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Posts Tagged ‘Süßdolde’

Nichts gegen Stevia und Co., ich bestelle selbst regelmässig meine Pflänzchen beim Rühlemann. Aber ich bin nach wie vor auf der Suche nach einheimischen Pendants. Ich kann mir z. B. auch nicht vorstellen, dass nur die Chinesen heilkräftige Pflanzen haben. Der ganze Hype um die TCM (traditionelle chinesische Medizin) ist nichts für mich. Nicht etwa, weil ich von chinesischen Kräutern nichts halte – im Gegenteil – TCM ist hochwirksam.

Aber ich bin nun mal hier, europäisch aufgewachsen, lebe und nähre mich auf und von diesem Grund und Boden. Ich denke, für meinen Organismus wären Heilkräuter aus dem Umfeld optimal. Sie sind den gleichen Einflüssen ausgesetzt, wie ich.

Leider ist unsere Kräuterkunde verbrannt und ersäuft worden. Im leichtesten Fall noch ignoriert…

Erfahrungen in dieser Richtung durfte ich z. B. mit Bachblüten machen. So gibt es für die meisten Anhänger dieser Mittel nur die einzig wahren, ENGLISCHEN, original „Bachblüten“. Ich habe mich damals während meiner Heilpraktikerausbildung aber auch mit den Deutschen befasst. Die dürfen sich nur nicht „Bachblüten“ nennen. In Deutschland heissen sie einfach „Deutsche Blütenmittel“ (Fa. Keilholz in Hilpoltstein), was auch Sinn macht, denn sie sind hier aus deutschen Blüten hergestellt.

Ich wich also so manches Mal auf die deutschen Mittel aus, teils auch aus Geldgründen (sie sind erheblich preiswerter) und nach meiner Beobachtung, zumindest bei uns Deutschen, auch wirksamer…

Aber zurück.

Ich bin eine Naschkatze, was meine Waage mir leider jeden Tag um die Ohren schleudert. Da kam mir ein Kraut, wie Stevia schon recht. Stevia ist ja mittlerweile schon ein Politikum geworden, wie leider unsere Heilkräuter überhaupt. Es scheint doch eine Lobby zu geben, die uns dringend von kostenlosen und gesunden Mitteln wegbringen möchte. Vor allem, wenn das wirtschaftlich zu Lasten der Süßstoffe geht. Wer die wohl auf den Markt gebracht hat? Ja, das große „M“… genau das „M“, dass dafür sorgt, dass im Frühjahr in Schleswig-Holstein kein gesundes Grün auf den Äckern schimmert, sondern schmutzigbraun Verdorrtes. Verbranntes Land… „Roundup“ machts möglich. Unser Kulturgemüse scheint nur zu gedeihen, wenn der wilde Gegner aufs Brutalste vernichtet wurde. Ich frag mich manchmal, welches Kulturgemüse auf diesen Böden noch kommt. Richtig geraten: Die Saaten kommen auch vom großen „M“.

Ich schweife schon wieder ab. Vollmond… oder schlechter Schlaf… 😉

Also gut: heimische Süßkraft ist leider rar. Zumindest pflanzliche. Zuckerrüben zähl ich hier nicht, die sind mir zu „raffiniert“.  Zuckerahorn wächst hier nicht (mehr). Scheinbar ist die Süßdolde das einzige heimische, relativ süße, Kräutlein.

Zugegeben, so richtig „süß“ ist sie nicht, mehr süß-aromatisch. Ein Hauch Anis schwingt mit. Das merkt man schon in Blätter oder Blüten. Ganz lecker, mit leichter Schärfe, sind die noch grünen Samenstände. Die nasch ich oft so oder streu sie über Desserts und Müsli.

Da sie als Doldenblütler viele giftige Verwandte hat, ist es für den Anfänger ratsam, sich doch erstmal ein Exemplar im Kräuterfachhandel zu holen. Außerdem ist sie in Norddeutschland leider auch nicht heimisch. Wer beim Sammeln alle Sinne öffnet (und das sollte man immer tun), kann sie aber eigentlich nicht verwechseln.

Man kann tatsächlich alle Pflanzenteile nutzen. Als Heilpflanze wird sie hier nur in homöopathischer Form bei Venenschwäche genutzt. Aber sie kann mehr: Sie ist hilfreich bei Magen-Darm-Beschwerden (auch Blähungen), Husten und zur sanften Stimulation des Verdauungssystems. Abkochungen der Wurzel wurden bei Tierbissen (Schlange, Hund) angewandt. Wurzelsalbe mildert Gicht und wirkt wundheilend.

Die Blätter oder grünen Samen können auch super als Möbelpolitur genommen werden. Besonders für Eichenholz. Einfach pur rüberrubbeln und nachpolieren, bis das Grüne weg ist. Der angenehme Duft dazu ist gratis.

Sie hat jedenfalls einen (mittlerweile großen) Platz in meinem Garten. Oft zupf ich mir Blättchen oder Blüte und natürlich auch die Samen. Selbst ausgereift kann man sie gemahlen noch verwenden.

Und was ist sonst noch süß? Viel fällt mir leider nicht mehr ein. Man kann Schilf anritzen, oder Engelwurz/Wiesenbärenklau und am nächsten Tag den dicklichen Saft naschen. Manche Blüten sind süß… Flieder, Taubnessel… aber nur, wenn das kleine Flügelvolk nicht schon vor dir dran war und die Mengen sind bescheiden.

Wer also noch Kräutersüßtipps für mich hat, immer her damit! Engelsüß vielleicht noch, aber das schmeckt doch mehr lakritzig…

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