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Archive for the ‘Das Wissen der Mütter’ Category

4. August 2015

Der Platz ist schön, ein wenig in die Jahre gekommen, aber ordentlich und sauber. Etwas  kniffelig war der Stromanschluss. Der versteckte sich weit entfernt im Dickicht. Was für mich auch ziemlich nervig war: Die Toilettenhäuschen öffnen erst ab 7:00 Uhr. Naja…

Es gibt auch auf diesem Platz keine übermäßig ausgebauten „Camping-Haziendas“, aber schöne, liebevoll dekorierte Ferienheime auf Rädern. Viele von Windschutzzäunen umgeben. Genau so etwas, einen kleinen nur kniehohen Windschutzzaun, hatte ich mir auch zugelegt. Einfach als optische Hundebremse und für ein klitzekleines Bisschen Privatsphärengefühl. Ich fand diese Idee einfach prima. Ab heute finde ich sie voll daneben.

Es gibt viele Hunde hier auf dem Platz und meine Kleinen finden bald Spielkameraden, die sich dann aber zur Pinkelparty eingeladen fühlen. Und… ja, vielleicht habt ihr es schon erraten: es wird fleißig an den Windschutz gepieselt. Nachdem das alle machen, macht mein Kleiner das auch.

Die eingefleischten Camper haben dafür extra eine Gießkanne parat, mit der regelmäßig die Ecken abgespült werden. Ich tue es ihnen gleich, aber ich darf euch verraten, dass es ein deutlicher Unterschied ist, ob es ein Windschutz aus Planenmaterial ist, der draußen bleibt, oder einer aus synthetischem Stoff, den man einpackt und mitnimmt. Meiner jedenfalls, ist trotz Abbrausens dort in einer Mülltonne geblieben. Nun gut. Dafür ist das Meer in Riech- und Hörweite. Wir ziehen los, um endlich Kräuter zu finden und das tun wir auch. Ich bin schlicht begeistert:

 

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Etwas seltsam fand ich den Stechapfel dort. Er ist keine typische Strandpflanze. Aber es schien ihm zu gefallen.

Der Meerkohl musste leider dran glauben. Irgendjemand hat ihn über Nacht kurzer Hand zerstört.

Ich finde außerdem noch einzelne Johanniskräuter und natürlich die obligatorischen Rosen. Himmlisch! So eine Vielfalt hatte ich bisher noch nirgends.

 

Ich komme mit einer Dauercamperin der ersten Reihe ins Gespräch und frage sie, ob sie denn weiß, was da alles Tolles vor ihrer Haustür wächst. Sie bejaht und zeigt auf den Sandthymian. Ich finde es schön, dass es immer mehr Menschen gibt, die wachen Auges durch die Natur gehen. Von ihr bekomme ich auch ein nettes Rezept für mein Büchlein. Mit dem Thymian natürlich. Ich finde das dieser schon eher ein zitroniges Aroma hat. Falls das hier ein Botaniker lesen sollte: Möglicher Weise ist es auch ein Quendel. Aber wenn da in der Literatur schon nicht exakt unterschieden wird, wie soll das ein armes Kräuterhexlein können? In heilender und kulinarischer Hinsicht sind sie sowieso Geschwister, obgleich der Quendel ausgiebiger zur Heilung genutzt wurde. Falls jemand von euch jetzt allerdings eindeutige Bestimmungsbücher kennt (wo zur Bestimmung des Schierlings z. B. mehr steht als nur „Mäuseharngeruch“ und „gefleckter Stängel“), immer her damit. Es wurmt mich natürlich auch ein bisschen, da noch nichts Exaktes gefunden zu haben…

Am letzten Tag hier treffe ich noch einen Mann, der mir begeistert ein Kräutersträußchen zeigt. „Oh“, sagte ich, „Da haben sie aber was Gesundes gesammelt!“ Und zähle die Kräuter auf.

„Ja!“, sagt er, dreht das Sträußchen und ergänzt meine Aufzählung noch um die Kräuter der anderen Seite, die er genau zu betiteln weiß. Auch er ist ein Kräuterkenner, der Führungen veranstaltet. Wir müssen lachen. Im Gegensatz zu mir hat er noch ein paar Schätze mehr gefunden. Aber er kennt sich hier auch aus und ist ein bisschen weiter gewandert.

Ja, ihr Lieben. Dieser Campingplatz ist wirklich ein kleines Juwel für Menschen, die einen relativ unberührten nahen (!) Strand suchen, Kräuter lieben und/oder auch mit ihren Hunden mal ans Wasser wollen. Wer allerdings Nachts mal raus muss… ihr wisst schon… naja… da findet sich vielleicht auch noch was.

Und jetzt bekommt ihr noch eines von mir, ein Rezept mit S(tr)andthymian. Ihr wisst doch: Die nächste Grippe kommt bestimmt, doch nicht zu dem, der Thymian nimmt…

Ihr habt die Bleistifte gespitzt? Nicht nötig, heute wird es ganz einfach: Ihr müsst nur ein paar Stängelchen in feinstem Olivenöl ansetzen. Eure Salate werden es euch danken. Natürlich kann der Thymian auch wie seine kultivierten Brüder getrocknet und als Gewürz oder Tee genossen werden.

 

 

 

 

 

 

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3. August 2015

Endlich geht es weiter. Nach langem hin und her mit dem Finger auf der Landkarte will ich es heute in Hemmelmark versuchen. Ich wollte ein Plätzchen finden, an dem ein bisschen Wald oder freier Strand angrenzt, schließlich bin ich auf Kräutersuche.

