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Archive for the ‘Wilde Küche’ Category

Aufgrund einiger Anfragen aber zunächst ein Nachtrag zu den Algen:

Ja, Algen sind wertvoll, sowohl als Lebensmittel, als auch als Heil- und Pflegemittel. Gemahlen werden sie gern in Kosmetikprodukten (meist wegen des Alginats) verwendet. In der Volksmedizin werden sie zur Senkung von Cholesterin und Blutdruck, zur Stärkung des Immunsystems und gegen Krebs eingesetzt.

Bevor sich hier gleich wieder die Trolle versammeln (ich hatte diverse Angriffe bei meinem Artikel zum Strahlenschutz zu verzeichnen):

Natürlich gibt es wegen der Krebswidrigkeit keine EU-Studie. Das will niemand. Wir reden hier von Volksmedizin. Es ist durchaus möglich und wahrscheinlich das Japan da Einiges hat und natürlich auch die englischsprachigen Länder, wo Heilpflanzenforschung noch groß geschrieben wird (bei uns nicht!). Aber so eine Studie ist in der Ausführung sehr teuer und wer die Ergebnisse lesen will, muss ebenfalls tief in die Tasche greifen. Da kostet so ein Artikelchen gern mal zwischen 60 bis 100 Euro. Bitte seht es mir also nach, wenn ich nicht überall eine Quelle angebe. Wenn ich nicht irre, hat zur Krebswidrigkeit die Uni Hamburg etwas veröffentlicht. Ernsthaft Interessierte, die es ganz genau wissen wollen, können das googeln. Aber ich darf euch verraten, dass die Studien (auch die deutschen) meist in Englisch mit sehr viel Fachvokabular abgefasst werden.

Wer unter Krebs leidet, wird sicherlich nicht auf die Idee kommen, jetzt einfach nur Alge zu essen und mehr nicht. Bei so einer komplexen schweren Krankheit, die m. E. nicht nur eine einzige Ursache hat, informiert man sich gründlich um seinen EIGENEN PERSÖNLICHEN Heilungsweg zu finden. Es hält euch natürlich niemand davon ab, andere, die es geschafft haben, nach deren Weg zu fragen. Vielleicht könnt ihr dann einen Ähnlichen gehen.

So! Ernstes Thema erledigt. Nun zu mehr Spaß!

 

Das Algen lecker sein können, hatte ich im vorherigen Artikel ja schon erwähnt. Nun wurde ich nach dem Salat von unserem Wochenmarkt gefragt. Hierbei handelt es sich um Riementang (Himanthalia elongata), der dort mit Chili und Öl angemacht wurde. Er sieht aus wie grellgrüne Spaghetti, wird daher auch oft Spaghettialge genannt und kommt sogar hin und wieder bei uns vor.

 

Aber zurück ins Binnenland: Meine letzte Kräutertour führte mich in unseren (Schleswig-Holsteins) letzten Urwald. Naja, fast… ein beinahe Urwald könnte man sagen. Er wird auch dementsprechend geschützt, aber rundherum gibt es eben auch Bodenbewirtschaftung und die hier allgegenwärtigen „Bio“-gasanlagen. Ja, ich hab was gegen diese. Wer das nicht hat, wohnt entweder nicht dazwischen, ist kein Imker, verdient sein Geld damit, oder hat sich mit der Materie noch nicht tiefer befasst. Eine dieser Anlagen, eine von den großen, hat leider Flora und Fauna eines natürlich Bächleins hier nachhaltig gekillt. Kann ja mal passieren… kostete auch etwas Bußgeld.

Aber zum Glück ist der Riesewohld nicht ganz klein und man kann immer noch etwas finden. Ich komme ursprünglich aus Niedersachsen und stelle immer wieder fest, dass die Wälder hier im Gegensatz zu denen dort, wirklich artenarm sind. Schleswig-Holstein ist ohnehin das waldärmste Bundesland. Umso erfreuter war ich dann auch, als ich dieses Pflänzlein, das in Niedersachsen üppig in den Wäldern wächst, hier fand:

 

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Der „Türöffner“ zum Feenreich

 

Die Schlüsselblume! Die wilde Urmutter unserer Gartenprimeln ist ein magisches Pflänzlein. Allein ihre Heilwirkung ist fantastisch. Weithin bekannt ist sie als Hustenmittel. Schleim wird dabei besonders schonend abgehustet (wg. des hohen Saponingehaltes), was sie gerade für ältere Menschen interessant macht. Aber das ist längst nicht alles: Sie ist ein Seelenschmeichler. Wirkt beruhigend und schmerzstillend, lindert Migräne und Kopfschmerzen. Auch zur Vorbeugung von Schlaganfällen wurde sie eingesetzt. Sie ist so mild und beruhigend, dass sie auch Kindern als Schlaftee oder bei Nervosität gegeben wurde. Sie wirkt herzstärkend und krampflösend (auch Wadenkrämpfe). Für uns Erwachsene ist sie in Form eines Likörchens natürlich besonders lecker.

Hildegard von Bingen empfiehlt Himmelschlüsseltee gegen Schwermut (Himmelschlüssel… was „erschließt“ uns das Pflänzchen im seelischen Bereich?).

2 Teel. reine Blüten auf eine Tasse. Sehr wohlschmeckend (aber bitte nicht wild sammeln – geschützte Pflanze!).

Auf einem anderen Kräuterblog hab ich sogar gefunden, dass man nun ihre Wirkung bei Krampfleiden wie Epilepsie oder Parkinson untersucht. Das gibt doch Hoffnung!  ( www.Kraeuter-verzeichnis.de)

Die Blüten wurden Wein beigefügt und die Blätter den ersten Frühlingssalaten. Ja, es wurde sogar direkt aus den Blüten ein lieblicher Wein hergestellt, was heute kaum noch machbar ist, weil die Pflanze zu Recht unter Naturschutz steht und auch sehr selten geworden ist. Die Kelten fügten die Schlüsselblume ihren Rezepturen bei, da sie die Wirkung der anderen Kräuter erhöhte.

Wer mit einer ungeraden Anzahl Schlüsselblumen (muss aber die richtige sein), an einen Feenhügel klopft, der kann eintreten und mit dem kleinen Volk feiern. Nein… mir ist es noch nicht gelungen. 😉

Auf alle Fälle ist diese zauberhafte Blume eine tiefere Betrachtung wert. Wäre es nicht eine nette Idee, sie ihm eigenen Garten anzubauen?

Die Schlüsselblume wirkt auch entwässernd, genau wie die nächste Pflanze, der ich im Riesewohld begegnen durfte:

 

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Winterschachtelhalm

 

Dem Winterschachtelhalm!

Er ist kaum zu übersehen, da er bis zu 1,50 Meter hoch werden kann. Ohne Blätter und Zweige, aber eindeutig ein Schachtelhalm und außerdem sehr dekorativ (ihr könnt ihn für gutes Geld in Gärtnereien erwerben). Da außer dem Ackerschachtelhalm alle Schachtelhalme leicht giftig sind, sollte er innerlich nicht angewendet werden, obwohl man früher die jungen schmackhaften Frühjahrssprosse durchaus verzehrt hat. Vermutlich ist die Wirkstoffdichte dann noch nicht so hoch.

Er wirkt stark entwässernd und wird genutzt bei:

schweren Beinen, geschwollenen Beinen, Bauchwassersucht, Juckreiz

Man kocht den Schachtelhalm über Dampf weich oder kocht einen Tee (25 min), den man zum Badewasser gibt.
Gut für Fußbäder (bis Wadenhöhe) oder Sitzbäder (bis Nierenhöhe). Auch als Umschlag möglich. (nach Angelika und Chris Lenz)

Ich möchte auch hier nicht unerwähnt lassen, dass man bei Problemen mit Wassereinlagerungen immer erst einen Heilkundigen aufsuchen sollte, um die Ursache zu klären!! Auch permanentes Entwässern gehört in fachkundige Hand.

 

Den ungiftigen Vertreter, den Ackerschachtelhalm, empfiehlt der Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger sogar bei bösartigen Tumoren, Geschwüren und Krebsleiden. Dazu soll der Kranke die betroffenen Stellen etwa 15 Minuten den Zinnkrautdämpfen (dampfender Absud) ausgesetzt werden und morgens und abends eine Tasse Zinnkrauttee getrunken werden. Nach drei Wochen eine Woche aussetzen…

Die Empfehlung mag dem wirkstoffkundigen Anwender ins Staunen bringen. Punktet das Zinnkraut doch vor allem wegen seiner Mineralstoffe und besonders der Kieselsäure. Nicht umsonst empfiehlt sie Maria Treben für alle „alten Frauen ab 40“, damit sie starke Knochen behalten. Aber das Zinnkraut ist durch die Kieselsäure ja „pflanzlicher Bergkristall“ (Storl – wenn ich nicht irre...). Vielleicht erklärt das sein Potential?

 

Aber mein Weg führt mich tiefer in den Wald und da wird mir gleich österlich zu Mute. Ihr kennt das sicher!

 

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Weidenkätzchen

 

Als Kräuterhexlein macht es mich natürlich ein wenig traurig, den Weidenschnitt zu sehen. Aber so komme ich zumindest zu einem Ostersträußchen, ohne selbst Hand an die Sträucher gelegt zu haben. Als Kind habe ich immer versucht, diese streichelzarten Kätzchen so lange wie möglich aufzubewahren. Aber wusstet ihr, dass sie auch eine große Heilwirkung besitzen?

Ihr kennt bestimmt längst die Heilwirkung der Weidenrinde, die aufgrund ihres Salicylgehaltes wie Aspirin wirkt, ohne dessen magenschädigende Wirkung zu haben. Die bei der Azetylsalizylsäure befürchteten Magenblutungen können hier nicht auftreten. Weidenkätzchen haben eine ähnliche Wirkung, aber ihr Haupteinsatzgebiet sind Schlafstörungen und Nervenschwäche. Weidinger empfiehlt hierzu einen mit Honig gesüßten Tee 1/2 Stunde vor dem Schlafengehen. Die Wirkung lässt sich vermutlich auch durch den Bromkaliumanteil erklären. So eine Art pflanzliches Schüßlersalz, könnte man sagen (Kalium Bromatum Nr. 14).

Wer einen Garten hat, braucht die Weidenzweige nach Ostern nicht fort werfen. Sie wachsen an!

 

Aber nicht nur die Weidenkätzchen auch die Birkenkätzchen sind verwertbar, sogar kulinarisch.

