Tasse Salbei und Tymian und 1 Tasse Rosmarin) 
Schale einer Zitrone (Bio ist klar, oder?)
5 grob gehackte Knoblauchzehen

Den Ofen auf 120 Grad vorheizen (oder einen Dörrapparat nehmen). Die Kräuter (locker in der Tasse abgemessen, nicht reinstopfen!) und das Salz im Mixer zerkleinern, bis alles gut gemischt und das Salz feiner ist.
Die Masse auf Packpapier geben und mit dem Backblech in der Mitte einsetzen und trocknen lassen (etwa 15 – 30 Minuten). Am Besten alle 10 Minuten mal nachschauen und dabei gleich ein bisschen umrühren.
Das Salz ist lange haltbar, aber wegen des Aromas sollte man es innerhalb von drei Monaten aufbrauchen.

 

 

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… mit Mönchspfeffer.

 

Es ist meiner Apotheke schließlich doch noch gelungen, Mönchspfeffer zu besorgen. Was mich sehr freut, denn ich weiß, dass sie sich mangels Nachfrage gar nicht mehr mit Kräutern bevorratet. Auch die einfache Schafgarbe für meinen Unterleib musste sie beim Großhändler ordern.

 

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Nur wer die Liebe kennt, weiß wie ich leide…

 

 

Aber ich möchte euch natürlich nicht vorenthalten, wie der Mönchspfeffer gewirkt hat:

Zunächst hab ich für meinen kleinen 6 kg Brummer etwas weniger als 1/4 Teelöffel gemörsert, das Pulver etwas angefeuchtet und in Fleisch versteckt.  Nach etwa einer Stunde wurde er etwas ruhiger. Ich will das mal so verdeutlichen:

 

Ohne Mönchspfeffer

Hündin außer Haus – Rüde jault, heult und wimmert den ganzen Tag

Hündin im anderen Zimmer – Rüde jault, wimmert und kratzt an der Tür

Hündin im gleichen Raum – strampelnder jammernder Rüde muss gehalten werden

Rüde kann auch mit Futter kaum abgelenkt werden.

 

Mit Mönchspfeffer

Hündin außer Haus – zwei, drei Mal am Tag fünf Minuten Jammern.

Hündin im anderen Zimmer – leises Jammern wenn der andere Hund zu hören ist, oder eine Person zu ihr geht.

Hündin im gleichen Raum – Rüde versucht an die Hündin zu kommen, kann relativ einfach beruhigt werden, jammert ein bisschen, kann auch verhältnismäßig nahe abliegen, versucht es aber in etwa stündlichen Abständen mal wieder mit dem Anschleichen.

Rüde kann mit Futter abgelenkt werden.

 

Das ist natürlich nicht repräsentativ. Die Hochhitze dauert ja nur ein paar Tage, und meine „Statistik“ könnte sich da noch ändern. Ich denke aber, es ist eine deutliche Tendenz zu spüren.

Falls ihr da irgendwelche Erfahrungen habt, immer her damit!

 

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24.06.15
Nach dem Frühstück geh ich den Stellplatz bezahlen. Leider muss ich da durch den Duft von frischen Brötchen. Ich darf auch ein paar meiner Flyer hierlassen. Dabei entdecke ich den Flyer von „Kräuter Simon“. Das ist ja nur einen Katzensprung von hier entfernt!
Nun, als Katze hätte ich viel springen müssen, denn wir fahren hier auf dem platten Land irgendwie dreimal um den Pudding. Endlich erlöst uns ein kleines Hinweisschild. Ich wünsche mir fast, wir wären zu Fuß und durch die Pampa gelaufen, dann hätten wir an unseren Fußstapfen erkennen können, ob wir an diesem Ort schon mal vorbeigekommen sind. Laut Navi war es nur 8 km vom alten Pastorat, gefahren sind wir gut und gern das Dreifache.

