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Posts Tagged ‘Arteriosklerose’

Auf die obligatorischen Holunderblütenrezepte verzichte ich. Zum Einen, weil mir bisher immer das Schleswig-Holsteiner Wetter oder die knickkürzenden Bauern einen Strich durch die Rechnung gemacht haben und ich nicht wirklich irgendwo schöne Dolden finden konnte, zum Anderen wird darüber reichlich und ausführlich und mittlerweile in jeder dritten Frauenzeitschrift geschrieben.

Wenn mir mal wieder der Holunder durch die Lappen gegangen ist, muss das Mädesüß herhalten. Nicht das es kein adäquater Ersatz wäre. Wer einmal seine Schlagsahne mit Mädesüß aromatisiert hat, weiß was ich meine, ich ärgere mich nur immer über den hier echt spärlich vorkommenden Holunder.

Schon die Angeln und die Sachsen verwendeten Mädesüß. Das Aroma wird am Besten in Essig, Öl oder Gelees eingefangen. Man kann auch, wie mit Holunder, Blütensirupe oder Limonaden ansetzen. Einen Versuch wert ist auch

Mädesüßwein

600 ml Mädesüßblüten (Einzelblüten)

225 g Sultaninen

1,6 kg Zucker

4, 5 l kochendes Wasser

Zitronensaft (3 Zitronen)

150 ml starker Schwarztee

20 g Backhefe oder 1 TL Weinhefe

1 TL Hefenährsalz

Blüten, Sultaninen und Zucker in ein Gefäss mit Deckel geben. Wasser hinzufügen und gut umrühren. Nach dem Abkühlen Zitronensaft, Tee, Hefe und Nährsalz hinzufügen. 4 bis 5 Tage bei etwa 20 Grad gären lassen, zweimal täglich umrühren und verschlossen halten. Dann in Gärgefäss umfüllen. Wenn der Wein sich klärt in saubere Flaschen abfüllen und 3 Monate reifen lassen.

Das feine, an Mandel, Vanille und Honig erinnernde Aroma eignet sich natürlich auch für

Mädesüß-Eis

2 Mädesüßdolden

6 Eidotter

125 g Zucker

500 ml Milch

75 ml Schlagsahne

1 EL Wildblüten

Die Dotter mit 60 g Zucker hellgelb schlagen. Mit dem restl. Zucker die Milch aufkochen, Hitze reduzieren. Die Dotter kraftig in de Milch rühren und vorsichtig erwärmen, bis es andickt, aber KEINESFALLS kochen, sonst gerinnt es. Die Blüten in die Creme legen und 20 Minuten ziehen lassen. Dann durch ein Sieb passieren. Nach dem Erkalten in die Eismaschine geben bis sie andickt, dann die Sahne hinzugeben und weitere 15 min rühren, mit Wildblüten garnieren.

Diese leckere Eiscreme kann man nicht nur so genießen, sie ergibt in Verbindung mit Wildfleisch, besonders in Portwein mariniertem, ein raffiniertes Entree.

Auf die Spuren unserer Vorfahren begeben Sie sich mit dem

Mädesüß-Bier

1/2 kg Mädesüß

10 g Himbeerblätter

10 g Odermennig

10 g Malvenblüten

2 Zitronen (Bio)

4,5 l Wasser

4,5 kg Zucker

30 Weinstein

Bierhefe

brauner Zucker

Die Kräuter und die Zitronenschale in einen Topf geben und mit Wasser übergießen. 30 Minuten köcheln lassen. Zucker, Weinstein und Zitronensaft in einem großen Gefäß mischen. Den Kräutersud drübergeben, dabei die Kräuter gut ausdrücken. Bis zum Zuckerauflösen rühren. Wenn die Lösung lauwarm ist, die Bierhefe nach Packungsanleitung hinzugeben. Zugedeckt drei Tage warm stehen lassen. Nach der Gärung auf Flaschen ziehen (in jede Flasche 1/2 Tl braunen Zucker geben). Nach etwa 1 Woche ist das Bier klar und trinkfertig.

Medizinische Wirkung:

Die Kelten machten eine Salbe gegen Geschwüre aus ihr. Der Absud wird bei Arteriosklerose, Cellulitis, Durchfall, Erkältungskrankheiten, Fieber, für die Frühjahrskur, bei Gicht, erhöhten Harnstoffwerten, Nieren- und Blasensteinen, Ödemen, Rheumatismus, Steinleiden und Übergewicht genommen. Sie gehört zu den besten Heilmitteln für das Verdauungssystem. Sie schützt die Schleimhäute und wirkt reizlindernd, reduziert die Übersäuerung und mildert Übelkeit. So wird es erfolgreich bei Sodbrennen und Magengeschwüren eingesetzt. In England verwendet man es bei Kindern, die an Durchfall leiden. Menschen, die von einem tollwütigen Tier gebissen wurden, bekamen Mädesüß aufgelegt (heutzutage gehört das natürlich dringend in ärztliche Hand!).

Bei geschwollenen Beinen kann man ein Fussbad mit einem starken Teeabsud, oder auch Packungen und Kompressen probieren.

Frische Blätter gegen Couperose und für Wunden.

Auch in der Tierheilkunde findet Mädesüß Verwendung

In der Tiermedizin werden Ekzeme und entzündliche und fiebrige Erkrankungen und Verdauungsprobleme damit behandelt (nicht bei Katzen!). Besonders Pferde sprechen auf Mädesüß besser an, als auf Weide.

Interessantes:

Mädesüß gehört zu den heiligsten Pflanzen der Kelten, sie wurde zur Sonnenwende gepflückt und zur Abwehr in Haus und Stall aufgehängt.  Man verbrannte es auch, um Geister und Dämonen zu vertreiben. Mädesüß war ein beliebtes Streukraut.  Kelten entlockten ihm die Farben Gelb, Rosa, Schwarz und Grün zum Färben ihrer Kleidung. Einige schottische Tartans werden immer noch mit ihm gefärbt. Imker rieben Bienenstöcke mit dem Mädesüß aus. Im Kleiderschrank vertreibt es Motten.

Bei Salicylsäureunverträglichkeit bitte vorsichtig sein. Normaler Weise ist das Mädesüß verträglicher als die Reinsubstanz in Tablettenform, aber Vorsicht ist geboten.

Magisches:

Mädesüß wird in Liebes- und Friedenszaubern verwendet (häuslicher Frieden). In der Sonnenwendnacht gesammelt, hilft es Diebe zu erkennen.

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