Ja, ich weiß, ihr armen Pollengeplagten! Aber ich denke, es gibt Hoffnung. Wie zum Beispiel Brennnesseltee (ab sechs Wochen vor der kritischen Zeit getrunken – englische Kräuterheilkunde), Zedernöl (bitte nachlesen bei Eliane Zimmermann) und natürlich eine Ernährungsumstellung.

Ich möchte jetzt kein Augenrollen sehen. Ihr müsst so etwas ja nicht auf Dauer machen. Ich bin z. B. Gelegenheitsveganer. Meist ess ich Fleisch nur aus Bequemlichkeit. Das gibt es nun mal in jedem Supermarkt, gutes Gemüse und Obst muss man allerdings schon suchen. Und die Bioabteilungen werden hier bei uns immer kleiner. Wenn ich mal wieder zu einem „Veganertreff“ gehe, dann nehme ich mir immer vor, viel mehr davon in meinem Speiseplan aufzunehmen. Denn das geht auch lecker. Ohne Tofu, ohne Soja…

Ich möchte euch daher ein interessantes Rezept nicht vorenthalten. Das geht noch einen Schritt weiter und ist reine Rohkost. Aber die Autorin beschreibt, dass sie selbst als ehemalige Pollenallergikerin sich nun diesem Genuß hingeben kann. Einen Versuch ist Rohkost (über einen längeren Zeitraum) daher vielleicht auch für Pollenallergiker einmal wert. Aber bitte das Brot erst genießen, wenn man nachweislich nicht mehr allergisch ist:

 

Birkenbrot
250 g Mandeln
2 Handvoll männliche Birkenblüten
1 Karotte
½ TL Koriandersamen
100 g Leinsamen

nach Geschmack Meersalz, 1 Knoblauchzehe oder Schnittlauch oder für eine süße Variante Rosinen und Zimt

Mandeln über Nacht in Wasser einweichen, das Einweichwasser abgießen und die Mandeln waschen. Die Birkenblüten vom Blütenstand abrebeln. Die Mandeln mit der Karotte, den Birkenblüten, Koriandersamen und den Zutaten nach Geschmack im Mixer oder Zerkleinerer klein hacken. Dann die Leinsamen getrennt davon im Mixer/Zerkleinerer grob mahlen und anschließend unter die Mandelmischung rühren. Bei Bedarf etwas Wasser zugeben.

Einen Brotlaib formen und in etwa 2 cm dicke Scheiben schneiden. Diese nebeneinander auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech oder Gitter legen und im Backofen oder in einem Lebensmitteltrockner bei Temperaturen unter 40 °C trocknen.

 

Dieses und andere höchst spannende Rezepte (z. B. auch zum Riementang) findet ihr hier:

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Meine liebsten Wildpflanzen rohköstlich

 

Dann mal raus mit euch! Noch habt ihr nicht so die Qual der Wahl. Wenn aber erst alles richtig grünt…

 

 

 

 

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Eigentlich wollte ich ja schon längst weg sein. Auf großer Kräutertour… das Wissen unserer Mütter sammeln. Wer diesen Blog verfolgt, hat allerdings auch alle Steine kennengelernt, die mir in den Weg gerollt wurden. Das waren zum Einen die ewigen Ausfälle meines nagelneuen Hobby Wohnmobils, zum Anderen aber auch private Hindernisse.

Jetzt ist es einigermaßen startklar (nur die Heizung ist nicht so ganz in Ordnung und die maroden Drehsitze werde ich wohl nie ersetzt bekommen) und dann musste mein Papa ins Krankenhaus. Zum Glück nichts Schlimmes, wohl aber in der Mobilität (seiner) sehr beeinträchtigend. Also irgendwas ist immer. Ihr kennt das sicher.

 

Darum bin ich einfach losgefahren. Ja, es werden, wie im letzten Jahr auch, zunächst sicher wieder nur kleine Mehrtages – Etappen werden, bis sich die Situation mit meinem Vater geklärt hat.

 

Ich nutze die Zeit und besuche die schönen Orte, die im Sommer sicherlich mehr als überlaufen sind. Mein erster Anlaufplatz ist ein traumhafter Stellplatz in Maasholm:

 

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Maasholm – auch bei trübem Wetter eine Reise wert

 

 

Ich dachte, um diese Zeit wäre hier kein Mensch. Da irrte ich mich aber gewaltig. Es stehen schon einige Wohnmobilsten hier, die ebenfalls den wunderbaren Meeresstellplatz (ja, für alle die, die es nicht wissen: die Schlei ist ein Fjord und kein Fluss!) genießen. Direkt am Wasser stehen, erstklassige, penibel saubere Sanitäranlagen und ein spitzenmässiges Bistro, direkt am Yachthafen. Die Inhaber haben ein Herz für Wohnmobilisten und geben gern ihren leckeren Cappuccino mit samt Tasse ab, schlicht darauf vertrauend, das es wiederkommt, das Porzellan. Ohne Pfand…

Aber es soll hier ja nicht vorrangig um Stellplätze gehen. Sondern um Kräuter und Wildgemüse. Da hab ich mir vor Jahren schon Maasholm auf die Wunschliste geschrieben, denn hier gedeiht ein Kraut, das ich besonders mag, in üppigen Mengen… und das sollte gerade jetzt im März Erntezeit haben…

 

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Das leckerste Wildgemüse Maasholms – noch sehr zurückhaltend

 

Nein, das ist keine wundersame Tentakel eines außerirdischen Wesens – normaler Weise sollten aus den dunklen Knospen bereits wunderbare krause tief violette oder auch schon sattgrüne Blätter gesprossen sein. Hier erwartete ich ungeduldig die zarten jungen Triebe des Meerkohls (Crambe maritima).

Wie es aussieht, muss ich auch noch länger warten. Die Wetterkapriolen machen nicht nur dem Kulturgemüse zu schaffen. Obwohl er auch das schon war, der Meerkohl, ein Kulturgemüse. Zu viktorianischen Zeiten heiß gehandelt. Sein Geschmack hat etwas Haselnussähnliches mit leicht bitterer Note. Also bevorzugt frische Schosse und gebleichte Stellen verwenden. Leider wurde er übermässig geerntet und ist in seinem Bestand sehr zurückgegangen. Darum ist die Ernte vielerorts verboten. Zum Glück ist er auch in Kräutereien zu bekommen und wächst dann prächtig gut und gern 12 Jahre für euch. Der Strunk dort oben ist etwa unterarmdick (schlanke Unterarme, nicht meine.. 😉  ).

Sein Nährwert lässt sich sehen. Neben einem hohen Mineralstoffgehalt wartet er auch mit reichlich Vitamin C auf, was ihn bei den Seefahrern zu einem beliebten Reisebegleiter machte.

 

Gut, das war nichts. Noch nicht. Aber man kann ja wiederkommen. Doch schauen wir erst mal, ob hier nicht noch was wächst und siehe da, das tut es:

 

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Strandbeifuß

 

Der Strandbeifuß treibt aus. In diesem Zustand ist er lecker auf Butterbrot. Da braucht man ja auch nicht die Mengen. Selbstverständlich kann man ihn auch wie seinen großen Bruder, den gemeinen Beifuß, zum Räuchern, bei Ritualen und zum Putzen seiner Glaskugel benutzen (tatsächlich wurden Kristallkugeln zum Hellsehen damit abgerieben. Vielleicht sollte man sein Tarot in Beifuß wickeln?).

Für Heilzwecke würde ich mit dem Ernten noch ein wenig warten. Hier punktet der Beifuss mit den ätherischen Ölen und die brauchen nun einmal Sonne. Um die Sonnenwende bis in den August wären da die Erntezeiten, auf alle Fälle jedoch vor der Blüte.

Insgesamt ist dieser zarte Vertreter der Artemisien sanfter. Auch im Aroma. Nicht ganz so bitter, wie der große Bruder. Daher nimmt man ihn auch als Geschmacksgeber im Wumken.

Aber nicht nur mein geliebter Beifuß lässt sich schon sehen. Auch ein Gemüse, dass wir eher im Asialaden oder Reformhaus kaufen, vor allem wenn es aus Japan kommt: Algen.

Bah, nee… jetzt mal nicht die Nase rümpfen. Warum in die Ferne schweifen? Warum glaubt ausgerechnet jeder Deutsche, daß das, was bei ihm wächst, giftig ist? Und so wird für Algen oder Goji-Beeren (welche bei uns Unkraut sind) gern viel Geld ausgegeben. Algen aus unseren Gewässern? Na wer will, kann natürlich weiterhin getrocknete Wakame aus Japan holen… Aber ich glaube kaum, das die weniger bedenklich sind, nach dem da alles „strahlt“…

 

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Vegan aus dem Meer – zu jeder Zeit vorrätig

 

Algen haben als Lebensmittel eine lange Tradition. Sie sind sehr nahrhaft und überaus mineralsstoffreich. In England stehen sie noch auf dem Speiseplan. Hier werden sie so geschätzt, daß manch Schafbauer die gute Ware extra vom Strand klaubt, um seinen Tieren mit der Zufütterung derselben etwas Gutes zu tun. Hier kennt kaum jemand ihren Wert auf dem Speiseplan, obwohl ich neulich auf dem Markt beim Fischhändler tatsächlich einen schmackhaften Algensalat bekommen habe.

Was mich angeht, so ess ich Algen in der richtigen Dosis recht gern. Die grüne Alge vom Markt war mit scharfem Dressing angemacht und schmeckte lecker. Unsere heimischen Algen schmecken intensiv nach Meer, mir manchmal schon zu intensiv. Von daher dosiere ich vorsichtiger. Der Geschmack darf nicht dominieren. Algen sind übrigens nicht giftig. Aber natürlich können sie, wie jedes Gemüse, einen nicht mehr zum Verzehr zu empfehlenden Zustand haben. Darum bitte immer pflücken und nicht einfach vom Strand sammeln. Die obersten frischen grünen Spitzen. Alles Andere wird ein bisschen zäh.

Wer das jetzt einmal probieren möchte, dem lege ich ein Wildgemüsebuch ans Herz, das nun nicht das gefühlt tausendste Bärlauchpesto im Repertoire hat, sondern mit erfrischend neuen Rezepten kommt. Eben auch für Alge. Für das vorsichtige Rantasten an das „Superfood“ (ich hasse eigentlich diese neuen Wortschöpfungen und werbewirksamen Schlagworte, aber hier trifft es wirklich zu), empfehle ich das zur Zeit im Handel für den halben Preis erhältliche

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wild kochen von Anette Eckmann.

