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Archive for the ‘Bienen’ Category

Nein, das ist kein Schreibfehler… sondern ein deutliches „Ja“ zu Bienen. Ich schätze diese kleinen, fleißigen Tierchen ja schon lange, hab auch immer mit dem Gedanken gespielt, Imkerin zu werden (der englische Begriff „Bienenhüterin“ gefällt mir eigentlich besser), hab mich nur noch nicht getraut. In meiner Heilkosmetik käme ich ohne Bienen gar nicht aus. Propolis, Bienenwachs und Honig gehören fest dazu. Das bekam ich lange Zeit beim Imker meines Vertrauens. Leider ist dieser vor einiger Zeit verstorben.

„Selbst ist die Frau“, dachte ich und versuchte nun über ein paar ortsnahe Imker in einen Verein zu kommen. Man sollte nicht glauben, wie schwer das ist. Ich wurde immer wieder vertröstet, ja es wäre jetzt kein Ansprechpartner da (der verstorbene Imker war der bisherige), ja irgendwie könne ich natürlich Imkerin werden, aber konkret wollte mir niemand helfen. Ich vergrößerte meinen Suchradius, schrieb auch über das Netz Imker(innen) an, um irgendwie Kontakt zu bekommen. Die Online-Imker antworteten nicht. Ob sie ihre Webseiten nicht pflegten, einfach keine Zeit oder Lust hatten, oder das Web meine Anfragen geschluckt hatte, kann ich nicht sagen.

Das nächste Vortasten bei einem Imker in einer größeren Stadt, der seine Bienchen aufgeben wollte wurde mit: „Nee… du kriegst die nicht, weil, hast ja keine Ahnung, außerdem ist dein Dorf Sperrgebiet“… und so zwischen den Zeilen kam eine deutliche Ablehnung der Imker hier in meinem Örtchen… Es war zum aus der Beute fahren!

Auch bei unserem Vorzeigeausbildungsbetrieb, einer richtigen Imkerschule, fragte ich an. Hier konnte man viel Zeit und Geld investieren und dann mit sicherlich beträchtlichem Imkerwissen, seinem neuen Hobby fröhnen. Allerdings waren gerade die Anfängerkurse so was von ausgebucht, dass die Aussicht auf eigene Bienen dezent ins Rentenalter rutschten. Die freundliche Mitarbeiterin der Schule schien meine Verzweiflung zu spüren und meinte: „Es gibt da noch einen Anfängerkurs. Allerdings ist der nur für Frauen und er findet in Hamburg statt“. Naja, dachte ich in meinem nicht mehr ganz jugendlichen Leichtsinn, ob nun Segeberg oder Hamburg, das ist ja kein großer Unterschied, warum also nicht. Was darauf hinweist, dass wir Menschen eben NICHT den Ortssinn der Bienen haben. Außerdem: Ein Kurs nur für Frauen? Hey ja, das könnt mir gefallen. Bisher hab ich ja nur etwas brummige und nicht sehr mitteilungsbedürftige männliche Bienenhüter kennengelernt. Ich erhoffte mir auch, dass ich vielleicht hier nicht ganz klassisch, sondern mit etwas frischem Wind an die Bienenhaltung herangeführt werde. Denn das sich gerade in den letzten Jahren viel geändert hat, die Bienen weitaus mehr Bedrohungen meistern müssen, als früher, das hatte sich sogar bis zu mir herumgesprochen.

Also saß ich dann erwartungsvoll in dem Frauen-Imkerkurs. Naja, „Biene“ ist ja auch weiblich, oder? Urweiblich – möchte ich mal behaupten. Putzen, Nachwuchs versorgen, Vorräte anlegen, die Männer verwöhnen (solange man sie braucht *grins*). Und nicht nur ich. Außer mir waren noch über 20 Teilnehmerinnen da… Allzuviel muss ich wohl nicht lernen, dachte ich. Ich hab damals in Bio gut aufgepasst, Bienentanz und so, und außerdem wird ja schon seit der Steinzeit geimkert, ältere Herren mit Flechtkörben, ach, da braucht man doch keinen Doktortitel oder so was.

