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Posts Tagged ‘Holunder’

Jedes Jahr um diese Zeit rühre ich die Werbetrommel für den Holunder. Ich liebe ihn einfach. Die Hausapotheke des kleinen Mannes (scheinbar schon seit der Steinzeit), der Baum/Strauch der Holle oder Hulda, die vor dem Christentum eine angesehene Göttin war, der Baum unserer Ahnen…

Unsere Vorfahren waren fest davon überzeugt, dass man ihn nicht ohne Erlaubnis schlagen oder beschneiden dürfe. Viele Krankheiten wurden dem „Holler“ einfach „angehängt“. Ich kann mich an dem Geruch einfach nicht „sattriechen“. Dabei hat er schon etwas Eigenartiges, teils Herbes.

Da ist es wohl ganz logisch, dass ich jedes Jahr Holunderblütensirup, aber auch Sekt mache. Der Sekt kommt in spezielle Champagnerflaschen, weil er ordentlich nachgärt und gehörig Druck aufbaut. Ich finde, er schmeckt ein wenig wie Asti Spumante, nur holundriger…

Und natürlich wird auch Sirup gemacht. Ich setze ihn, frei nach Oskar Marti, kalt an. Da wird kein Geschmack weggekocht. Bei sorgfältiger Arbeit hält er tatsächlich auch schon ein Jahr bei mir (die Flaschen, die ich vorm Verbrauch noch gerettet hab).

Oskar Marti, dessen Bücher für Kräutergourmets nahezu Pflichtlektüre sind, empfiehlt für den Sirup die Blüten an einem sonnigen Nachmittag zu sammeln. Ich empfehle, dass mindestens drei Tage die Sonne geschienen haben muss, sonst ist es eh gleich weg, das Aroma. Marti empfielt ausserdem, für den Sirup nur die Blüten zunehmen. Das Abstribbeln ist eine recht mühselige Angelegenheit. Am meisten Aroma steckt in den gerade aufgeblühten Dolden und die sitzen noch recht fest an ihren Stielchen. Aber wir machen uns die Arbeit. Der feine Gaumen schmeckt den Unterschied. Auch beim Löwenzahnhonig kommt das Grüne weg…

So ein Hollersirup ist schließlich etwas Besonderes…

Damit ich mir nicht allein die Finger wundpule, lass ich die Rezepte gleich mal hier:

Holundersekt

13-15 Flaschen

 

15 grosse Blüten

9 l Wasser

140 ml Weissweinessig

1 kg Zucker

1 Zitrone in Scheiben

50 g Rosinen

 

Alle Zutaten verrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. 4 – 6 Tage an einem warmen Ort stehen lassen. 2 x tgl. gut durchrühren. Wenn Bläschen aufsteigen, abfüllen (bis drei Fingerbreit unter den Rand). Nach 8 Tagen kann probiert werden.

Vorbereitung Flaschen:

24 Stunden vorher in kaltem Wasser einweichen, dann mit heißem Wasser ausspülen und umgedreht abtropfen lassen.

Holunderblütensirup

4 Liter

3 l Wasser

2 kg Zucker

18 große Holunderdolden

3 Zitronenscheiben

60 g Zitronensäure

 

Zucker und Wasser aufkochen und erkalten lassen. Mit restlichen Zutaten (Blüten ohne Stängel), 5 – 6 Tage kühl stehen lassen.

Diese wunderbaren Rezepte hab ich seinem Buch

(einfach mal draufklicken – bei Amazon kann man direkt ins Buch schauen und ein paar Seiten durchblättern!)

entnommen, was eine Kräuterhexe schier in den Wahnsinn treiben kann, ob der vielen köstlichen Wildkräuter- und Beerenrezepte. Jedes Jahr nehme ich mir vor, mehr Vorräte herzustellen…

Wer den Holunder verpasst, was gerade in Schleswig Holstein leicht passieren kann, weil entweder das Wetter nicht stimmt oder der Holunder stellenweise wieder ordentlich „geknickt“ wurde, der kann nach obigen Rezepten auch Mädesüßsekt und -sirup ansetzen.. Mädesüß… mmmhhh….