 

Wer mal wieder frische Wildgemüserezepte sucht, ist hier definitiv richtig. Das Buch ist liebevoll aufgemacht und eben ein bisschen anders: dänisch, einfach, lecker! Oder: dänisch – einfach lecker!

Für den Anfang empfehle ich das Algenknäckebrot. Das hat mir besonders gut gefallen. Oder den Hagebuttenketchup. Aber den gibt es erst später im Jahr.

 

Ihr seht, auch wenn ihr noch nichts seht, in der Natur ist immer etwas da. So gibt es ganz besondere Schätzchen, auch an diesem Plätzchen:

 

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Wilde Möhre

 

Die etwas ruppig aussehenden Samenstände der wilden Möhre sind zu dieser Zeit ihr bestes Erkennungszeichen: Sie ziehen sich zu einem Nest zusammen. Wenn ihr die trockenen Blütenstände pflückt und euch die Mühe macht, sie auseinander zu pulen, kommt ihr auf die Samen der wilden Möhre und damit auf eine Möglichkeit der ganz feinen Küche.

Die von den trockenen Hülsen befreiten Samen quetscht ihr im Mörser (oder Unterwegs mit der breiten Seite eines Küchenmessers) einfach mal an. Sofort habt ihr einen zarten, sehr aromatischen Duft in der Nase. Natürlich kann man auch das ätherische Öl kaufen, aber ist die wilde Ernte nicht viel spannender?

Wenn ihr mal reinschnuppert, habt ihr sofort verschiedene Süßspeisenvariationen vor Augen. Und genau dafür könnt ihr die wilde Möhre nehmen. Wenn der Blütenstand noch nicht ganz so dröge ist, wie hier, sondern noch Grün aufweist, könnt ihr ihn so wie er ist, z. B. in Milch oder Sahne legen und diese über Nacht aromatisieren. Um diese Zeit im Jahr, solltet ihr schon die kleine Mühe auf euch nehmen und alles Vertrocknete herauslesen.

So… und nun ist riechen und schwelgen angesagt. Der Duft umhüllt einen, wie die Arme einer liebenden Mutter! Düfte sind Geschmacksache, aber dieser würde sich auch in einem Parfum gut machen. Er erdet, er wärmt und streichelt die Seele. Irgendwie zeigt das ja schon die Form des Samenstandes: geborgen in einem Nest!  Die Hexlein unter euch können sie natürlich auch räuchern, aber mir persönlich ist in diesem Fall der Duft des Öls angenehmer. Die Wilde Möhre gibt uns in dieser hektischen Zeit, in der alte Werte scheinbar nichts mehr gelten, wieder eine Mitte, einen Halt. Nach Kalbermatten zentriert sie unsere Bewusstseinskräfte. Also auch wieder ein „Zur-Mitte-Kommen“, ein „Wurzeln“.

Dieser kleine Teelöffel voll Samen kann dir zwar den Moment und die Nachspeise versüßen, wenn du die positiven Eigenschaften der wilden Möhre gezielt einsetzen willst, musst du dir das ätherische Öl aber kaufen. Natürlich kannst du auch damit eine Schnupperorgie machen, ich nutze es jedoch gern in pflegender Kosmetik. Ein wahres Tonikum für die Haut, egal ob anspruchsvoll oder aknegeplagt. Auch wer Verführung im Sinn hat, könnte es in einem Massageöl verwenden. Es ist ein Phytopheromon (Sexuallockstoff, der dem menschlichen ähnelt) und wirkt hormonell ausgleichend. Es findet seinen Einsatz daher auch bei Menstruationsstörungen und PMS, oder generell bei Drüsenproblemen (nach Wabner). Die kleine Wilde unterstützt nicht nur die Haut, sondern auch die Leber. Wobei sie doppelt punktet, denn gerade Leberprobleme machen sich oft über die Haut bemerkbar. (Vor der inneren Einnahme des ätherischen Öls sei aber an dieser Stelle nochmals gewarnt. Solche Dosierungen gehören in die Hand einer Fachfrau! Liebe Fachmänner, nicht schmollen, ich weiß, dass es euch auch gibt, aber ich glaube, hier sind die Frauen in der Überzahl).

Man könnte wieder mal einen ganzen Bericht dieser spannenden, wenn auch unscheinbaren Pflanze widmen. Und natürlich wartet ihr wieder auf Rezepte. Dieses Mal möchte ich mich dafür in den Hintergrund zurückziehen und auf den wundervollen Beitrag von Eliane Zimmermann verweisen. Mehr Wilde Möhre geht nicht.

Ihr müsst also nicht Hormocenta* oder Placentubex für die Gesichtspflege nehmen, es geht auch wunderbar vegan!

Für die Jüngeren unter euch: Früher war es durchaus auch üblich, die menschliche Plazenta zu verwerten, besonders in Hautcremes. Von den wertvollen Inhaltsstoffen her verständlich… Später hat man meines Wissens Tierische genommen. Die Generation meiner Mutter hat darauf geschworen. Ob Hormocenta das auch gemacht hat, kann ich nicht sagen, der Name legt es fast nahe und es wurde von vielen behauptet. Heutzutage findet sich jedenfalls keine Plazenta in den Cremes. Ich weiss aber, das einige Hebammen noch Proben zur Weiterverarbeitung zu homöopathischen Globuli nehmen.

So… liebe Grüße also aus Maasholm! Es lohnt sich wirklich, diesen malerischen Ort einmal zu besuchen. Ja, auch der Ort ist wunderschön. Und jetzt wisst ihr ja auch, nach was ihr Ausschau halten könnt, wenn ihr auf Kräutersuche seid.

 

*  in der derzeitigen Rezeptur werden lt. Deklaration keine menschlichen oder tierischen Produkte verwendet.

 

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Ende Oktober… (2015)

Kaum geschrieben, muss ich die Überschrift auch schon wieder einschränken. Das Langeweile nicht aufkommen kann, gilt natürlich nicht für jeden. Ich weiß meine Werkstattpausen zu nutzen, meine Vierbeiner tun ihren Unmut über den Hausarrest allerdings deutlich kund:

 

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So! Korb zerlegt, Blumen umgetopft, Gardinen abgenommen…

 

Das bietet doch Raum für Tierpsychologen! Zu seiner Ehrenrettung muss ich aber sagen: Er ist ein Rattler. Die passen auf. Und wenn da nun mal einer am Fenster vorbeigeht und man von kleiner Statur ist, muss man halt aufs Fensterbrett und da Remmidemmi machen. Logisch. Dieser komische Korb war ein sentimentales Erinnerungsstück an die Schuljahre der Kinder und zeigte längst erhebliche Gebrauchsspuren, auch der gehört ersetzt. Für den Notfall halten wir aber etwas Tesaband parat, dann kann man das alles schön wieder flicken…

 

Ja, er hat ja Recht. Auch wenn man zu Hause ist, sollte man regelmässig an die frische Luft. Und irgendwo hab ich gelesen, dass Hundehalter gesünder leben würden, WEIL sie ja notgedrungen jeden Tag ein paar Mal für ein paar Minuten an die frische Luft müssen.

Also schnapp ich mir die Vierbeiner, von denen eigentlich nur einer an die Frischluft möchte und gehe wieder in der „Homezone“ spazieren.

 

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Magische Momente im Wald

 

Im Fichtenwald ist die Luft angenehm würzig. Eigentlich gehört er ja gar nicht hierher, der Wald. Deutschland hatte ursprünglich ausgedehnte Buchenwälder, die allerdings den Reparationskosten zum Opfer fielen. Später wurden schnellwachsende Fichten für schnellwachsende Gewinne gepflanzt. Natürlich sind solche Monokulturen viel anfälliger und auch nicht so artenreich. Aber ich genieße das besondere Aroma der Nadelbäume. Und auch wenn es jetzt nicht unbedingt die Zeit für Fichtenspitzensirup, Tannenlikörchen  und Fichtenlutschbonbons gegen Erkältung ist, so sammle ich doch ein paar Ästchen. Sie werden später in Erkältungs-Badekugeln und –pralinen ihre Verwendung finden. In meinem Körbchen landen auch Zapfen und ein bisschen Eichenrinde. Erstere für Deko, letztere für Likörchen.

Ich schaue auch nach „Räucherbarem„. Fichtennadeln sind schon mal kein schlechter Anfang. Auch das hier und da austretende Harz bietet sich an. Wenn es etwa zweijährig ist, klebt es nicht mehr so und kann wie Kaugummi gekaut werden. Dabei desinfiziert es den Mundraum. In Erkältungszeiten nicht verkehrt.

Wieder zu Hause (und zumindest EIN Hund hat noch lange nicht genug), breite ich meine Funde zum Trocknen aus. Ich hatte Glück und noch einige Vogelbeeren gefunden. Glück deswegen, weil eben wegen der Art des „Knickens“ hierzulande die Eberesche kaum noch zum Fruchten kommt.
Vogelbeerlikör ist einer der edelsten überhaupt. Auch die Vogelbeere darf gern ein bisschen Frost bekommen, das verfeinert den Geschmack (manche empfehlen 1 – 6 Monate im Froster). Roh ist sie leicht giftig. Gekocht (Gelee) oder getrocknet sind die unbekömmlichen Stoffe nicht mehr enthalten. Daher sind Vogelbeeren ebenfalls für Früchtetee und auch (wie die Schlehe) als Trauerspeise geeignet. 4-5 Vogelbeeren am Tag, decken den Vitamin C – Bedarf im Winter. Gelee oder Mus helfen gegen Frühjahrsmüdigkeit und bei der Erkältungsvorbeugung. Vogelbeeren haben den höchsten Vitamin C – Gehalt aller Früchte (hier streiten sich die Geister, Platz 1 wird stark von Sanddorn und Hagebutte umkämpft, die Vogelbeere hält da aber leicht mit. Wer ganz oben ist, wechselt je nach Literatur und Autor regelmässig). Die Eberesche wird auch gegen Durchfall, bei Stoffwechselleiden und als Lungenheilmittel genutzt.

Meinen Tipp, 4 -5 getrocknete Vogelbeeren als Erkältungvorbeugung über die Wintermonate zu verzehren, wird schon von vielen erfolgreich umgesetzt (nur von mir nicht so regelmäßig – Asche auf mein Haupt). Ich glaube, ich habe das mal bei Gisula Tscharner gelesen, deren Bücher auch zu meinen Favoriten gehören. Also zu der Sorte, wo ich zwei von habe: eins zum Lesen und ganz ganz vielleicht auch mal Verborgen und eins zum „Für-gut-aufheben“.

