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Posts Tagged ‘Fichtennadeln’

Ende Oktober… (2015)

Kaum geschrieben, muss ich die Überschrift auch schon wieder einschränken. Das Langeweile nicht aufkommen kann, gilt natürlich nicht für jeden. Ich weiß meine Werkstattpausen zu nutzen, meine Vierbeiner tun ihren Unmut über den Hausarrest allerdings deutlich kund:

 

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So! Korb zerlegt, Blumen umgetopft, Gardinen abgenommen…

 

Das bietet doch Raum für Tierpsychologen! Zu seiner Ehrenrettung muss ich aber sagen: Er ist ein Rattler. Die passen auf. Und wenn da nun mal einer am Fenster vorbeigeht und man von kleiner Statur ist, muss man halt aufs Fensterbrett und da Remmidemmi machen. Logisch. Dieser komische Korb war ein sentimentales Erinnerungsstück an die Schuljahre der Kinder und zeigte längst erhebliche Gebrauchsspuren, auch der gehört ersetzt. Für den Notfall halten wir aber etwas Tesaband parat, dann kann man das alles schön wieder flicken…

 

Ja, er hat ja Recht. Auch wenn man zu Hause ist, sollte man regelmässig an die frische Luft. Und irgendwo hab ich gelesen, dass Hundehalter gesünder leben würden, WEIL sie ja notgedrungen jeden Tag ein paar Mal für ein paar Minuten an die frische Luft müssen.

Also schnapp ich mir die Vierbeiner, von denen eigentlich nur einer an die Frischluft möchte und gehe wieder in der „Homezone“ spazieren.

 

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Magische Momente im Wald

 

Im Fichtenwald ist die Luft angenehm würzig. Eigentlich gehört er ja gar nicht hierher, der Wald. Deutschland hatte ursprünglich ausgedehnte Buchenwälder, die allerdings den Reparationskosten zum Opfer fielen. Später wurden schnellwachsende Fichten für schnellwachsende Gewinne gepflanzt. Natürlich sind solche Monokulturen viel anfälliger und auch nicht so artenreich. Aber ich genieße das besondere Aroma der Nadelbäume. Und auch wenn es jetzt nicht unbedingt die Zeit für Fichtenspitzensirup, Tannenlikörchen  und Fichtenlutschbonbons gegen Erkältung ist, so sammle ich doch ein paar Ästchen. Sie werden später in Erkältungs-Badekugeln und –pralinen ihre Verwendung finden. In meinem Körbchen landen auch Zapfen und ein bisschen Eichenrinde. Erstere für Deko, letztere für Likörchen.

Ich schaue auch nach „Räucherbarem„. Fichtennadeln sind schon mal kein schlechter Anfang. Auch das hier und da austretende Harz bietet sich an. Wenn es etwa zweijährig ist, klebt es nicht mehr so und kann wie Kaugummi gekaut werden. Dabei desinfiziert es den Mundraum. In Erkältungszeiten nicht verkehrt.

Wieder zu Hause (und zumindest EIN Hund hat noch lange nicht genug), breite ich meine Funde zum Trocknen aus. Ich hatte Glück und noch einige Vogelbeeren gefunden. Glück deswegen, weil eben wegen der Art des „Knickens“ hierzulande die Eberesche kaum noch zum Fruchten kommt.
Vogelbeerlikör ist einer der edelsten überhaupt. Auch die Vogelbeere darf gern ein bisschen Frost bekommen, das verfeinert den Geschmack (manche empfehlen 1 – 6 Monate im Froster). Roh ist sie leicht giftig. Gekocht (Gelee) oder getrocknet sind die unbekömmlichen Stoffe nicht mehr enthalten. Daher sind Vogelbeeren ebenfalls für Früchtetee und auch (wie die Schlehe) als Trauerspeise geeignet. 4-5 Vogelbeeren am Tag, decken den Vitamin C – Bedarf im Winter. Gelee oder Mus helfen gegen Frühjahrsmüdigkeit und bei der Erkältungsvorbeugung. Vogelbeeren haben den höchsten Vitamin C – Gehalt aller Früchte (hier streiten sich die Geister, Platz 1 wird stark von Sanddorn und Hagebutte umkämpft, die Vogelbeere hält da aber leicht mit. Wer ganz oben ist, wechselt je nach Literatur und Autor regelmässig). Die Eberesche wird auch gegen Durchfall, bei Stoffwechselleiden und als Lungenheilmittel genutzt.

Meinen Tipp, 4 -5 getrocknete Vogelbeeren als Erkältungvorbeugung über die Wintermonate zu verzehren, wird schon von vielen erfolgreich umgesetzt (nur von mir nicht so regelmäßig – Asche auf mein Haupt). Ich glaube, ich habe das mal bei Gisula Tscharner gelesen, deren Bücher auch zu meinen Favoriten gehören. Also zu der Sorte, wo ich zwei von habe: eins zum Lesen und ganz ganz vielleicht auch mal Verborgen und eins zum „Für-gut-aufheben“.

 

Und weil Vogelbeeren in Kombinationen so lecker sind (solo etwas fad…), hinterlass ich euch auch noch ein Rezept, dass ich von der „Stipa“ habe:

Vogelbeer-Kürbis-Chutney
Vogelbeeren und in kleine Würfel geschnittenen Hokkaido-Kürbis zu gleichen Teilen vorbereiten. Die Kürbiswürfel samt Rohrzucker (~5 T. Kürbis, 1 T. Zucker) in sehr wenig Wasser und Essig (~1:2) sowie Salz, Senfkörner, grüne Pfefferkörner, Chilli, Knoblauch, Ingwer und Garam masala weichkochen (Deckel drauf). Vogelbeeren dazu geben und unter ständigem Rühren zu einer leicht dicklichen Konsistenz einkochen.
Gebt dem Chutney ein paar Wochen zur Reife, dann schmeckt es noch besser!

Die Gewürze nehmt ihr nach Geschmack. Ich bin nicht so ein Chillifan und nehme nicht soviel davon. Ingwer, wenn frisch, darf dagegen etwas vorschmecken.

Natürlich ist das Chutney genauso gesund, wie alles andere von der Vogelbeere, auch die Likörchen…  😉

 

Nein, ich bin keine Alkoholikerin, bei mir geht es, frei nach Paracelsus, immer um die richtige Dosis. Wer auf Alkohol verzichten will oder muss, kann natürlich zu Sirup, Gelee, Tiefgekühltem oder Getrocknetem greifen. So kann man mit ein paar Vogelbeeren auch einen Apfelsaft verfeinern, oder einen Früchtetee. Die Konservierung über Alkohol hat den Vorteil, dass man keine Vitamine „wegkocht“. Jedem nach seinem Gusto. Und so ein Likörchen kommt bei mir eben nur zu besonderen Gelegenheiten auf den Tisch. Damit würdigt man die „Lebensstoffe“ mit mehr Aufmerksamkeit. Könnte man natürlich auch bei normalen Mahlzeiten tun, geht in unserer hektischen Gesellschaft aber meist unter. Mein Likörchen ist meine Muße…

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