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Posts Tagged ‘Büschelrose’

In 2015 hatte ich öfter Heimpausen. Teilweise eben werkstattbedingt, manchmal jedoch auch, weil ich hier noch bei der VHS Hanerau-Hademarschen ein paar Kurse hab.

Bei so einem Kurs kam ich mal wieder selbst ins Staunen: Wir wollten einen schönen Herbstfrüchtelikör ansetzen. Da wir die Mensa der Schule benutzen dürfen, waren wir optimal ausgestattet. Das Herbstfrüchtelikörrezept ist supereinfach und manchmal kommen da so tolle Likörchen heraus (je nach Zutat natürlich), dass sie bis zum letzten Tröpfchen mit dem Messer verteidigt werden. Eine Teilnehmerin verriet mir einmal, dass der Likör nur noch streng rationiert vergeben werde und speziell zum Hasenbraten einige Tropfen in die Sauce kämen… Reine Gaumenwellness.

Ich will euch das Rezept gleich mal dalassen. Es spricht nichts dagegen, auch einen „Frühsommerlikör“ so anzusetzen:

 

Herbstfrüchtelikör

Möglichst viele verschiedene Herbstfrüchte

brauner Zucker

1 Zimstange

Birnenschnaps

Die gestandende Hausfrau merkt schon hier, dass Geschmacksvariationen möglich und wahrscheinlich sind. Nach meiner Erfahrung ist es empfehlenswert, auch sehr saftige Früchte, wie Pflaumen, Himbeeren und/oder Birnen und stark Färbende wie Schlehe oder Aronia dabei zu haben. Wieviel Zucker und wieviel Zimt mit dazukommt, ist ein wenig Geschmackssache. Ich darf euch verraten, dass bei 20 Leuten mit den gleichen Zutaten 20 verschiedene Likörchen herauskommen.

Die Früchte werden gesäubert, etwas kleiner geschnitten und abwechselnd mit dem Zucker in ein Gefäss geschichtet. So darf der Ansatz zusammen mit der Zimtstange einen Tag stehen. Schon nach kurzer Zeit dürfte sich ein appetitlicher roter Saft in der Flasche sammeln, auch wenn ihr viele harte Früchte, wie z. B. Quitten dabei hattet.

Am nächsten Tag kommen die Früchte weg (was schon ein wenig schade ist, ich hab  noch mal einen eigenen Liköransatz damit gemacht, aber vielleicht ginge auch ein Mus, oder getrocknet und gemahlen als Pulver…, oder, bei Beeren, als Zutat im Quark…) und es wird mit Birnenschnaps aufgegossen. Lasst ihn mindestens noch 6 Wochen reifen… wenn ihr euch denn beherrschen könnt.

 

Um nun das mitgebrachte Obst noch ein wenig zu veredeln, wollten wir wilde Beeren dazusammeln. Da unsere heimischen Knicks nicht mehr viel hergeben, sind wir wenig optimistisch rausgegangen, um die wilde Ernte einzubringen.

Wie sollten wir uns täuschen! Und noch im Nachhinein würde ich den Verantwortlichen der schulischen Grünanlage unheimlich gern meinen Dank ausdrücken! Kaum vor der Tür, stolperten wir schon über die schwarzen Hagebutten der Bibernellrosen (eine vor allem an der Nordseeküste heimische Art, die jedoch mehr und mehr von den üppigeren Kartoffelrosen verdrängt wird), gefolgt von Berberitze und normaler Hagebutte. Als ich dann auch noch in den Kornelkirschen stand, konnte ich mich kaum noch bändigen. Und als Krönung kam dann diese Pflanze…

 

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Da staunt das Kräuterhexlein – Hagebuttenperlen in Dolden!

 

Ja, da hab ich erst einmal sparsam geguckt. Das sah mir ganz nach Hagebutte aus, allerdings winzig und in Dolden. Optisch fast mehr ein roter Holunder, was zu dieser Jahreszeit aber kaum möglich wäre. Ich hab nach Dornen geschaut, aber keine auf den ersten Blick gefunden… Ich fürchte, ich hätte noch eine ganze Weile dumm dagestanden, wenn nicht eine Teilnehmerin das Ganze aufgelöst hätte: Hier wuchs eine Büschelrose. Die hab ich wirklich noch nie gesehen. Tippe auf „Neophyt“, also eingebürgert. Manch einem treibt das ja schon den Blutdruck hoch, weil die Neophyten die einheimischen Arten verdrängen sollen. Aber sind wir nicht alle „Neophyten“?  Die meisten Neulinge in unserer Flora haben sich gut angepasst und eine Nische gefunden. Gewarnt wird vor einigen aggressiven Arten. Die sind mir so noch nicht untergekommen, aber da kennen sich Botaniker sicher besser aus. Ich könnte mir schon vorstellen, dass solche Pflanzen lokal zum Problem werden können. Meistens werden sie aber zum Problem gemacht.

Ich war ganz begeistert, von diesen süßen kleinen Hagebuttenperlen, die natürlich auch in unseren Herbstfrüchteansatz kamen. Ich ließ mir versichern, dass die Büschelrose auch mit Blütenstand ganz herrlich aussähe. Das wird natürlich im nächsten Sommer überprüft.

Mit unseren Schätzen, die schon allein ihr Vitamingehalt so wertvoll macht, haben wir also unsere Ansätze bereichert. Und dann erfahre ich auch noch eine Variation, die sich nicht minder spannend anhört:

 

Zierquittenlikör

Auch diese duftenen aromatischen Zierquitten, die meist an kniehohen Sträuchern wachsen, sind lecker. Sie können einen Apfelgelee aromatisieren oder auch Saft. Ihr Vitamin C Gehalt ist sehr hoch, sie werden auch „Zitronen des Nordens“ genannt. Obwohl – ich bin mir nicht sicher… die stammen, glaube ich, auch nicht von hier… Wieder ein Neophyt?

Jedenfalls verriet mir eine junge Frau, dass sie bei Aldi manchmal den Spargel im Glas kauft. Diese Gläser sind sehr hoch und schmal. Der Spargel wird verwertet und dann werden Zierquittenscheiben mit Zucker dort eingeschichtet. Das allein ist schon eine Augenweide. Der Quittensaft wird später mit Korn zu einem Likörchen angesetzt. Das könnte man in dem länglichen Glas, mit ein paar Quittenscheiben als Deko, machen. Aber sie verriet mir, dass sie die Scheiben im Backofen nachtrockne und die Kinder die jetzt süßen Scheiben gerne knabbern würden…

Letzteres hab ich noch nicht ausprobiert, aber das Likörchen war lecker.

 

 

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