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Archive for the ‘Wilde Küche’ Category

  1. – 3. September 2015

Ich möchte nicht immer auf einen Campingplatz. Aber reine Stellplätze sind nicht so häufig. Mir gehen allmählich auch die Ideen aus. Da ich meinen Mops wegen seiner Impfprobleme nicht erneut impfen konnte, kommt ein Trip nach Dänemark auch nicht in Frage.

Aber ich habe schon oft Kräuterwanderungen in Städten gemacht. Kräuter wachsen überall. Und ich bin mehr auf Erfahrungen, als auf Kräuter aus. Ich lese eine Empfehlung über den Stellplatz in Friedrichstadt, der sich von viel Grün um geben an die Stadt schmiegt. Das Beste aus beiden Welten sozusagen.

 

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Schafe und Eider – wir sind in Friedrichstadt

 

Der Stellplatz gehört zu den modernen voll automatisierten Plätzen. Du ziehst eine Karte und suchst dir ein schönes Plätzchen. Davon gibt es hier genug. Alles läuft über diese Karte, dein Strom, Duschen, Waschmaschine…

Gut, ist nicht ganz so persönlich, funktioniert aber bestens. Nicht so ein Desaster wie in Pelzerhaken. Nachdem ich mich eingerichtet habe, nehme ich die beiden Hunde und wir sehen uns die Gegend an.

Friedrichstadt liegt sehr schön. Die Stadt allein ist als „Holländerstadt“ eine Reise wert, aber sie ist heute nicht mein Ziel. Wir wandern also in Richtung Eider und Schafe. Was die Natur hier zu bieten hat, ist typische norddeutsche Artenarmut. Ich bin ein wenig enttäuscht. Wenigstens ist der Platz von einer schönen Wildrosenhecke umwachsen, da kann ich mir noch eine wunderbare Rosenessenz machen.

Wieder am Platz schau ich mich dort noch ein wenig um. Er ist wirklich nett angelegt. Von Wasser umgeben. Mehrere Sitzgruppen, eine erhöht hinter jungen Weiden. Es gibt ein „Hundeörtchen“ das aber keiner in Anspruch nimmt. Als ich quer über den Platz schlendere, da entdecke ich sie dann doch, meine Artenvielfalt:

Mitten auf dem Platz sind zwei wunderschöne großes Kräuterbeete angelegt. Hier darf man nehmen, was man braucht. Von der Petersilie bis zur Pfefferminze, in Hochbeeten und damit sogar rollstuhlfreundlich. Obwohl das Beet sehr zentral liegt, nehmen viele das Angebot nicht an. Ich pflücke mir etwas, zur Würze für mein Abendbrot und als Kräutertee.

Wer Friedrichstadt besuchen möchte, steht hier auch richtig. Das Zentrum ist fussläufig gut zu erreichen. Wer mehr über den Stellplatz erfahren möchte: www.womoclick.de. Hier findet ihr ein wunderbares Video, sogar aus der Vogelperspektive könnt ihr auf den Platz schauen. Die Seite ist für Mobilreisende sehr interessant.

Ich stehe hier gut und ruhig. Mit einigen Reisenden komme ich nett ins Gespräch. Na, das findet ihr später in meinem Buch wieder. Und damit ihr seht, dass man trotz Artenarmut etwas machen kann, folgt hier die Rosenessenz:

 

Rosenessenz

Blütenblätter von duftenden, ungespritzen Rosen in Lagen abwechselnd mit Zucker in ein Einmachglas schichten. Ordentlich pressen. Als Essenzstarter ein paar Tropfen Zitronensaft darüber geben. Schon bald saften Duft und Farbe aus. Wichtig ist wirklich das Zusammenpressen der Schichten. Ordentlich drücken! Nach ein paar Tagen habt ihr (je nach Rosenfarbe) eine kräftig rote oder pinkfarbene Essenz, die intensiv nach Rose duftet und schmeckt. Schon ein paar Tropfen davon verschönern einen Quark und lassen ihn himmlisch rosig schmecken.

Wenn ich hierfür Rosen pflücke, zupfe ich gleich am Strauch die Blätter ab. Die Alleräussersten lasse ich stehen. Die sind meist nicht mehr ganz so saftig. Da ich damit nicht die Rose köpfe, entwickeln sich im Herbst dann auch noch Hagebutten und die Bienen sind nicht ganz so sauer auf mich…

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12. – 14. August 2015

Vielleicht merkt ihr an den Daten, dass ich in Etappen fahre. Am Wochenende bin ich zu Haus bei meinen Männern. Mein Vater braucht etwas Betreuung und kann nicht allein bleiben. Mein Mann ist selbständig und ist daher flexibel mit seiner Arbeitszeit. Das gibt mir für meine Fahrten Freiraum. In 2016 möchte ich aber auf „große Fahrt“ gehen. Daumendrücken hierfür gern gesehen und gewünscht.

Dieses Mal fahr ich zum Steinberghaff. Durch die Hemmelmark auf Kräuterjagd eingestellt, erhoffe ich mir hier auch ein paar Funde.