Die Fahrt hierhin erweist sich allerdings schon wieder als halbe Katastrophe. Eigentlich ist dieses beschauliche Plätzchen gut zu finden, auf der Landkarte jedenfalls. Gleich nach Eckernförde rechts, hinter der militärischen Zone.

Gleich nach Eckernförde geht es nur nicht rechts… Ich lande auf dem Gut Hemmelmark. Hier weisen gleich mehrere Schilder darauf hin, das es NICHT zum Campingplatz geht. Vermutlich sind die Gutsbesitzer leicht angegnatzt, dass jeder Hinz und Kunz, der den Platz sucht, über deren Gelände fährt (fuhr…). Also zurück. Der Platz liegt definitiv links von mir, dann muss es da doch reingehen. Beim Umdrehen seh ich auch ein Schild, das den Campingplatz ankündigt, zunächst noch gerade aus. Aber kein „links ab“ Schild und nein – ich habe keine Rechts-links-Schwäche.

Ich fahre also weiter und seh schon wieder die ersten Häuser von Eckernförde und mein Navi sagt laut und deutlich „Jetzt links“, also gehorche ich und steh…

im Nichts… hier war wohl auch mal ein Weg, aber der ist zu…

Mann bin ich sauer… wende mal permanent mit einem Womo. Auch wenn es klein ist… auf so einer Dorflandstraße..

Entnervt ruf ich meinen Mann an und bitte um Navigation. Der meinte, ich müsse RECHTS ab… im Geiste zeige ich ihm einen Vogel.

Nach gefühlten 25 Wendungen, einen Puls von 180 (gleich dem Blutdruck), mit kleinen Rauchwölkchen aus den Ohren, fahr ich denn beim letzten Versuch doch mal rechts ab… und bin richtig. Um an diesen Campingplatz zu kommen, muss man, ähnlich wie bei einer Autobahnauffahrt, rechts rum und über eine Brücke links zurück.

Das ist an sich ja ok., aber könnte man das nicht mal korrekt ausschildern? Das Hinweisschild dazu war mickrig und nur von einer Richtung lesbar.

Ich fahr also erleichtert dem einen winzigen Hinweisschild nach, dem dann sogar ein zweites und endlich nach links folgt und stehe…

wieder in der Pampa…

Ist nichts mehr mit Hinweisschildern. Nur weite Felder und so staubige Wege, dass schon bei Schritttempo ein Wüste-Gobi-Feeling aufkommt. Ich sag euch: die Wüste Gobi ist nichts gegen die wüste Gaby, wenn sie richtig, richtig sauer ist.

Der Campingplatz unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt jedoch nicht von all den anderen Campingplätzen: es herrscht ständiges Kommen und Gehen. Ich entscheide mich also in Richtung der entgegenkommenden Staubwolken zu fahren, besser: zu schleichen.

Tatsächlich erreiche ich nach einer längeren kurvenreichen Schleichstrecke den Platz. Er macht einen guten ersten Eindruck. Da ich in vierbeiniger Begleitung bin, bekomme ich einen Platz in dritter Reihe, nahe dem Hundestrand. Das hört sich doch super an. Ein Brötchenkiosk ist für mich ja eh uninteressant.

Ich habe mich kaum hingestellt, schnapp ich mir die Vierbeiner und erkunde das Gelände. Manch einer steht hier in erster Reihe… Junge, das sind wirklich tolle Plätze… direkt am Meer… auf Jahre ausgebucht… leider… hier könnte ich sonst zum Camper werden!

Kaum vom Platzgelände runter, bin ich am wilden Strand. Hier trifft man nicht so oft auf Menschen, wie es scheint. Und es ist sehr schön hier.

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Naturstrand – kaum besucht

 

 

Ich findes es super. Jetzt kommen die Vierbeiner erst einmal von der Leine. Das Fusseltier ist mit wenigen raumgreifenden Sprüngen verschwunden…

Wer einen Mops hat, weiß, dass die meistens nicht so bewegungsfreudig sind. Mein Möpschen trippelt mit „ich-möchte-endlich-was-zu-beißen-Miene“ hinter mir her. Der Rattler ist weg. Natürlich. Er hat eine Möwe gesehen. Die schwimmt im Wasser. Was Wasser ist, hat er bisher noch nicht so richtig begriffen. Aber Möwen sind andere Tiere und die kann man fangen, man muss nur hinspringen…

Dumm nur, das Wasser keine Balken hat. Eine völlig neue Erfahrung für meinen Kleinen. Schwups, weg ist er… die erste Tauchübung. Seltsamer Weise scheint ihn das nicht zu schocken. Meine Fine, die schon im Vorjahr bis zum Bauchnabel in der Ostsee stand, kann Wasser nichts abgewinnen. Sie meidet das nasse Element. Der Fussel jedoch, jetzt etwas schlauer, wagt den nächsten Versuch. Ganz rattleruntypisch mit vorsichtigen kleinen Schritten…

 

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Wasser ist nass, das hat ihm keiner gesagt

 

 

Na, die Möwe kichert sich eines und segelt in elegantem Bogen davon. Und mein Hund staunt. Ich nicht weniger. Rattler sollen etwas kälteempfindlich sein…

Wir gehen zurück. Es ist Abendbrotzeit. Jetzt führt der Mops die Gruppe an. Für Kalorien können Möpse trotz der kurzen Übersetzung der krummen Beine recht schnell sein (jetzt tu ich meiner Fine unrecht, sie hat gerade Beine. Sie stammt aus einer Zuchtlinie, wo man versucht, die Beine wieder gerade und die Nase etwas länger zu bekommen, was den Hunden definitiv gut tut).

