Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Gundelrebe’

24.06.15
Nach dem Frühstück geh ich den Stellplatz bezahlen. Leider muss ich da durch den Duft von frischen Brötchen. Ich darf auch ein paar meiner Flyer hierlassen. Dabei entdecke ich den Flyer von „Kräuter Simon“. Das ist ja nur einen Katzensprung von hier entfernt!
Nun, als Katze hätte ich viel springen müssen, denn wir fahren hier auf dem platten Land irgendwie dreimal um den Pudding. Endlich erlöst uns ein kleines Hinweisschild. Ich wünsche mir fast, wir wären zu Fuß und durch die Pampa gelaufen, dann hätten wir an unseren Fußstapfen erkennen können, ob wir an diesem Ort schon mal vorbeigekommen sind. Laut Navi war es nur 8 km vom alten Pastorat, gefahren sind wir gut und gern das Dreifache.

Kräuter Simon ist eine gemütliche kleine Kräuterei mit viel Auswahl auf kleinem Raum. Da die Hauptpflanzzeit vorrüber ist, sieht manches Tomatenpflänzchen ein wenig müde aus, in seinem Töpfchen. Ich versuche mit nahezu geschlossenen Augen an den anderen Pflanzen vorbeizugehen, um die Haushaltskasse zu schonen. So richtig will mir das nicht gelingen.
Drinnen komme ich noch mit der Chefin ins Gespräch. Wir klagen uns gegenseitig ein bisschen das Kräuterleid.
Frauke Simon wird manchmal gefragt, ob sie denn Kräuterexpertin sei. Da soll ihr schon mal ein „Nein, ich hab wirklich Ahnung!“ rausgerutscht sein. Wir lachen beide. Ich weiß ja, wie sie das meint. Leider tummeln sich auf dem Markt der Kräuterexperten und -tinnen auch die, die mal gerade die Nase kurz in ein Buch gehalten haben. Manche von ihnen sind talentierte Schreiberlinge oder kennen einen tollen Fotografen und da ist es dann schon: das nächste Kräuterbüchlein, bildreich und inhaltsarm oder schlicht gut abgeschrieben. Die, die nicht schreiben, schaffen es immerhin Wanderungen und Kurse anzubieten. So lange sie sich dabei auf Kräuter wie Brennnessel und Löwenzahn beschränken, ist ja fast nichts dagegen einzuwenden, das gehört beinahe zur Allgemeinbildung. Aber wenn dann frei von der Leber weg der Verzehr des Wiesenkerbels propagiert wird, dann krieg ich Bauchschmerzen. Wiesenkerbel ist zwar wirklich sehr lecker, aber viel zu leicht mit anderen giftigen Pflanzen, allen voran dem Schierling, zu verwechseln. Nie würde ich Anfängern zu diesem Gemüse raten! Nein, auch nicht wenn Opa zu Hause einen dicken Sparstrumpf zu vererben hat!

Von den Schandtaten Einzelner kommen wir schließlich auch zu bösartigen Verboten. Ich sage hier bewusst bösartig, weil ich hinter solchen Gesetzen nur Gott Monsanto Mammon grinsen sehe.
Viele der leckersten Tomatensorten dürften gar nicht mehr als Lebensmittel gehandelt werden. Nicht, weil irgendjemand da irgendwas Gefährliches drin entdeckt hat, sondern weil diese Tomaten dem wichtigsten Organ des der Saatgutriesen schaden: dem Geldbeutel!

Also nicht nur du und ich als gute Deutsche, auch unsere Gemüse- und Obstsorten müssen regelmäßig ihre Lebensberechtigungsscheine beantragen. Wir in Form von Personalausweisen, das Gemüse in Form von Zulassungen. Wer das nicht tut ist persona non grata oder wird zu „Zierpflanze“ degradiert.

„Verzehr der Früchte nur außerhalb der EU möglich“, müsste man auf die Pflanzen schreiben, sagte Frauke Simon, wenn alles absolut rechtssicher sein soll. Demnächst dürfen wir also auch bei Gemüse den Beipackzettel lesen, oder die geprüften, gentechnisch perfektionierten, geschmacksbefreiten Standardgemüse essen.

Ja, Big Brother in Brüssel versucht alles, um uns den Appetit zu nehmen. Vorsichtige Versuche, auch den Kleingärtnern das Saatentauschen zu verbieten, sind allerdings im Keim erstickt. Vermutlich ist das eh wurscht, da der Großteil der deutschen Saaten bereits den Monsantostempel tragen und/oder schlicht Hybriden sind.