Kräuter Simon ist eine gemütliche kleine Kräuterei mit viel Auswahl auf kleinem Raum. Da die Hauptpflanzzeit vorrüber ist, sieht manches Tomatenpflänzchen ein wenig müde aus, in seinem Töpfchen. Ich versuche mit nahezu geschlossenen Augen an den anderen Pflanzen vorbeizugehen, um die Haushaltskasse zu schonen. So richtig will mir das nicht gelingen.
Drinnen komme ich noch mit der Chefin ins Gespräch. Wir klagen uns gegenseitig ein bisschen das Kräuterleid.
Frauke Simon wird manchmal gefragt, ob sie denn Kräuterexpertin sei. Da soll ihr schon mal ein „Nein, ich hab wirklich Ahnung!“ rausgerutscht sein. Wir lachen beide. Ich weiß ja, wie sie das meint. Leider tummeln sich auf dem Markt der Kräuterexperten und -tinnen auch die, die mal gerade die Nase kurz in ein Buch gehalten haben. Manche von ihnen sind talentierte Schreiberlinge oder kennen einen tollen Fotografen und da ist es dann schon: das nächste Kräuterbüchlein, bildreich und inhaltsarm oder schlicht gut abgeschrieben. Die, die nicht schreiben, schaffen es immerhin Wanderungen und Kurse anzubieten. So lange sie sich dabei auf Kräuter wie Brennnessel und Löwenzahn beschränken, ist ja fast nichts dagegen einzuwenden, das gehört beinahe zur Allgemeinbildung. Aber wenn dann frei von der Leber weg der Verzehr des Wiesenkerbels propagiert wird, dann krieg ich Bauchschmerzen. Wiesenkerbel ist zwar wirklich sehr lecker, aber viel zu leicht mit anderen giftigen Pflanzen, allen voran dem Schierling, zu verwechseln. Nie würde ich Anfängern zu diesem Gemüse raten! Nein, auch nicht wenn Opa zu Hause einen dicken Sparstrumpf zu vererben hat!

Von den Schandtaten Einzelner kommen wir schließlich auch zu bösartigen Verboten. Ich sage hier bewusst bösartig, weil ich hinter solchen Gesetzen nur Gott Monsanto Mammon grinsen sehe.
Viele der leckersten Tomatensorten dürften gar nicht mehr als Lebensmittel gehandelt werden. Nicht, weil irgendjemand da irgendwas Gefährliches drin entdeckt hat, sondern weil diese Tomaten dem wichtigsten Organ des der Saatgutriesen schaden: dem Geldbeutel!

Also nicht nur du und ich als gute Deutsche, auch unsere Gemüse- und Obstsorten müssen regelmäßig ihre Lebensberechtigungsscheine beantragen. Wir in Form von Personalausweisen, das Gemüse in Form von Zulassungen. Wer das nicht tut ist persona non grata oder wird zu „Zierpflanze“ degradiert.

„Verzehr der Früchte nur außerhalb der EU möglich“, müsste man auf die Pflanzen schreiben, sagte Frauke Simon, wenn alles absolut rechtssicher sein soll. Demnächst dürfen wir also auch bei Gemüse den Beipackzettel lesen, oder die geprüften, gentechnisch perfektionierten, geschmacksbefreiten Standardgemüse essen.

Ja, Big Brother in Brüssel versucht alles, um uns den Appetit zu nehmen. Vorsichtige Versuche, auch den Kleingärtnern das Saatentauschen zu verbieten, sind allerdings im Keim erstickt. Vermutlich ist das eh wurscht, da der Großteil der deutschen Saaten bereits den Monsantostempel tragen und/oder schlicht Hybriden sind.

Für mich war der Besuch bei Kräuter Simon recht lehrreich. Wer in der Gegend ist, sollte mal reinschauen. Wer so gar nicht ins platte Land kommt:
Die Simons haben auch einen Online – Shop:  www.kraeuter-simon.de

Unsere Bordelektrik spinnt mal wieder und wir machen uns auf den Heimweg. Zwei Wochen am Stück Urlaub im Vantana geht gar nicht….