Zu meiner großen Freude entdecke ich schon jetzt Strandpflanzen, die ich bisher nicht finden konnte…

 

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Meerkohl

 

Wie zum Beispiel diesen schönen großen Meerkohl. Leider nur ein Exemplar. Er wirkt sogar ein wenig deplatziert. Zum Ernten (was ich bei nur einem Exemplar nicht täte) ist er definitiv zu groß, die Erntezeit für Meerkohl (Frühjahr) ist auch längst vorüber.

Ich freue mich darauf, diesen Strandabschnitt morgen näher zu erkunden. Und jetzt freue ich mich auf das Abendbrot. Aber da bin ich nicht die Einzige. Der Mops zieht an der Leine wie ein Wolters-Brauereipferd. Wir passieren wieder die Glücklichen der ersten Strandreihe. Einige haben sich Tisch und Stühle über den Weg hinweg direkt an den Strandanfang gestellt und genießen den Sonnenuntergang bei einer guten Flasche Wein. So lässt es sich leben!

Ich nehme einen angenehm würzigen Duft wahr. Noch kann ich ihn nicht zuordnen. Wer mal einen hungrigen Mops an der Leine hatte (und Möpse sind meistens hungrig), der weiß auch, dass sie keine Pausen vor dem Abendbrot dulden. Also auch das auf morgen verschieben: das würzige Kräutlein finden. Es sieht ganz so aus, als würde ich hier endlich ein paar heilsame Entdeckungen machen. Ich freue mich.

 

Der Meerkohl ist an unseren Küsten meist geschützt. Ihr könnt ihn aber auch kaufen und im eigenen Garten anpflanzen. Auch ihm tut es gut, wie allen im Garten angesiedelten Strandpflanzen, hin und wieder eine Prise Salz zu bekommen. Zubereiten könnt ihr ihn wie normalen Kohl, z. B. mit Béchamelsauce. Zarter ist er, wenn er gebleicht wird. Also die Frühjahrstriebe gern unter einem Tontopf anziehen. Eine leckere, weil sehr würzige Alternative zu unserem Kulturgemüse!

 

 

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Manchmal kauft sich auch eine Kräuterhexe ihre Kräuter. Sammeln ist eben nicht immer möglich.

Ich esse gern, was man mir durchaus ansieht. Aber es muss was Gutes sein. Das hat zur Folge, dass wir meist selbst kochen. Wirklich gute Restaurants und damit meine ich die, die frische, hochwertige Lebensmittel noch selbst verarbeiten, sind rar. Aber heute waren wir in einem dieser Raritäten speisen.

Unser Ausflug mit Papa bringt uns ins Töpferhaus. Die Speisekarte des zugehörigen Bistro-Restaurants ist übersichtlich. Kein Vergleich mit den telefonbuchdicken Karten eines durchschnittlichen griechischen Restaurants. Es gibt nur wenige, aber exquisite Gerichte.

Da ich Gelegenenheitsveganer bin, hab ich mich heute für einen Quinoa-Obstsalat entschieden. Große Güte… was für ein Genuss…

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Gesundheit auf dem Teller

 

Einige wilde Blüten zieren diese Vitaminbombe. Es gibt also wirklich noch Obst mit Geschmack.

Die Aussicht hier ist herrlich. Die Sonne spiegelt sich in den kleinen Wellen des Sees. Die Luft ist klasse… hier könnte ich anwachsen.

Aber dazu hab ich natürlich nicht die Ruhe. Während meine Lieben noch einen Nachtisch genießen, muss ich unbedingt alles genauer erkunden. Plötzlich stehe ich vor dem hauseigenen Kräutergarten und komme aus dem Staunen nicht heraus:

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Zitronenverbene

 

Ich rubble und rieche, aber nein, wirklich: hier wächst die Zitronenverbene! Wie machen die das?

Die Zitronenverbene können wir in unserem Klima nicht überwintern und nur per Steckling vermehren und hier steht sie und sieht aus, als würde sie das ganze Jahr hier wuchern. Ich bin platt!

Die Zitronenverbene ist keine Verbene, was leider oft zu Verwechslungen fühlt. Die echte Verbene, auch oft unter „Vervain“ verkauft, ist ein Eisenkrautgewächs. Neben der heilkräftigen „Verbena officinalis“, dem echten Eisenkraut, gibt es noch bunte Arten, die gern im Garten gepflanzt werden. Die echte Verbene hat viele heilende Eigenschaften und ist eine hochmagische Pflanze.

Die Zitronenverbene, die ein mehrjähriger Strauch ist, hat damit absolut nichts zu tun. Sie hat eigene Heilwirkungen und wird besonders kulinarisch oder in der Naturkosmetik geschätzt. Ihre Blätter sind der Grund der Namensgebung, denn sie haben ein unvergleichlich zitroniges Aroma, das sich auch lange hält. So kann man sie hervorragend für Tees, aber auch Potpourris nutzen. Es gibt ganze Parfum- und Pflegelinien, die dieser Pflanze gewidmet sind, zum Beispiel von l´occitane (nein, ich krieg hier keine Prozente, finde es aber richtig, Kosmetikhersteller, die nicht mit künstlichen Duftstoffen arbeiten, zu nennen.)