Was ich zunächst finde, ist Ruhe. Genau das brauche ich. Der Campingplatz selbst ist preiswert, auch ein wenig in die Jahre gekommen, erinnert eher an eine Kleingartenkolonie auf Rädern. Ich stehe hier nicht in dritter Reihe, dafür kann ich das Meer sehen!

Wir sind ruckzuck am Strand. Zunächst müssen meine Vierbeiner noch an der Leine bleiben, aber hinter dem Badestrand ist das Freilaufen „geduldet“.

 

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Meistens allein… ein Naturstrand für uns!

 

Der Strand ist sehr schmal, was uns nicht wirklich stört. Wir laufen bis zum Wäldchen. Wo es beginnt, ist ein verwunschener kleiner Platz entstanden (auf dem Foto hinten, der große Baum im Kreis aus Steinen). Ich weiß nicht, warum die Gemeinde ihn angelegt hat, doch wird er fleissig genutzt. Immer wieder lassen es sich Wanderer und Einheimische hier gutgehen. Da ich unter der Woche fahre, treffe ich allerdings kaum Menschen. Hinter dem Baum im Steinkreis ist noch eine kleine Sitzgruppe aus Stein und ohne jegliche Erklärung überspannt ein großes Holztor den Waldweg. Sollte mich hier jemand schlau machen können, ich bin gespannt!

 

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Unter dem Baum im „Steinkreis“

 

Normaler Weise hab ich ein „Gefühl“ für alte Kultstätten. Wenn ich mich irgendwo besonders wohl fühle, oder einen Platz geheimnisvoll finde, kann ich meist später zu Haus auf der Karte die Erklärung dafür finden. In der Regel stand ich auf alten bis zur Unkenntlichkeit überwachsenen Hügelgräbern. Diesen Platz finde ich auch irgendwie „magisch“. Allerdings konnte ich keine Erläuterungen zu seiner Entstehung oder seinem Zweck finden. Alt scheint er mir nicht zu sein. Ich achte auch auf die Vegetation in und um solchen Plätzen (wie zum Beispiel beim Figsbury Ring, der einige seltene Pflanzen nur innerhalb seines Walles vorweisen kann), aber da findet sich nichts Besonders. Nun – schön ist der Platz allemal.

 

Eine solche Artenvielfalt, wie in der Hemmelmark, findet sich hier leider nicht:

 

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Salzmiere

 

Ein paar „Strandklassiker“ kann ich entdecken. So zum Beispiel die Salzmiere, deren junge Sprossen einen hohen Vitamin C und A – Gehalt aufweisen. Sie schmeckt fein säuerlich und ein paar Blättchen werden mir heute Abend den Salat verfeinern. Auch ein wenig Salzmelde wandert in mein Sammeltäschchen. Ihr hoher Chromgehalt wirkt blutzuckersenkend. Nach meinem Strandlieblingsgemüse, den Queller, halte ich umsonst Ausschau. Er scheint die Nordsee zu bevorzugen. Davon abgesehen: Bei uns dürfen wir ihn auch nicht pflücken. Zumindest war das bisher so. Aber immer mehr Sterneköche entdecken sein Potential: Wer z. B. auf Sylt etwas feiner essen geht, wird ihn serviert bekommen. In Dänemark und England ist er schon ein „alter Hut“.

Für die etwas magere Ausbeute entschädigt mich das Steinberghaff mit viel Landschaft…

 

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Blick auf den kleinen Yachthafen vom Steinberghaff

 

 

Ich genieße meine Zeit hier, bis etwa zum letzten Tag. Da trifft mein ralliger Rattler auf drei Mopsdamen. Eine davon in Hochhitze. Bisher war mein Kleiner ein wirklich gut hörender Hund. Jedenfalls auf „Komm“. „Sitz“ und andere recht passive Befehle gehen ihm irgendwie nicht ins Blut. Aber wie gesagt: er war immer sehr folgsam.

Ich gehe also mit der Nase fast am Boden, nach Kräutlein Ausschau haltend, bis mir mein fiependes Möpslein ein wenig auf die Nerven geht. Ich dreh mich zu ihm um, um den Grund zu erfahren…

Den Grund seh ich zunächst gar nicht. Der Mops schaut aufregt immer zu mir und dann nach hinten. Ich kneif die Augen zusammen: Da rennt der Rattler! Kaum noch zu erkennen! Er verschmilzt gerade mit dem Horizont und ich schreie, rufe und pfeife wie eine Besessene! Rattler haben ein ausnehmend feines Gehör! Wenn nicht gerade das Weib lockt.

Weg isser…

Da Rattler von Natur auch ein wenig laut pöbeln und nicht die Gemütsruhe eines Mopses haben, bin ich natürlich schnurstracks hinterher. Ich weiß nicht, ob ich bereits erwähnt habe, dass meine Kondition mehr als erbärmlich ist. Das Frauchen der Möpse hat leider kein Einsehen gehabt und ist ebenfalls weitergegangen. Mit vier Hunden…

Als ich nach ungefähr einem Kilometer für mich äußerst schnellen Laufens vor der Gruppe zum Stehen komme (also vor dem Camper des Mopsfrauchens), klatschen meine Herzklappen Beifall und ich kann nur noch ein leises „Lunge komm bald wieder“ pfeifen.

