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Posts Tagged ‘Essig’

Auch wenn der Titel zu der Interpretation reizt: Ich meine nicht Ihre Triebe, lieber Leser. Da kann ich nur hoffen, dass diese gesund sind. Ich will von den köstlichen und überaus gesunden Trieben unserer Heilpflanzen reden. „Heilpflanzen“ ist, zumindest für mich, ein sehr weiter Begriff. Nahezu jedes bisschen Grün, mit Ausnahme vielleicht des holländischen Gewächshauskopfsalates, hat in irgend einer Form eine heilende Wirkung und ist damit tatsächlich ein „Lebens“-mittel.

Das Mindeste, was uns ein Pflänzlein zu bieten hat, ist sicherlich der gut ausgestattete Mineralstoff- und Vitaminspeicher. Schon allein damit trägt es zur Gesundung und Gesunderhaltung bei. Außerdem werden in jüngster Zeit immer mehr und mehr Heilqualitäten (wieder-) entdeckt, die mich tiefen Respekt vor unseren Pflanzenschwestern lehren.

Der Juni ist die optimale Zeit um z. B. den Fichtentrieben ihr Geheimnis zu entlocken. Natürlich kann man auch andere Nadelbaumtriebe nehmen, Tanne, Lärche, Kiefer, je nach Gusto, nur Eiben lasse man hübsch bleiben. Das Gift sitzt hier zwar hauptsächlich im Samenkern, aber als Knabberei möchte ich die Triebe nicht empfehlen.

Natürlich kann man auch schon im Mai sammeln. Im Juni sind sie aber einen Hauch würziger und geben mehr ihres kulinarischen Geheimnisses preis. Auch ist das Sammeln ob der höheren Masse leichter und schneller.

Wobei ich gleich beim Thema „Ernten“ bin. Triebspitzen braucht die Pflanze ja auch zum Gedeihen. Wir ernten also umsichtig, ohne gleich einen Kahlschlag zu hinterlassen. Ein Wenig hier, ein wenig da. Das sollte selbstverständlich sein.

Fichtentriebe schmecken dezent harzig, leicht säuerlich und sehr delikat.  Sie sind skeptisch? Trinken Sie vielleicht beim Griechen den köstlichen Retsina? Auch der enthält ein Harzgeheimnis. Wenn Sie Retsina mögen, werden Sie Fichtenspitzen lieben.

Fichtenspitzen sind sehr Vitamin-C reich. Karl der XII. stärkte seine Soldaten, die Moskau belagerten und kaum noch Nahrung hatten, mit Fichtenabsud. In der Volksmedizin wurde die Fichte bei Skorbut verabreicht.

Wer es schnell und einfach mag, der kann junge Triebe pur dem Salat zugeben, leicht zerstoßen als Tee aufkochen (etwas Zimt und Nelke dran), oder für einen heißen Frühsommertag eine leckere Waldbowle ansetzen (einfach in Weißwein ausziehen lassen und dann mit Mineralwasser aufgießen).

Der Eine oder Andere wird sich das Aroma aufbewahren wollen. Auch das ist möglich. Z. B. mit:

Fichtennadelöl

Einfach die Triebe in einem neutralen Speiseöl etwa drei Wochen ausziehen lassen. Dann abseihen. Delikat als Dressing oder auch zum Braten (besonders Wild).

Fichtennadelsirup

Wenn Sie den Fichtentrieben die Seele entlocken wollen, setzen sie einen Sirup (kalt) an. Dazu kochen Sie 1 Liter Wasser auf und lösen darin 1 kg Zucker. Nach dem Abkühlen kommen 3-4 Handvoll Fichtentriebe(klein geschnitten), 1 Zitrone (in Scheiben) und 25 g Zitronensäure dazu. 48 Stunden kühl und dunkel stehen lassen, abseihen. Durch die Harz- und Gerbstoffe  hält sich der Sirup sogar 1-2 Jahre.

Fichtensirup – Variante

1 l Wasser

2 kg Zucker

2 Zitronenscheiben

600 g Triebe

Triebe in Einmachgläser füllen, Wasser, Zucker und Zitronenscheiben aufkochen, abkühlen lassen und ohne Zitronenscheiben über die Triebe füllen. Verschließen, einen halben Mondlauf an die Sonne stellen. Abseihen, kühl aufbewaren.

Dieser leckere Sirup ist Grundstoff für viele kulinarische Genüsse. Für Kinder einfach mit Mineralwasser aufgießen und die Waldgeisterbrause prickelt. Erwachsene können zu gleichen Teilen mit Weißwein mischen und haben einen wunderbar geheimnisvollen Waldwein.

Bitte die Triebe nicht wegwerfen! Sie können noch für Essig und für Likör verwendet werden (und das sollten sie auch!)

Fichtendicksaft/Honig

400 g Schösslinge

1 l Wasser

3 Zitronenscheiben

1 kg Zucker

Ohne Zucker aufkochen, abgedeckt 30 Minuten ziehen lassen,  abseihen. Zucker hinzugeben, etwa 1 ½ Stunden einkochen lassen. Hier ist ein bisschen Fingerspitzengefühl gefragt. Nicht ganz so lange gekocht, haben wir einen Dicksaft, etwas länger Honig, zu lange – und er kristallisiert aus (Das sind dann notfalls halt Bonbons…). Während des Kochens also ab und an einen Tropfen auf einen kalten Teller geben und die Konsistenz prüfen.