Ihr Heilpotential zeigt die Verbene hauptsächlich durch ihre beruhigende Wirkung. Ein Tässchen Tee vereint also Genuss und Entspannung. Er wird in Frankreich gern abends getrunken. Nicht zu unterschätzen, aber in unserem Klima nicht oft zu ernten: der aromatische Blütenstand. Aus diesem zarten Gebilde kann man herrliche Desserts zaubern.

Hier ein leckeres, heilsames Tränklein für euch (nein, ich hab nicht geklaut, da hab ich meine eigene Verbene für geplündert)

 

Lavendel-Minze-Elixier

Verdauungsfördernd, blähungswidrig

 

20 Stgl. Lavendel
30 g Zitronenverbene
20 g gestoßene Fenchelfrüchte

5 Stgl. Minze 2 Zimtstangen 1 l Obstler

 

Zwei Monate im Hellen reifen lassen, dann 100 g weißen Kandis hinzugeben.

 

 

Ich hab mich nicht getraut zu fragen, ob die Zitronenverbene hier wirklich überwintern konnte und sich irgendwie selbst vermehrt. Das wird wohl ein Geheimnis bleiben…

 

Es sei denn, jemand von euch schaut auch mal im Töpferhaus vorbei und hilft mir, das Geheimnis zu lüften.

 

 

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Endlich wieder unterwegs. Zugegeben: Es war nicht nur die Werkstattpause. Ich scheute mich auch ein bisschen vor dem Touristenstrom. Da immer noch Ferienzeit ist, verkrümele ich mich etwas mehr ins Binnenland. Autark möchte ich wegen der bisherigen Aussetzer meines Womos aber auch noch nicht stehen…

Also schau ich mal nach Rantrum. Hier hat die Gemeinde einen vorbildlichen Stellplatz am Schwimmbad eingerichtet. Zunächst finde ich die Zufahrt nicht, dabei stehe ich direkt davor: ein hoher Metallzaun mit großem Tor. Ich trau mich, mache auf und fahre hinein. Hier gibt es nichts zu meckern. Die Plätze sind ausreichend groß und ordentlich. Wegen meiner lauten Mitfahrer verkrümle ich mich wieder an den Rand des Geschehens…

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Rantrum – ruhig und sauber

 

Schon bald kommt die Platzwartin und erklärt mir alles. Das Schöne: die Nutzung des Schwimmbades ist in der niedrigen Stellgebühr enthalten. Sie zeigt den Neuankömmlingen die Örtlichkeiten. Als Betreiberin des Kiosks des kleinen Bades ist sie auch für die frischen Frühstücksbrötchen zuständig. Was ja leider nichts für mich ist. Trotzdem finde ich den Service toll.

 

Eigentlich habe ich es nicht so mit Schwimmen. Ich schwimm wie ein Hammer und tauch wie ein Korken. Aber die gute Platzwartin redet mir gut zu. Naja… was solls… ist ja im Preis mit drin und ich bin… wie lange…? Meine Güte, bestimmt fünf Jahre nicht mehr geschwommen.

 

Ich schnapp mir meinen Badeanzug und geh die wenigen Schritte zum Becken. Es ist abend und traumhaft ruhig. Ich bin die Einzige hier. Nach ein paar zaghaften Runden komme ich zufrieden aus dem Becken. Ich möchte es nicht gleich übertreiben. Aber es hat mir Spaß gemacht und sehr gut getan.

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Alles meins! Ich bade allein hier…

 

Ich beschließe, irgendwann einmal wiederzukommen. Aber der Hauptgrund meiner Reise ist ja immer noch mein Buch. Wo sind sie, die Rezepte?

Der Stellplatz ist sehr schön, aber die Gegend kein Kräutereldorado. Selbst für jemanden wie mich, der nahezu überall was zu pflücken findet, eine kleine Herausforderung.

Bei der abendlichen Hunderunde gesellt sich eine Anwohnerin zu mir. Wir kommen ins Gespräch und sie verrät mir eines ihrer gesunden Lieblingsrezepte, einen Walnusslikör. Das interessiert mich total, da ich gerade erst zu Haus auch einen angesetzt hatte. Den der freundlichen Anwohnerin gebe ich jetzt noch nicht preis. Den muss ich erst ausprobieren. Für die Neugierigen kommt jetzt aber Eines nach Oskar Marti, von dem ich nahezu jedes Büchlein habe…

 

Walnusslikör

1 l Obstbrannwein

2 Nelken

1/2 Zimtstange

2 El Kakaopulver

1 El Kaffeepulver

20 grüne Walnüsse

1/2 Vanilleschote, längs halbiert

50 g Puderzucker

Die Nüsse (am besten mit Handschuhen) in Scheiben schneiden und mit den restlichen Zutaten 10 Tage an der Sonne stehen lassen, danach 5-6 Wochen kühl ziehen lassen. Abseihen und mindestens noch 3 Monate reifen lassen.

Ein leckeres Verdauungsschnäpschen. Eines von der Sorte, dass man mit Messer verteidigen muss. Manch einer mag auch die gut durchgezogenen Nüsse (die schwarz werden) so essen. Der Schnaps riecht himmlisch und schmeckt toll. An Walnuss denkt da keiner!

 

 

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Walnussliköransatz

 

Wenn die Nüsse ausziehen, färbt der Ansatz in getrennten Farben durch. Ein kleines Schauspiel. Später wird der Likör schwarzgrün.

