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Posts Tagged ‘Nordstrand’

22. Juni 2015

Mit der Ostseeküste bin ich erst einmal durch. Der Pelzerhaken eitert mir so langsam aus der Hüfte. Wohin also? Wie wäre es mit der Nordsee? Aber die deutsche Nordsee ist ja nicht immer da (Ebbe und Flut, für die Binnenländer…)  und ziemlich, ziemlich teuer. Da steht sie der Ostsee nicht nach. Der Strand liegt meistens hinter einem Deich, ist also nichts mit einem netten Stellplatz mit Blick aufs Wasser und auch hier gibts fette Kurtaxe. Warum die armen Dänen ohne eine solche nicht schon am Hungertuche nagen, ist mir ein Rätsel.

Nun… womöglich kenne ich noch nicht alle schönen Plätze dort, also auf! Mein erstes Ziel ist die Halbinsel Nordstrand. Leider auch eine Erfahrung, die ich nicht zweimal brauche: Wir landen in Süderhafen. Der ausgewiesene Wohnmobilstellplatz entpuppt sich als größerer Garten eines Einfamilienhauses, fein säuberlich in ziemlich kleine Parzellen unterteilt. Nun, warum nicht? Ich hab ja ein kleines Mobil.

Die Gastgeberin ist allerdings dauermürrisch. Etwa wie ich, wenn ich jemanden dick mit frischen Brötchen, Baguette und Croissants frühstücken seh (ich bin leider glutensensibel). Wenn ich die Beurteilungen des Platzes durch andere lese, ist dieser Gemütszustand aber wohl Standard. Na gut, was solls, wir müssen ja nicht heiraten. Ich werde darauf hingewiesen, dass man keine Fussmatten vor das Mobil zu legen habe, die schaden dem Rasen und das zu unserer Sicherheit (oder zur Fussmattenkontrolle?) Kameras den Platz überwachen würden. Mein Obolus für zwei Mann und eine Nacht: 26 Euro… Das finde ich recht heftig, zumal ich ungehinderten Ausblick auf den Gartenflechtzaun habe…

Naja… das krieg ich mit anderen Stellplätzen bestimmt wieder rein… was solls, ein Ausreisser eben…

Mein Mann kommt fluchend vom Herrenklo. Er sagt nur ein Wort: „Sanierungsstau“ und schüttelt ärgerlich seine Hände. Das Herrenklo ist wohl in üblem und vor allem statisch bedenklichem Zustand. Das Frauenklo nicht. Komisch… man sollte doch meinen, das Stehpinkeln sanitäre Anlagen weniger belastet.

 

Wir gehen an den „Strand“.  Leider gibt es hier nicht wirklich so etwas wie Strand, wir wandern ein bisschen an den Bootsstegen entlang und finden dann tatsächlich auch eines meiner Lieblingskräuter:

 

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Strandbeifuß, der kleine Bruder des gewöhnlichen Beifußes

 

Der Strandbeifuß hat als typische Artemisie ähnliche Wirkung wie sein großer Bruder. Vor allem seine Bitterstoffe wirken wie ein Lebenselixier. Er ist mehr ein „Frauenbeifuß“ und bei Frauenleiden etwas wirksamer (Indianerinnen hocken sich z. B. über den Rauch von glimmendem Beifuß, wenn sie Unterleibsbeschwerden haben).

Seine Blättchen und auch sein Geschmack sind feiner. Er ist etwas süßlicher, als der Große. Man kann die feinen Blattspitzen dosiert gut auf Butterbrot essen. Oder aus der Pflanze einen feinen Beifußlikör/schnaps (je nach Zuckergehalt), den Wumken, ansetzen. Dieser gesunde Magenschmeichler wird gern in Niedersachsen getrunken.

 

Wumken

Strandbeifuss (etwa ein Ästchen, was gerade so in die Flasche passt), 1 Flasche Korn (hochprozentig), nach Belieben: Kandis.

Mindestens 4 Wochen, besser länger, ziehen lassen.

Schneller und einfacher kann man einen gesunden Kräuterlikör nicht machen.

 

Wer Strandbeifuß sammelt (man darf das nicht überall!), kann ihn also getrost als feinere Variante überall da einsetzen, wo sonst der normale Beifuß gefragt ist. Wunderbar ist er auch in der „Feuer-ins-Becken“-Salbe nach Fischer. Oder fein dosiert in der Kräuterbutter. Natürlich auch zum Räuchern…. und, und, und…

Merkt man, dass ich Beifußfan bin?

Ich pflücke Beifuß, wenn immer ich einem habhaft werden kann. Nach Möglichkeit die Blüten vor dem Aufblühen. Strandbeifuß geht immer…  Wenn ich nicht so gut drauf bin, reib ich Beifuß einfach und schnupper mich daran munter, wie ein Reh im Raps. Außerdem polieren Hexchen ihre Glaskugeln mit Beifuß, um wieder klare Visionen zu haben. Wer keine Kugel hat, kann abends ein Tässchen Beifußtee trinken, um Klarträume zu bekommen. Die Räucherung verbindet uns mit der geistigen Welt. Als Schutzräucherung wird er weltweit genutzt. Der normale „Sage“ in Nordamerika, bei uns oft fälschlicher Weise als Salbei übersetzt (nicht zu verwechseln mit dem „white Sage“), ist ebenfalls ein Beifuß.

Die Heilwirkungen des Beifußes sind so vielfältig, da könnte man ein Buch drüber schreiben. Aber ich sehe das wie Wolf-Dieter Storl: Nimm die Pflanze, die dich „ruft“, suche sie nicht nach Buchwissen aus.

Vielleicht findest du so auch zum Beifuß, dann meditiere mit ihm. und erst viel viel später kannst du mal lesen, was der Rest der Welt so über ihn schreibt…

 

Nach diesem kleinen Kräuterhighlight wollen wir uns auch kulinarisch ein wenig gut tun. Wir gehen in ein Restaurant vor Ort. Nachdem ich mir etwas ausgesucht habe, meinte die Bedienung mit ähnlicher Miene wie unsere Platzbetreiberin: „Da muss ich erst einmal sehen, ob wir das noch haben…“ Okay, neuer Versuch, gleicher Satz. Nachdem sie den Satz gefühlte 80 Mal abgespult hatte (jetzt verstehe ich ihre Miene), sagte ich entnervt: „Bringen sie einfach, was sie noch da haben“. (Wir waren kurz vor Hochsaison…)

Wenig später brachte sie das Essen. Was ich da genau aß, kann ich gar nicht sagen, aber es schmeckte ganz passabel. Mein Mann, der eines der beiden Gerichte bestellt hatte, die noch da waren, bekam auch etwas ganz anderes, allerdings nicht wirklich lecker.

Nee, Nordstrand, danke nein! Du hast uns deine unschöne Seite gezeigt. Du wirktest unpersönlich und abweisend auf uns. Wir wünschen dir und deinen teils mürrischen Anwohnern alles Gute!

Wir machen uns auf die Reifen…

 

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