Mangels Sauerstoff bekomme ich kein Wort raus. Mein rasselndes und pfeifendes schnelles Atmen scheint für mich zu sprechen. Ich ernte mitleidige Blicke und einen geilen Rattler. Wortlos – nickend ein „Danke“ andeutend, schleppe ich mich zu meinem Wohnmobil, einen triebigen Hund hinterherschleifend. Meinen Mops habe ich in der Aufregung total vergessen. Aber Möpse sind treue Seelen. Im Wohnmobil wartet schließlich das Hundefutter und am Wohnmobil mein Mops.

Am liebsten hätte ich dem liebeskranken Flüchtling das Wort zum Sonntag gepredigt. Aber er ist ja auch nur Sklave seiner Triebe. Wie ich – vor einer Schokoladentorte…

 

 

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4. August 2015

Der Platz ist schön, ein wenig in die Jahre gekommen, aber ordentlich und sauber. Etwas  kniffelig war der Stromanschluss. Der versteckte sich weit entfernt im Dickicht. Was für mich auch ziemlich nervig war: Die Toilettenhäuschen öffnen erst ab 7:00 Uhr. Naja…

Es gibt auch auf diesem Platz keine übermäßig ausgebauten „Camping-Haziendas“, aber schöne, liebevoll dekorierte Ferienheime auf Rädern. Viele von Windschutzzäunen umgeben. Genau so etwas, einen kleinen nur kniehohen Windschutzzaun, hatte ich mir auch zugelegt. Einfach als optische Hundebremse und für ein klitzekleines Bisschen Privatsphärengefühl. Ich fand diese Idee einfach prima. Ab heute finde ich sie voll daneben.

Es gibt viele Hunde hier auf dem Platz und meine Kleinen finden bald Spielkameraden, die sich dann aber zur Pinkelparty eingeladen fühlen. Und… ja, vielleicht habt ihr es schon erraten: es wird fleißig an den Windschutz gepieselt. Nachdem das alle machen, macht mein Kleiner das auch.

Die eingefleischten Camper haben dafür extra eine Gießkanne parat, mit der regelmäßig die Ecken abgespült werden. Ich tue es ihnen gleich, aber ich darf euch verraten, dass es ein deutlicher Unterschied ist, ob es ein Windschutz aus Planenmaterial ist, der draußen bleibt, oder einer aus synthetischem Stoff, den man einpackt und mitnimmt. Meiner jedenfalls, ist trotz Abbrausens dort in einer Mülltonne geblieben. Nun gut. Dafür ist das Meer in Riech- und Hörweite. Wir ziehen los, um endlich Kräuter zu finden und das tun wir auch. Ich bin schlicht begeistert:

 

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Etwas seltsam fand ich den Stechapfel dort. Er ist keine typische Strandpflanze. Aber es schien ihm zu gefallen.

Der Meerkohl musste leider dran glauben. Irgendjemand hat ihn über Nacht kurzer Hand zerstört.

Ich finde außerdem noch einzelne Johanniskräuter und natürlich die obligatorischen Rosen. Himmlisch! So eine Vielfalt hatte ich bisher noch nirgends.

 

Ich komme mit einer Dauercamperin der ersten Reihe ins Gespräch und frage sie, ob sie denn weiß, was da alles Tolles vor ihrer Haustür wächst. Sie bejaht und zeigt auf den Sandthymian. Ich finde es schön, dass es immer mehr Menschen gibt, die wachen Auges durch die Natur gehen. Von ihr bekomme ich auch ein nettes Rezept für mein Büchlein. Mit dem Thymian natürlich. Ich finde das dieser schon eher ein zitroniges Aroma hat. Falls das hier ein Botaniker lesen sollte: Möglicher Weise ist es auch ein Quendel. Aber wenn da in der Literatur schon nicht exakt unterschieden wird, wie soll das ein armes Kräuterhexlein können? In heilender und kulinarischer Hinsicht sind sie sowieso Geschwister, obgleich der Quendel ausgiebiger zur Heilung genutzt wurde. Falls jemand von euch jetzt allerdings eindeutige Bestimmungsbücher kennt (wo zur Bestimmung des Schierlings z. B. mehr steht als nur „Mäuseharngeruch“ und „gefleckter Stängel“), immer her damit. Es wurmt mich natürlich auch ein bisschen, da noch nichts Exaktes gefunden zu haben…

Am letzten Tag hier treffe ich noch einen Mann, der mir begeistert ein Kräutersträußchen zeigt. „Oh“, sagte ich, „Da haben sie aber was Gesundes gesammelt!“ Und zähle die Kräuter auf.