Nun ja… dieser Optimismus verflog schon in der ersten Stunde. Die Lust mehr zu erfahren aber nicht. Unsere Imkerin, Undine, die auch als Schulimkerin fleißig für Imkernachwuchs und mehr  Bienenverständnis sorgt, erläuterte uns, wie es heutzutage um die Biene gestellt ist. Denn da geht es deutlich um „More than Honey“… *

Während früher Dinge wie Bienenhaltung und Kindererziehung fast nebenbei liefen, muss man seine Lieben, ob zwei- oder sechsbeinig, heut vor Dingen schützen, an die früher niemand gedacht hat. Unsere Kinder vor dem hohen Verkehrsaufkommen, den Umweltgiften, neuen Krankheiten und dem Schönheitswahn, unsere Bienen vor dem hohen Verkehrsaufkommen, den Umweltgiften, neuen Krankheiten und dem Biogaswahn…

Nun, das mit meinen Kindern trainiere ich schon lange. Das mit den Bienen war mir neu. Heutzutage ist viel mehr Aufmerksamkeit erforderlich, da eingeschleppte Parasiten und Krankheiten nicht von ihnen allein bewältigt werden können und regelmäßige Kontrolle und Handeln erfordern. Manch altem Imker soll das schon das Hobby verleidet haben. Und genug Futter finden die Bienlein auch nicht mehr. So ernten Stadtimker oft mehr, als Landimker. Wenn man mal mit  Bienenaugen durchs Land (z)sieht: Bei uns, so weit das Auge reicht, Maismonokulturen,  damit man hungrig, oder mit Importgemüse gestraft, genug Strom in der Steckdose hat. Selbst wer vielleicht Ackerboden zu eigenen Anbauzwecken pachten möchte, hat das Nachsehen: Die Pachten haben aufgrund der Nachfrage der Maisbauern schwindelnde Höhen erreicht, wenn Land überhaupt noch verfügbar ist.

Nun, ich will hier keinem Biogasbauern ans Bein pieschern, warum soll grad er den pflichtbewußten Bürger geben, wenn andere unser Sozial- und Subventionssystem bis zu Neige ausnutzen? Aber so richtig auf die Mütze hauen, würde ich gern denen, die das geplant haben. Es müsste eine Quote für solche Anlagen geben. Hier wird teilweise schon der Mist von der Straße gekratzt, weil sie nichts mehr zu befeuern haben und die Anlagen nicht stillstehen dürfen. Das an diesem Gas wenig „Bio“ ist, dürfte sich auch schon herumgesprochen haben. Das manche Anlagenbetreiber etwas nachlässig sind, wohl auch. So wurde gerade das empfindliche Bach- und Ökosystem eines naheliegenden Naturreservates für Jahrzehnte geschädigt… Aber es geht mir hier und heute nicht ums Biogas. Was wir uns damit eingebrockt haben, wird meiner Meinung nach schon recht bald deutlich zu Tage treten.

Bienen haben leider auch nichts vom Biogas. Sie brauchen aufeinanderfolgende „Trachten“, also Nektarpflanzen. Und mit der derzeitigen Agrarpolitik haben die Landbienen den Stadtbienen gegenüber leider zu oft am Hungertüchlein zu saugen. Das war auch ein Grund dafür, dass ich mich lange nicht für Bienen entschieden habe. Würden sie denn hier noch genug bekommen? Unser alter Imker hatte seine Bestände langsam und frustriert abgebaut, weil es ziemlich oft Knatsch mit Anwohnern gab. Bienen können auch pieken. Das ohne Bienen sich der Planet zwar noch drehen würde, aber die Bewohner mangels Speise keinen Schatten mehr werfen können, das realisieren „genervte“ Anwohner oft nicht.

Wie naturentfremdet wir Menschen teilweise schon sind, habe ich bei meiner Arbeit an der Schule mitbekommen. Als meine kleinen Anvertrauten erfuhren, dass der Honig von der Biene kommt (und zwar nicht als „Handarbeit“) und sogar das Wachs vom Bienenkörper produziert wird, wurden von den meisten Kerzen und Honigschleckereien sofort gestrichen… Ich kann nicht umhin zu fragen, ob es diesen netten Sachkundeunterricht mit Bienchen, Blümchen, Hühnern und Schweinen überhaupt noch gibt. Leute – ich wohne auf einem Dorf! Hier sollten die Kinder doch eine grobe Ahnung haben, wo ihr Essen herkommt…