Bei uns war es nicht einfach, Walnussbäume zu finden. Wer einen in der Nähe hat, sollte den Likör unbedingt mal ausprobieren. Am besten sind Juninüsse. Die Schale muss noch grün und das Innere noch weiß sein.

 

Dann entdeck ich aber doch noch ein Kräutlein, dass üppig in unseren Wäldern wächst, aber kaum einer findet… (weil es unscheinbar ist?)

Zumindest die Hexen unter euch sollten es kennen:

 

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Kaum einer nimmt es wahr…

 

Na? Erkannt?  Es ist das große Hexenkraut, Circaea lutetiana. Die meisten bemerken es nicht einmal. Aber warum heißt es „Hexenkraut“ und was bedeutet der lateinische Name? Na zumindest der, das weiß der Lateiner (oder der fleißige Asterix-Leser), weist auf Circe hin. Können wir also jemanden magisch becircen? Auch der englische Name „Enchanters Nightshade“ – Zauberers Nachtschatten, lässt ja Ähnliches vermuten.

Angeblich soll man Männer um den Finger wickeln können, wenn man einen Tee aus dem bei zunehmendem Mond gepflücktem Kräutlein zu sich nimmt. Geschlechtsgenossinnen hingegen könnten aggressiv reagieren.

Mir fehlen, zumindest zu diesem Zauber, allerdings die Erfahrungswerte… 😉

Als Heilkraut fand es früher bei Rheuma, Fieber und der Wundbehandlung Verwendung. Eine neuere Studie bescheinigt ihm entzündungswidrige Eigenschaften.

Wenn ich jedoch noch mal auf die Namen dieses unscheinbaren Kräutleins schaue… Ob da nicht doch mehr dahinter steckt?

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24.06.15
Nach dem Frühstück geh ich den Stellplatz bezahlen. Leider muss ich da durch den Duft von frischen Brötchen. Ich darf auch ein paar meiner Flyer hierlassen. Dabei entdecke ich den Flyer von „Kräuter Simon“. Das ist ja nur einen Katzensprung von hier entfernt!
Nun, als Katze hätte ich viel springen müssen, denn wir fahren hier auf dem platten Land irgendwie dreimal um den Pudding. Endlich erlöst uns ein kleines Hinweisschild. Ich wünsche mir fast, wir wären zu Fuß und durch die Pampa gelaufen, dann hätten wir an unseren Fußstapfen erkennen können, ob wir an diesem Ort schon mal vorbeigekommen sind. Laut Navi war es nur 8 km vom alten Pastorat, gefahren sind wir gut und gern das Dreifache.

Kräuter Simon ist eine gemütliche kleine Kräuterei mit viel Auswahl auf kleinem Raum. Da die Hauptpflanzzeit vorrüber ist, sieht manches Tomatenpflänzchen ein wenig müde aus, in seinem Töpfchen. Ich versuche mit nahezu geschlossenen Augen an den anderen Pflanzen vorbeizugehen, um die Haushaltskasse zu schonen. So richtig will mir das nicht gelingen.
Drinnen komme ich noch mit der Chefin ins Gespräch. Wir klagen uns gegenseitig ein bisschen das Kräuterleid.
Frauke Simon wird manchmal gefragt, ob sie denn Kräuterexpertin sei. Da soll ihr schon mal ein „Nein, ich hab wirklich Ahnung!“ rausgerutscht sein. Wir lachen beide. Ich weiß ja, wie sie das meint. Leider tummeln sich auf dem Markt der Kräuterexperten und -tinnen auch die, die mal gerade die Nase kurz in ein Buch gehalten haben. Manche von ihnen sind talentierte Schreiberlinge oder kennen einen tollen Fotografen und da ist es dann schon: das nächste Kräuterbüchlein, bildreich und inhaltsarm oder schlicht gut abgeschrieben. Die, die nicht schreiben, schaffen es immerhin Wanderungen und Kurse anzubieten. So lange sie sich dabei auf Kräuter wie Brennnessel und Löwenzahn beschränken, ist ja fast nichts dagegen einzuwenden, das gehört beinahe zur Allgemeinbildung. Aber wenn dann frei von der Leber weg der Verzehr des Wiesenkerbels propagiert wird, dann krieg ich Bauchschmerzen. Wiesenkerbel ist zwar wirklich sehr lecker, aber viel zu leicht mit anderen giftigen Pflanzen, allen voran dem Schierling, zu verwechseln. Nie würde ich Anfängern zu diesem Gemüse raten! Nein, auch nicht wenn Opa zu Hause einen dicken Sparstrumpf zu vererben hat!

Von den Schandtaten Einzelner kommen wir schließlich auch zu bösartigen Verboten. Ich sage hier bewusst bösartig, weil ich hinter solchen Gesetzen nur Gott Monsanto Mammon grinsen sehe.
Viele der leckersten Tomatensorten dürften gar nicht mehr als Lebensmittel gehandelt werden. Nicht, weil irgendjemand da irgendwas Gefährliches drin entdeckt hat, sondern weil diese Tomaten dem wichtigsten Organ des der Saatgutriesen schaden: dem Geldbeutel!

Also nicht nur du und ich als gute Deutsche, auch unsere Gemüse- und Obstsorten müssen regelmäßig ihre Lebensberechtigungsscheine beantragen. Wir in Form von Personalausweisen, das Gemüse in Form von Zulassungen. Wer das nicht tut ist persona non grata oder wird zu „Zierpflanze“ degradiert.