 

Und weil Vogelbeeren in Kombinationen so lecker sind (solo etwas fad…), hinterlass ich euch auch noch ein Rezept, dass ich von der „Stipa“ habe:

Vogelbeer-Kürbis-Chutney
Vogelbeeren und in kleine Würfel geschnittenen Hokkaido-Kürbis zu gleichen Teilen vorbereiten. Die Kürbiswürfel samt Rohrzucker (~5 T. Kürbis, 1 T. Zucker) in sehr wenig Wasser und Essig (~1:2) sowie Salz, Senfkörner, grüne Pfefferkörner, Chilli, Knoblauch, Ingwer und Garam masala weichkochen (Deckel drauf). Vogelbeeren dazu geben und unter ständigem Rühren zu einer leicht dicklichen Konsistenz einkochen.
Gebt dem Chutney ein paar Wochen zur Reife, dann schmeckt es noch besser!

Die Gewürze nehmt ihr nach Geschmack. Ich bin nicht so ein Chillifan und nehme nicht soviel davon. Ingwer, wenn frisch, darf dagegen etwas vorschmecken.

Natürlich ist das Chutney genauso gesund, wie alles andere von der Vogelbeere, auch die Likörchen…  😉

 

Nein, ich bin keine Alkoholikerin, bei mir geht es, frei nach Paracelsus, immer um die richtige Dosis. Wer auf Alkohol verzichten will oder muss, kann natürlich zu Sirup, Gelee, Tiefgekühltem oder Getrocknetem greifen. So kann man mit ein paar Vogelbeeren auch einen Apfelsaft verfeinern, oder einen Früchtetee. Die Konservierung über Alkohol hat den Vorteil, dass man keine Vitamine „wegkocht“. Jedem nach seinem Gusto. Und so ein Likörchen kommt bei mir eben nur zu besonderen Gelegenheiten auf den Tisch. Damit würdigt man die „Lebensstoffe“ mit mehr Aufmerksamkeit. Könnte man natürlich auch bei normalen Mahlzeiten tun, geht in unserer hektischen Gesellschaft aber meist unter. Mein Likörchen ist meine Muße…

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Oktober

Mein Stromfresser (Hobby Schantana Pseudo-Wohnmobil) hat Werkstattpause. Ich habe heute, wo ich diesen Bericht verfasse (06.02.16) von der Werk(el)statt ein Reise-Logbuch zugeschickt bekommen. Eigentlich eine nette Geste. Aber es juckt mich in den Fingern, sämtliche Werkstattpausen einzutragen und es umkommentiert zurückzuschicken. Doch ich möchte mich von dem Thema lösen, darum nur ein kurzes Werkstattupdate per heutigem Stand: Die Klimaautomatik geht in der kalten Jahreszeit nur händisch. Womit „Automatik“ ja schon mal ein Witz ist. Scheinbar betrifft das alle Fiat-Ducatos dieser Serie, also schaut doch mal, ob, wenn ihr auf „Automatik“ stellt, die Kiste auch warm wird. Meine jedenfalls nicht und alle anderen auf dem Hof der Werkstatt auch nicht. Bei Fiat soll das bekannt sein und man arbeite mit Hochdruck an der Lösung… Scheinbar bin ich die erste(!?!) Kundin, die das überhaupt bemängelt. Also ihr anderen: Regelt ihr eure Automatik tatsächlich händisch???

Die Drehsitzgeschichte hängt ebenfalls noch im leeren Raum. Da wird sich wohl nie was tun. Auch hier hat Fiat mit seiner Eigenproduktion Probleme. Ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen dem potentiellen Käufer gegenüber, dem ich den Wagen irgendwann verkaufen werde.

Der Bordstrom? Nun, die liebe Werk(el)statt hat ja gaaaaanz doll gesucht und nix gefunden. Da wird wohl alles in Ordnung sein. Bisher hab auch ich noch nichts Gegenteiliges gefunden, aber ich nutze den Wagen grad kaum… Na, vielleicht hat sich ja wirklich was durch das Bewegen der elektrischen Leitungen getan. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Genug jetzt (aufdieFingerhau), das ist schließlich ein Kräuterblog!

Und wegen obigem Ärgernis bin ich zu Haus, im eigenen Wald. Da eine passionierte Kräuterhexe überall was findet, kann sie natürlich auch hier fündig werden.

 

Es ist ein schöner Herbsttag und wir machen eine kleine Runde. Und schon nach kurzer Zeit heißt es: Ein Männlein steht im Walde…

 

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Zwei Prachtstücke wie aus dem Bilderbuch

 

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Fliegenpilze sehe. Nein, ich gehöre nicht zu denen, die schon mal gekostet haben, obwohl nach meinem Kenntnisstand noch niemand bei uns durch den Fliegenpilz zu Tode kam und er im getrockneten Zustand auch weniger giftig sein soll. Aber ich will niemandem reinreden, weder zum Konsum, noch dagegen. Zumindest wenn ihr Erwachsene seid, ihr müsst wissen, was ihr tut. Seid ihr noch nicht volljährig, dann auf alle Fälle Finger weg!

Ich liebe Fliegenpilze trotzdem. Das muss wohl was Uraltes sein. Aber auch Pilzkenner lieben ihn. Nicht unbedingt in der Suppe, aber als Zeigerpilz für Steinpilze. Denn die fühlen sich meist genau da wohl, wo auch ihr rothäuptiger Genosse steht.

Der Fliegenpilz ist in unserem Volksgut allgegenwärtig (Frag mal den Rätsch, der hat Bücher drüber geschrieben) und wird als Glücksbringer aufgefasst. Das hat mit Zufall nichts zu tun.

Ihr könnt euch natürlich mit dem Pilz befassen, ohne ihn zu kosten. Das geht, frei nach Storl, auch meditativ. Ich hab nicht ganz so viel Sitzfleisch wie dieser (Wolf-Dieter Storl kann schon mal vier Stunden versunken mit einem Pflänzchen kommunizieren), aber ich stelle immer wieder fest, das die Wuchsorte des Pilzes etwas „Magisches“ haben. Solche Erlebnisse kann man leider nicht per Blog teilen, man muss sie selbst erfahren. Ich kann euch ja auch nicht den Genuss von Mozarts „Zauberflöte“ per Text zu Ohren bringen, da müsst ihr schon selbst lauschen.

Ich lasse also die Pilze unberührt, nehme nur ein Abbild und gehe weiter…

 

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Es wird herbstlich…

 

Ich gehöre zu den „Herbstliebhabern“. Die meisten Menschen lieben ja den Frühling, oder den Sommer, ich bin Herbstmensch. Da habe ich eine eigene Theorie: Ich glaube, man liebt genau die Jahreszeit, die etwa 3 Monate nach der eigenen Geburt liegt. Ganz einfach deswegen, weil sich dann die optische Wahrnehmung eines Säuglings erweitert. Es ist die erste Jahreszeit, die ein kleiner Mensch mit allen Sinnen aufnimmt… naja, meine Theorie. Ich finde sie schön, auch wenn sie vielleicht nicht wirklich passt…

 

Ich liebe also den Herbst, auch wenn die ersten Blätter fallen. Er „riecht“ anders. Es kommen würzige Aromen, nicht so weiche, wie im Frühling. Überall ist Erntezeit. Es gibt Früchte, Pilze und dicke Wurzeln. Die Farben wirken satt, bunt, kein Frühlingseinheitsgrün. Es ist nicht mehr quälend warm.

Obwohl der Mai für eine Kräuterhexe wohl der arbeitsreichste Monat ist (falls sie Kräuterführungen macht), gibt es im Herbst noch genug zu tun. Ich nutze unseren kleinen Ausflug jedenfalls, um die Wurzeln der Knoblauchsrauke auszugraben, die ich später, kleingerieben, mit Öl konservieren werde. Ein adäquater Ersatz für Meerrettich. Neben ein paar Pilzen, die den Speiseplan bereichern werden, sammle ich auch die ersten Hagebutten. Tee aus selbstgesammelten Hagebutten ist schon deswegen leckerer und gesünder, weil die Kernchen darin belassen werden. Solltet ihr sammeln und „entkernen“, weil ihr vielleicht Hagebuttenmark macht (was ebenfalls göttlich schmeckt), dann schmeisst die Kernchen nicht weg! Sie allein geben schon einen wunderbar orangenen nach Vanille schmeckenden Tee (schön lang ziehen lassen – bis sich Farbe zeigt. Manche kochen die Kernchen auch). Die Kernchen haben einen hohen Gehalt an Vitamin B, was natürlich den käuflichen Hagebuttentees fehlt.

Der großen Volkszeitung zum Trotze sammeln wir auch Bucheckern. Erhitzt oder ohne das Häutchen sind sie sowieso bekömmlich. Und damit ihr seht, dass sich das mühsame Sammeln und Pulen (wenn ihr die Schale nicht beim Rösten in der Pfanne knackt) auch lohnt, gleich noch zwei leckere Rezepte:

 

Bucheckern-Käse-Plätzchen
80 g Schafkäse (trocken und fest) 80 g Allgäuer Bergkäse (nicht zu reif)
2 El Hartweizengrieß, 2 El gehackte Bucheckern
Den Käse reiben und mit dem Grieß und den gehackten Bucheckern mischen. Teelöffelgroße Portionen abteilen und nicht zu dicht auf einem Backblech mit Backpapier verteilen. Im vorgeheizten Backofen (200 Grad, Ober- und Unterhitze) 5-7 Min. backen.

 
Bucheckern-Kräuteraufstrich
1 Bund frische Kräuter (z. B. Schnittlauch, Petersilie, Löwenzahn)
500 g Magerquark 20 g gehackte, geröstete Bucheckern
2 El Olivenöl 1 Schuss Milch
Salz, Pfeffer, 1 Schuss weißer Balsamico
Chilipulver nach Belieben

 

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann ja auch gleich nochmal meinen Waldflammkuchen ausprobieren!

 

Bucheckern, Knoblauchsraukenwurzel und Hagebutten könnt ihr während des ganzen Winters im Wald finden.

 

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In 2015 hatte ich öfter Heimpausen. Teilweise eben werkstattbedingt, manchmal jedoch auch, weil ich hier noch bei der VHS Hanerau-Hademarschen ein paar Kurse hab.

