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Posts Tagged ‘Vantana’

oder: Survival für Hobby-Wohnmobilfahrer

Zeit, Geld, Vorräte… alles beisammen. Nun kann es losgehen. Dachte ich zumindest. Aber ich fahre ja einen Hobby. Fahren ist dabei schon mutig ausgedrückt, denn auch das tut er nicht immer.

Da es bei uns doch noch teilweise recht klamm sein kann, bin ich kurz vor meinem Tourbeginn mal schnell ins Womo und mach die Heizung an, dann ist es von Anfang an gemütlich. Dachte ich jedenfalls. Aber als ich das Bedien-Panel bediene, wie schon gefühlte tausend Mal, sehe ich, dass ich laut diesem gar keine Heizung habe…

Da isser wieder, mein Elektronikfehler, den ich mir laut meiner F(l)achwerkstatt nur einbilde.

Na gut, nicht ganz so schlimm. Hinten hat das Wohnmobil noch ein kleines Steuerpanel, nur für die Heizung. Dann eben an diesem…

Aber das bleibt dunkel wie ein Maulwurfshintern.

Nun muss man der Firma Hobby ja eins lassen: Als Fahrer(in) eines ihrer Mobile wird man plietsch und lässt sich von Banalitäten nicht mehr aus der Ruhe bringen. Okay, vorn weg, hinten weg: Normaler Weise ist da eine Sicherung durch. Und so eine Autosicherung, die kriegt auch eine Hausfrau eingesetzt. (Nichts gegen Hausfrauen! Das sind meist die Patentesten von allen!)

Also im Handbuch gekramt. Irgendwo müssen hier ja Sicherungen sein.

Zu früh gefreut:

Die Sicherungen der einzelnen internen Stromkreise befinden sich im Eingangsmodul.

Sagt das Handbuch. Wo aber dieses „Eingangsmodul“ ist, darüber schweigt es sich aus. Ich denke mir, hinter irgendeiner Klappe wirds ja wohl stecken und finde schließlich, nachdem ich mit meinem Pulli den gesamten Fussboden ordentlich gewischt habe, ein paar Sicherungen unter der Bank. Leider die falschen. Aber es gibt ja noch die Werkstatt. Hier wird mir doch jemand sagen können, wo ich die Sicherungen für den Aufbau finde.

Ich solle gleich mal vorbeikommen. „Mal“ ist gut. Wieder eine Stunde Fahrt. Dabei wollte ich längst unterwegs sein. Ist es denn wirklich nicht möglich, dass man einfach gesagt bekommt, wo denn diese verd… Sicherungen sind?

Nein, ist es wohl nicht. Soviel Übersicht scheint man einem Laien nicht zuzutrauen. Also auf die Reifen und hin…

Der freundliche Mechaniker steht schon, mit einem Ersatzteil in der Hand, parat. Ersatzteil? Sicherungen hab ich viel kleiner in Erinnerung! Beim Näherkommen ist auch ganz deutlich zu erkennen, das es sich NICHT um eine Sicherung handelt. Das hintere Steuermodul der Heizung ist defekt. Scheinbar ein bekannter Fehler im Hobby Schantana. Und dieses Modul killt dann auch gleich mal das vordere Paneel. Nein, ich möchte nicht wiederholen, wie oft ich die Werkstatt darauf hingewiesen habe, das hier irgendein Stromabnehmer spinnt… Man hat doch gerade im Januar alles durchgesehen und für absolut in Ordnung befunden. Extra für mich…

Nun krieg ich erstmal irgend so ein Ersatzmodul, weil das Originalteil natürlich bestellt werden muss. So kann ich die Heizung zwar wieder bedienen, muss dazu aber ins Bett krabbeln. Im Hauptpaneel zeigt sich das Ganze nämlich nicht.

Ganze zwei Wochen später hat die Werkstatt des Grauens meines Vertrauens nur zu melden:

„Bei der letzen Lieferung war das Ersatzteil nicht dabei… Vielleicht nächste Woche…“

Damit haben wir endlich ein ganzes Jahr mit Werkstattflatrate herumgebracht! Ich liebäugle doch sehr mit Zelturlaub oder Bed and Breakfast. Nun habe ich einen Neuwagen für Bastler, aber ich hätte echt ein schlechtes Gewissen, ihn irgend jemandem zu verkaufen. Und eigentlich mag ich ihn auch… was kann er dafür, dass ihn ein Chaotentrupp zusammengefrickelt hat…? Da er als „Neuer“ also mindestens soviel Macken hat, wie ich altes Semester, werde ich versuchen, doch noch mal ein paar Kilometer mit ihm vor die Tür zu kommen. Nebenbei google ich noch fleissig „Bombenbauen für Anfänger“ und „wie man eine Werkstatt dem Erdboden gleichmacht“, schließlich muss ich die langen Werkstattpausen ja auch irgendwie nutzen. Was ich rausbekommen habe ist, warum mein Womo-Händler sich „Spannan“ nennt: Wenn du dort ein Mobil kaufst, solltest du ein paar Pferde in Reserve haben, die du im Notfall davor spannen kannst. Und diesen Notfall gibt es recht häufig…

Was hat das alles jetzt mit Kräutern zu tun? Ganz einfach: Ich habe eine kleine

 

Reiseapotheke für Hobby-Fahrer

zusammengestellt. Natürlich können auch diejenigen davon profitieren, deren Wohnmobil nur alle paar Jahre mal muckt.
Bisse, Stiche, Splitter

Im Wohnmobil? Aber klar. Splitter sind selbsterklärend, oder? Das sind einfach unsauber verarbeitete Möbelteile, im Hobby Vantana Fall z. B. die klappbare Arbeitsplattenerweiterung, die schon beim Abstellen eines Kochtopfes der Erdanziehung nachgibt und an der Abrissstelle des Haltewinkels eindringwillige Holzsplitter zur Verfügung stellt.

Bisse kann man sich durch vierbeinige Mitbewohner holen, wenn man haareraufend und kreischend mit angehendem Nervenzusammenbruch durch das Mobil kreucht.