Wir nutzen die Gelegenheit und kehren dann wenigstens noch im roten Haubarg ein. Was bietet sich für eine Hexe denn eher an, als ein Haus, das der Teufel erbaut haben soll?

Ob wirklich der Teufel hier Hand angelegt hat, weiß ich nicht. Aber das Essen oder auch nur eine Tasse Tee sind hier teuflisch lecker. Das versöhnt ein klein wenig mit der frühen Heimfahrt.
Als wir wieder in Richtung Parkplatz schlendern, entdecken wir dieses schöne Arrangement.

 

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Die magische Gundelrebe! (Vordergrund)

 

Ob die Gundelrebe hier absichtlich hineingepflanzt wurde, oder sich nur dekorativ in Szene setzen wollte, weiß ich nicht. Ich bin jedenfalls begeistert. Sie gehört zu meinen Lieblingspflanzen.  Ich spreche sie lieber in der weiblichen Form an: Gundelrebe, statt Gundermann. Ihren Namen soll sie durch ihre hervorragenden wundheilenden Eigenschaften bekommen haben (Gund = Eiter). Diese Interpretation hat mir nie so gefallen. Ich möchte nicht an Eiter denken, wenn ich sie pflücke, schon gar nicht wenn ich sie ins Süppchen oder ins Eis gebe. Irgendwo  hab ich dann mal gelesen, das „Gundel“ in der Gundelrebe würde sich auf eine Walküre gleichen Namens beziehen. Das fand ich viel sympathischer.

Abgesehen von den vielen Heileigenschaften der Gundelrebe (z. B. als bestes Kraut zum Ausleiten weicher Schwermetalle), hat sie auch magisches Potential. Besonders zur Abwehr schwarzer Magie. Das erste Melken der Kühe geschah aus diesen Gründen auch oft durch einen Gundelrebenkranz. Wer wissen wollte, wer bösen Zauber gegen einen ausschickt, der legte einen Gundelrebenkranz um den Fuß einer gelben Kerze und entzündete diese an einem Dienstag. Der Verursacher wurde preisgegeben.

Die Gundelrebe (bzw. ihre Wurzel) ist in ihrer krebswidrigen Wirkung das heimische Pendant zum Cancerweed, einer gegen Krebs eingesetzten Salbeiart. Ich nutze sie daher in Krebssalben. Leider sind meine persönlichen Erfahrungen hierzu nicht repräsentativ und schon gar nicht EU-Studien gesichert, ihr müsst schon warten, bis die Forschung hinterher kommt (so etwa am St. Nimmerleinstag). Da die Gundelrebe nicht giftig ist, schadet sie aber auch nicht…

Selbst in der Küche hat sie ihren festen Platz: Als Würzkraut (Soldatenpetersilie) unschlagbar! Natürlich nur in den entsprechend geringen Dosen. Irgendwo hab ich mal gelesen: „Drei Blättchen in die Sahnesauce“ und das kommt auch gut hin. Sonst wird sie zu dominant. Oder eine Seite mit geschmolzener Schokolade bestreichen: Bestes „After eight“. Erst hier schmeckt man die Verwandtschaft zu den Minzen heraus.
Die Gundelrebe ist eine sehr polarisierende Pflanze. Die Einen lieben sie, die Anderen hassen sie. Es ist wie immer: ihr müsst die Pflanzen wählen, zu denen ihr eine Beziehung aufbauen könnt. Vielleicht gehört die Gundelrebe dazu.

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23. Juni 2015

Wir fahren weiter die Nordseeküste entlang. Ein Stellplatzführer verrät uns als Tipp das „alte Pastorat“ in Ockholm. Es ist gut ausgeschildert und wirkt schon auf den ersten Blick total heimelig.

Der Stellplatz ist hinter dem Gebäude, sehr gepflegt, viel Grün mit Blick über die angrenzenden Wiesen. Die Betreiberin kommt auch gleich auf uns zu und erklärt uns sehr freundlich, wo wir hier alles finden. Das ist außer niedlichen aber sehr sauberen Sanitäranlagen auch ein kleiner Tante – Emma – Laden, der morgens frische Brötchen anbietet. Na bitte, es geht doch auch mit einem Lächeln!