„Verzehr der Früchte nur außerhalb der EU möglich“, müsste man auf die Pflanzen schreiben, sagte Frauke Simon, wenn alles absolut rechtssicher sein soll. Demnächst dürfen wir also auch bei Gemüse den Beipackzettel lesen, oder die geprüften, gentechnisch perfektionierten, geschmacksbefreiten Standardgemüse essen.

Ja, Big Brother in Brüssel versucht alles, um uns den Appetit zu nehmen. Vorsichtige Versuche, auch den Kleingärtnern das Saatentauschen zu verbieten, sind allerdings im Keim erstickt. Vermutlich ist das eh wurscht, da der Großteil der deutschen Saaten bereits den Monsantostempel tragen und/oder schlicht Hybriden sind.

Für mich war der Besuch bei Kräuter Simon recht lehrreich. Wer in der Gegend ist, sollte mal reinschauen. Wer so gar nicht ins platte Land kommt:
Die Simons haben auch einen Online – Shop:  www.kraeuter-simon.de

Unsere Bordelektrik spinnt mal wieder und wir machen uns auf den Heimweg. Zwei Wochen am Stück Urlaub im Vantana geht gar nicht….

Wir nutzen die Gelegenheit und kehren dann wenigstens noch im roten Haubarg ein. Was bietet sich für eine Hexe denn eher an, als ein Haus, das der Teufel erbaut haben soll?

Ob wirklich der Teufel hier Hand angelegt hat, weiß ich nicht. Aber das Essen oder auch nur eine Tasse Tee sind hier teuflisch lecker. Das versöhnt ein klein wenig mit der frühen Heimfahrt.
Als wir wieder in Richtung Parkplatz schlendern, entdecken wir dieses schöne Arrangement.

 

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Die magische Gundelrebe! (Vordergrund)

 

Ob die Gundelrebe hier absichtlich hineingepflanzt wurde, oder sich nur dekorativ in Szene setzen wollte, weiß ich nicht. Ich bin jedenfalls begeistert. Sie gehört zu meinen Lieblingspflanzen.  Ich spreche sie lieber in der weiblichen Form an: Gundelrebe, statt Gundermann. Ihren Namen soll sie durch ihre hervorragenden wundheilenden Eigenschaften bekommen haben (Gund = Eiter). Diese Interpretation hat mir nie so gefallen. Ich möchte nicht an Eiter denken, wenn ich sie pflücke, schon gar nicht wenn ich sie ins Süppchen oder ins Eis gebe. Irgendwo  hab ich dann mal gelesen, das „Gundel“ in der Gundelrebe würde sich auf eine Walküre gleichen Namens beziehen. Das fand ich viel sympathischer.

Abgesehen von den vielen Heileigenschaften der Gundelrebe (z. B. als bestes Kraut zum Ausleiten weicher Schwermetalle), hat sie auch magisches Potential. Besonders zur Abwehr schwarzer Magie. Das erste Melken der Kühe geschah aus diesen Gründen auch oft durch einen Gundelrebenkranz. Wer wissen wollte, wer bösen Zauber gegen einen ausschickt, der legte einen Gundelrebenkranz um den Fuß einer gelben Kerze und entzündete diese an einem Dienstag. Der Verursacher wurde preisgegeben.

Die Gundelrebe (bzw. ihre Wurzel) ist in ihrer krebswidrigen Wirkung das heimische Pendant zum Cancerweed, einer gegen Krebs eingesetzten Salbeiart. Ich nutze sie daher in Krebssalben. Leider sind meine persönlichen Erfahrungen hierzu nicht repräsentativ und schon gar nicht EU-Studien gesichert, ihr müsst schon warten, bis die Forschung hinterher kommt (so etwa am St. Nimmerleinstag). Da die Gundelrebe nicht giftig ist, schadet sie aber auch nicht…

Selbst in der Küche hat sie ihren festen Platz: Als Würzkraut (Soldatenpetersilie) unschlagbar! Natürlich nur in den entsprechend geringen Dosen. Irgendwo hab ich mal gelesen: „Drei Blättchen in die Sahnesauce“ und das kommt auch gut hin. Sonst wird sie zu dominant. Oder eine Seite mit geschmolzener Schokolade bestreichen: Bestes „After eight“. Erst hier schmeckt man die Verwandtschaft zu den Minzen heraus.
Die Gundelrebe ist eine sehr polarisierende Pflanze. Die Einen lieben sie, die Anderen hassen sie. Es ist wie immer: ihr müsst die Pflanzen wählen, zu denen ihr eine Beziehung aufbauen könnt. Vielleicht gehört die Gundelrebe dazu.

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23. Juni 2015

Wir fahren weiter die Nordseeküste entlang. Ein Stellplatzführer verrät uns als Tipp das „alte Pastorat“ in Ockholm. Es ist gut ausgeschildert und wirkt schon auf den ersten Blick total heimelig.

Der Stellplatz ist hinter dem Gebäude, sehr gepflegt, viel Grün mit Blick über die angrenzenden Wiesen. Die Betreiberin kommt auch gleich auf uns zu und erklärt uns sehr freundlich, wo wir hier alles finden. Das ist außer niedlichen aber sehr sauberen Sanitäranlagen auch ein kleiner Tante – Emma – Laden, der morgens frische Brötchen anbietet. Na bitte, es geht doch auch mit einem Lächeln!

Wir fühlen uns sehr wohl und vor allem erwünscht hier. Der Stellplatzpreis ist günstig, weniger als die Hälfte von Nordstrand. Obwohl dieser Platz auch lobend im Führer erwähnt ist, sind außer uns nur noch zwei weitere Mobile hier. Das Urlaubsfeeling ist sofort präsent.