Stiche erwischen dich, wenn dein Moskitonetz nicht wirklich Blutsauger aussperrt. Im Vantana schließt zum Beispiel das große Netz an der Schiebetür nicht gut ab und die Fenstergitter dürfen nie, aber auch nie versehentlich (im Schlaf oder so) berührt werden, weil sie dann scheunentorgroße (für Mücken) Lücken durch das leichte Eindrücken hinterlassen.

Kräuteröl kann zum Lindern von Käfer- und Mückenstichen benutzt werden. Eines der vielen hilfreichen Kräuter, die Jucken und Schwellungen stoppen ist Lavendel. Er senkt das Infektionsrisiko und riecht angenehm.

Kombiniert Lavendel mit Echinacea und Bentonit in einem Wickel. Dieser Wickel lindert Stiche und Bisse von Bienen, Zecken, Wespen und Spinnen. Bentonit entfernt giftiges Material aus dem Biss oder Stich und verhindert die Ausbreitung des Giftes. Währenddessen reduziert die Echinacea die Wahrscheinlichkeit einer allergischen Reaktion auf den Biss oder Stich.

Wenn du einen Splitter nicht gut entfernen kannst, oder gar sehr ängstliche Kinder hast, quetsch Vogelmiere klein und leg sie auf. Vogelmiere lässt das Gewebe so weit aufquellen, dass dir der Splitter fast entgegenkommt.
Blutergüsse

Zu Blutergüssen kommt man erstaunlich schnell. Wenn man sich z. B. beim Auftragen des Cayennepulvers (s. u.) nicht schnell genug weggeduckt hat, dumm genug war, die Trittstufe mit Schmackes auszufahren und dabei zu dicht am Wagen zu stehen, bei einem Hobby Schantana nachts um zwei verzweifelt den Fehler in der Heizung sucht…

Hier brauchen wir Kräuter, die schnell heilen und Schwellungen lindern. Wie z. B. Arnika, Lavendel, Kamille, Johanniskraut, Zaubernuss und Ringelblume. Welches Kraut du auch wählst, je eher du das Öl oder die Tinktur applizierst, um so besser. Lavendel solltest du ja ohnehin in Form eines guten ätherischen Öles in deiner Wohnwagenapotheke haben, denn es ist ein absoluter Allrounder. (Stiche, Desinfektion, Verbrennungen, Kopfschmerzen…). Speziell Hobbyfahrern würde ich ob der höheren Prellgefahr bei Fehlersuche sogar noch Immortellenöl empfehlen (bitte nur wenige Tropfen!). Das kann Blutergüsse sozusagen „wegradieren“, muss aber täglich aufgetragen werden. Ein gutes Rezept für solch eine „Radiermischung“ finden ihr wie immer auch bei Eliane.

Schwellungen können gemildert werden, indem eine mit Tinktur getränkte Kompresse mit Eis gefüllt und auf die Wunde gelegt wird. Eine Blutergusskompresse wird aus Arnika, Johanniskrautblütenspitzen, Zaubernussrinde oder Kamillenblüten gemacht. Gleichzeitig trage man Lavendelöl und kaltes Wasser auf und nehme dazu einen Waschlappen.

Lavendel

Lavendel – das wichtigste Heilkraut der Reiseapotheke   (Foto: C. Herrmann)

 

 

Blutungen

Ja, dass kann schnell passieren: Wenn du z. B. auf der Suche nach den Fahrzeugsicherungen bist und versuchst, die Plastikklappen unter dem Beifahrersitz aufzubekommen. Oder du wolltest den Kochtopf mit der heißen Suppe von der nachgebenden Abstellplatte retten. Vielleicht hast du auch vor Wut die Hecktür zu schnell zugeworfen, bevor du geschaut hast, ob alle Finger auch wirklich bei dir sind. Ich hatte ein einschneidendes Erlebnis, als mir der Abflussstopfen das Herauskommen verweigerte, schließlich doch nachgab und den Spitzen Mittelstift im Abfluss stehen ließ.

Wenn es recht heftig ist, kann man vielleicht zuerst den verletzten Körperteil über Herzhöhe zu bringen, um die Blutung zu verlangsamen.

Kräutermischungen, die man zum Stillen von Blutungen verwendet, beinhalten Cayennepulver. Er kann über die Wunde gepudert werden um die Verschorfung zu beschleunigen und die Blutung zu stillen. Das Ganze sollte, wenn du der Versorgende eines Verletzten bist, schnell geschehen, denn: Cayenne brennt! Solltest du nicht fix genug gewesen sein und dir eine Ohrfeige eingefangen haben: oben stehen die Tipps zu Blutergüssen.

Gepulverter Kelp, Wegerich, Schafgarbe und Odermennig sind Kräuter, die zur Blutstillung und Schorfbildung eingesetzt werden können. Du kannst entweder die getrockneten und pulverisierten Blätter dieser Pflanzen direkt auf die blutende Wunde streuen, oder einen Umschlag mit der frischen Pflanze machen. Wenn die Wunde stärker blutet, empfiehlt sich eine Kompresse und die Lagerung über Herzhöhe. Dann sollte man aber auch über einen Arztbesuch nachdenken.

Schafgarbe wurde seit Jahrhunderten zur Wundbehandlung benutzt. Sie ist auch sehr nützlich bei Nasenbluten. Eine Schafgarbenkompresse sollte fest auf den Nasenrücken gedrückt werden. Gleichzeitig sollte man sich setzen, nach vorn lehnen und den Kopf zwischen die Knie stecken. Das verhindert, dass das Blut den Hals hinunter läuft und verschluckt wird.
Zusätzlich kann eine andere Kompresse in den Nacken gedrückt und ein leichter Druck auf die Oberlippe ausgeführt werden. Das klappt natürlich nur, wenn du einen Beifahrer hast. Vielleicht hast du einen treuen Begleiter gefunden, der deine Hobbyerfahrungen teilt. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Du kannst entweder die getrockneten und pulverisierten Blätter dieser Pflanzen direkt auf die blutende Wunde streuen, oder einen Umschlag mit der frischen Pflanze machen.