Doch zurück zum Holunder! Es juckt mich in den Fingern, wenn ich vor so einem schönen Busch stehe. Einerseits möcht ich ihm glatt alle Blüten klauen, für Sirup und Co, andererseits müssen ja ein paar Beeren für den Hollersaft im Herbst bleiben.

Als Vitaminbombe ist er nahezu unschlagbar. Was übrigens schon für die Blüten gilt. Bei drohenden Erkältungen sollten wir Blütentee oder Sirup zu uns nehmen. Die recht herben Blätter vertreiben Mücken, wenn wir uns mit diesem „Naturparfüm“ einreiben. Wie gesagt – nicht jedermanns Sache. Aber eben auch nicht die, der Mücken.

Wer gern „Alsterwasser“, Altbierbowle oder „Diesel“ trinkt, der sollte sein Bierchen mal mit Holunderblütensirup mischen.

Auch für unsere Haut wirkt der Holunder wahre Wunder. Hier nehme ich das Blütenwasser, was – käuflich erworben – schon mal 10 Euro für 100 ml kosten kann. Selbst machen wäre da eine Idee… Da uns Deutschen schnell die illegale Schnapsbrennerei unterstellt wird, sind hier Destillen (über 500 ml) leider verboten. Wer sich selbst so ein Wässerchen machen möchte, muss also kreativ sein. In meinem Falle war das ein wackeliger Zusammenbau von Spaghettitopf (wo die Blüten drin sind, ohne im Wasser zu liegen) und Wok (wo Eiswürfel drin liegen, damit das Blütenwasser am Boden kondensiert und aufgefangen werden kann).

Geht alles… für 100 Euro pro Liter nimmt man das mal in Kauf.

Natürlich kann man so wackelig gewonnenenes Blütenwasser nicht verkaufen, aber selbst verrühren. Es gibt wirklich wunderbare Haut!

Aus den Ästen kann man wunderbare Holzperlen machen (nachdem der Holunder gefragt wurde 😉 ). Sie sind leicht auszuhöhlen, weil das Mark weich ist. Das Mark wiederum gibt kleine gute Kerzendochte in Schwimm- oder Ölkerzen.

Wer keine Zeit oder Lust hat, Martis aufwändige aber ungeheuer leckere Rezepte nachzumachen, der kann die Blüten auch schlicht über Nacht in Milch oder Sahne liegen lassen. Am nächsten Tag ist das Aroma übergegangen. Besonders lecker auch wieder mit Mädesüßblüten (Bittermandelaroma). Milch und Sahne können normal weiterverarbeitet  werden.

Ein paar Blüten ins Badewasser – auch das ist ein kleiner Kick für die Haut. Selbst diese einfachen Mittel haben eine spürbare Wirkung.

Vom Sirup stellen wir ca. 15 Liter her. Bei uns reicht das dann für 150 l Holunderbrause (oder eben ein Schuss in den Sekt, übers Eis… ein Sorbet machen, für Likör, in den Gelee…).

Vom Sekt gibts nur so 9 Liter. der hält auch nur knapp ein dreiviertel Jahr und die Süße lässt mit der Lagerung schnell nach.

Ich kann nur empfehlen: „Hol ihn runter, den Holunder!“

Für neue Rezepte, Ideen oder Erfahrungen habt ihr meine Mailbox oder die Kommentarfunktion hier… ich freu mich!

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Schuld ist der Holunder… und auch unsere Bauern. Dieses Jahr gibt es wirklich viel Holunder. Ich hab ja sonst keinen abbekommen, aber die Witterung und auch das „Knickverhalten“ unserer Landwirte ist dieses Jahr echt günstig. Also habe ich mich hinreissen lassen und Holunderblüten gepflückt. Viiiieeel Holunderblüten…

Als wir zu Haus ankamen, bewegten sich die prallen Taschen schon im Kilobereich. So was Gutes darf man ja nicht umkommen lassen. Schon gar nicht, wenn die nächste Schlechtwetterfront in den Puschen steht und der Holunder danach mit dem Blühen womöglich schon durch ist…

Also los: Zunächst Holundersekt angesetzt, manchmal auch Limonade genannt. Ich weiß nicht, was ich letztes Jahr gemacht hab, aber ich glaub, es ist bei mir doch eher Sekt geworden. Ich musste wegen des Drucks in Champagnerflaschen abfüllen. Der feine Trunk hält immer noch und schmeckt tatsächlich wie Prosecco. Obwohl im Internet Gegenteiliges steht, vermute ich doch einen gewissen Alkoholgehalt.