Fürs Frühstücksbrötchen oder zu Wildgerichten:

Schösslinggelee

800 g Schösslinge

8 Zitronenscheiben

2 l Wasser

1,8 kg Zucker

Gelierpulver

Zitrone, Wasser und Schösslinge aufkochen. Eine Stunde auf kleiner Flamme abgedeckt ziehen lassen. Abseihen, mit Zucker und Gelierpulver nochmals aufkochen und sofort abfüllen.

Geheimnisvoller Geist

Wenn Sie ein Liebhaber des (maßvollen) Alkoholgenusses sind, dann entlocken Sie der Fichte ihre Geheimnisse per Alkohol. Die Fichte liebt liebt Trester. Wenn Sie Kiefern ausziehen, versuchen Sie Grappa. Wacholder mögen Gin oder Trester.

Während sich die meisten Nadelbaumdamen auf eine Liason für 2 Monate einlassen, um ihre Geschmacksgeheimnisse preiszugeben, möchte die Fichte 5 – 7 Monate vom gebrannten Wasser umhüllt werden.  Bevor Sie die Triebe entfernen, kosten Sie kurz, ob die Verbindung schon gelungen ist.

Fichtentriebessig

½ kg Fichtentriebe (wie immer geht auch Tanne, Kiefer, Lärche… bitte immer noch keine Eibe!)

1 ½ l Weißweinessig

Die Triebe, die Sirupmachen übrighaben in einen Steinguttopf geben. Mit Weißweinessig übergießen, umrühren und 2-3 Wochen ziehen lassen. Abseihen, abfüllen

Schösslinglikör

½ kg abgeseihte Schösslinge (Siruprezept)

2 l Birnen- oder Apfeltresterbranntwein

14 Tage an die Sonne stellen, danach 14 Tage im Keller ruhen lassen. Abseihen, abfüllen.

Bei leichten Erkältungen ebenso zu empfehlen, wie zum puren Genuß.

Noch mehr Gesundes:

Hustensirup

Fichten- oder Tannenschösslinge

Huflattichblätter

Spitzwegerichblätter

Rohrzucker oder Honig

Die Kräuter lagenweise übereinanderschichten, dazwischen immer eine Schicht Honig/Rohrzucker geben (mit Zucker abschließen). 14 Tage in die Sonne stellen, abseihen, kühl lagern.

Sofort genießen?

Dann empfehle ich das Rezept nach dem begnadeten Oskar Marti, wie folgt:

Erbsensuppe mit Tannenschößlingen

800 ml Gemüsebouillon

200g junge Tannenschößlinge

2 Schalotten, gehackt

50 g Butter

1 EL Mehl

250 g junge frische Erbsen, enthülst

Salz

Schwarzer Pfeffer (ich bevorzuge „langen Pfeffer“)

150 ml Sahne

4 Tl geschlagene Sahne

Die Bouillon mit den Schösslingen aufkochen und zugedeckt 30 Minuten ziehen lassen.

Die Butter schmelzen und die Schalotten glasig dünsten. Mit Mehl bestäuben und die Erbsen kurz mitdünsten. Die Bouillon abseihen und zu den Erbsen geben. Zusammen weich kochen.

Die Suppe im Mixer fein pürieren, in den Topf zurückgeben, würzen, mit Sahne verfeinern. Anrichten und mit Sahnewölkchen verzieren.

Für die Naschkatzen:

Tannenschößlings-Sahne-Eis (natürlich ebenfalls eine geniale Oskar Marti Rezeptur)

300 ml Tannschößlingssirup

200 ml Milch

150 ml Sahne

3 Eigelb

1 Orangenschale fein abgerieben

Sirup und Eigelb gut vermischen. Milch und Sahne in einem Topf kurz aufkochen und noch kochend unter den Sirup rühren. Wieder in den Topf geben und zur Rose kochen, dass heißt, kurz vors Kochen bringen, aber nicht kochen lassen – Gerinnungsgefahr.

Sofort abkühlen, Orangenschale beigeben, in der Eismaschine gefrieren.

Fichtenspitzengelee

400 g Fichtenspitzen Zunächst 4 – 6 Fichtenspitzen zur Seite legen.

200 g Zucker karamellisieren lassen, mit

400 ml Weißwein oder Mineralwasser ablöschen und aufkochen. Die Fichtenspitzen zugeben, nochmals kurz aufkochen und zugedeckt etwa 20 Minuten ohne Hitze ziehen lassen. Den Sirup durch ein Sieb abpassieren. Die beiseite gelegten Fichtenspitzen klein hacken und wieder zugeben.

4 Blatt Gelatine in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und in dem heißen Sirup unter Rühren auflösen. Ein Spritzer

frischer Zitronensaft macht das Gelee fruchtiger.

Alles in eine Pyramiden-oder Pastetenform geben und erkalten lassen. Zum Servieren auf Teller stürzen.

Wie wäre es mit den Sandförmchen von (Enkel-) Sohn oder Tochter? Auch damit lässt sich ein Nachtisch prima zubereiten und die Kinderaugen werden sicherlich ganz groß…

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