 

Erkältungen

Ja, auch das passiert schnell. Ich habe mir in den letzten Monaten mehrfach eine „Hobby“-Grippe zugezogen und mich daher auf Unterkühlung eingeschossen. Ähnlich wie das Hobbywerk und auch meine Werkstatt, die auf Beschwerden meinerseits gern unterkühlt reagieren.
Am besten einen traditionellen Erkältungstee zubereiten, z. B. aus
Holunderblüten, Schafgarbe und Pfefferminz . 3 bis 6 Tassen davon täglich trinken. Eine Prise Ingwer kann hinzugefügt werden, wenn ihr unter Kälteschauern leidet.

Ingwer habt ihr am Besten immer dabei. Ihr könnt sehr gut Ingwerwasser gegen Infekte aller Art trinken, es sei denn ihr glüht ohnehin schon, dann wird es vielleicht zu warm. Dazu einfach etwa ein Stück so groß wie ein Daumen in Scheiben schneiden, in eine Thermoskanne geben und heißes Wasser aufkippen. Kann man sehr gut trinken. Den Ingwer einfach drin lassen und ruhig öfter aufkippen. Auch bei Blaseninfekten hilfreich. Wem es zu scharf ist, der kann weniger Ingwer nehmen oder mit Honig süßen. Ingwerwasser könnt ihr natürlich auch zum reinen Genuss trinken. Eine gesunde Alternative  zu den üblichen Zuckerwässerchen.

Auch wunderbar: Mädesüßtee. Am Besten mit einem Spritzer Zitrone. Mädesüß wächst an fast jedem Bach. Die Blätter riechen schon nach „Arzt“. Nur wer Aspirin nicht verträgt, sollte etwas anderes nehmen. Wenn ihr zeitig im Jahr unterwegs seit, z. B. Haselnusskätzchen (die Dinger, gegen die viele allergisch sind – in diesem Falle natürlich NICHT nehmen! Mitdenken ist hier nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht!)

Kapuzienerkresse (3)

Kapuzinerkresse, auch „Bauernpenicillin“ bei Erkältungen   (Foto: C. Herrmann)

 

 

Husten

Ist klar… ich möchte auch gewissen Leuten im Blaumann was husten. Wenn sich die Erkältung also fies ausgeweitet hat, könnt ihr das probieren: Knoblauch und Thymian nehmen, um den Schleim im Hals zu lösen und die Infektion zu bekämpfen. Außerdem können Kräuter wie Süßholz und Beinwell (unser Bundesgesundheitsamt rät von der innerlichen Einnahme von Beinwell ab) einen trockenen Reizhusten zu lindern. Süßholz könnt ihr Notfalls in der Katjes – Packung finden. Oder beim verliebten Nachbarn, wenn er welches raspelt.

Eukalyptus- und Thymianöl können auf die Brust gerieben werden (Immer verdünnt und Eukalyptus nicht bei Kleinkindern!)

Der Thymian ist die Pflanze par excellence, wenn ihr erkältet seid. Meist wird sie leider nur als „Bronchienmittel“ angeboten, da tut sie natürlich auch hervorragende Dienste, aber eben nicht nur da. Wenn Kinder Thymiantee nicht mögen, könnt ihr sie einfach in ein Thymianbad setzen (das man fiebernde Kinder nicht badet, sollte aber klar sein!).

 

Kopfschmerz

Der Schmerz von stressverursachtem Kopfschmerz (Was fiele mir da ein? Ausfall der Bordelektronik? Kundenbindung durch permanente Werkstatttermine und Zwangspausen?) kann durch einen starken Kamillentee gelindert werden.

Wenn der Kopfschmerz durch Magenprobleme zugenommen hat, kann Rosmarintee versucht werden.

Eine kalte Kompresse mit in Wasser verdünntem Lavendelöl kann auf die Stirn oder in den Nacken aufgebracht werden, um Kopfschmerz zu lindern.

Der absolute Bringer wäre natürlich der Kopfschmerzroller, den ihr auf Elianes Website findet.  Lavendel und Pfefferminz… mehr braucht es nicht…

 

Schock

Ein Schock tritt ein, wenn die Blutzirkulation so schwer beeinträchtigt ist, dass das Blut nicht alle Gewebe und Organe im Körper erreichen kann.

Ohne essentielle Nährstoffe und Sauerstoff, die das Blut zur Verfügung stellt, verliert der Körper mehr und mehr die Fähigkeit, die Vitalfunktionen aufrecht zu erhalten. Das führt zu einer lebensbedrohlichen Situation, die sofortige medizinische Hilfe verlangt. Unbehandelt kann ein Schock zum Kreislaufkollaps und Tod führen.

Schock kann verschiedene Ursachen haben, z. B.:

– Eine schwere allergische Reaktion
– Großer Blutverlust
– Drogenüberdosis
– Schwere Dehydration
– Ernste Infektion
– Schweres emotionales Trauma (z. B. nach einem Unfall)
– Oder, bei einem Diabetiker, ein plötzlicher und gefährlicher Anstieg von Insulin im Körper.

Symptome für einen Schock sind:

– Übelkeit
– Erbrechen
– Schwäche
– Kalte und klamme Haut
– Blasse weiße oder gräuliche Haut
– Schwindel
– Kalter Schweiss
– Erhöhte Atem- und Herzfrequenz
– Unruhiges oder ängstliches Benehmen

Ein Schock verlangt sofortige Krankenhausbehandlung! Da gibt es kein wenn und aber! NACHDEM der Notarzt verständigt wurde, könnt ihr inzwischen Rescue-Tropfen verabreichen (oder nur auf den Puls streichen, wenn eine Ohnmacht besteht). Ein Schock ist oft so tiefgreifend, dass auch nach dem Krankenhausaufenthalt das Energieniveau niedrig ist. So etwas kuriert man am besten zu Haus. Aber es liegt in der Natur der Reiseapotheke, dass man sie unterwegs braucht. Darum könnt ihr mit folgenden Kräutern den Energieaufbau unterstützen:

Gotu Kola – Als generelles Tonikum
Brennnessel und krauser Ampfer – Helfen gesunde Blutzellen zu bilden
Amerikanischer Ginseng – Hilft die Energie wieder herzustellen

außerdem könnt ihr, wenn ihr wirklich so gar nichts habt, Kräuter der Provence als Tee trinken.