Also diesen Ansatz auch dieses Jahr nochmal. Dieses Mal mit mehr Aroma, da ich den vollen Blütenstaub erwischt hab (ich sah aus, wie in Schwefel gebadet). Wir haben gleich 10 Liter angesetzt. Drückt mal die Daumen, dass mir da nix umkippt.

Und, weil die Ernte so prächtig war, auch gleich 15 l Sirup hinterher.

Meine Ernte war damit noch nicht erschöpft, also 4 Siebe auf dem Dörrapparat für die Blüten freigemacht.

Immer noch Blüten da….

Na, ich mach ja gern Creme und so was… wie wärs mit Hydrolat? Hab ich noch nie wirklich gemacht… ja, hab mal den Trick aus so einem Kosmetikbuch mit der Espressokanne ausprobiert, muss leider sagen, dass mich das Hydrolat nicht wirklich überzeugt hat.

Also den Spaghettitopf rausgeholt.

Unten Wasser, ins Sieb die Resternte, in die Mitte ein Auffangglas, und oben auf ein umgedrehter bauchiger Deckel (ein Wok ginge auch, oder eine Schüssel), mit viel Eis drin (ein Hoch auf diese ständig Eis produzierenden Ami-Kühlschränke!).

Mannomann… was für ein aromatisches Wässerchen. Ich habe so etwa 1 Liter Hydrolat bekommen. Nicht ganz fachmännisch hergestellt (Destillen sind hier ja generell verboten, nur speziell eingetragene Branntweinbetriebe bekommen eine Lizenz – und diese Lizenzen sind – sagen wir mal – für die nächsten paar Generationen ausgebucht), zugegeben, aber das Aroma stimmt.

Gut ich hab hier nur Hydrolat. Da ist keine Konservierung drin. Ich werde das so oder so schnell verarbeiten müssen. Alkohol möchte ich nicht dazu tun, weil ich hauptsächlich Hautpflege im Auge hab.

Nachdem diese Spaghetti-Destille im Gegensatz zu der Espressokanne ein „duftes“ Ergebnis hatte, hab ich meine alten Alchemistenbücher vorgekramt. Alchemisten standen ja auf  „Auseinandernehmen“ und wieder „Zusammensetzen“. Irgendwie meinte man dann, die Sache wissenschaftlich untermauern zu müssen, strich mal eben das „Al-“ aus dem Wort und die ernstzunehmende Wissenschaft der Chemie wurde geboren. Man strich ausserdem so einen „Hokuspokus“ wie das Zubereiten nach Planetenständen und all die Anweisungen, die keinen Sinn zu haben schienen…

Naja, was soll ich sagen, über die Hintertür „Spagyrik“ und Firmen, die eben doch mehr auf Erfahrung, als auf „Schreibtischtäter“ hörten, ist die Alchemie noch da. Die meisten wissen es nur nicht. Allenfalls das auf dem Beipackzettel zu findende „rhytmisch bearbeitet“  oder so ähnlich, lässt Etwas ahnen.

Da Kräuterhexen meist neugierig sind und gern experimentieren, hab ich natürlich auch in dieser Richtung Einiges ausprobiert. Ich möchte mal sagen, die Tinkturen oder Cremes sind irgendwie „veredelt“, haben mehr Potenz… erklären kann das wohl keiner so wirklich.

Ich war Anfang des Jahres bei einem Vortrag über Krebskräuter, wo eine alchemistisch arbeitende Arzneimittelfirma die Zubereitung ihrer Mittel erklärte. Dann fügten Sie hinzu, dass erst vor kurzem nachgewiesen werden konnte, dass in diesen Mitteln tatsächlich eine viel höhere Konzentration der krebswidrigen Stoffe enthalten sei. Man hatte wohl in den Vorjahren noch nicht die Möglichkeit, dass im Labor nachzuweisen. Also warum nicht bei einer Methode bleiben, die zwar nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht unbedingt sinnvoll erscheint, aber in der Praxis eindeutig höhere Erfolge aufweist?