Für mich war der Besuch bei Kräuter Simon recht lehrreich. Wer in der Gegend ist, sollte mal reinschauen. Wer so gar nicht ins platte Land kommt:
Die Simons haben auch einen Online – Shop:  www.kraeuter-simon.de

Unsere Bordelektrik spinnt mal wieder und wir machen uns auf den Heimweg. Zwei Wochen am Stück Urlaub im Vantana geht gar nicht….

Wir nutzen die Gelegenheit und kehren dann wenigstens noch im roten Haubarg ein. Was bietet sich für eine Hexe denn eher an, als ein Haus, das der Teufel erbaut haben soll?

Ob wirklich der Teufel hier Hand angelegt hat, weiß ich nicht. Aber das Essen oder auch nur eine Tasse Tee sind hier teuflisch lecker. Das versöhnt ein klein wenig mit der frühen Heimfahrt.
Als wir wieder in Richtung Parkplatz schlendern, entdecken wir dieses schöne Arrangement.

 

IMG_2570.jpg

Die magische Gundelrebe! (Vordergrund)

 

Ob die Gundelrebe hier absichtlich hineingepflanzt wurde, oder sich nur dekorativ in Szene setzen wollte, weiß ich nicht. Ich bin jedenfalls begeistert. Sie gehört zu meinen Lieblingspflanzen.  Ich spreche sie lieber in der weiblichen Form an: Gundelrebe, statt Gundermann. Ihren Namen soll sie durch ihre hervorragenden wundheilenden Eigenschaften bekommen haben (Gund = Eiter). Diese Interpretation hat mir nie so gefallen. Ich möchte nicht an Eiter denken, wenn ich sie pflücke, schon gar nicht wenn ich sie ins Süppchen oder ins Eis gebe. Irgendwo  hab ich dann mal gelesen, das „Gundel“ in der Gundelrebe würde sich auf eine Walküre gleichen Namens beziehen. Das fand ich viel sympathischer.

Abgesehen von den vielen Heileigenschaften der Gundelrebe (z. B. als bestes Kraut zum Ausleiten weicher Schwermetalle), hat sie auch magisches Potential. Besonders zur Abwehr schwarzer Magie. Das erste Melken der Kühe geschah aus diesen Gründen auch oft durch einen Gundelrebenkranz. Wer wissen wollte, wer bösen Zauber gegen einen ausschickt, der legte einen Gundelrebenkranz um den Fuß einer gelben Kerze und entzündete diese an einem Dienstag. Der Verursacher wurde preisgegeben.

Die Gundelrebe (bzw. ihre Wurzel) ist in ihrer krebswidrigen Wirkung das heimische Pendant zum Cancerweed, einer gegen Krebs eingesetzten Salbeiart. Ich nutze sie daher in Krebssalben. Leider sind meine persönlichen Erfahrungen hierzu nicht repräsentativ und schon gar nicht EU-Studien gesichert, ihr müsst schon warten, bis die Forschung hinterher kommt (so etwa am St. Nimmerleinstag). Da die Gundelrebe nicht giftig ist, schadet sie aber auch nicht…

Selbst in der Küche hat sie ihren festen Platz: Als Würzkraut (Soldatenpetersilie) unschlagbar! Natürlich nur in den entsprechend geringen Dosen. Irgendwo hab ich mal gelesen: „Drei Blättchen in die Sahnesauce“ und das kommt auch gut hin. Sonst wird sie zu dominant. Oder eine Seite mit geschmolzener Schokolade bestreichen: Bestes „After eight“. Erst hier schmeckt man die Verwandtschaft zu den Minzen heraus.
Die Gundelrebe ist eine sehr polarisierende Pflanze. Die Einen lieben sie, die Anderen hassen sie. Es ist wie immer: ihr müsst die Pflanzen wählen, zu denen ihr eine Beziehung aufbauen könnt. Vielleicht gehört die Gundelrebe dazu.

Read Full Post »

Ihr lieben Lesenden, mit mir Lernenden und auch Beistehenden; wir gehen wieder durch eine Familienkrise. Die Situation meines Vaters (die ich im vorhergehenden Beitrag ansprach) hat sich verschlechtert. Ich melde mich hier also kurz vor der (langen) Fahrt ins Krankenhaus zu ihm.

Schwere Krankheiten sind immer eine Herausforderung. Für den Kranken und auch für die Angehörigen. Ich bin so dankbar, dass ich hier auch auf meine Kräuter zurückgreifen kann.  In meinem Fall zunächst auf meine geliebte Gundelrebe. Was sie in diesem Fall tun kann, könnt ihr in meinem Kräuterblog „Whispering Weeds“ nachlesen.