„Ja!“, sagt er, dreht das Sträußchen und ergänzt meine Aufzählung noch um die Kräuter der anderen Seite, die er genau zu betiteln weiß. Auch er ist ein Kräuterkenner, der Führungen veranstaltet. Wir müssen lachen. Im Gegensatz zu mir hat er noch ein paar Schätze mehr gefunden. Aber er kennt sich hier auch aus und ist ein bisschen weiter gewandert.

Ja, ihr Lieben. Dieser Campingplatz ist wirklich ein kleines Juwel für Menschen, die einen relativ unberührten nahen (!) Strand suchen, Kräuter lieben und/oder auch mit ihren Hunden mal ans Wasser wollen. Wer allerdings Nachts mal raus muss… ihr wisst schon… naja… da findet sich vielleicht auch noch was.

Und jetzt bekommt ihr noch eines von mir, ein Rezept mit S(tr)andthymian. Ihr wisst doch: Die nächste Grippe kommt bestimmt, doch nicht zu dem, der Thymian nimmt…

Ihr habt die Bleistifte gespitzt? Nicht nötig, heute wird es ganz einfach: Ihr müsst nur ein paar Stängelchen in feinstem Olivenöl ansetzen. Eure Salate werden es euch danken. Natürlich kann der Thymian auch wie seine kultivierten Brüder getrocknet und als Gewürz oder Tee genossen werden.

 

 

 

 

 

 

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3. August 2015

Endlich geht es weiter. Nach langem hin und her mit dem Finger auf der Landkarte will ich es heute in Hemmelmark versuchen. Ich wollte ein Plätzchen finden, an dem ein bisschen Wald oder freier Strand angrenzt, schließlich bin ich auf Kräutersuche.

Die Fahrt hierhin erweist sich allerdings schon wieder als halbe Katastrophe. Eigentlich ist dieses beschauliche Plätzchen gut zu finden, auf der Landkarte jedenfalls. Gleich nach Eckernförde rechts, hinter der militärischen Zone.

Gleich nach Eckernförde geht es nur nicht rechts… Ich lande auf dem Gut Hemmelmark. Hier weisen gleich mehrere Schilder darauf hin, das es NICHT zum Campingplatz geht. Vermutlich sind die Gutsbesitzer leicht angegnatzt, dass jeder Hinz und Kunz, der den Platz sucht, über deren Gelände fährt (fuhr…). Also zurück. Der Platz liegt definitiv links von mir, dann muss es da doch reingehen. Beim Umdrehen seh ich auch ein Schild, das den Campingplatz ankündigt, zunächst noch gerade aus. Aber kein „links ab“ Schild und nein – ich habe keine Rechts-links-Schwäche.

Ich fahre also weiter und seh schon wieder die ersten Häuser von Eckernförde und mein Navi sagt laut und deutlich „Jetzt links“, also gehorche ich und steh…

im Nichts… hier war wohl auch mal ein Weg, aber der ist zu…

Mann bin ich sauer… wende mal permanent mit einem Womo. Auch wenn es klein ist… auf so einer Dorflandstraße..

Entnervt ruf ich meinen Mann an und bitte um Navigation. Der meinte, ich müsse RECHTS ab… im Geiste zeige ich ihm einen Vogel.

Nach gefühlten 25 Wendungen, einen Puls von 180 (gleich dem Blutdruck), mit kleinen Rauchwölkchen aus den Ohren, fahr ich denn beim letzten Versuch doch mal rechts ab… und bin richtig. Um an diesen Campingplatz zu kommen, muss man, ähnlich wie bei einer Autobahnauffahrt, rechts rum und über eine Brücke links zurück.

Das ist an sich ja ok., aber könnte man das nicht mal korrekt ausschildern? Das Hinweisschild dazu war mickrig und nur von einer Richtung lesbar.

Ich fahr also erleichtert dem einen winzigen Hinweisschild nach, dem dann sogar ein zweites und endlich nach links folgt und stehe…

wieder in der Pampa…

Ist nichts mehr mit Hinweisschildern. Nur weite Felder und so staubige Wege, dass schon bei Schritttempo ein Wüste-Gobi-Feeling aufkommt. Ich sag euch: die Wüste Gobi ist nichts gegen die wüste Gaby, wenn sie richtig, richtig sauer ist.

Der Campingplatz unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt jedoch nicht von all den anderen Campingplätzen: es herrscht ständiges Kommen und Gehen. Ich entscheide mich also in Richtung der entgegenkommenden Staubwolken zu fahren, besser: zu schleichen.

Tatsächlich erreiche ich nach einer längeren kurvenreichen Schleichstrecke den Platz. Er macht einen guten ersten Eindruck. Da ich in vierbeiniger Begleitung bin, bekomme ich einen Platz in dritter Reihe, nahe dem Hundestrand. Das hört sich doch super an. Ein Brötchenkiosk ist für mich ja eh uninteressant.

Ich habe mich kaum hingestellt, schnapp ich mir die Vierbeiner und erkunde das Gelände. Manch einer steht hier in erster Reihe… Junge, das sind wirklich tolle Plätze… direkt am Meer… auf Jahre ausgebucht… leider… hier könnte ich sonst zum Camper werden!