Aber genug der schlechten Stimmung. Denn bei Undine lernten wir, das wir schon mit ein bisserl Mut und aufgekrempelten Ärmeln viel erreichen können. Wir lernten Bienenanatomie, das Leben der Biene, (das bienentermingesteuerte Leben eines Imkers), Honiggewinnung und Problemlösungen kennen. Denn obwohl es viel zu beachten gibt, beschenken uns Bienen immer noch reich und damit meine ich nicht nur die einfache Honiggewinnung. In Amerika, so hörte ich in einem wissenschaftlichen Podcast, habe man sogar schon Kunstbienen geschaffen. Aus Plastik, leichter als die normale Biene, aber nahezu genauso leistungsfähig. Ein kleines Manko besteht derzeit noch: Die Energieversorgung der Robo-Bienen…, sie haben alle noch Kabelanschluss.  😉 Gut so… denk ich mir. Die Biene erfüllt viel mehr Aufgaben, als nur das schlichte Bestäuben. Und wer mal Kunsthonig gegessen hat, außereuropäische Honig-Fußboden-Fegemischungen auf dem Brot hatte, oder schlicht „EU-Gesamtgemischhonig“ als Zutat in ein Badeöl gegeben hat und sich ob des sich dort ständig vergrößernden Gebildes in einem Horrorfilm wähnte, der wird jedes Glas „deutschen Imkerhonigs“ mit Leib, Leben und Geldbeutel verteidigen. In meine Kosmetik und in meine Heilmittel kommt nur noch deutscher Honig! Am allerliebsten vom Imker meines Vertrauens und demnächst hoffentlich von mir…

Guter Rat: macht es genauso. Und nicht nur deswegen, weil sich im nichtdeutschen Honig gern mal Faulbruterreger tümmeln. Die schaden uns zwar nach bisherigen Erkenntissen nicht (unseren Bienen schon), aber wer diesen Gammel mal gesehen hat, möchte bestimmt nicht einmal Bruchteile davon auf dem Brötchen.

So absolvierte ich also brav Undines Kurs, fühlte mich durch das Erlernte gestärkt, hatte aber noch nicht genug Mut, mich dem kräftigen Summen von Angesicht zu (tausenden) Angesichter zu stellen. Bei den praktischen Arbeiten an den Völkern war ich meist nicht in erster Reihe zu finden und gab mich sehr zögerlich.

Der Kurs neigte sich dem Ende und ich dachte mir: „Zum Kuckuck, reiß dich zusammen, probiers einfach aus. Wenn du dich jetzt nicht traust, kriegst du das später allein gar nicht hin!“

Und das war gut so: Die Bienchen haben mich nicht mit Frontalangriff und Masse überwältigt, sondern verhielten sich recht ruhig und kooperativ. Ich wurde auch immer ruhiger, ja geradezu meditativ. Die Durchsicht klappte gut und ich hab tatsächlich auch begriffen und auseinandergehalten, was ich da zu sehen bekam. So… ran an den Speck, äh Honig! Ich meldete mich als Interessentin für einen Ableger bei Undine.

Wie grau ist alle Theorie. Das weiß ich natürlich auch. Und egal wie gut der Vorbereitungskurs war, in der Praxis wird mich sicherlich manche Unsicherheit einholen. Daher wagte ich noch einen Anlauf in unserem Imkerverein, dieses Mal bei einem anderen Ansprechpartner, den mir eine Nachbarin genannt hatte.

Der war typisch norddeutsch/zurückhaltend, aber nett. Ja, ich könne gerne in den Verein kommen. Wie denn, fragte ich nochmals. Ja, indem ich einfach so eine Beitrittserklärung unterschreiben würde. Wo ich die denn bekäme…. Na bei ihm, aber gerade hätte er leider keine Zeit, er wolle sich nächste Woche mal melden.

Das war vor drei Wochen. Bisher hat er sich leider nicht gemeldet, vielleicht meine Nummer nicht richtig notiert, oder mich vergessen. Aber Undine vergaß mich nicht, sie rief an, weil sie ein Völkchen hätte…

Ein VOLK! Kein Ableger, oder so. Also eine richtige (große) eingespielte Gemeinschaft. Und sie wollte diese meinen unerfahrenen Händen anvertrauen. Mir wurde schon etwas mulmig. Das das so schnell ging… und immer noch keine Antwort vom Imkerverein. Dabei wäre ein Beistand vor Ort schon nett gewesen. Ich werde es aber nächste Woche nochmal versuchen. Vielleicht hab ich dann endlich Glück.