Bei so einem Kurs kam ich mal wieder selbst ins Staunen: Wir wollten einen schönen Herbstfrüchtelikör ansetzen. Da wir die Mensa der Schule benutzen dürfen, waren wir optimal ausgestattet. Das Herbstfrüchtelikörrezept ist supereinfach und manchmal kommen da so tolle Likörchen heraus (je nach Zutat natürlich), dass sie bis zum letzten Tröpfchen mit dem Messer verteidigt werden. Eine Teilnehmerin verriet mir einmal, dass der Likör nur noch streng rationiert vergeben werde und speziell zum Hasenbraten einige Tropfen in die Sauce kämen… Reine Gaumenwellness.

Ich will euch das Rezept gleich mal dalassen. Es spricht nichts dagegen, auch einen „Frühsommerlikör“ so anzusetzen:

 

Herbstfrüchtelikör

Möglichst viele verschiedene Herbstfrüchte

brauner Zucker

1 Zimstange

Birnenschnaps

Die gestandende Hausfrau merkt schon hier, dass Geschmacksvariationen möglich und wahrscheinlich sind. Nach meiner Erfahrung ist es empfehlenswert, auch sehr saftige Früchte, wie Pflaumen, Himbeeren und/oder Birnen und stark Färbende wie Schlehe oder Aronia dabei zu haben. Wieviel Zucker und wieviel Zimt mit dazukommt, ist ein wenig Geschmackssache. Ich darf euch verraten, dass bei 20 Leuten mit den gleichen Zutaten 20 verschiedene Likörchen herauskommen.

Die Früchte werden gesäubert, etwas kleiner geschnitten und abwechselnd mit dem Zucker in ein Gefäss geschichtet. So darf der Ansatz zusammen mit der Zimtstange einen Tag stehen. Schon nach kurzer Zeit dürfte sich ein appetitlicher roter Saft in der Flasche sammeln, auch wenn ihr viele harte Früchte, wie z. B. Quitten dabei hattet.

Am nächsten Tag kommen die Früchte weg (was schon ein wenig schade ist, ich hab  noch mal einen eigenen Liköransatz damit gemacht, aber vielleicht ginge auch ein Mus, oder getrocknet und gemahlen als Pulver…, oder, bei Beeren, als Zutat im Quark…) und es wird mit Birnenschnaps aufgegossen. Lasst ihn mindestens noch 6 Wochen reifen… wenn ihr euch denn beherrschen könnt.

 

Um nun das mitgebrachte Obst noch ein wenig zu veredeln, wollten wir wilde Beeren dazusammeln. Da unsere heimischen Knicks nicht mehr viel hergeben, sind wir wenig optimistisch rausgegangen, um die wilde Ernte einzubringen.

Wie sollten wir uns täuschen! Und noch im Nachhinein würde ich den Verantwortlichen der schulischen Grünanlage unheimlich gern meinen Dank ausdrücken! Kaum vor der Tür, stolperten wir schon über die schwarzen Hagebutten der Bibernellrosen (eine vor allem an der Nordseeküste heimische Art, die jedoch mehr und mehr von den üppigeren Kartoffelrosen verdrängt wird), gefolgt von Berberitze und normaler Hagebutte. Als ich dann auch noch in den Kornelkirschen stand, konnte ich mich kaum noch bändigen. Und als Krönung kam dann diese Pflanze…

 

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Da staunt das Kräuterhexlein – Hagebuttenperlen in Dolden!

 

Ja, da hab ich erst einmal sparsam geguckt. Das sah mir ganz nach Hagebutte aus, allerdings winzig und in Dolden. Optisch fast mehr ein roter Holunder, was zu dieser Jahreszeit aber kaum möglich wäre. Ich hab nach Dornen geschaut, aber keine auf den ersten Blick gefunden… Ich fürchte, ich hätte noch eine ganze Weile dumm dagestanden, wenn nicht eine Teilnehmerin das Ganze aufgelöst hätte: Hier wuchs eine Büschelrose. Die hab ich wirklich noch nie gesehen. Tippe auf „Neophyt“, also eingebürgert. Manch einem treibt das ja schon den Blutdruck hoch, weil die Neophyten die einheimischen Arten verdrängen sollen. Aber sind wir nicht alle „Neophyten“?  Die meisten Neulinge in unserer Flora haben sich gut angepasst und eine Nische gefunden. Gewarnt wird vor einigen aggressiven Arten. Die sind mir so noch nicht untergekommen, aber da kennen sich Botaniker sicher besser aus. Ich könnte mir schon vorstellen, dass solche Pflanzen lokal zum Problem werden können. Meistens werden sie aber zum Problem gemacht.

Ich war ganz begeistert, von diesen süßen kleinen Hagebuttenperlen, die natürlich auch in unseren Herbstfrüchteansatz kamen. Ich ließ mir versichern, dass die Büschelrose auch mit Blütenstand ganz herrlich aussähe. Das wird natürlich im nächsten Sommer überprüft.

Mit unseren Schätzen, die schon allein ihr Vitamingehalt so wertvoll macht, haben wir also unsere Ansätze bereichert. Und dann erfahre ich auch noch eine Variation, die sich nicht minder spannend anhört:

 

Zierquittenlikör

Auch diese duftenen aromatischen Zierquitten, die meist an kniehohen Sträuchern wachsen, sind lecker. Sie können einen Apfelgelee aromatisieren oder auch Saft. Ihr Vitamin C Gehalt ist sehr hoch, sie werden auch „Zitronen des Nordens“ genannt. Obwohl – ich bin mir nicht sicher… die stammen, glaube ich, auch nicht von hier… Wieder ein Neophyt?

Jedenfalls verriet mir eine junge Frau, dass sie bei Aldi manchmal den Spargel im Glas kauft. Diese Gläser sind sehr hoch und schmal. Der Spargel wird verwertet und dann werden Zierquittenscheiben mit Zucker dort eingeschichtet. Das allein ist schon eine Augenweide. Der Quittensaft wird später mit Korn zu einem Likörchen angesetzt. Das könnte man in dem länglichen Glas, mit ein paar Quittenscheiben als Deko, machen. Aber sie verriet mir, dass sie die Scheiben im Backofen nachtrockne und die Kinder die jetzt süßen Scheiben gerne knabbern würden…

Letzteres hab ich noch nicht ausprobiert, aber das Likörchen war lecker.

 

 

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10. September

Die letzte Tour war in Bezug auf Kräuter ernüchternd. Aber ich erwähnte ja bereits, dass wir hier so artenarm sind, eine regelrechte Kultursteppe, dass wir uns über manches Kräutlein so bannig freuen, das einem „südlichen“ Niedersachen vielleicht nur ein müdes Lächeln abfordern würde. Man merkt wirklich deutlich, dass die Flora bunter wird, wenn man hinter Hamburg (hier von uns aus gesehen, also südlich davon) ist. Das gilt aber ebenso für den Osten. Auch in Mac-Pomm gibt es schöne Ecken. Am Klima dürfte es also nicht liegen. Ich vermute, es liegt an der Bewirtschaftung. Schleswig-Holstein ist das waldärmste Bundesland (fällt gar nicht so auf, weil wir mit unseren Stränden punkten, gell?). Landwirtschaft wird hier groß geschrieben (vor Allem auf den Flurkarten) und auch die Art und Weise, wie man heute mit Beikräutern verfährt, lässt ihnen kaum noch eine Chance. Wegränder werden vor der Blüte gemäht (So sind Johanniskrautstellen hier echte Geheimtipps) und auch das in anderen Bundesländern immer mehr praktizierte natürliche Belassen eines Randstreifens in Feldern (für Kornblumen u. ä.) hab ich in meinem Umfeld noch nicht gesehen.

Zum Glück gilt das Gesagte nicht zu 100 %. Hier und da finden sich noch kleine Idyllen. Wobei die Betonung auf „klein“ liegt. Das von mir letztens besuchte Schutzgebiet für Birkhühner, war ein winzig kleines Moor – ich möchte mal behaupten, es hatte etwa Fussballfeldgröße. Da kannst du schützen was du willst, auf so einer kleinen Fläche bleibt doch nichts, was Puls hat. Da hast du auf dem Papier ausgewiesene Schutzgebiete und in Wirklichkeit zeigt dir das Birkhuhn den Stinkeflügel und tippt sich an die Stirn. Ich habe sogar einen Anwohner gefragt, der mir ebenfalls bestätigte, das kein Birkhuhn so lebensmüde wäre, dort zu nisten.

Etwas größer und auch artenreicher ist da schon der Naturpark Aukrug. Das hört sich jetzt gewaltiger an, als es ist. Denn auch der Naturpark Aukrug ist nicht mehr als eine auf der Landkarte großzügig umkreiste Fläche, die vielleicht im Vergleich zum Rest unseres Kreises wirklich mehr Wald hat und den auch noch teilweise zusammenhängend.

Wie dem auch sei – hier gibt es, am Boxberg, wunderschöne Heideflächen. Der Wald sieht in letzter Zeit etwas arg zersaust aus. Mir ist nicht bekannt, ob Absicht oder Windbruch. Wir werden sehen. Jedenfalls kann man am Boxberg wunderbar wandern. Auch für Familien mit Kindern ist das eine schöne Idee, denn hier ist ein kleiner Wanderpfad mit Spielattraktionen und Informationen für den Nachwuchs. Manche dieser „Spielgeräte“ (alle aus Holz, sich gut einfügend) sind etwas in die Jahre gekommen. Aber für gute Ideen brauch es ja auch immer Idealisten, Freiwillige und Ehrenamtliche, die so etwas am Laufen halten. Ein Budget seitens unserer Obrigen ist da in der Regel nicht vorgesehen…

 

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Die Heide am Boxberg- hier gibt es noch Blaubeeren!

 

Manchmal wandere ich also auch bei uns am Boxberg. Ja, nehmt euch ruhig mal eine Landkarte und schaut, wie winzig die Wälder hier sind. So kann es dir zur Pilzzeit in der Gegend von Lohe – Förden schon passieren, dass dir die Pilzsammler in Reih und Glied, im praktischen Zwei-Meter-Abstand, mit Körbchen bewaffnet entgegenkommen. Auch hier gibt es etwas Heidelandschaft und wenn die Pilzfreunde unterwegs sind, kannst du glauben, das ist irgendein CSI-Geschwader bei der Tatortuntersuchung. Die Möglichkeit an „Altersschwäche“ zu sterben, haben Pilze in diesen Wäldern nicht.