 

 

 

Verbrennungen und Sonnenbrand

Verbrennungen können sehr unangenehm sein und wenn sie nicht sofort behandelt werden, zu Hautschäden führen. In einem Hobby kannst du dir z. B. eine holen, wenn du obig erwähnten heißen Topf auffängst, der mitsamt der Arbeitsplattenerweiterung runter fällt. Eine andere Art der Verbrennung ist der Sonnenbrand. Er ensteht wenn sich jemand zu lange ultraviolettem Licht ausgesetzt hat. Das kann u. A. passieren, wenn du dich aus deinem Wohnmobil aufgrund muckender Türschlösser ausgeschlossen hast.
Die verbrannte Haut wird anschwellen, Blasen bilden und manchmal auch pellen. Das geschieht, wenn Toxine aus den Blutgefässen unterhalb der Haut in das betroffene Hautareal dringen.

Als erstes solltet ihr die Wunde unter kaltem Wasser kühlen, dass dürfte bei ausgefallener Heizung kein Problem sein. Es sei denn, das Modul hat mal wieder die ganze Elektrik und damit auch die Wasserpumpe lahmgelegt. Richtig klasse wäre es, wenn der Kühlschrank noch kühlt und ihr da irgend etwas Kaltes herausfischen könntet. Tragt (noch) nichts Ölbasierendes wie z. B. Salben auf, das verlangsamt den Heilungsprozess. Öl hält Hitze und reduziert die Luftzirkulation.

Zwei gute Kräuter zur Behandlung von Verbrennungen sind Aloe Vera und Lavendel. Sie:

– Lindern Schmerz und Schwellungen
– Helfen geschädigte Zellen zu reparieren
– Verhindern Infektionen
– Beugen Narbenbildung vor

Andere Kräuter, die verletzte Haut regenerieren sind Ringelblume, Kamille, Beinwell, Johanniskraut und  Wegerich.

Bei einem Sonnenbrand kann man wunderbar auch Packungen aus Quark oder Yoghurt machen, oder Tomaten auflegen (nein, nicht auf die Augen, um das Elend nicht mehr zu sehen… auf die Haut!)

 

Wildrose

Rose, z. B. als „Rosenessig“ für strapazierte Haut   (Foto: C. Herrmann)

 

 

Vergiftungen

Das ist gar keine Frage, da gehört ihr sofort in ärztliche Hand. Vergiftungen dürften recht selten vorkommen, aber wenn ihr z. B. wegen der bereits wieder toten Aufbaubatterie im Dunkeln die falsche Flasche gegriffen habt…

Gut… ihr habt also den Arzt hinter euch und könnt die restliche Entgiftung auch selbst gut unterstützen, indem ihr Echinacea nehmt, um das Blut zu entgiften. Ingwer reinigt den Verdauungstrakt und ist ohnehin ein Universalkraut, das in jede Reiseapotheke gehört, nicht nur in die eines Hobbys.

 

Mittelchen für eure Reiseapotheke

Beruhigungsschnäpschen/Baldriantinktur

In erster Linie für Hobbyfahrer wichtig. Bei einer erstmaligen Panne oder seltenen Ereignissen nachrangig. Sollten sich jedoch die Reinfälle derart häufen, dass auch das nicht mehr hilft, ist womöglich zu einer Packung  „Korodin“ – Kreislauftropfen zu raten. Erhältlich in jeder Apotheke.

Waldmeister (5)

Waldmeister als Tee – Beruhigt und entspannt   (Foto: C. Herrmann)

 

Cayennetinktur – Zur innerlichen Anwendung. Cayenne hilft das Blut von der Körpermitte in die äußeren Regionen wie Hände und Füsse zu transportieren. Darum ist er gut gegen Frostbeulen und Unterkühlung. Eine andere Anwendung für Cayenne ist die Wiederbelebung einer Person von Schock oder Trauma. Es funktioniert, wenn ein oder zwei Tropfen direkt auf die Zunge geträufelt werden.

 

Echinacea – stärkt das Immunsystem und hat antibiotische und antibakterielle Eigenschaften. Sie erhöht die Ausschüttung weißer Blutzellen in die infizierten Areale. Das hilft den Ausbruch von Grippe und Erkältung zu verhindern. Darum ist Echinacea auch eher als Vorbeugung oder in den Anfangsstadien hilfreich.

 

Johanniskrautöl
Zur Behandlung von Quetschungen und Abschürfungen, die bei der Suche nach Sicherungen und Ähnlichem entstehen und zur Linderung von Beulen, die man sich unweigerlich holt, wenn man verzweifelt durch den Wagen krabbelt. Im Notfall auch innerlich anzuwenden. Es soll Hobbyfahrer gegeben haben, die eine ganze Flasche tranken. Der Nebeneffekt: Sie könnten auf den ganzen Mist kräftig sch…

 

Lavendelöl
Der Allrounder, besonders für kleinere Wehwehchen. Schnitte, Verbrennungen, zum Desinfizieren und natürlich um den verzweifelten Hobbyfahrer aus der kurzfristigen Besinnungslosigkeit durch Schnuppern des Öls zurückzuholen. Auch auf den Schläfen, zusammen mit etwas Pfefferminzöl (bitte nur einige Tropfen in ein Esslöffel neutrales Öl, wie Mandelöl, flüssiges Kokosöl, notfalls auch Olivenöl oder flüssige Butter geben oder Alkohol, wie Wodka geben und dann auf die Schläfen verteilen) wunderbar bei Kopfschmerzen. An die Schläfen (Vorsicht, nicht in die Augen), auf die Stirn, in den Nacken….

 

Kiefernnadeln
Unabdingbar bei Heizungsausfällen. Besonders Hobbyfahrer sollten welche auf Vorrat mitführen, andere können gelassener sein und vor Ort nach welchen suchen. Die Kiefernnadeln zu einem heißen Fußbad geben. Beugt Erkältungen, Eiswürfelpinkeln und Blasenentzündungen vor.

