Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Ockholm’

23. Juni 2015

Wir fahren weiter die Nordseeküste entlang. Ein Stellplatzführer verrät uns als Tipp das „alte Pastorat“ in Ockholm. Es ist gut ausgeschildert und wirkt schon auf den ersten Blick total heimelig.

Der Stellplatz ist hinter dem Gebäude, sehr gepflegt, viel Grün mit Blick über die angrenzenden Wiesen. Die Betreiberin kommt auch gleich auf uns zu und erklärt uns sehr freundlich, wo wir hier alles finden. Das ist außer niedlichen aber sehr sauberen Sanitäranlagen auch ein kleiner Tante – Emma – Laden, der morgens frische Brötchen anbietet. Na bitte, es geht doch auch mit einem Lächeln!

Wir fühlen uns sehr wohl und vor allem erwünscht hier. Der Stellplatzpreis ist günstig, weniger als die Hälfte von Nordstrand. Obwohl dieser Platz auch lobend im Führer erwähnt ist, sind außer uns nur noch zwei weitere Mobile hier. Das Urlaubsfeeling ist sofort präsent.

IMG_2483

Ein Stellplatz mit Urlaubsfeeling – das alte Pastorat in Ockholm

Natürlich will ich nicht Urlaub machen (neiiiiinnnn… Ich arbeite doch an meinem Buch des gesammelten Kräuterwissens…) und wir machen uns auf in die Umgebung. Mal sehen, was hier wächst.

Wer südlich von Hamburg wohnt, der kann kaum nachvollziehen, wie artenarm es bei uns ist. Wer gar Süddeutsche(r) oder Österreicher(in) ist, bekäme bei unserem mageren Kräuterangebot wahrscheinlich Mitleid.

Gerade deswegen möchte ich ja unsere norddeutschen Schätze heben. Wir mögen weniger haben, aber eben auch gute. Zugegeben, es ist sicher dem Klima geschuldet, dass die aromatischen Kräuter, die mit ihren ätherischen Ölen punkten, bei uns deutlich seltener sind. Dafür haben wir Mineralstoffbomben wie Algen und Vitaminkonzentrate wie den Sanddorn. Und von unserem Gaumen- und Nasenschmeichler, den Gagelstrauch will ich gar nicht erst anfangen. Hab ich den Meerkohl erwähnt…?

 

Da diese Pflänzchen nicht die Klassiker des Kräuterbuches sind, findet man nicht allzu viel über sie. Ich schaue da gern bei unseren skandinavischen Nachbarn, vor allem auch den Dänen: die haben aus der Not eine Tugend gemacht und verwerten so gut wie alles, was Chlorophyll bilden kann…

Hier wird auch der Gagelstrauch genutzt, meist als Geschmacksgeber in Likörchen. Wer das nachmachen möchte, der sei aber gewarnt: Bei uns gilt das berauschende Sträuchlein als giftig und steht zudem unter Naturschutz. Ebenfalls unter Schutz steht der Queller, welcher ein Spitzengemüse ist, aber hier allenfalls käuflich erworben werden kann.

Da ist er wieder, der Zwiespalt: bei uns darfst du an der Küste so gut wie gar nichts pflücken… „Küstenschutz“. Nicht mal ein Rosenblatt darfst du mitnehmen. Auf manchen Inseln ist das zumindest den Einheimischen erlaubt, wenigstens etwas.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kräutersammler(innen) und Wildgemüsefans in Scharen einfallen und die Dünen kahl rupfen, in Dänemark stehen die schließlich auch noch, aber in Deutschland darf man halt gar nix. „Wenn das jeder täte…“ , ist so das Totschlagargument. Tut aber nicht jeder… In einer freien Welt herrscht ein Gleichgewicht

Nun, da kann ich noch so lange drüber zetern, es ändert leider nichts… Dabei könnte man sicherlich mit einer weniger strengen Küstenschutzlösung das Bewusstsein für unsere Natur wecken und stärken.

Aber zurück nach Ockholm. Wir wandern durch die Felder. Um an irgendein Gewässer zu kommen, muss man eine Weile laufen. Aber ruhig ist es hier.

IMG_2489

Wir zaubern auch ohne Kräuter etwas Leckeres – da läuft das Wasser im Munde zusammen… auch den Vierbeinern.

Leider ist unser Kräuterbeutezug nicht allzu üppig. Er besteht heute „nur“ aus ein paar Mädesüßblüten. Die kommen in die Sahne, um diese über Nacht zu aromatisieren und am nächsten Tag im Nachtisch zu landen. Ein ähnliches Schicksal teilen ein paar Holunderblüten, die ich direkt am Stellplatz gepflückt habe. Von beiden trockne ich dann noch ein paar, weil sie so zart sind, vorsichtig auf einem Küchenkrepp ausgebreitet, damit sie mir später als Tee in Erkältungszeiten oder als Zutat im Likör oder in der Kosmetik hilfreich sein können.

 

 

 

Read Full Post »