Kaum vom Platzgelände runter, bin ich am wilden Strand. Hier trifft man nicht so oft auf Menschen, wie es scheint. Und es ist sehr schön hier.

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Naturstrand – kaum besucht

 

 

Ich findes es super. Jetzt kommen die Vierbeiner erst einmal von der Leine. Das Fusseltier ist mit wenigen raumgreifenden Sprüngen verschwunden…

Wer einen Mops hat, weiß, dass die meistens nicht so bewegungsfreudig sind. Mein Möpschen trippelt mit „ich-möchte-endlich-was-zu-beißen-Miene“ hinter mir her. Der Rattler ist weg. Natürlich. Er hat eine Möwe gesehen. Die schwimmt im Wasser. Was Wasser ist, hat er bisher noch nicht so richtig begriffen. Aber Möwen sind andere Tiere und die kann man fangen, man muss nur hinspringen…

Dumm nur, das Wasser keine Balken hat. Eine völlig neue Erfahrung für meinen Kleinen. Schwups, weg ist er… die erste Tauchübung. Seltsamer Weise scheint ihn das nicht zu schocken. Meine Fine, die schon im Vorjahr bis zum Bauchnabel in der Ostsee stand, kann Wasser nichts abgewinnen. Sie meidet das nasse Element. Der Fussel jedoch, jetzt etwas schlauer, wagt den nächsten Versuch. Ganz rattleruntypisch mit vorsichtigen kleinen Schritten…

 

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Wasser ist nass, das hat ihm keiner gesagt

 

 

Na, die Möwe kichert sich eines und segelt in elegantem Bogen davon. Und mein Hund staunt. Ich nicht weniger. Rattler sollen etwas kälteempfindlich sein…

Wir gehen zurück. Es ist Abendbrotzeit. Jetzt führt der Mops die Gruppe an. Für Kalorien können Möpse trotz der kurzen Übersetzung der krummen Beine recht schnell sein (jetzt tu ich meiner Fine unrecht, sie hat gerade Beine. Sie stammt aus einer Zuchtlinie, wo man versucht, die Beine wieder gerade und die Nase etwas länger zu bekommen, was den Hunden definitiv gut tut).

Zu meiner großen Freude entdecke ich schon jetzt Strandpflanzen, die ich bisher nicht finden konnte…

 

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Meerkohl

 

Wie zum Beispiel diesen schönen großen Meerkohl. Leider nur ein Exemplar. Er wirkt sogar ein wenig deplatziert. Zum Ernten (was ich bei nur einem Exemplar nicht täte) ist er definitiv zu groß, die Erntezeit für Meerkohl (Frühjahr) ist auch längst vorüber.

Ich freue mich darauf, diesen Strandabschnitt morgen näher zu erkunden. Und jetzt freue ich mich auf das Abendbrot. Aber da bin ich nicht die Einzige. Der Mops zieht an der Leine wie ein Wolters-Brauereipferd. Wir passieren wieder die Glücklichen der ersten Strandreihe. Einige haben sich Tisch und Stühle über den Weg hinweg direkt an den Strandanfang gestellt und genießen den Sonnenuntergang bei einer guten Flasche Wein. So lässt es sich leben!

Ich nehme einen angenehm würzigen Duft wahr. Noch kann ich ihn nicht zuordnen. Wer mal einen hungrigen Mops an der Leine hatte (und Möpse sind meistens hungrig), der weiß auch, dass sie keine Pausen vor dem Abendbrot dulden. Also auch das auf morgen verschieben: das würzige Kräutlein finden. Es sieht ganz so aus, als würde ich hier endlich ein paar heilsame Entdeckungen machen. Ich freue mich.

 

Der Meerkohl ist an unseren Küsten meist geschützt. Ihr könnt ihn aber auch kaufen und im eigenen Garten anpflanzen. Auch ihm tut es gut, wie allen im Garten angesiedelten Strandpflanzen, hin und wieder eine Prise Salz zu bekommen. Zubereiten könnt ihr ihn wie normalen Kohl, z. B. mit Béchamelsauce. Zarter ist er, wenn er gebleicht wird. Also die Frühjahrstriebe gern unter einem Tontopf anziehen. Eine leckere, weil sehr würzige Alternative zu unserem Kulturgemüse!

 

 

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Manchmal kauft sich auch eine Kräuterhexe ihre Kräuter. Sammeln ist eben nicht immer möglich.

Ich esse gern, was man mir durchaus ansieht. Aber es muss was Gutes sein. Das hat zur Folge, dass wir meist selbst kochen. Wirklich gute Restaurants und damit meine ich die, die frische, hochwertige Lebensmittel noch selbst verarbeiten, sind rar. Aber heute waren wir in einem dieser Raritäten speisen.

Unser Ausflug mit Papa bringt uns ins Töpferhaus. Die Speisekarte des zugehörigen Bistro-Restaurants ist übersichtlich. Kein Vergleich mit den telefonbuchdicken Karten eines durchschnittlichen griechischen Restaurants. Es gibt nur wenige, aber exquisite Gerichte.