Rund um den Boxberg gibt es auch viele Pilze (Wenn das hier jemand von den Lohe – Fördernern – Pilzsucher liest… nein, stimmt nicht…  schreibe ich nur aus künstlerischer Freiheit… 😉 ).

Also hier gibt es für unsere Verhältnisse viele Pilze, darunter Birkenpilze, Maronen und Steinpilze. Manchmal findet ihr mich hier zum Sammeln…

 

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Ein Perlpilz – zu meinem und seinem Glück selten auf der Sammelliste der Pilzjäger

 

Hier am Boxberg kann man auch, wenn man schneller ist, als die Ziegen, wunderbar Blaubeeren sammeln. Seltsamer Weise findet man wenig Menschen im Gesträuch. Heutzutage nutzen diese kleinen Geschenke von Mutter Natur kaum noch Menschen, oder sie haben Angst davor… Oft kräftig von den Medien geschürt. Nach denen ist man schon nach 50 Bucheckern dem Tode geweiht (Danke liebe Volkszeitschrift mit den vier großen Buchstaben!). Aber könnt ihr euch etwas Leckereres vorstellen, als Blaubeermarmelade mit weißer Schokolade?

Zurück zu meinen Pilzen. Wenn man nicht unbedingt einen der ganz giftigen Vertreter erwischt, sind sie sehr gesund… Okay, okay, ich muss da mal wieder ein paar Einschränkungen machen. Auch die guten Pilze sind nicht unbedingt gesund, wenn sie zu strahlenbelastet sind, aber so etwas könnte man hier überprüfen: BfS

Zugegeben, in diesem Fall sind wir Nordlichter besser dran. Die Strahlenbelastung ist in Süddeutschland (nicht nur bei Pilzeen, auch bei Wild) deutlich höher. Aber beim Bundesamt für Strahlenschutz könnt ihr die Werte erfahren. Das geht sogar soweit, dass man die Belastung für einzelne Gewässer oder Fischarten einsehen kann.

Es ist wie es ist: wir müssen mit der Belastung leben. Ich habe mich bisher nicht vom Pilze- und Fischessen abhalten lassen, übertreibe es aber nicht. Auch das gehört zu einer „ausgewogenen“ Ernährung.

Gut…, das haben wir geklärt. Also auch bei uns gibt es sehr gesunde Pilze. Dazu müsst ihr nicht unbedingt auf Reishi oder Shiitake ausweichen. Den realtiv geschmack- und wirkstofflosen Champignon meine ich damit auch nicht. Leider könnt ihr nicht durch meinen Blog zum Pilzkenner werden, das müsst ihr schon Life und in Farbe lernen, aber dazu gibt es ja überall gute Kurse.

Wenn ihr so einen Kurs besucht, lasst euch unbedingt mal das Judasohr zeigen. Zugegeben, dieser Pilz sieht nicht lecker aus. Tatsächlich meint man, einen Baum mit knorpeligen Ohren zu sehen. Aber die meisten von euch haben ihn schon mal gegessen: Den berühmten Mu – Err Pilz beim Chinesen! Die Pilze dort wurden meist aus Vietnam importiert, aber er wächst auch bei uns und zwar am Holunder. Wolf-Dieter Storl weiß in seinen Holundergeschichten zu berichten, warum dort und warum er Judasohr heißt… ich verrate es euch nicht.

Von mir erfahrt ihr nur, dass er sehr gesund ist. In der chinesischen Medizin wird er gegen Arteriosklerose, zu hohem Cholesterin und bei Kreislauferkrankungen eingesetzt. Er wirkt entzündungshemmend und blutverdünnend. Es gibt Studien, die ihm eine Immunsystem steigernde Wirkung zuschreiben.

Kleingeschnitten und in heißer Milch (notfalls auch Wasser) eingelegt kann er nach kurzer Ziehzeit genutzt werden für:

Bindehautentzündungen, Lidrandentzündungen, Gerstenkörner, Augenentzündungen und Schleimbeutelentzündungen

Ich gehöre zu denen, die ihn trotz seiner seltsam weich-knorpeligen Konsistenz ganz gern mögen. Wenn wir Gesundes essen, tragen unsere Lebenmittel ihren Namen wieder zu Recht.

Wer nun dem Judasohr eine kulinarische Chance geben möchte: raus in die Natur und die Holunderbüsche absuchen. Oder kaufen. Dann würde ich jedoch Bioware bevorzugen. Besonders, wenn ihr „Heilendes“ im Sinn habt.

Auch andere Pilze sind heilsam. Unsere Speisepilze sind nun leider keine Vitaminbomben, aber mit Mineralstoffen können sie schon punkten.

Also traut euch wieder: Ran an die Pilze. Ganzjährig. Es müssen nicht immer Maronen sein (besonders auch deswegen, weil sie zu den „Strahlenden“ gehören – siehe oben). Natürlich könnt ihr auch weiterhin recht kostspielige Vitalpilze als Nahrungsergänzung kaufen. Aber: Warum in die Ferne schweifen…?

 

 

 

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September… es wird allmählich herbstlich, was im Wohnmobil ja eigentlich kein Problem darstellen sollte. In einem Wohnmobil nicht, aber in einem Hobby Vantana durchaus. Die Heizung, besser: die Steuerung derselben, funktioniert nämlich elektronisch und das mit dem Strom ist eine Never-Ending-Story in diesem rollenden Wohnwürfel. Nicht nur, dass die Batterie schnell im Nirvana ist, wenn man die Kiste mal drei Tage irgendwo abgestellt hat, nein, auch der Direktanschluss mit dem Stromnetz führt, vor allem nachts, wenn es einem kalt wird, zu ziemlich handfestem Frust.

Denn wenn eine Steuerung nicht steuert, passiert gar nichts. Manchmal verweigert schlicht das Display seinen Dienst. Weg isses. (ich habe das später testen lassen, am Display liegt es nicht… durch die Blume hab ich wieder „Anwenderdummheit“ suggeriert bekommen)

Ich schnattere mir mit gutem Bettzeug nicht so schnell was ab, meine beiden kleinen Begleiter schon eher, vor allem der Mops, der ja nun durch seine gesundheitlichen Probleme sehr schütteres Fell hat.

Das mir jetzt keiner kommt und sagt, so ein Auto hat ja noch eine Fahrzeugheizung. Notfalls könne man dreimal um den Block fahren. Ja, schau mal, das weiß eine Hausfrau auch. Aber ich weiß nicht, ob ich es mal erwähnt habe: ich fahre einen nagelneuen Hobby Vantana und da geht die Fahrzeugheizung auch nicht!!! Leider bemerke ich das erst jetzt, wo es deutlich frischer wird. Im Sommer ist mir das nicht aufgefallen, man möge mir das verzeihen.

Ich lass meine beiden also unter die Bettdecke. Normaler Weise dürfen sie das nicht. Sie haben ihr Körbchen unter dem Tisch und da käme unter normalen Umständen auch schöne warme Heizungsluft hin.

Aber zurück zum Standplatz. Hier gibt es Einheitspreis. Den finde ich, nachdem ich relativ preiswert an den schönsten Ostseestränden stand, im Vergleich schon recht happig. Außerdem gleiten wir ja gerade in die Nebensaison. Nun ja. Der Platz ist recht ordentlich, etwas betagt, der Stromkasten kriechend erreichbar. Kräuterhexen scheuen zum Glück keinen Bodenkontakt.

Nach der Ankunft schnapp ich mir meine Beiden. Viel auf- und umzubauen hast du ja bei einem Wohnmobil nicht. Ich gehöre nicht zu denen, die hier und da noch ein Unterlegkeilchen einbauen, um den Wagen genau in die Waagerechte zu bekommen (ist vermutlich bei längeren Mobilen eher nötig) und fahre auch nicht gleich Markise und sämtliches Gestühl aus. Was bei einer Ein-Personen-Reise ja noch übersschaubar wäre…

Also rauf auf den Deich… und wieder runter an den… den Strand? Kruzifix nochmal! (ich höre gerade nebenbei einen Rita Falk Krimi) Ich bin doch den Schildern gefolgt, wo ist denn der Strand? Am Deichfuss (heißt das so?) läuft ein Fahrradweg entlang, dahinter, so weit mein Auge reicht – zugegebener Maßen bei meiner Körperhöhe nicht so weit, wie bei anderen – grünes Marschland. Es sind ein paar Trampelpfade zu sehen, sonst nix. Aha! Ein Hinweisschild leitet mich rechts weiter. In der Ferne kann ich Tönning erkennen.

Jetzt aber zum Badestrand! Nur noch hier, an der Grasfläche entlang und…

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Land in Sicht – ein Strand nicht

 

Wie jetzt? Das ist der Strand? Der BADE-Strand wohlgemerkt?

Ich gehe etwas weiter, wo eine schmale Treppe über den Schotter ins Watt führt. Kein Irrtum möglich. Hier steht es sogar dran. Das ist die Badestelle. Nun ja, Wattenmeer: Das Meer ist nicht immer da, wenn du da bist. Aber so was, wie etwas Sand, wo man nach Muscheln gucken kann, hätte ich schon erhofft. Sehnsüchtig schau ich gen Norden, wo sich die Kulisse von Tönning abzeichnet. Da hab ich auch mal gestanden (Mit meinem alten Nugget! Drei Tage ohne Strom, aber warm! – friss das Hobby!). Ziemlich zentrumsnah, auf einem Platz mit allem Komfort, Blick aufs Wasser (erste Reihe), billiger und mit SAND am Wasser. Da gab es sogar ein paar Bäume in der Gegend und eine Menge schöner Kräuter am Strand… Gut, das war „nur“ die Eider, bzw. ihre breite Mündung. Aber DAS hier?

Gegenüber der Treppe ist ein kleiner Rastplatz mit einem Spielplatz. Zwar ganz nett und niedlich, aber nee… das hier, ist es wirklich nicht. Wer gern Rad fährt, der mag am Deich entlang seinen Spaß haben. Ich trolle mich.

Ich setz mich ins kühle Womo und koch erstmal ein Süppchen. Das macht die Bude etwas wärmer. Nach der Mittagspause geh ich auf der inneren Deichseite spazieren. Hier verläuft ein langer Wirtschaftsweg, vermutlich bis Deichende. Links Felder, rechts Deich. Nicht mal ein Schaf ist zu sehen. Wenigstens Schafgarbe. Ich nehme mir welche mit.