Der Artikel ist recht kurz (wie dieser auch), weil ich mich die nächsten Tage natürlich verstärkt um meinen Vater und meine Familie kümmern werde. Aber ich bin sicherlich kein Einzelfall. Viele von euch werden mit seelischen und körperlichen Krisen kämpfen. Ich habe mich daher entschlossen, verstärkt auf Kräuter für diese besonderen Lebenssituationen einzugehen. Wie gesagt: nicht unbedingt Kräuter für physische Leiden, sondern für die Seele…

Bis dahin: Hört der Gundelrebe doch selbst einmal zu. Vielleicht gibt sie ihr Potential preis…

Read Full Post »

Wir waren gestern im Kräuterpark in Stolpe. Ich fahre dort immer wieder gern hin, ich kenne ihn seit seiner Entstehung. Erfreut habe ich die Entwicklung beobachtet. Es war wohl auch naheliegend, diesem Park ein kleines Hexenmuseum anzugliedern. Meine Kräuterhexenseele wurde also zweifach gestreichelt.

In den letzten Jahren hatte der Park immer wieder ums Überleben zu kämpfen. Zwar scheint der Kräuterboom recht ungebrochen, aber man wird nicht unbedingt reich mit Kräutern. Was auch immer der Grund ist, der Park leidet jedenfalls. Man sieht an vielen Stellen das Fehlen der ordnenden Hand.

So kam es, dass viele der Kräuterbeete nahezu die gleichen Kräuter führten. Was sich ungehemmt vermehrt, durfte sich vermehren. Andere Kräuter, die laut Beschriftung hätten wachsen sollen, waren verschwunden. Wir bekamen  nur Altes, Eingewachsenes und Bewährtes zu Gesicht.

Da für den Rundgang nur 1 1/2 Stunden geplant hatten, war das immer noch mehr als genug, aber ein wenig traurig machte mich das schon, schließlich durfte ich den Park auch schon in voller Blüte (im doppelten Sinne) erleben.

Eines der Kräuter, das sich diesen Umstand zu nutze gemacht hatte, war der Gundermann. Nun, mir behagt die Bezeichnung „Gundelrebe“ mehr. Für mich haben die Kräuter eigentlich mehr etwas Weibliches.

Auch das „Gund“ von „Eiter“ kommt, gefällt mir nicht. Klar – das könnte schon stimmen, schließlich weist das auf eine Anwendung der Gundelrebe hin. Viel schöner finde ich aber den Gedanken, dass die Gundelrebe ihren Namen von der altnordischen, wunderheilenden Walküre Gumir, althochdeutsch Gundja, bekommen hat,  die diese Pflanze als Heilmittel verwendet haben soll (Jakob Grimm).

Zum Heilen ist es letztendlich nicht wichtig, wo der Name herkommt. Ich liebe die Gundelrebe, sie hört zu meinen Lieblingspflanzen. Da gehts mir wie Wolf-Dieter Storl. Ich mag den herbwürzigen Geruch und Geschmack.

Auf deutschen Kräuterseiten ist nicht allzuviel über die Anwendung zu finden. Sie wird als ausgezeichnetes Wundheilmittel und entgiftende Pflanze gelobt. Sie war das tägliche Teekraut der Maler und Gerber, die mit ihrer Hilfe die Gifte (der damals rech blei- und schadstoffhaltigen) Farben und Gerbemittel ausschwemmten.

Die besten kulinarischen Rezepte mit Gundermann hab ich den Büchern von Dr. Brigitte Klemme von der Gundermannschule zu verdanken (Noch ein Fan!), die, wie ich jetzt leider erfahren musste, im April verstorben ist. Von dieser Stelle aus einen herzlichen Dank an Frau Dr. Klemme. Ich bin sicher, dass wir zu einem sehr großen Teil ihr zu verdanken haben, dass die Wildgemüse wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt sind.

Meine Lieblingsrezepte (aus ihrem Buch „Delikatessen am Wegesrand„): Gundermanneis, Gundermannkonfekt und Gierschlimonade… wers mal googelt wird sehen, dass die Rezepte oft kopiert wurden. Das sagt ja Einiges aus. Ob der Tipp „3 Blättchen in die Sahnesoße“ auch von ihr stammt, vermag ich gar nicht zu sagen.

Im Frühjahr ist die Gundelrebe jedenfalls unser bester Petersilienersatz.

Auf unsere Schleimhäute wirkt die Rebe heilend. Sinusitis, Bronchitis, chronischer Schnupfen sind ihre Anwendungsgebiete. Sie wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, astringierend, stoffwechselanregend, entgiftend, verdauungsfördernd, appetitanregend, harntreibend, fiebersenkend, hustenlösend, wurmwidrig und tonisierend.