Da ich Gelegenenheitsveganer bin, hab ich mich heute für einen Quinoa-Obstsalat entschieden. Große Güte… was für ein Genuss…

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Gesundheit auf dem Teller

 

Einige wilde Blüten zieren diese Vitaminbombe. Es gibt also wirklich noch Obst mit Geschmack.

Die Aussicht hier ist herrlich. Die Sonne spiegelt sich in den kleinen Wellen des Sees. Die Luft ist klasse… hier könnte ich anwachsen.

Aber dazu hab ich natürlich nicht die Ruhe. Während meine Lieben noch einen Nachtisch genießen, muss ich unbedingt alles genauer erkunden. Plötzlich stehe ich vor dem hauseigenen Kräutergarten und komme aus dem Staunen nicht heraus:

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Zitronenverbene

 

Ich rubble und rieche, aber nein, wirklich: hier wächst die Zitronenverbene! Wie machen die das?

Die Zitronenverbene können wir in unserem Klima nicht überwintern und nur per Steckling vermehren und hier steht sie und sieht aus, als würde sie das ganze Jahr hier wuchern. Ich bin platt!

Die Zitronenverbene ist keine Verbene, was leider oft zu Verwechslungen fühlt. Die echte Verbene, auch oft unter „Vervain“ verkauft, ist ein Eisenkrautgewächs. Neben der heilkräftigen „Verbena officinalis“, dem echten Eisenkraut, gibt es noch bunte Arten, die gern im Garten gepflanzt werden. Die echte Verbene hat viele heilende Eigenschaften und ist eine hochmagische Pflanze.

Die Zitronenverbene, die ein mehrjähriger Strauch ist, hat damit absolut nichts zu tun. Sie hat eigene Heilwirkungen und wird besonders kulinarisch oder in der Naturkosmetik geschätzt. Ihre Blätter sind der Grund der Namensgebung, denn sie haben ein unvergleichlich zitroniges Aroma, das sich auch lange hält. So kann man sie hervorragend für Tees, aber auch Potpourris nutzen. Es gibt ganze Parfum- und Pflegelinien, die dieser Pflanze gewidmet sind, zum Beispiel von l´occitane (nein, ich krieg hier keine Prozente, finde es aber richtig, Kosmetikhersteller, die nicht mit künstlichen Duftstoffen arbeiten, zu nennen.)

Ihr Heilpotential zeigt die Verbene hauptsächlich durch ihre beruhigende Wirkung. Ein Tässchen Tee vereint also Genuss und Entspannung. Er wird in Frankreich gern abends getrunken. Nicht zu unterschätzen, aber in unserem Klima nicht oft zu ernten: der aromatische Blütenstand. Aus diesem zarten Gebilde kann man herrliche Desserts zaubern.

Hier ein leckeres, heilsames Tränklein für euch (nein, ich hab nicht geklaut, da hab ich meine eigene Verbene für geplündert)

 

Lavendel-Minze-Elixier

Verdauungsfördernd, blähungswidrig

 

20 Stgl. Lavendel
30 g Zitronenverbene
20 g gestoßene Fenchelfrüchte

5 Stgl. Minze 2 Zimtstangen 1 l Obstler

 

Zwei Monate im Hellen reifen lassen, dann 100 g weißen Kandis hinzugeben.

 

 

Ich hab mich nicht getraut zu fragen, ob die Zitronenverbene hier wirklich überwintern konnte und sich irgendwie selbst vermehrt. Das wird wohl ein Geheimnis bleiben…

 

Es sei denn, jemand von euch schaut auch mal im Töpferhaus vorbei und hilft mir, das Geheimnis zu lüften.

 

 

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Die Überschrift ist geklaut, wie ihr vielleicht schon aus den Kommentaren entnommen habt.  Ich habe mal wieder Hausarrest. Es sind nicht nur die technischen Ausfälle, sondern einfach auch die Termine… du kriegst ja nicht sofort einen in der Werkstatt und schon gar nicht, wenn du zwischen Wohnaufbau-Werkstatt und Basisfahrzeug-Werkstatt und Fahrzeughersteller (hier soll wohl extra mal ein Spezialist für den „Schleuder“-Sitz kommen) hin und her koordinieren musst.

Toll… ein nagelneues Wohnmobil… bis ich das wirklich mal länger als zwei Wochen am Stück nutzen kann, ist es nicht mehr nagelneu. Hast du einen Hobby, hast du ein Hobby. Du lernst nette Leute können (Werkstatt), auch mal nicht so nette (Werkstatt), lernst spontan zu sein und zu improvisieren (Heizungsfehler… Werkstatt kennt den Fehlercode nicht… muss Termin abmachen… bis dahin dicke Decke kaufen), trainierst deine Autoschrauber- und Heimwerkerfähigkeiten (wenn das Dachfenster mal wieder runterkommt, die Verlängerung der Arbeitsplatte bricht, der Nupsi des Abflussstopfens abgeht…)

Bisher hat man ja immer geglaubt, der normale User vor dem Computer sei ein Beta-Tester und müsse sich mit Bugs quälen…

Weit gefehlt… auch der frischgebackene Neuwagenbesitzer, zumindest wenn es ein Wohnmobil ist, kann seinen Wagen erst im vollen Umfange nutzen, wenn er ein paar „Updates“ gemacht hat.