 

Pfefferminzöl
Bitte stets verdünnt verwenden (außer zum Schnuppern). Hilfreich gegen Kopfschmerzen (siehe Lavendel), um klar nachdenken zu können (Klasse in der Kombination mit Rosmarin!) und somit vielleicht den Fehler oder zumindest die Telefonnummer der nächsten Werkstatt zu finden. Kann auf die Schläfen aufgetragen werden,  um wach zu halten. Ein paar Tropfen in Wasser beruhigen den Magen.

 

Senfpulver
Die Steigerung der Kiefernnadeln. Wenn nicht nur die Blase kribbelt, sondern der Infekt schon auf dem Weg ist. Ab ins Fußbad damit. Vorsichtig anfangen, Senfpulver ist recht scharf und erwärmt gehörig. Schön darauf achten, dass die Haut nicht zu stark reagiert. Erst einmal fünf Minuten, dann langsam steigern.

 

Schafgarbe
Zur Wundbehandlung und für Pannenspätfolgen wie Magenkrämpfe und hohem Blutdruck (wer ohnehin schon unter hohem Blutdruck leidet, sollte natürlich weiterhin seine Medikamente nehmen). Im Sommer wunderbar als Zutat für eine Pflegelotion oder auch pur als kalter Tee bei leichtem Sonnenbrand, wenn man z. B. durch einen Fehler im Schließsystem des Wagens nicht rechtzeitig in den Schatten im Wageninneren gelangt. Ebenfalls zu Behandlung von Mückenstichen gut geeignet, wenn man es aus gleichem Grunde des Nachts nicht ins Wageninneren geschafft hat.
Teebaumöl – Dieses Öl hat starke pilzhemmende, antibiotische und antiseptische Eigenschaften. Man kann es verdünnt zur Behandlung von Pilzinfektionen, eitergefüllten Wunden oder Verbrennungen und Fieberbläschen einsetzen.

 

 

Sooo… Ihr seid in der glücklichen Lage und fahrt eine andere Wohnmobilmarke? Fein! Deshalb habt ihr das mit der Reiseapotheke nicht so ernst genommen? Und trotzdem ist euch ein Missgeschick oder eine Unpässlichkeit widerfahren?

Na, euren Bordproviant habt ihr doch sicherlich aufgestockt. Mal sehen, ob wir da nicht was finden:

 

Heilende Wirkstoffe im Küchenregal

Ihr habt sicherlich einige heilende Mittel in der Küche, wie z. B. Salz und Pfeffer, Zitrone, Knoblauch, Essig, Zwiebeln usw.

Diese Lebensmittel können zur Heilung verschiedener Probleme eingesetzt werden. Dünnes Salzwasser kann auf Wunden oder Abschürfungen  aufgebracht werden, um sie zu reinigen.

Kälteschauer können  mit einer Tasse heißem Wasser und einer Prise Pfeffer abgewehrt werden.

Gurgeln mit Salzwasser lindert Halsschmerzen.
Notfallmedizin“ findet der Aufmerksame auch in Wald und Flur. So stellen auch die Gutationstropfen des Frauenmantels ein Notfallmittel ähnlich der Bach´schen Notfalltropfen dar.

Ein wunderbares Mittel für die kleine Handtasche sind auch „Roll-ons“. Hierbei wird eine Mischung aus den benötigten ätherischen Ölen mit Jojobaöl in kleinen Glasfläschchen mit Kugelverschluss gebracht. Da ätherische Öle heilsame Wirkstoffe „geballt“ enthalten, sind sie vorsichtig zu dosieren, aber auch sehr wirksam. So handlich verpackt kann man einige Mittel stets „an der Frau“ führen.

Wer mehr über ätherische Öle wissen will:

http://blog.aromapraxis.de/

Wer seine Roll-ons nicht selbst machen möchte, die Firma „Feeling“ hat eine kleine Roll-on Reiseapotheke zusammengestellt.

Dann kann ich nur noch „gute Fahrt“ wünschen und wenn ihr mich mal unterwegs treffen solltet: Einen lecker Beruhigungsschnäpschen hab ich immer bei. Bin schließlich „Hobby“-Fahrerin.

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Ich habe wirklich alles, alles vorbereitet. Genau genommen wollte ich per 01.01. schon auf den Reifen zu meiner großen Kräutertour sein. Aber da stand der Vantana noch in der Werkstatt.

Und auch ich musste mich vorbereiten. Habe mein Bestes gegeben. Habe mich von einem flotten jungen Mann flachlegen lassen und drei Stunden unter ihm gestöhnt, musste regelmässig wegen der Blaserei mit Vaseline eingerieben werden,  mir noch Stunden danach das geschwollene Gewebe kühlen… Na eben vollen Einsatz gezeigt. Schließlich sollte man vor einer großen Tour auch seine Zähne im Optimalzustand haben. Leider war der letzte Backenzahn sehr widerspenstig und auch schwer zu erreichen. Mein Zahnarzt, die deutsche Antwort auf Colin O´Donoghue, hat wirklich ganzen Körpereinsatz zeigen müssen, um ihn von allen Seiten zu erreichen. Wer einmal seinen letzten Backenzahn behandeln lassen musste, kann bestimmt das Gezerre an der Wange nachvollziehen und auch die spröden Lippen, die das Ganze mit sich bringt. Der Zahn wird ja permanent trockengeblasen, damit die Keramik dann auch schön hält. Das trocknet leider auch die zarte Lippenhaut aus. Es war anstrengend. Und wegen der vielen Abdrücke auch langwierig.

So… hab ich jetzt alles hinter mir. Zähne in Ordnung, Wagen…

Nein, der Wagen eben nicht! Ich erwähnte ja schon, das die Klimaautomatik sich so nicht nennen dürfte. Jetzt teilt mir doch die Fiatwerkstatt mit, das Fiat, um das Problem endgültig zu lösen, irgendeinen Chip auslesen muss. Ja, auch die Kräuterfrau weiß, dass das heute so gemacht wird. Einfach einen knackigen Automechaniker unter die Haube gucken lassen, geht nicht mehr.