Man hat auch positive Wirkung bei der Behandlung von hypersensitiven Kindern und bei Nierenproblemen festgestellt.

Der Presssaft wird bei Wunden und Hämatomen (auch das berühmte „blaue Auge“) eingesetzt.

Hildegard von Bingen empfiehlt die Rebe bei Mattigkeit und schwindender Vernunft (sollten wir sie nicht einmal den Köchen unserer Politiker empfehlen?) und bei Geschwüren in der Brust.

Eines ist klar, das Kräutlein verdient mehr Beachtung. Für Wolf-Dieter Storl ist sie der ständige Begleiter bei öffentlichen Auftritten. Er steckt sich einen Stängel ins Haar oder windet sich die Rebe gar um den Kopf.  Ich hab gestern im Kräuterpark ein Stängelchen an meinen Kragen gesteckt. Mein Mann meint, ich hätte sehr gut vorgetragen. Ich denke, ich werde das jetzt öfter machen – sowohl das Vortragen, als auch die Gundelrebe tragen.

Wie das wirkt? Große Güte, ich weiß es nicht. Vielleicht der Geruch, der uns ja nachweislich noch beeinflussen kann, obwohl er bewußt schon nicht mehr wahrnehmbar ist. Oder auf ganz anderer, feinstofflicher Ebene. Letztendlich finde ich das nicht wichtig. Wenn wir Heilkräuter erst dann verwenden, wenn wir durch unzählige Labortests alles nachgewiesen haben, bleiben wir noch lange krank. Erstens bezahlt das keiner, zweitens will das eine große Lobby gar nicht und drittens können wir mit heutigen Mitteln nur labortechnisch überprüfen und finden, was wir suchen. Für viele Dinge haben wir die Gerätschaften einfach nicht.

Vor ein paar hundert Jahren hätten Wissenschaftler exakt Volumen und Gewicht eines Steines feststellen können, eine eventuelle Radioaktivität wäre ihnen aber entgangen. Woher nehmen wir die Ignoranz zu behaupten, da gäbe es nicht mehr in Pflanzen? Halten wir uns für allwissend?

Nach unserem Tode kann uns die Medizin in alle Einzelteile zerlegen und sicherlich Zeugnis darüber ablegen, an welchen körperlichen Krankheiten wir litten, oder wie wir aussahen. Über den Geist können Sie gar nichts sagen. Auch nicht über die Talente. Sie können nicht sagen, ob sie einen Heiligen oder einen Massenmörder seziert haben, ob es jemand war, der außergewöhnlich gut Musik spielen konnte, oder jemand, der selbst beim Schuhezubinden Hilfe brauchte…

Entschuldigung, wenn ich das mal so krass sage, aber die Wissenschaftler, die behaupten, mehr als sie finden können, wäre in einem Wesen nicht, die können sich ihre Messmethoden gelinde gesagt in den…  ihr wißt schon – schieben!

Was viele auch vergessen, die Pflanzenheilkunde ist nunmal zum größten Teil „Erfahrungs“-Heilkunde. Wir heilen aus Erfahrung. Diese teils mehrere Hundert Jahre dauernden Erfahrungen sind ja wohl weitreichender, als zwei, drei Laborstudien. Ja, ich halte das Anwenden über Generation für die umfassendsten Studien überhaupt! Wenn dann so ein Laborkittel uns grinsend einen fürchterlich gefährlichen Inhaltsstoff unter die Nase reibt, gleichzeitig die eigene über unsere naiv-blöden Ahnen rümpft, würde ich ihm gern einmal eine meiner ganz eigenen Kräutermischungen verabreichen, damit er sich den Blödsinn aus dem Leib k…

Oha… irgendwas reizt mich heute.

Letzendlich würden wir nicht mal mehr von Luft und Liebe leben können, wenn unsere Lebensmittel durchs Labor gingen. Kaffee und Kartoffeln kämen auf den Index, Salz gleich hinterher. 2 Esslöffel davon reichen schließlich, um einen kleinen Menschen umzubringen.

Mein Teerezept für alle, die Kräuter anwenden:

1 Teel. Kraut auf eine Tasse

*1 Prise Menschenverstand

Das Kraut mit kochendem Wasser überbrühen, Tasse abdecken, nach etwa 10 Minuten abseihen. 3 x tgl. eine Tasse.

* Diese Zutat ist enorm wichtig: Ich informiere mich über jedes Kraut gründlich. Ich beobachte, wie es mir bekommt. Ich nehme typische Heilkräuter nur kurmässig und nicht maßlos. Ich überprüfe jede Dosierung. Ich glaube nicht alles, was Kräutergegner veröffentlichen.

Read Full Post »