Also eine kleine Zwangspause. Mal wieder. Aber zu Hause ist es ja auch ganz schön und im Sommer fällt einem im eigenen Garten bestimmt Etwas ein…

 

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Auch zu Hause ist es schön

 

Im Sommer bieten sich aromatische Kräuter an. Da ich doch noch hoffe, mit meinem Mobil wieder auf Tour gehen zu können und ich dafür die Vorräte etwas aufstocken will, gibt es einen super Weg um das Aroma einzufangen:

 

Knoblauch-Kräutersalz
1/2 Tasse grobes Salz (Ich nehme gern Meersalz)
2 Tassen frische Kräuter (z. B. je 1/2 Tasse Salbei und Tymian und 1 Tasse Rosmarin) 
Schale einer Zitrone (Bio ist klar, oder?)
5 grob gehackte Knoblauchzehen

Den Ofen auf 120 Grad vorheizen (oder einen Dörrapparat nehmen). Die Kräuter (locker in der Tasse abgemessen, nicht reinstopfen!) und das Salz im Mixer zerkleinern, bis alles gut gemischt und das Salz feiner ist.
Die Masse auf Packpapier geben und mit dem Backblech in der Mitte einsetzen und trocknen lassen (etwa 15 – 30 Minuten). Am Besten alle 10 Minuten mal nachschauen und dabei gleich ein bisschen umrühren.
Das Salz ist lange haltbar, aber wegen des Aromas sollte man es innerhalb von drei Monaten aufbrauchen.

 

 

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24.06.15
Nach dem Frühstück geh ich den Stellplatz bezahlen. Leider muss ich da durch den Duft von frischen Brötchen. Ich darf auch ein paar meiner Flyer hierlassen. Dabei entdecke ich den Flyer von „Kräuter Simon“. Das ist ja nur einen Katzensprung von hier entfernt!
Nun, als Katze hätte ich viel springen müssen, denn wir fahren hier auf dem platten Land irgendwie dreimal um den Pudding. Endlich erlöst uns ein kleines Hinweisschild. Ich wünsche mir fast, wir wären zu Fuß und durch die Pampa gelaufen, dann hätten wir an unseren Fußstapfen erkennen können, ob wir an diesem Ort schon mal vorbeigekommen sind. Laut Navi war es nur 8 km vom alten Pastorat, gefahren sind wir gut und gern das Dreifache.

Kräuter Simon ist eine gemütliche kleine Kräuterei mit viel Auswahl auf kleinem Raum. Da die Hauptpflanzzeit vorrüber ist, sieht manches Tomatenpflänzchen ein wenig müde aus, in seinem Töpfchen. Ich versuche mit nahezu geschlossenen Augen an den anderen Pflanzen vorbeizugehen, um die Haushaltskasse zu schonen. So richtig will mir das nicht gelingen.
Drinnen komme ich noch mit der Chefin ins Gespräch. Wir klagen uns gegenseitig ein bisschen das Kräuterleid.
Frauke Simon wird manchmal gefragt, ob sie denn Kräuterexpertin sei. Da soll ihr schon mal ein „Nein, ich hab wirklich Ahnung!“ rausgerutscht sein. Wir lachen beide. Ich weiß ja, wie sie das meint. Leider tummeln sich auf dem Markt der Kräuterexperten und -tinnen auch die, die mal gerade die Nase kurz in ein Buch gehalten haben. Manche von ihnen sind talentierte Schreiberlinge oder kennen einen tollen Fotografen und da ist es dann schon: das nächste Kräuterbüchlein, bildreich und inhaltsarm oder schlicht gut abgeschrieben. Die, die nicht schreiben, schaffen es immerhin Wanderungen und Kurse anzubieten. So lange sie sich dabei auf Kräuter wie Brennnessel und Löwenzahn beschränken, ist ja fast nichts dagegen einzuwenden, das gehört beinahe zur Allgemeinbildung. Aber wenn dann frei von der Leber weg der Verzehr des Wiesenkerbels propagiert wird, dann krieg ich Bauchschmerzen. Wiesenkerbel ist zwar wirklich sehr lecker, aber viel zu leicht mit anderen giftigen Pflanzen, allen voran dem Schierling, zu verwechseln. Nie würde ich Anfängern zu diesem Gemüse raten! Nein, auch nicht wenn Opa zu Hause einen dicken Sparstrumpf zu vererben hat!

Von den Schandtaten Einzelner kommen wir schließlich auch zu bösartigen Verboten. Ich sage hier bewusst bösartig, weil ich hinter solchen Gesetzen nur Gott Monsanto Mammon grinsen sehe.
Viele der leckersten Tomatensorten dürften gar nicht mehr als Lebensmittel gehandelt werden. Nicht, weil irgendjemand da irgendwas Gefährliches drin entdeckt hat, sondern weil diese Tomaten dem wichtigsten Organ des der Saatgutriesen schaden: dem Geldbeutel!

