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Posts Tagged ‘Steinberghaff’

12. – 14. August 2015

Vielleicht merkt ihr an den Daten, dass ich in Etappen fahre. Am Wochenende bin ich zu Haus bei meinen Männern. Mein Vater braucht etwas Betreuung und kann nicht allein bleiben. Mein Mann ist selbständig und ist daher flexibel mit seiner Arbeitszeit. Das gibt mir für meine Fahrten Freiraum. In 2016 möchte ich aber auf „große Fahrt“ gehen. Daumendrücken hierfür gern gesehen und gewünscht.

Dieses Mal fahr ich zum Steinberghaff. Durch die Hemmelmark auf Kräuterjagd eingestellt, erhoffe ich mir hier auch ein paar Funde.

Was ich zunächst finde, ist Ruhe. Genau das brauche ich. Der Campingplatz selbst ist preiswert, auch ein wenig in die Jahre gekommen, erinnert eher an eine Kleingartenkolonie auf Rädern. Ich stehe hier nicht in dritter Reihe, dafür kann ich das Meer sehen!

Wir sind ruckzuck am Strand. Zunächst müssen meine Vierbeiner noch an der Leine bleiben, aber hinter dem Badestrand ist das Freilaufen „geduldet“.

 

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Meistens allein… ein Naturstrand für uns!

 

Der Strand ist sehr schmal, was uns nicht wirklich stört. Wir laufen bis zum Wäldchen. Wo es beginnt, ist ein verwunschener kleiner Platz entstanden (auf dem Foto hinten, der große Baum im Kreis aus Steinen). Ich weiß nicht, warum die Gemeinde ihn angelegt hat, doch wird er fleissig genutzt. Immer wieder lassen es sich Wanderer und Einheimische hier gutgehen. Da ich unter der Woche fahre, treffe ich allerdings kaum Menschen. Hinter dem Baum im Steinkreis ist noch eine kleine Sitzgruppe aus Stein und ohne jegliche Erklärung überspannt ein großes Holztor den Waldweg. Sollte mich hier jemand schlau machen können, ich bin gespannt!

 

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Unter dem Baum im „Steinkreis“

 

Normaler Weise hab ich ein „Gefühl“ für alte Kultstätten. Wenn ich mich irgendwo besonders wohl fühle, oder einen Platz geheimnisvoll finde, kann ich meist später zu Haus auf der Karte die Erklärung dafür finden. In der Regel stand ich auf alten bis zur Unkenntlichkeit überwachsenen Hügelgräbern. Diesen Platz finde ich auch irgendwie „magisch“. Allerdings konnte ich keine Erläuterungen zu seiner Entstehung oder seinem Zweck finden. Alt scheint er mir nicht zu sein. Ich achte auch auf die Vegetation in und um solchen Plätzen (wie zum Beispiel beim Figsbury Ring, der einige seltene Pflanzen nur innerhalb seines Walles vorweisen kann), aber da findet sich nichts Besonders. Nun – schön ist der Platz allemal.

 

Eine solche Artenvielfalt, wie in der Hemmelmark, findet sich hier leider nicht:

 

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Salzmiere

 

Ein paar „Strandklassiker“ kann ich entdecken. So zum Beispiel die Salzmiere, deren junge Sprossen einen hohen Vitamin C und A – Gehalt aufweisen. Sie schmeckt fein säuerlich und ein paar Blättchen werden mir heute Abend den Salat verfeinern. Auch ein wenig Salzmelde wandert in mein Sammeltäschchen. Ihr hoher Chromgehalt wirkt blutzuckersenkend. Nach meinem Strandlieblingsgemüse, den Queller, halte ich umsonst Ausschau. Er scheint die Nordsee zu bevorzugen. Davon abgesehen: Bei uns dürfen wir ihn auch nicht pflücken. Zumindest war das bisher so. Aber immer mehr Sterneköche entdecken sein Potential: Wer z. B. auf Sylt etwas feiner essen geht, wird ihn serviert bekommen. In Dänemark und England ist er schon ein „alter Hut“.

Für die etwas magere Ausbeute entschädigt mich das Steinberghaff mit viel Landschaft…

 

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Blick auf den kleinen Yachthafen vom Steinberghaff

 

 

Ich genieße meine Zeit hier, bis etwa zum letzten Tag. Da trifft mein ralliger Rattler auf drei Mopsdamen. Eine davon in Hochhitze. Bisher war mein Kleiner ein wirklich gut hörender Hund. Jedenfalls auf „Komm“. „Sitz“ und andere recht passive Befehle gehen ihm irgendwie nicht ins Blut. Aber wie gesagt: er war immer sehr folgsam.

Ich gehe also mit der Nase fast am Boden, nach Kräutlein Ausschau haltend, bis mir mein fiependes Möpslein ein wenig auf die Nerven geht. Ich dreh mich zu ihm um, um den Grund zu erfahren…

Den Grund seh ich zunächst gar nicht. Der Mops schaut aufregt immer zu mir und dann nach hinten. Ich kneif die Augen zusammen: Da rennt der Rattler! Kaum noch zu erkennen! Er verschmilzt gerade mit dem Horizont und ich schreie, rufe und pfeife wie eine Besessene! Rattler haben ein ausnehmend feines Gehör! Wenn nicht gerade das Weib lockt.

Weg isser…

Da Rattler von Natur auch ein wenig laut pöbeln und nicht die Gemütsruhe eines Mopses haben, bin ich natürlich schnurstracks hinterher. Ich weiß nicht, ob ich bereits erwähnt habe, dass meine Kondition mehr als erbärmlich ist. Das Frauchen der Möpse hat leider kein Einsehen gehabt und ist ebenfalls weitergegangen. Mit vier Hunden…

Als ich nach ungefähr einem Kilometer für mich äußerst schnellen Laufens vor der Gruppe zum Stehen komme (also vor dem Camper des Mopsfrauchens), klatschen meine Herzklappen Beifall und ich kann nur noch ein leises „Lunge komm bald wieder“ pfeifen.

Mangels Sauerstoff bekomme ich kein Wort raus. Mein rasselndes und pfeifendes schnelles Atmen scheint für mich zu sprechen. Ich ernte mitleidige Blicke und einen geilen Rattler. Wortlos – nickend ein „Danke“ andeutend, schleppe ich mich zu meinem Wohnmobil, einen triebigen Hund hinterherschleifend. Meinen Mops habe ich in der Aufregung total vergessen. Aber Möpse sind treue Seelen. Im Wohnmobil wartet schließlich das Hundefutter und am Wohnmobil mein Mops.

Am liebsten hätte ich dem liebeskranken Flüchtling das Wort zum Sonntag gepredigt. Aber er ist ja auch nur Sklave seiner Triebe. Wie ich – vor einer Schokoladentorte…

 

 

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