Das die Erfolge derart von den normalen phytotherapeutischen Mitteln abweichen (deutlich höher sind), hatte mich dann aber doch erstaunt… gerade mich, wo ich doch eigentlich fast alles für machbar halte…

Auf diesem Vortrag waren nun viele Therapeuten zugegen, ob nun mit Dr.-Titel oder die Volksheiler (Heilpraktiker) und sprachen aus der Praxis. Die Patientenberichte waren umwerfend. Nein, keine Schönfärberei, mitnichten. Es gab auch Fälle, die man leider nicht heilen konnte, aber zumindest war die Lebensqualität deutlich zu erhöhen. Wenn man einmal einen Menschen auf seinem letzten Weg mit dieser Krankheit begleitet hat, weiß man, wieviel allein das wert ist…

Gut… also mein „duftes“ Hydrolat und der damalige Vortrag haben mich wieder in die Richtung der Alchemie getrieben. Ja, wieder… irgendwie hats mich immer gereizt. Ich durfte sogar mal Firmeninterna schnuppern und war begeistert. Nur im kleinen Rahmen in der Kräuterküche hab ichs nie ausprobiert.

Nachdem ich gesehen hab, dass so ein Liter Holunderblütenhydrolat mal eben 80 Euro kostet, hab ich mich doch wieder sehr motiviert gefühlt.

Damals, nach dem Vortrag, hab ich zu Haus ein altes Alchemistenrezept für eine Salbe nachgebraut. Ich hab Pröbchen davon mitgegeben und um Rückmeldung gebeten. Meine Testpersonen wurden  nicht informiert, was drin ist, oder wogegen es helfen soll…

Die Rückmeldungen waren schon elektrisierend…

Also ich probier weiter, in meinem kleinen stillen Kämmerlein..


In der Hexenküche gehe ich alten Geheimnissen auf die Spur…

Das kann schon zum Lebenswerk werden, die im privaten Umfeld getesten Mittelchen und ihre Ergebnisse sind ja nicht repräsentativ. Außerdem gehör ich auch zu denen, die nun mal gern genau wissen wollen, WARUM etwas funktioniert, wenn es funktioniert. Für solche Menschen ist die Alchemie nicht unbedingt tauglich…

Aber eben spannend. Also mach ich weiter.

Durch die damaligen Einblicke in einige Herstellungspraktiken hab ich doch gut anwendbare Tricks abgeguckt. Schon allein für Auszugsöle… Ein bisschen Alchemie wird also in allen meinen Kräutermitteln zu finden sein.

Ich denke, ein Mittel besteht aus mehr, als nur aus seinen Zutaten, stofflich gesehen, meine ich… haben Sie nicht auch irgendwo mal was ganz Leckeres gegessen, nach dem Rezept gefragt und bekommen es selbst einfach nicht so hin? Also ich hab das schon öfter erlebt. Der Erbseneintopf meiner Mutter war so ein Phänomen. Nach Ihrem Rezept ganz einfach, ich hab sogar in den gleichen Läden gekauft, aber ich hab ihn geschmacklich nie so hinbekommen, wie sie.

Viele Spitzenköche arbeiten nur mit Gas. Es sei eine „andere“ Hitze… aha… auch irgendwas, was man nicht nachweisen kann, aber irgendwie schon anders fürs Endergebnis.

Coca Cola beschäftigt Abschmecker. Eine Maschine kann zwar eine Rezeptur zusammenstellen, aber den Geschmack nicht erkennen, das kann immer noch nur der Mensch.

Ich persönlich ess nicht gern Mikrowellengerichte (ich meide sie auch aus anderen Gründen, halte sie für bedenklich), den Unterschied in der Garmethode kann man wirklich schmecken. Ich habe mich damals nach dem Ausprobieren gegen eine Mikrowelle entschieden, noch bevor ich mir Gedanken über irgendwelche gesundheitlichen Risiken gemacht hab.

Tja, ein weites Feld… ich bin bereit. Und meine Ergebnisse landen in meinem dicken Buch. Vielleicht haben meine Kinder ja später Lust, daran weiterzuarbeiten.

Feuer sprühe, Kessel glühe…

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