Also nicht nur du und ich als gute Deutsche, auch unsere Gemüse- und Obstsorten müssen regelmäßig ihre Lebensberechtigungsscheine beantragen. Wir in Form von Personalausweisen, das Gemüse in Form von Zulassungen. Wer das nicht tut ist persona non grata oder wird zu „Zierpflanze“ degradiert.

„Verzehr der Früchte nur außerhalb der EU möglich“, müsste man auf die Pflanzen schreiben, sagte Frauke Simon, wenn alles absolut rechtssicher sein soll. Demnächst dürfen wir also auch bei Gemüse den Beipackzettel lesen, oder die geprüften, gentechnisch perfektionierten, geschmacksbefreiten Standardgemüse essen.

Ja, Big Brother in Brüssel versucht alles, um uns den Appetit zu nehmen. Vorsichtige Versuche, auch den Kleingärtnern das Saatentauschen zu verbieten, sind allerdings im Keim erstickt. Vermutlich ist das eh wurscht, da der Großteil der deutschen Saaten bereits den Monsantostempel tragen und/oder schlicht Hybriden sind.

Für mich war der Besuch bei Kräuter Simon recht lehrreich. Wer in der Gegend ist, sollte mal reinschauen. Wer so gar nicht ins platte Land kommt:
Die Simons haben auch einen Online – Shop:  www.kraeuter-simon.de

Unsere Bordelektrik spinnt mal wieder und wir machen uns auf den Heimweg. Zwei Wochen am Stück Urlaub im Vantana geht gar nicht….

Wir nutzen die Gelegenheit und kehren dann wenigstens noch im roten Haubarg ein. Was bietet sich für eine Hexe denn eher an, als ein Haus, das der Teufel erbaut haben soll?

Ob wirklich der Teufel hier Hand angelegt hat, weiß ich nicht. Aber das Essen oder auch nur eine Tasse Tee sind hier teuflisch lecker. Das versöhnt ein klein wenig mit der frühen Heimfahrt.
Als wir wieder in Richtung Parkplatz schlendern, entdecken wir dieses schöne Arrangement.

 

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Die magische Gundelrebe! (Vordergrund)

 

Ob die Gundelrebe hier absichtlich hineingepflanzt wurde, oder sich nur dekorativ in Szene setzen wollte, weiß ich nicht. Ich bin jedenfalls begeistert. Sie gehört zu meinen Lieblingspflanzen.  Ich spreche sie lieber in der weiblichen Form an: Gundelrebe, statt Gundermann. Ihren Namen soll sie durch ihre hervorragenden wundheilenden Eigenschaften bekommen haben (Gund = Eiter). Diese Interpretation hat mir nie so gefallen. Ich möchte nicht an Eiter denken, wenn ich sie pflücke, schon gar nicht wenn ich sie ins Süppchen oder ins Eis gebe. Irgendwo  hab ich dann mal gelesen, das „Gundel“ in der Gundelrebe würde sich auf eine Walküre gleichen Namens beziehen. Das fand ich viel sympathischer.

Abgesehen von den vielen Heileigenschaften der Gundelrebe (z. B. als bestes Kraut zum Ausleiten weicher Schwermetalle), hat sie auch magisches Potential. Besonders zur Abwehr schwarzer Magie. Das erste Melken der Kühe geschah aus diesen Gründen auch oft durch einen Gundelrebenkranz. Wer wissen wollte, wer bösen Zauber gegen einen ausschickt, der legte einen Gundelrebenkranz um den Fuß einer gelben Kerze und entzündete diese an einem Dienstag. Der Verursacher wurde preisgegeben.

Die Gundelrebe (bzw. ihre Wurzel) ist in ihrer krebswidrigen Wirkung das heimische Pendant zum Cancerweed, einer gegen Krebs eingesetzten Salbeiart. Ich nutze sie daher in Krebssalben. Leider sind meine persönlichen Erfahrungen hierzu nicht repräsentativ und schon gar nicht EU-Studien gesichert, ihr müsst schon warten, bis die Forschung hinterher kommt (so etwa am St. Nimmerleinstag). Da die Gundelrebe nicht giftig ist, schadet sie aber auch nicht…

Selbst in der Küche hat sie ihren festen Platz: Als Würzkraut (Soldatenpetersilie) unschlagbar! Natürlich nur in den entsprechend geringen Dosen. Irgendwo hab ich mal gelesen: „Drei Blättchen in die Sahnesauce“ und das kommt auch gut hin. Sonst wird sie zu dominant. Oder eine Seite mit geschmolzener Schokolade bestreichen: Bestes „After eight“. Erst hier schmeckt man die Verwandtschaft zu den Minzen heraus.
Die Gundelrebe ist eine sehr polarisierende Pflanze. Die Einen lieben sie, die Anderen hassen sie. Es ist wie immer: ihr müsst die Pflanzen wählen, zu denen ihr eine Beziehung aufbauen könnt. Vielleicht gehört die Gundelrebe dazu.

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