Die Schafgarbe ist so ein „Hilft-gegen-Alles“-Kraut, ähnlich wie die Kamille. Tatsächlich ähneln sich auch ihre ätherischen Öle in der chemischen Zusammensetzung. Und beide (Öle) sind blau. Sollte man nicht denken. Meistens kennt man die Garbe nur als Magenmittel oder gegen Frauenleiden. Gerade bei Letzteren spielt sie all ihre Trümpfe aus. Sie ist mein erstes Mittel bei Frauenbeschwerden aller Art. Erst wenn sie wirklich nicht mehr helfen kann, geh ich tiefer in die Sache.

Aber nicht nur Frauenleiden: Sie regelt auch zu hohen Blutdruck (schmeisst jetzt bitte nicht eure Bluthochdrucktabletten weg! So was muss langsam gemacht werden! Wenn ihr die Schafgarbe nehmt und sie deutlich hilft, dann wird euer Arzt euch mit den Tabletten neu einstellen!). Und noch einmal ein deutliches Wort: Bluthochdruck kriegt weder der Arzt mit EINER Pille weg, noch die Kräuterhexe mit einer Tasse Tee. Er kann viele Ursachen haben und in der Regel muss man genau DIE beseitigen. Die Schafgarbe hilft hier regulieren, besonders in leichten Fällen. Wer sehr hohen Blutdruck hat, wird seine Lebensumstände ändern müssen (Sorry, kein Medikament, weder Schulmedizin noch Alternativmedizin, können eine gesundheitsschädigende Lebensführung auffangen) und natürlich therapeutischen Beistand suchen. Nicht das irgendwann auf eurem Grabstein steht: Die Kräuterhexe hat gesagt…

Zurück zur Garbe. Ihr Potential ist sehr hoch. Neben o. g. Beschwerden kann sie auch bei Kopfschmerzen und in der Wundheilung hilfreich sein. Das gilt sogar für innere Wunden. Wer nach einer Operation Schafgarbe trinkt, ist meist schneller wieder auf den Beinen. Bei den Bachblüten und in neueren Alternativtherapien wird sie auch bei Strahlungsschäden, bzw. zum Schutz vor diesen und gegen Krebs eingesetzt.

Nicht zu vergessen: Sie ist lecker! War jahrhundertelang so etwas wie Pfefferersatz. Die frischen grünen Blättchen könnt ihr so kauen und in den Salat tun. Werden sie älter und zäher, ergeben sie immer noch ein gutes Suppengewürz. Dem Vergleich mit echtem Pfeffer kann sie m. E. nicht standhalten, aber etwas würziger wird das Ganze schon.

Und auf jeden Fall gehört sie in die Nähe geschwächter Pflanzen und auf den Kompost (als Komposthelfer).

Ich muss aufpassen, das das nicht schon wieder ein Plädoyer für die kleine Garbe wird. Ich habe schon an anderer Stelle viel über sie geschrieben…

Nach dem Abendbrot setzt hier eine Völkerwanderung ein: Alles läuft hoch auf den Deich. Einige haben eine Flasche Wein dabei. Ich frage mich wirklich, was ich gerade verpasse. Dann sehe ich es: Den Sonnenuntergang. Ja, das ist natürlich ein kleines Highlight. Und dann noch eine Flasche Wein links, den Liebsten rechts… meine Güte!

Aber das hier ist trotz des Sonnenunterganges (an der Ostsee hab ich halt den Sonnenaufgang zelebriert) nicht meins. Ich werde mit dem Platz nicht warm. Mir ist schlicht zu wenig „Gegend“ drumrum. Und mir ist völlig unklar, wie so ein Platz eine Bombenbewertung bekommen kann. Sicher: nette Betreiber sollen auch in eine Bewertung einfließen, aber das kann ja nicht Alles sein. Nette Nachbarn hab ich zu Haus auch.

Ich schau mir noch mal die Seite an, wo dieser Platz sogar mit Video in allen Tönen gelobt wird. Da Werbung alles suggerieren kann, schau ich lieber in die Bewertungen, die das normale Volk von sich gibt. Auch dieses Video soll so etwas sein. Nun ja, Geschmäcker sind ja auch verschieden, trotzdem kann ich diese Lobhudelei nicht nachvollziehen… und dann sehe ich: Als Platzbetreiber kannst du bei diesem „privaten“ Anbieter ein Video von deinem Platz machen lassen. Ziemlich professionell und mit einem Gütesiegel. Das Siegel vergibt er also nicht, es wird gekauft… naja.. von der Wirtschaft kenne ich das ja. Oder er findet wirklich jeden super, der ihn bezahlt.

Wie dem auch sei… Ich fühle mich nicht wohl. Ein bisschen wie abgeschoben. „Eingedeicht“. Vielleicht wirklich nur Geschmackssache, aber ich mach mich wieder auf die Reifen, hoffe auf genügend Fahrtwind, denn Reibung soll ja warm machen…

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  1. – 3. September 2015

Ich möchte nicht immer auf einen Campingplatz. Aber reine Stellplätze sind nicht so häufig. Mir gehen allmählich auch die Ideen aus. Da ich meinen Mops wegen seiner Impfprobleme nicht erneut impfen konnte, kommt ein Trip nach Dänemark auch nicht in Frage.

Aber ich habe schon oft Kräuterwanderungen in Städten gemacht. Kräuter wachsen überall. Und ich bin mehr auf Erfahrungen, als auf Kräuter aus. Ich lese eine Empfehlung über den Stellplatz in Friedrichstadt, der sich von viel Grün um geben an die Stadt schmiegt. Das Beste aus beiden Welten sozusagen.

 

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Schafe und Eider – wir sind in Friedrichstadt

 

Der Stellplatz gehört zu den modernen voll automatisierten Plätzen. Du ziehst eine Karte und suchst dir ein schönes Plätzchen. Davon gibt es hier genug. Alles läuft über diese Karte, dein Strom, Duschen, Waschmaschine…

Gut, ist nicht ganz so persönlich, funktioniert aber bestens. Nicht so ein Desaster wie in Pelzerhaken. Nachdem ich mich eingerichtet habe, nehme ich die beiden Hunde und wir sehen uns die Gegend an.

Friedrichstadt liegt sehr schön. Die Stadt allein ist als „Holländerstadt“ eine Reise wert, aber sie ist heute nicht mein Ziel. Wir wandern also in Richtung Eider und Schafe. Was die Natur hier zu bieten hat, ist typische norddeutsche Artenarmut. Ich bin ein wenig enttäuscht. Wenigstens ist der Platz von einer schönen Wildrosenhecke umwachsen, da kann ich mir noch eine wunderbare Rosenessenz machen.

Wieder am Platz schau ich mich dort noch ein wenig um. Er ist wirklich nett angelegt. Von Wasser umgeben. Mehrere Sitzgruppen, eine erhöht hinter jungen Weiden. Es gibt ein „Hundeörtchen“ das aber keiner in Anspruch nimmt. Als ich quer über den Platz schlendere, da entdecke ich sie dann doch, meine Artenvielfalt:

Mitten auf dem Platz sind zwei wunderschöne großes Kräuterbeete angelegt. Hier darf man nehmen, was man braucht. Von der Petersilie bis zur Pfefferminze, in Hochbeeten und damit sogar rollstuhlfreundlich. Obwohl das Beet sehr zentral liegt, nehmen viele das Angebot nicht an. Ich pflücke mir etwas, zur Würze für mein Abendbrot und als Kräutertee.

Wer Friedrichstadt besuchen möchte, steht hier auch richtig. Das Zentrum ist fussläufig gut zu erreichen. Wer mehr über den Stellplatz erfahren möchte: www.womoclick.de. Hier findet ihr ein wunderbares Video, sogar aus der Vogelperspektive könnt ihr auf den Platz schauen. Die Seite ist für Mobilreisende sehr interessant.

Ich stehe hier gut und ruhig. Mit einigen Reisenden komme ich nett ins Gespräch. Na, das findet ihr später in meinem Buch wieder. Und damit ihr seht, dass man trotz Artenarmut etwas machen kann, folgt hier die Rosenessenz:

 

Rosenessenz

Blütenblätter von duftenden, ungespritzen Rosen in Lagen abwechselnd mit Zucker in ein Einmachglas schichten. Ordentlich pressen. Als Essenzstarter ein paar Tropfen Zitronensaft darüber geben. Schon bald saften Duft und Farbe aus. Wichtig ist wirklich das Zusammenpressen der Schichten. Ordentlich drücken! Nach ein paar Tagen habt ihr (je nach Rosenfarbe) eine kräftig rote oder pinkfarbene Essenz, die intensiv nach Rose duftet und schmeckt. Schon ein paar Tropfen davon verschönern einen Quark und lassen ihn himmlisch rosig schmecken.

Wenn ich hierfür Rosen pflücke, zupfe ich gleich am Strauch die Blätter ab. Die Alleräussersten lasse ich stehen. Die sind meist nicht mehr ganz so saftig. Da ich damit nicht die Rose köpfe, entwickeln sich im Herbst dann auch noch Hagebutten und die Bienen sind nicht ganz so sauer auf mich…

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12. – 14. August 2015

Vielleicht merkt ihr an den Daten, dass ich in Etappen fahre. Am Wochenende bin ich zu Haus bei meinen Männern. Mein Vater braucht etwas Betreuung und kann nicht allein bleiben. Mein Mann ist selbständig und ist daher flexibel mit seiner Arbeitszeit. Das gibt mir für meine Fahrten Freiraum. In 2016 möchte ich aber auf „große Fahrt“ gehen. Daumendrücken hierfür gern gesehen und gewünscht.

Dieses Mal fahr ich zum Steinberghaff. Durch die Hemmelmark auf Kräuterjagd eingestellt, erhoffe ich mir hier auch ein paar Funde.

Was ich zunächst finde, ist Ruhe. Genau das brauche ich. Der Campingplatz selbst ist preiswert, auch ein wenig in die Jahre gekommen, erinnert eher an eine Kleingartenkolonie auf Rädern. Ich stehe hier nicht in dritter Reihe, dafür kann ich das Meer sehen!

Wir sind ruckzuck am Strand. Zunächst müssen meine Vierbeiner noch an der Leine bleiben, aber hinter dem Badestrand ist das Freilaufen „geduldet“.

 

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Meistens allein… ein Naturstrand für uns!