Nun dachte ich mir aber, das das ja nun kein Problem sein sollte. Aber nein, ähnlich wie die Zulassungsstellen für Arzneimittel, will jetzt auch die Beschwerdezulassung der Firma Fiat diese Daten nur von einem Fahrzeug haben, das unter bestimmten Bedingungen seinen Chip auslesen lässt. Nicht einfach so vom Parkplatz oder der Werkstattrampe aus. Wie das genau läuft, weiß ich auch nicht, aber der Werkstattchef meinte, er würde das mit einer Woche Standzeit in seinen heiligen Hallen wohl hinbekommen…

Zur Erinnerung: Der Wagen stand zuletzt vor Weihnachten bis in den Januar hinein in der Werkstatt.

Ich bin kurz davor mir einen kleinen Zirkuswagen und einen Esel zum Davorspannen zu kaufen. Der mag nicht so schnell sein, holt die Strecke aber, ob der permanenten Werkstattpausen des HOBBYS leicht auf.

Tatsächlich bin ich hin und hergerissen: Den Wagen wieder weggeben und weiter zu Haus hocken? Mein Zeitfenster für die Tour wird immer kleiner. Oder auf diese Klimaautomatik pfeifen?

Die blutdrucktreibende Nachricht bekam ich gestern kurz vor meiner Taiji Stunde. Vielleicht hat mich das gerettet. Hier kam ich langsam, leider ganz langsam, wieder ein wenig zu mir.

Ja, Asche auf mein Haupt, ich schaffe es kaum. Ich bin nervös, aufgeregt, unruhig. Selbst nach dem Taiji zeigte mein Kopfkino grausame Szenen von Werkstattangehörigen, denen ich persönlich ein paar Zähne aufbohrte, ohne Betäubung natürlich…

 

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DAS ist totale Entspannung! Ich beneide ihn…

 

 

Darum: „Erst das Wort, dann die Pflanze, zuletzt das Messer!“ So soll Äskulap es die griechischen und römischen Ärzte gelehrt haben.

Das Wort hat bei mir nicht geholfen, obwohl mein Mann ob seiner Beschwichtigungsversuche sicherlich schon Fransen an den Lippen hat (Tipp: Keine Vaseline benutzen), also die Pflanze: Ich habe für Aufreger dieser und anderer Art meinen lieben „Scheiß-Egal-Tee„. Ich nenne ihn so. Eigentlich heißt er anders. Aber man bekommt nach dem Trinken dieses Grinsen, wie der Erdal-Frosch auf der Schuhcremedose. Sollte der auch nicht helfen, bleibt noch das Messer. Allerdings nicht im Sinne Äskulaps, der damit auf operative Methoden hinwies…

Ihr möchtet wissen, was drin ist, in meinem Tee? Nichts, was unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Wohl aber Einiges, dem die Kommission E die Wirkung abspricht, weil es nicht unter Laborbedingungen erwiesen wurde. Aber zum Glück leben wir ja nicht unter Laborbedingungen. Deshalb lass ich euch das Rezept nochmal da. Auch wenn ich es womöglich schon mal gepostet hab.

 

Scheiß-Egal-Tee   –    mein Lieblingstee
(auch bei funktionellen – nicht organischen – Herzbeschwerden)

Baldrian, Herzgespann, Hopfen, Lavendel, Weißdorn, Zitronenmelisse zu gleichen Teilen.
Dieser Tee bringt Ruhe im Sturm. Manchmal ist Herzgespann nicht zu bekommen, dem fehlt halt die „Zulassung“ in der Pflanzenkategorie „Wirkung erwiesen“, der Tee wirkt auch ohne gut.

Ergänzend: Rose in die Duftlampe

 

Das Rezept hab ich aus meinem ersten Bücher über „Seelenpflanzen“ gepflückt. Dort hieß der Tee ob seiner herzberuhigenden Wirkung natürlich ganz anders. Das man ein menschliches Abbild des Grinsefrosches wird, hab ich aus Erfahrung gelernt. Es geht einem dann alles wirklich „am Kreuz runter“ und man folgt dem Taiji-Prinzip des (Los-) „Lassens“. Womit wir zwei wunderbare Methoden vereint hätten.

Ich weiß leider nicht mehr genau, wie das Buch hieß, es war von Gerti Samel.

 

Nochmal zum Wohnmobil: Vielleicht könnt ihr mir sagen, wie lange so eine Batterie (sowohl Fahrzeug und auch Aufbau) bei einem abgestellten nicht benutzten Fahrzeug normaler Weise hält?

Danke!

 

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Oktober

Mein Stromfresser (Hobby Schantana Pseudo-Wohnmobil) hat Werkstattpause. Ich habe heute, wo ich diesen Bericht verfasse (06.02.16) von der Werk(el)statt ein Reise-Logbuch zugeschickt bekommen. Eigentlich eine nette Geste. Aber es juckt mich in den Fingern, sämtliche Werkstattpausen einzutragen und es umkommentiert zurückzuschicken. Doch ich möchte mich von dem Thema lösen, darum nur ein kurzes Werkstattupdate per heutigem Stand: Die Klimaautomatik geht in der kalten Jahreszeit nur händisch. Womit „Automatik“ ja schon mal ein Witz ist. Scheinbar betrifft das alle Fiat-Ducatos dieser Serie, also schaut doch mal, ob, wenn ihr auf „Automatik“ stellt, die Kiste auch warm wird. Meine jedenfalls nicht und alle anderen auf dem Hof der Werkstatt auch nicht. Bei Fiat soll das bekannt sein und man arbeite mit Hochdruck an der Lösung… Scheinbar bin ich die erste(!?!) Kundin, die das überhaupt bemängelt. Also ihr anderen: Regelt ihr eure Automatik tatsächlich händisch???