Wir fühlen uns sehr wohl und vor allem erwünscht hier. Der Stellplatzpreis ist günstig, weniger als die Hälfte von Nordstrand. Obwohl dieser Platz auch lobend im Führer erwähnt ist, sind außer uns nur noch zwei weitere Mobile hier. Das Urlaubsfeeling ist sofort präsent.

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Ein Stellplatz mit Urlaubsfeeling – das alte Pastorat in Ockholm

Natürlich will ich nicht Urlaub machen (neiiiiinnnn… Ich arbeite doch an meinem Buch des gesammelten Kräuterwissens…) und wir machen uns auf in die Umgebung. Mal sehen, was hier wächst.

Wer südlich von Hamburg wohnt, der kann kaum nachvollziehen, wie artenarm es bei uns ist. Wer gar Süddeutsche(r) oder Österreicher(in) ist, bekäme bei unserem mageren Kräuterangebot wahrscheinlich Mitleid.

Gerade deswegen möchte ich ja unsere norddeutschen Schätze heben. Wir mögen weniger haben, aber eben auch gute. Zugegeben, es ist sicher dem Klima geschuldet, dass die aromatischen Kräuter, die mit ihren ätherischen Ölen punkten, bei uns deutlich seltener sind. Dafür haben wir Mineralstoffbomben wie Algen und Vitaminkonzentrate wie den Sanddorn. Und von unserem Gaumen- und Nasenschmeichler, den Gagelstrauch will ich gar nicht erst anfangen. Hab ich den Meerkohl erwähnt…?

 

Da diese Pflänzchen nicht die Klassiker des Kräuterbuches sind, findet man nicht allzu viel über sie. Ich schaue da gern bei unseren skandinavischen Nachbarn, vor allem auch den Dänen: die haben aus der Not eine Tugend gemacht und verwerten so gut wie alles, was Chlorophyll bilden kann…

Hier wird auch der Gagelstrauch genutzt, meist als Geschmacksgeber in Likörchen. Wer das nachmachen möchte, der sei aber gewarnt: Bei uns gilt das berauschende Sträuchlein als giftig und steht zudem unter Naturschutz. Ebenfalls unter Schutz steht der Queller, welcher ein Spitzengemüse ist, aber hier allenfalls käuflich erworben werden kann.

Da ist er wieder, der Zwiespalt: bei uns darfst du an der Küste so gut wie gar nichts pflücken… „Küstenschutz“. Nicht mal ein Rosenblatt darfst du mitnehmen. Auf manchen Inseln ist das zumindest den Einheimischen erlaubt, wenigstens etwas.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kräutersammler(innen) und Wildgemüsefans in Scharen einfallen und die Dünen kahl rupfen, in Dänemark stehen die schließlich auch noch, aber in Deutschland darf man halt gar nix. „Wenn das jeder täte…“ , ist so das Totschlagargument. Tut aber nicht jeder… In einer freien Welt herrscht ein Gleichgewicht

Nun, da kann ich noch so lange drüber zetern, es ändert leider nichts… Dabei könnte man sicherlich mit einer weniger strengen Küstenschutzlösung das Bewusstsein für unsere Natur wecken und stärken.

Aber zurück nach Ockholm. Wir wandern durch die Felder. Um an irgendein Gewässer zu kommen, muss man eine Weile laufen. Aber ruhig ist es hier.

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Wir zaubern auch ohne Kräuter etwas Leckeres – da läuft das Wasser im Munde zusammen… auch den Vierbeinern.

Leider ist unser Kräuterbeutezug nicht allzu üppig. Er besteht heute „nur“ aus ein paar Mädesüßblüten. Die kommen in die Sahne, um diese über Nacht zu aromatisieren und am nächsten Tag im Nachtisch zu landen. Ein ähnliches Schicksal teilen ein paar Holunderblüten, die ich direkt am Stellplatz gepflückt habe. Von beiden trockne ich dann noch ein paar, weil sie so zart sind, vorsichtig auf einem Küchenkrepp ausgebreitet, damit sie mir später als Tee in Erkältungszeiten oder als Zutat im Likör oder in der Kosmetik hilfreich sein können.