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Ein Stellplatz mit Urlaubsfeeling – das alte Pastorat in Ockholm

Natürlich will ich nicht Urlaub machen (neiiiiinnnn… Ich arbeite doch an meinem Buch des gesammelten Kräuterwissens…) und wir machen uns auf in die Umgebung. Mal sehen, was hier wächst.

Wer südlich von Hamburg wohnt, der kann kaum nachvollziehen, wie artenarm es bei uns ist. Wer gar Süddeutsche(r) oder Österreicher(in) ist, bekäme bei unserem mageren Kräuterangebot wahrscheinlich Mitleid.

Gerade deswegen möchte ich ja unsere norddeutschen Schätze heben. Wir mögen weniger haben, aber eben auch gute. Zugegeben, es ist sicher dem Klima geschuldet, dass die aromatischen Kräuter, die mit ihren ätherischen Ölen punkten, bei uns deutlich seltener sind. Dafür haben wir Mineralstoffbomben wie Algen und Vitaminkonzentrate wie den Sanddorn. Und von unserem Gaumen- und Nasenschmeichler, den Gagelstrauch will ich gar nicht erst anfangen. Hab ich den Meerkohl erwähnt…?

 

Da diese Pflänzchen nicht die Klassiker des Kräuterbuches sind, findet man nicht allzu viel über sie. Ich schaue da gern bei unseren skandinavischen Nachbarn, vor allem auch den Dänen: die haben aus der Not eine Tugend gemacht und verwerten so gut wie alles, was Chlorophyll bilden kann…

Hier wird auch der Gagelstrauch genutzt, meist als Geschmacksgeber in Likörchen. Wer das nachmachen möchte, der sei aber gewarnt: Bei uns gilt das berauschende Sträuchlein als giftig und steht zudem unter Naturschutz. Ebenfalls unter Schutz steht der Queller, welcher ein Spitzengemüse ist, aber hier allenfalls käuflich erworben werden kann.

Da ist er wieder, der Zwiespalt: bei uns darfst du an der Küste so gut wie gar nichts pflücken… „Küstenschutz“. Nicht mal ein Rosenblatt darfst du mitnehmen. Auf manchen Inseln ist das zumindest den Einheimischen erlaubt, wenigstens etwas.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kräutersammler(innen) und Wildgemüsefans in Scharen einfallen und die Dünen kahl rupfen, in Dänemark stehen die schließlich auch noch, aber in Deutschland darf man halt gar nix. „Wenn das jeder täte…“ , ist so das Totschlagargument. Tut aber nicht jeder… In einer freien Welt herrscht ein Gleichgewicht

Nun, da kann ich noch so lange drüber zetern, es ändert leider nichts… Dabei könnte man sicherlich mit einer weniger strengen Küstenschutzlösung das Bewusstsein für unsere Natur wecken und stärken.

Aber zurück nach Ockholm. Wir wandern durch die Felder. Um an irgendein Gewässer zu kommen, muss man eine Weile laufen. Aber ruhig ist es hier.

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Wir zaubern auch ohne Kräuter etwas Leckeres – da läuft das Wasser im Munde zusammen… auch den Vierbeinern.

Leider ist unser Kräuterbeutezug nicht allzu üppig. Er besteht heute „nur“ aus ein paar Mädesüßblüten. Die kommen in die Sahne, um diese über Nacht zu aromatisieren und am nächsten Tag im Nachtisch zu landen. Ein ähnliches Schicksal teilen ein paar Holunderblüten, die ich direkt am Stellplatz gepflückt habe. Von beiden trockne ich dann noch ein paar, weil sie so zart sind, vorsichtig auf einem Küchenkrepp ausgebreitet, damit sie mir später als Tee in Erkältungszeiten oder als Zutat im Likör oder in der Kosmetik hilfreich sein können.

 

 

 

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22. Juni 2015

Mit der Ostseeküste bin ich erst einmal durch. Der Pelzerhaken eitert mir so langsam aus der Hüfte. Wohin also? Wie wäre es mit der Nordsee? Aber die deutsche Nordsee ist ja nicht immer da (Ebbe und Flut, für die Binnenländer…)  und ziemlich, ziemlich teuer. Da steht sie der Ostsee nicht nach. Der Strand liegt meistens hinter einem Deich, ist also nichts mit einem netten Stellplatz mit Blick aufs Wasser und auch hier gibts fette Kurtaxe. Warum die armen Dänen ohne eine solche nicht schon am Hungertuche nagen, ist mir ein Rätsel.

Nun… womöglich kenne ich noch nicht alle schönen Plätze dort, also auf! Mein erstes Ziel ist die Halbinsel Nordstrand. Leider auch eine Erfahrung, die ich nicht zweimal brauche: Wir landen in Süderhafen. Der ausgewiesene Wohnmobilstellplatz entpuppt sich als größerer Garten eines Einfamilienhauses, fein säuberlich in ziemlich kleine Parzellen unterteilt. Nun, warum nicht? Ich hab ja ein kleines Mobil.