Ich packte also alle käuflich erworbenen Utensilien, meinen Mann und meinen Mut zusammen und holte die Bienchen ab… Bis zu dem Zeitpunkt, als wir die Beute im Auto hatten, verlief alles recht geschmeidig…

Aber ich gebe das besser in Protokollform wieder:

Ca . 21:00 Uhr
Zustand Bienen: ruhig – ein Ausreißer oder heimlich ins Auto geschlichener blinder Passagier. Durch Panik der angehenden Jungimker leider umgehend ums Leben gekommen. Bewohner Beute: -1
 Zustand Transporteure: gebanntes Anstarren der Beute für die nächsten 250 km, um weitere eventuelle Freiflieger zu sichten.
Ca. 22:00
Zwischenstopp zwecks Geldeintreibung. In den Fuß gestochener Fahrer humpelt zum Kunden. Beifahrer belauschen die nun bei abgestelltem Motor gut zu vernehmende Beute. Einzelne deutlich lautere Summgeräusche, Morsezeichen ähnelnd, sind zu hören. Beifahrer stellen Vermutungen zur Bedeutung an, einigen sich auf die These, dass die Bienen einen Angriffsplan für die Zeit der Schaumstoffentfernung aushecken. Streichhölzer werden gezogen, um den „freiwilligen“ Öffner zu ermitteln.
Ca. 23:45
Hausherr tastet sich unsicher mit Beute durch den stockdunklen Garten. Hausherrin stichelt über die seit Jahren angekündigte Absicht, die Außenbeleuchtung zu reparieren und die Taschenlampe an einem gut erreichbaren Platz zu deponieren. Hausherr hebt zur Gegenargumentation an, die durch das plötzliche Auffinden von nachlässig auf dem Rasen hinterlassenen Gießkannen, Pflanztöpfen und Fahrrädern (hauptsächlich berührt durch den mittlerweile auf Schuhgröße 45 angeschwollenen Gasfuß) abrupt gestoppt wird. Die elegant wiedergefundene Balance wird umgehend durch den Garten durchstreifenden Lauferpel beeinträchtigt, der die ständig verschobene Reparatur des Entenzauns ausnutzt.
Nach Erreichen des gestern gebauten Unterstandes, fällt es dem mittlerweile asthmaverdächtig keuchenden Hausherrn auf, dass umgebende Grünpflanzen sich auf der Ablage ausgebreitet haben und ein  gerades Aufstellen nicht möglich ist. Im Schein der mittlerweile flackernden Minitaschenlampe aus der Kinderkramkiste wird das Unkraut gejätet und die Bienenbehausung ausgerichtet.
Nach Freigabe des Fluglochs durch die Hausherrin sehen die Wächterbienen beim Anblick der beiden seltsamen Figuren von ihren Angriffsplänen ab und beginnen umgehend mit der Instandsetzung des Stocks, der durch die „sportliche“ Fahrweise des Dickfußes einige Wachsbröckchen verloren hat.
Endlich humpeln und schlurfen die Jungimker nach getaner Schwerstarbeit in Richtung eigener Wohnstatt. Aus dem Kräutergarten ist für Aufmerksame ein feines summendes Gelächter zu vernehmen…
23:24
Leises Summen aus dem Garten, Schnarchen aus dem Haus…
Das war gestern… Gute Nachricht heute: Den Bienen geht es bestens! Sind fleissig am Bauen und erkunden trotz miesen Wetters die Gegend.
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Das erste Bienchen traut sich raus…
Jetzt, wo die Sonne etwas rauskommt, wird das Summen im Stock dynamischer. Die Bienen haben sich auch schon weiter vorgetastet. Jetzt fliegen richtig Bienen in meinem Garten! Toll!
Morgen schau ich mal näher rein und ein paar Tage später meine erste alleinige Durchsicht und das Aufsetzen des Honigraumes. Da sie bisher keinen Honigraum hatten, haben sie Honig in den Brutraum eingetragen, schade, da kann ich nichts von „klauen“.
Und trotzdem „Daumendrücken“. Wie gesagt, es gibt viel, was einem Bienenvolk passieren kann. Und vielleicht erkenn ich als Anfängerin nicht alles (gleich).
Trotzdem freu ich mich riesig. Einfach das sie da sind. Und später, dass ich mit Propolis und Honig weiter experimentieren kann.
Auf den ersten Stich freu ich mich nicht. Aber das gehört dazu. Und wenn ich nicht gerade allergisch bin, ist der sogar sehr gesund… blutdrucksenkend zum Beispiel. Vielleicht haben deswegen viele Imker die Ruhe weg…
*

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