Die Drehsitzgeschichte hängt ebenfalls noch im leeren Raum. Da wird sich wohl nie was tun. Auch hier hat Fiat mit seiner Eigenproduktion Probleme. Ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen dem potentiellen Käufer gegenüber, dem ich den Wagen irgendwann verkaufen werde.

Der Bordstrom? Nun, die liebe Werk(el)statt hat ja gaaaaanz doll gesucht und nix gefunden. Da wird wohl alles in Ordnung sein. Bisher hab auch ich noch nichts Gegenteiliges gefunden, aber ich nutze den Wagen grad kaum… Na, vielleicht hat sich ja wirklich was durch das Bewegen der elektrischen Leitungen getan. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Genug jetzt (aufdieFingerhau), das ist schließlich ein Kräuterblog!

Und wegen obigem Ärgernis bin ich zu Haus, im eigenen Wald. Da eine passionierte Kräuterhexe überall was findet, kann sie natürlich auch hier fündig werden.

 

Es ist ein schöner Herbsttag und wir machen eine kleine Runde. Und schon nach kurzer Zeit heißt es: Ein Männlein steht im Walde…

 

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Zwei Prachtstücke wie aus dem Bilderbuch

 

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Fliegenpilze sehe. Nein, ich gehöre nicht zu denen, die schon mal gekostet haben, obwohl nach meinem Kenntnisstand noch niemand bei uns durch den Fliegenpilz zu Tode kam und er im getrockneten Zustand auch weniger giftig sein soll. Aber ich will niemandem reinreden, weder zum Konsum, noch dagegen. Zumindest wenn ihr Erwachsene seid, ihr müsst wissen, was ihr tut. Seid ihr noch nicht volljährig, dann auf alle Fälle Finger weg!

Ich liebe Fliegenpilze trotzdem. Das muss wohl was Uraltes sein. Aber auch Pilzkenner lieben ihn. Nicht unbedingt in der Suppe, aber als Zeigerpilz für Steinpilze. Denn die fühlen sich meist genau da wohl, wo auch ihr rothäuptiger Genosse steht.

Der Fliegenpilz ist in unserem Volksgut allgegenwärtig (Frag mal den Rätsch, der hat Bücher drüber geschrieben) und wird als Glücksbringer aufgefasst. Das hat mit Zufall nichts zu tun.

Ihr könnt euch natürlich mit dem Pilz befassen, ohne ihn zu kosten. Das geht, frei nach Storl, auch meditativ. Ich hab nicht ganz so viel Sitzfleisch wie dieser (Wolf-Dieter Storl kann schon mal vier Stunden versunken mit einem Pflänzchen kommunizieren), aber ich stelle immer wieder fest, das die Wuchsorte des Pilzes etwas „Magisches“ haben. Solche Erlebnisse kann man leider nicht per Blog teilen, man muss sie selbst erfahren. Ich kann euch ja auch nicht den Genuss von Mozarts „Zauberflöte“ per Text zu Ohren bringen, da müsst ihr schon selbst lauschen.

Ich lasse also die Pilze unberührt, nehme nur ein Abbild und gehe weiter…

 

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Es wird herbstlich…

 

Ich gehöre zu den „Herbstliebhabern“. Die meisten Menschen lieben ja den Frühling, oder den Sommer, ich bin Herbstmensch. Da habe ich eine eigene Theorie: Ich glaube, man liebt genau die Jahreszeit, die etwa 3 Monate nach der eigenen Geburt liegt. Ganz einfach deswegen, weil sich dann die optische Wahrnehmung eines Säuglings erweitert. Es ist die erste Jahreszeit, die ein kleiner Mensch mit allen Sinnen aufnimmt… naja, meine Theorie. Ich finde sie schön, auch wenn sie vielleicht nicht wirklich passt…

 

Ich liebe also den Herbst, auch wenn die ersten Blätter fallen. Er „riecht“ anders. Es kommen würzige Aromen, nicht so weiche, wie im Frühling. Überall ist Erntezeit. Es gibt Früchte, Pilze und dicke Wurzeln. Die Farben wirken satt, bunt, kein Frühlingseinheitsgrün. Es ist nicht mehr quälend warm.

Obwohl der Mai für eine Kräuterhexe wohl der arbeitsreichste Monat ist (falls sie Kräuterführungen macht), gibt es im Herbst noch genug zu tun. Ich nutze unseren kleinen Ausflug jedenfalls, um die Wurzeln der Knoblauchsrauke auszugraben, die ich später, kleingerieben, mit Öl konservieren werde. Ein adäquater Ersatz für Meerrettich. Neben ein paar Pilzen, die den Speiseplan bereichern werden, sammle ich auch die ersten Hagebutten. Tee aus selbstgesammelten Hagebutten ist schon deswegen leckerer und gesünder, weil die Kernchen darin belassen werden. Solltet ihr sammeln und „entkernen“, weil ihr vielleicht Hagebuttenmark macht (was ebenfalls göttlich schmeckt), dann schmeisst die Kernchen nicht weg! Sie allein geben schon einen wunderbar orangenen nach Vanille schmeckenden Tee (schön lang ziehen lassen – bis sich Farbe zeigt. Manche kochen die Kernchen auch). Die Kernchen haben einen hohen Gehalt an Vitamin B, was natürlich den käuflichen Hagebuttentees fehlt.

Der großen Volkszeitung zum Trotze sammeln wir auch Bucheckern. Erhitzt oder ohne das Häutchen sind sie sowieso bekömmlich. Und damit ihr seht, dass sich das mühsame Sammeln und Pulen (wenn ihr die Schale nicht beim Rösten in der Pfanne knackt) auch lohnt, gleich noch zwei leckere Rezepte:

 

Bucheckern-Käse-Plätzchen
80 g Schafkäse (trocken und fest) 80 g Allgäuer Bergkäse (nicht zu reif)
2 El Hartweizengrieß, 2 El gehackte Bucheckern
Den Käse reiben und mit dem Grieß und den gehackten Bucheckern mischen. Teelöffelgroße Portionen abteilen und nicht zu dicht auf einem Backblech mit Backpapier verteilen. Im vorgeheizten Backofen (200 Grad, Ober- und Unterhitze) 5-7 Min. backen.