Die Gastgeberin ist allerdings dauermürrisch. Etwa wie ich, wenn ich jemanden dick mit frischen Brötchen, Baguette und Croissants frühstücken seh (ich bin leider glutensensibel). Wenn ich die Beurteilungen des Platzes durch andere lese, ist dieser Gemütszustand aber wohl Standard. Na gut, was solls, wir müssen ja nicht heiraten. Ich werde darauf hingewiesen, dass man keine Fussmatten vor das Mobil zu legen habe, die schaden dem Rasen und das zu unserer Sicherheit (oder zur Fussmattenkontrolle?) Kameras den Platz überwachen würden. Mein Obolus für zwei Mann und eine Nacht: 26 Euro… Das finde ich recht heftig, zumal ich ungehinderten Ausblick auf den Gartenflechtzaun habe…

Naja… das krieg ich mit anderen Stellplätzen bestimmt wieder rein… was solls, ein Ausreisser eben…

Mein Mann kommt fluchend vom Herrenklo. Er sagt nur ein Wort: „Sanierungsstau“ und schüttelt ärgerlich seine Hände. Das Herrenklo ist wohl in üblem und vor allem statisch bedenklichem Zustand. Das Frauenklo nicht. Komisch… man sollte doch meinen, das Stehpinkeln sanitäre Anlagen weniger belastet.

 

Wir gehen an den „Strand“.  Leider gibt es hier nicht wirklich so etwas wie Strand, wir wandern ein bisschen an den Bootsstegen entlang und finden dann tatsächlich auch eines meiner Lieblingskräuter:

 

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Strandbeifuß, der kleine Bruder des gewöhnlichen Beifußes

 

Der Strandbeifuß hat als typische Artemisie ähnliche Wirkung wie sein großer Bruder. Vor allem seine Bitterstoffe wirken wie ein Lebenselixier. Er ist mehr ein „Frauenbeifuß“ und bei Frauenleiden etwas wirksamer (Indianerinnen hocken sich z. B. über den Rauch von glimmendem Beifuß, wenn sie Unterleibsbeschwerden haben).

Seine Blättchen und auch sein Geschmack sind feiner. Er ist etwas süßlicher, als der Große. Man kann die feinen Blattspitzen dosiert gut auf Butterbrot essen. Oder aus der Pflanze einen feinen Beifußlikör/schnaps (je nach Zuckergehalt), den Wumken, ansetzen. Dieser gesunde Magenschmeichler wird gern in Niedersachsen getrunken.

 

Wumken

Strandbeifuss (etwa ein Ästchen, was gerade so in die Flasche passt), 1 Flasche Korn (hochprozentig), nach Belieben: Kandis.

Mindestens 4 Wochen, besser länger, ziehen lassen.

Schneller und einfacher kann man einen gesunden Kräuterlikör nicht machen.

 

Wer Strandbeifuß sammelt (man darf das nicht überall!), kann ihn also getrost als feinere Variante überall da einsetzen, wo sonst der normale Beifuß gefragt ist. Wunderbar ist er auch in der „Feuer-ins-Becken“-Salbe nach Fischer. Oder fein dosiert in der Kräuterbutter. Natürlich auch zum Räuchern…. und, und, und…

Merkt man, dass ich Beifußfan bin?

Ich pflücke Beifuß, wenn immer ich einem habhaft werden kann. Nach Möglichkeit die Blüten vor dem Aufblühen. Strandbeifuß geht immer…  Wenn ich nicht so gut drauf bin, reib ich Beifuß einfach und schnupper mich daran munter, wie ein Reh im Raps. Außerdem polieren Hexchen ihre Glaskugeln mit Beifuß, um wieder klare Visionen zu haben. Wer keine Kugel hat, kann abends ein Tässchen Beifußtee trinken, um Klarträume zu bekommen. Die Räucherung verbindet uns mit der geistigen Welt. Als Schutzräucherung wird er weltweit genutzt. Der normale „Sage“ in Nordamerika, bei uns oft fälschlicher Weise als Salbei übersetzt (nicht zu verwechseln mit dem „white Sage“), ist ebenfalls ein Beifuß.

Die Heilwirkungen des Beifußes sind so vielfältig, da könnte man ein Buch drüber schreiben. Aber ich sehe das wie Wolf-Dieter Storl: Nimm die Pflanze, die dich „ruft“, suche sie nicht nach Buchwissen aus.

Vielleicht findest du so auch zum Beifuß, dann meditiere mit ihm. und erst viel viel später kannst du mal lesen, was der Rest der Welt so über ihn schreibt…

 

Nach diesem kleinen Kräuterhighlight wollen wir uns auch kulinarisch ein wenig gut tun. Wir gehen in ein Restaurant vor Ort. Nachdem ich mir etwas ausgesucht habe, meinte die Bedienung mit ähnlicher Miene wie unsere Platzbetreiberin: „Da muss ich erst einmal sehen, ob wir das noch haben…“ Okay, neuer Versuch, gleicher Satz. Nachdem sie den Satz gefühlte 80 Mal abgespult hatte (jetzt verstehe ich ihre Miene), sagte ich entnervt: „Bringen sie einfach, was sie noch da haben“. (Wir waren kurz vor Hochsaison…)

Wenig später brachte sie das Essen. Was ich da genau aß, kann ich gar nicht sagen, aber es schmeckte ganz passabel. Mein Mann, der eines der beiden Gerichte bestellt hatte, die noch da waren, bekam auch etwas ganz anderes, allerdings nicht wirklich lecker.

Nee, Nordstrand, danke nein! Du hast uns deine unschöne Seite gezeigt. Du wirktest unpersönlich und abweisend auf uns. Wir wünschen dir und deinen teils mürrischen Anwohnern alles Gute!

Wir machen uns auf die Reifen…

 

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