 

Der Strand ist sehr schmal, was uns nicht wirklich stört. Wir laufen bis zum Wäldchen. Wo es beginnt, ist ein verwunschener kleiner Platz entstanden (auf dem Foto hinten, der große Baum im Kreis aus Steinen). Ich weiß nicht, warum die Gemeinde ihn angelegt hat, doch wird er fleissig genutzt. Immer wieder lassen es sich Wanderer und Einheimische hier gutgehen. Da ich unter der Woche fahre, treffe ich allerdings kaum Menschen. Hinter dem Baum im Steinkreis ist noch eine kleine Sitzgruppe aus Stein und ohne jegliche Erklärung überspannt ein großes Holztor den Waldweg. Sollte mich hier jemand schlau machen können, ich bin gespannt!

 

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Unter dem Baum im „Steinkreis“

 

Normaler Weise hab ich ein „Gefühl“ für alte Kultstätten. Wenn ich mich irgendwo besonders wohl fühle, oder einen Platz geheimnisvoll finde, kann ich meist später zu Haus auf der Karte die Erklärung dafür finden. In der Regel stand ich auf alten bis zur Unkenntlichkeit überwachsenen Hügelgräbern. Diesen Platz finde ich auch irgendwie „magisch“. Allerdings konnte ich keine Erläuterungen zu seiner Entstehung oder seinem Zweck finden. Alt scheint er mir nicht zu sein. Ich achte auch auf die Vegetation in und um solchen Plätzen (wie zum Beispiel beim Figsbury Ring, der einige seltene Pflanzen nur innerhalb seines Walles vorweisen kann), aber da findet sich nichts Besonders. Nun – schön ist der Platz allemal.

 

Eine solche Artenvielfalt, wie in der Hemmelmark, findet sich hier leider nicht:

 

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Salzmiere

 

Ein paar „Strandklassiker“ kann ich entdecken. So zum Beispiel die Salzmiere, deren junge Sprossen einen hohen Vitamin C und A – Gehalt aufweisen. Sie schmeckt fein säuerlich und ein paar Blättchen werden mir heute Abend den Salat verfeinern. Auch ein wenig Salzmelde wandert in mein Sammeltäschchen. Ihr hoher Chromgehalt wirkt blutzuckersenkend. Nach meinem Strandlieblingsgemüse, den Queller, halte ich umsonst Ausschau. Er scheint die Nordsee zu bevorzugen. Davon abgesehen: Bei uns dürfen wir ihn auch nicht pflücken. Zumindest war das bisher so. Aber immer mehr Sterneköche entdecken sein Potential: Wer z. B. auf Sylt etwas feiner essen geht, wird ihn serviert bekommen. In Dänemark und England ist er schon ein „alter Hut“.

Für die etwas magere Ausbeute entschädigt mich das Steinberghaff mit viel Landschaft…

 

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Blick auf den kleinen Yachthafen vom Steinberghaff

 

 

Ich genieße meine Zeit hier, bis etwa zum letzten Tag. Da trifft mein ralliger Rattler auf drei Mopsdamen. Eine davon in Hochhitze. Bisher war mein Kleiner ein wirklich gut hörender Hund. Jedenfalls auf „Komm“. „Sitz“ und andere recht passive Befehle gehen ihm irgendwie nicht ins Blut. Aber wie gesagt: er war immer sehr folgsam.

Ich gehe also mit der Nase fast am Boden, nach Kräutlein Ausschau haltend, bis mir mein fiependes Möpslein ein wenig auf die Nerven geht. Ich dreh mich zu ihm um, um den Grund zu erfahren…

Den Grund seh ich zunächst gar nicht. Der Mops schaut aufregt immer zu mir und dann nach hinten. Ich kneif die Augen zusammen: Da rennt der Rattler! Kaum noch zu erkennen! Er verschmilzt gerade mit dem Horizont und ich schreie, rufe und pfeife wie eine Besessene! Rattler haben ein ausnehmend feines Gehör! Wenn nicht gerade das Weib lockt.

Weg isser…

Da Rattler von Natur auch ein wenig laut pöbeln und nicht die Gemütsruhe eines Mopses haben, bin ich natürlich schnurstracks hinterher. Ich weiß nicht, ob ich bereits erwähnt habe, dass meine Kondition mehr als erbärmlich ist. Das Frauchen der Möpse hat leider kein Einsehen gehabt und ist ebenfalls weitergegangen. Mit vier Hunden…

Als ich nach ungefähr einem Kilometer für mich äußerst schnellen Laufens vor der Gruppe zum Stehen komme (also vor dem Camper des Mopsfrauchens), klatschen meine Herzklappen Beifall und ich kann nur noch ein leises „Lunge komm bald wieder“ pfeifen.

Mangels Sauerstoff bekomme ich kein Wort raus. Mein rasselndes und pfeifendes schnelles Atmen scheint für mich zu sprechen. Ich ernte mitleidige Blicke und einen geilen Rattler. Wortlos – nickend ein „Danke“ andeutend, schleppe ich mich zu meinem Wohnmobil, einen triebigen Hund hinterherschleifend. Meinen Mops habe ich in der Aufregung total vergessen. Aber Möpse sind treue Seelen. Im Wohnmobil wartet schließlich das Hundefutter und am Wohnmobil mein Mops.

Am liebsten hätte ich dem liebeskranken Flüchtling das Wort zum Sonntag gepredigt. Aber er ist ja auch nur Sklave seiner Triebe. Wie ich – vor einer Schokoladentorte…

 

 

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4. August 2015

Der Platz ist schön, ein wenig in die Jahre gekommen, aber ordentlich und sauber. Etwas  kniffelig war der Stromanschluss. Der versteckte sich weit entfernt im Dickicht. Was für mich auch ziemlich nervig war: Die Toilettenhäuschen öffnen erst ab 7:00 Uhr. Naja…

Es gibt auch auf diesem Platz keine übermäßig ausgebauten „Camping-Haziendas“, aber schöne, liebevoll dekorierte Ferienheime auf Rädern. Viele von Windschutzzäunen umgeben. Genau so etwas, einen kleinen nur kniehohen Windschutzzaun, hatte ich mir auch zugelegt. Einfach als optische Hundebremse und für ein klitzekleines Bisschen Privatsphärengefühl. Ich fand diese Idee einfach prima. Ab heute finde ich sie voll daneben.

Es gibt viele Hunde hier auf dem Platz und meine Kleinen finden bald Spielkameraden, die sich dann aber zur Pinkelparty eingeladen fühlen. Und… ja, vielleicht habt ihr es schon erraten: es wird fleißig an den Windschutz gepieselt. Nachdem das alle machen, macht mein Kleiner das auch.

Die eingefleischten Camper haben dafür extra eine Gießkanne parat, mit der regelmäßig die Ecken abgespült werden. Ich tue es ihnen gleich, aber ich darf euch verraten, dass es ein deutlicher Unterschied ist, ob es ein Windschutz aus Planenmaterial ist, der draußen bleibt, oder einer aus synthetischem Stoff, den man einpackt und mitnimmt. Meiner jedenfalls, ist trotz Abbrausens dort in einer Mülltonne geblieben. Nun gut. Dafür ist das Meer in Riech- und Hörweite. Wir ziehen los, um endlich Kräuter zu finden und das tun wir auch. Ich bin schlicht begeistert:

 

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Etwas seltsam fand ich den Stechapfel dort. Er ist keine typische Strandpflanze. Aber es schien ihm zu gefallen.

Der Meerkohl musste leider dran glauben. Irgendjemand hat ihn über Nacht kurzer Hand zerstört.

Ich finde außerdem noch einzelne Johanniskräuter und natürlich die obligatorischen Rosen. Himmlisch! So eine Vielfalt hatte ich bisher noch nirgends.

 

Ich komme mit einer Dauercamperin der ersten Reihe ins Gespräch und frage sie, ob sie denn weiß, was da alles Tolles vor ihrer Haustür wächst. Sie bejaht und zeigt auf den Sandthymian. Ich finde es schön, dass es immer mehr Menschen gibt, die wachen Auges durch die Natur gehen. Von ihr bekomme ich auch ein nettes Rezept für mein Büchlein. Mit dem Thymian natürlich. Ich finde das dieser schon eher ein zitroniges Aroma hat. Falls das hier ein Botaniker lesen sollte: Möglicher Weise ist es auch ein Quendel. Aber wenn da in der Literatur schon nicht exakt unterschieden wird, wie soll das ein armes Kräuterhexlein können? In heilender und kulinarischer Hinsicht sind sie sowieso Geschwister, obgleich der Quendel ausgiebiger zur Heilung genutzt wurde. Falls jemand von euch jetzt allerdings eindeutige Bestimmungsbücher kennt (wo zur Bestimmung des Schierlings z. B. mehr steht als nur „Mäuseharngeruch“ und „gefleckter Stängel“), immer her damit. Es wurmt mich natürlich auch ein bisschen, da noch nichts Exaktes gefunden zu haben…

Am letzten Tag hier treffe ich noch einen Mann, der mir begeistert ein Kräutersträußchen zeigt. „Oh“, sagte ich, „Da haben sie aber was Gesundes gesammelt!“ Und zähle die Kräuter auf.

„Ja!“, sagt er, dreht das Sträußchen und ergänzt meine Aufzählung noch um die Kräuter der anderen Seite, die er genau zu betiteln weiß. Auch er ist ein Kräuterkenner, der Führungen veranstaltet. Wir müssen lachen. Im Gegensatz zu mir hat er noch ein paar Schätze mehr gefunden. Aber er kennt sich hier auch aus und ist ein bisschen weiter gewandert.

Ja, ihr Lieben. Dieser Campingplatz ist wirklich ein kleines Juwel für Menschen, die einen relativ unberührten nahen (!) Strand suchen, Kräuter lieben und/oder auch mit ihren Hunden mal ans Wasser wollen. Wer allerdings Nachts mal raus muss… ihr wisst schon… naja… da findet sich vielleicht auch noch was.

Und jetzt bekommt ihr noch eines von mir, ein Rezept mit S(tr)andthymian. Ihr wisst doch: Die nächste Grippe kommt bestimmt, doch nicht zu dem, der Thymian nimmt…

Ihr habt die Bleistifte gespitzt? Nicht nötig, heute wird es ganz einfach: Ihr müsst nur ein paar Stängelchen in feinstem Olivenöl ansetzen. Eure Salate werden es euch danken. Natürlich kann der Thymian auch wie seine kultivierten Brüder getrocknet und als Gewürz oder Tee genossen werden.

 

 

 

 

 

 

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