 

 

 

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Vor so einem Problem stand ich bisher noch nicht: mein kleiner Rüde, der Prager Rattler, ist absolut liebeskrank. Er heult die ganze Nacht und auch am Tage, jammert und fiept. Fussel, der eigentlich Drago heisst, aber jeden Fussel findet, ist nicht mehr er selbst. Nun ich kann es ihm nicht verdenken, denn meine Mopsdame ist läufig. Ich hatte schon öfter Rüden und Hündinnen zusammen, aber so ein Casanova, wie der Kleine, ist mir noch nicht untergekommen.

Das strapaziert nicht nur ihn, sondern auch unsere Nerven.

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Platonische Liebe ist still…

 

Bisher wollte ich ihm seine Kronjuwelen nicht nehmen. Solange er nicht jedes Bein angreift, um sich daran abzurubbeln, soll er ruhig ganz „Mann“ bleiben. Eine Kastration mag mir zwar mehr Ruhe verschaffen, sie ist aber auch wesensverändernd und sollte m. E. das letzte Mittel sein.

Nun, ich mag es immer noch nicht tun. Von den chemischen Keulen hält eine Kräuterhexe aber auch nichts. Was also tun? Da ich, wie gesagt, auch schon früher Rüden hatte, wollte ich ein bewährtes Mittel, mit dem sich auch unsere lieben Mönche ruhig hielten, wieder einsetzen: Den Mönchspfeffer, oder Keuschlamm. Also nicht Keu – Schlamm, sondern Keusch – Lamm… Alles klar?

Leichter gesagt, als getan. In der Apotheke gibt es das nur in Kombipräparaten. Meist für Frauen. Einfache Tinkturen oder Pulver hält weder die Apotheke, noch der Großhändler vorrätig. Das spiegelt den Weg unserer Heilkräuter… man muss sie gar nicht verbieten, man muss sie einfach nur nicht mehr haben. Das Angebot sinkt, aus Frust dann auch die Nachfrage (mehr als fünf Apotheken mochte ich nicht fragen), irgendwann ist ein Kraut dann aus den Augen und aus dem Sinn.

Krieg ich noch Mönchspfeffer? Klar, über das Internet ist er nach wie vor zu beziehen. Aber  nur für den, der weiß, was er sucht. Wisst ihr was ich meine? Es ist so schade, dass du als Kunde nicht mehr die Wahl hast. Der Apotheker kann dir nur Fertigpräparate anbieten. Oder du musst fachkundig sein und wirklich deutschlandweit suchen. Letztendlich wird die Masse auf das zurückgreifen, was da ist. Fertigpräparate (für meinen Hund hatte die Apo aber nix), oder die chemische Keule beim Tierarzt, bzw. die tatsächliche Kastration.

Ich will hier nicht Pro und Contra von Kastration erwägen. Ich denke, das sind auch Einzelfallentscheidungen. Was mir halt stinkt ist, dass uns nach und nach die Wahl genommen wird. Dann propagieren wir das Schlagwort unsere Kanzlerin und werden „alternativlos“.

Insgeheim freue ich mich natürlich auch, dass die Kräuter über die Gewürzshops und Ethnobotanik doch wieder zu uns finden. Aber eines fehlt da: die fachliche Beratung. Das wäre eindeutig Apothekersache. Allerdings hat sogar der Apotheker nicht Kräuterkunde als eines seiner Schwerpunktfächer. Er ist wirkstoffkundig. Wenn er nicht freiwillig in dieser Richtung Interesse zeigt, kann er nicht viel helfen.

So wie meine freundliche und etwas hilflose Apothekenhelferin, der ich riet, mal mit dem lateinischen Namen zu suchen. Sie meinte mit einem Seitenblick zu mir: „Haben sie den zufällig grad „auf Tasche“?“

 

 

 

 

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