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Posts Tagged ‘Frauenleiden’

So ungefähr lauten oft die Fragen, wenn ich bei Kräuterwanderungen die Heilkräfte der Pflanzen aufzähle… „Das kann ich mir unmöglich alles merken“ und „welches ist nun besser?“

Wir sind Individuen und unsere Heilkräuter auch. Der Eine feiert unzählige Erfolge mit „seinem“ Kraut, dem Anderen bringt das Pflänzlein gar nichts.

Und trotzdem gibt es immer wieder Kräuter, die unsere Ahnen gegen fast alles eingesetzt haben, schon die Namen deuten darauf hin: Selfheal, „Heil aller Schäden“, „Heil aller Welt“… die Liste ließe sich weit fortsetzen…

Es gibt sie wirklich, diese (fast) Allesheiler. In meiner Herbalistenausbildung habe ich gelernt, ein guter Herbalist ist nicht der, der 40 Kräuter gegen eine Krankheit weiß, sondern ein Kraut gegen 40 Krankheiten.

Das kann ich nur unterstreichen. Wer sich ein wenig mit namhaften Kräuterheilern beschäftigt, wird schnell feststellen, dass die meist ihre, für Außenstehende recht profanen, Lieblingskräuter haben. In der englischen Kräuterkunde stehen zum Beispiel Löwenzahn und Ingwer ganz vorn (zu Recht) und in Amerika unter anderem die Goldsiegelwurzel (auch zu Recht). Wir Deutsche scheinen einen Hang zum Exklusiven zu haben, wir holen uns die exotischsten Mittelchen aus der Apotheke und vergiften die Heiler in unserem Vorgarten…

Das Kraut „Heil aller Schäden“ dürfte z. B. ein jeder kennen. Es ist unsere ganz gewöhnliche Schafgarbe. Manch einer bringt dann noch zusammen, dass es bei Magenbeschwerden hilft, oder bei Frauenbeschwerden. Das ist ja immerhin ein Anfang. Tatsächlich ist die Schafgarbe immer mein erstes Mittel  bei Magenproblemen und Frauenbeschwerden. Das rate ich auch meist den Teilnehmern. Die heilende Garbe wirkt auf so breiter Ebene, dass die Probleme damit oft schon erledigt sind. Erst wenn die Schafgarbe nichts ausrichten kann, empfehle ich ein intensives Auseinandersetzen mit den Beschwerden. Von der Diagnose (auch über den Arzt) bis hin zur speziellen Rezeptur.

Die Schafgarbe kann tatsächlich viel mehr. So findet sich ihr Einsatzgebiet auch bei Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Herzbeschwerden. Wobei Heilpflanzen in der Regel nicht wie Allopathika irgendwelche großen Wirkungen in eine Richtung haben, sondern eher ausgleichend wirken. Jemand mit niedrigem Blutdruck muss jetzt keine Angst vor einem Tässchen Schafgarbentee haben.

Sie findet ihre Anwendung auch bei Infekten, Fieber und, wer hätte das gedacht: zur Wundbehandlung (innerlich und äußerlich). Die Schlauberger unter uns wissen das wahrscheinlich schon, daher kommt nämlich der lateinische Name: Achillea… das Kraut, das Achilles für seine Ferse brauchte.  „Soldatenkraut“ ist im Übrigen auch eine der Bezeichnungen für die Schafgarbe.

Sie ist eines der wenigen Kräuter, die man direkt auf Wunden auflegen kann. Sie heilt und desinfiziert. In der Reiseapotheke als Pulver mitgeführt, ist man auf der sicheren Seite. Auch bei Nasenbluten kann das  Pulver helfen. Wer sich dagegen die Blättlein pur in die Nase prummelt, kann auch das Gegenteil erreichen.

Krämpfe aller Art (Magen, Darm, Menstruation), vielfältige Einsatzgebiete (Erkältungen, Lungenprobleme, Wundbehandlung, Herz), also wenn die Schafgarbe kein Allroundtalent ist, weiß ich nicht.

Als Bitterkraut ist sie natürlich auch ein Tonikum, dass man sich nicht entgehen lassen sollte. Bitterkräuter sind standardmässig in Lebenselixieren. Sie feuern nicht nur die Verdauung an, sondern auch Stoffwechsel und Lebensgeister.

Die jungen Blättchen, auch Augenbraue der Venus genannt, schmecken roh hervorragend, auch im Salat. Die älteren kann man immerhin noch wie ein Gewürzpulver benutzen.

Wer die Schafgarbe als unerwünschtes Beikraut aus seinem Garten entfernt, könnte durchaus den verständnislosen Blick eines Antroposophen ernten. In der antroposophischen Lehre ist sie nämlich das Kraut, dass „Äther- und Astralleib“ verbindet. Sie wird daher gern im Garten als Helfer für die anderen Pflanzen stehen gelassen und auch das regelmässige Tässchen Tee für den Menschen ist bei dieser Eigenschaft natürlich obligat.

Tatsächlich kann ein einziges Fiederblättchen der Schafgarbe deutlich dazu beitragen, eine Schubkarre Gartenkompost zu zersetzen.

Bei den Indianern Nordamerikas steht sie bei den Heilkräutern ganz vorn. Wen wundert es, bei diesen Eigenschaften? Krampflösend, antiviral, antibakteriell… um nur einige nochmals zu erwähnen.

Frauenärztin Heide Fischer empfiehlt eine Schafgarben –  Teekur für Frauen, die ein wenig ihr Bewusstsein schärfen und ihre Empfindungen und Träume während dieser Zeit aufschreiben sollen. Den Tipp kann ich  nur aus ganzem Herzen weitergeben.

Schafgarbe wird auch als begleitend/schützendes Mittel bei der Strahlentherapie angewandt. Das sie gegen Strahlung aller Art wirksam ist, kennt man aus den Blütenmitteln. Die Essenzen werden auch bei Bildschirmarbeitern oder Arztbesuchen (Röntgen) eingesetzt.

Aus den harten Stängeln machen die Chinesen ihr „I Ging“ – Orakel, das so lang geschüttelt wird, bis ein weissagendes Stängelchen herausfällt.

Eine absolut unmedizinische, aber seelenstreichelnde Anwendung: Mit Gold eingesprühte, getrocknete Blütenstängel für die Weihnachtsdekoration.

Tatsächlich kann man mit nur einer einzigen Pflanze schon einen halben Medizinschrank füllen. Sie ist ein Standardnotfallmittel und ein Gesundheitstonikum. Also keine Angst vor der Kräuterkunde. Fangt damit an, was vor euren Füssen wächst und lernt das kennen!

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