 
Bucheckern-Kräuteraufstrich
1 Bund frische Kräuter (z. B. Schnittlauch, Petersilie, Löwenzahn)
500 g Magerquark 20 g gehackte, geröstete Bucheckern
2 El Olivenöl 1 Schuss Milch
Salz, Pfeffer, 1 Schuss weißer Balsamico
Chilipulver nach Belieben

 

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann ja auch gleich nochmal meinen Waldflammkuchen ausprobieren!

 

Bucheckern, Knoblauchsraukenwurzel und Hagebutten könnt ihr während des ganzen Winters im Wald finden.

 

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September… es wird allmählich herbstlich, was im Wohnmobil ja eigentlich kein Problem darstellen sollte. In einem Wohnmobil nicht, aber in einem Hobby Vantana durchaus. Die Heizung, besser: die Steuerung derselben, funktioniert nämlich elektronisch und das mit dem Strom ist eine Never-Ending-Story in diesem rollenden Wohnwürfel. Nicht nur, dass die Batterie schnell im Nirvana ist, wenn man die Kiste mal drei Tage irgendwo abgestellt hat, nein, auch der Direktanschluss mit dem Stromnetz führt, vor allem nachts, wenn es einem kalt wird, zu ziemlich handfestem Frust.

Denn wenn eine Steuerung nicht steuert, passiert gar nichts. Manchmal verweigert schlicht das Display seinen Dienst. Weg isses. (ich habe das später testen lassen, am Display liegt es nicht… durch die Blume hab ich wieder „Anwenderdummheit“ suggeriert bekommen)

Ich schnattere mir mit gutem Bettzeug nicht so schnell was ab, meine beiden kleinen Begleiter schon eher, vor allem der Mops, der ja nun durch seine gesundheitlichen Probleme sehr schütteres Fell hat.

Das mir jetzt keiner kommt und sagt, so ein Auto hat ja noch eine Fahrzeugheizung. Notfalls könne man dreimal um den Block fahren. Ja, schau mal, das weiß eine Hausfrau auch. Aber ich weiß nicht, ob ich es mal erwähnt habe: ich fahre einen nagelneuen Hobby Vantana und da geht die Fahrzeugheizung auch nicht!!! Leider bemerke ich das erst jetzt, wo es deutlich frischer wird. Im Sommer ist mir das nicht aufgefallen, man möge mir das verzeihen.

Ich lass meine beiden also unter die Bettdecke. Normaler Weise dürfen sie das nicht. Sie haben ihr Körbchen unter dem Tisch und da käme unter normalen Umständen auch schöne warme Heizungsluft hin.

Aber zurück zum Standplatz. Hier gibt es Einheitspreis. Den finde ich, nachdem ich relativ preiswert an den schönsten Ostseestränden stand, im Vergleich schon recht happig. Außerdem gleiten wir ja gerade in die Nebensaison. Nun ja. Der Platz ist recht ordentlich, etwas betagt, der Stromkasten kriechend erreichbar. Kräuterhexen scheuen zum Glück keinen Bodenkontakt.

Nach der Ankunft schnapp ich mir meine Beiden. Viel auf- und umzubauen hast du ja bei einem Wohnmobil nicht. Ich gehöre nicht zu denen, die hier und da noch ein Unterlegkeilchen einbauen, um den Wagen genau in die Waagerechte zu bekommen (ist vermutlich bei längeren Mobilen eher nötig) und fahre auch nicht gleich Markise und sämtliches Gestühl aus. Was bei einer Ein-Personen-Reise ja noch übersschaubar wäre…

Also rauf auf den Deich… und wieder runter an den… den Strand? Kruzifix nochmal! (ich höre gerade nebenbei einen Rita Falk Krimi) Ich bin doch den Schildern gefolgt, wo ist denn der Strand? Am Deichfuss (heißt das so?) läuft ein Fahrradweg entlang, dahinter, so weit mein Auge reicht – zugegebener Maßen bei meiner Körperhöhe nicht so weit, wie bei anderen – grünes Marschland. Es sind ein paar Trampelpfade zu sehen, sonst nix. Aha! Ein Hinweisschild leitet mich rechts weiter. In der Ferne kann ich Tönning erkennen.

Jetzt aber zum Badestrand! Nur noch hier, an der Grasfläche entlang und…

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Land in Sicht – ein Strand nicht

 

Wie jetzt? Das ist der Strand? Der BADE-Strand wohlgemerkt?

Ich gehe etwas weiter, wo eine schmale Treppe über den Schotter ins Watt führt. Kein Irrtum möglich. Hier steht es sogar dran. Das ist die Badestelle. Nun ja, Wattenmeer: Das Meer ist nicht immer da, wenn du da bist. Aber so was, wie etwas Sand, wo man nach Muscheln gucken kann, hätte ich schon erhofft. Sehnsüchtig schau ich gen Norden, wo sich die Kulisse von Tönning abzeichnet. Da hab ich auch mal gestanden (Mit meinem alten Nugget! Drei Tage ohne Strom, aber warm! – friss das Hobby!). Ziemlich zentrumsnah, auf einem Platz mit allem Komfort, Blick aufs Wasser (erste Reihe), billiger und mit SAND am Wasser. Da gab es sogar ein paar Bäume in der Gegend und eine Menge schöner Kräuter am Strand… Gut, das war „nur“ die Eider, bzw. ihre breite Mündung. Aber DAS hier?

Gegenüber der Treppe ist ein kleiner Rastplatz mit einem Spielplatz. Zwar ganz nett und niedlich, aber nee… das hier, ist es wirklich nicht. Wer gern Rad fährt, der mag am Deich entlang seinen Spaß haben. Ich trolle mich.

Ich setz mich ins kühle Womo und koch erstmal ein Süppchen. Das macht die Bude etwas wärmer. Nach der Mittagspause geh ich auf der inneren Deichseite spazieren. Hier verläuft ein langer Wirtschaftsweg, vermutlich bis Deichende. Links Felder, rechts Deich. Nicht mal ein Schaf ist zu sehen. Wenigstens Schafgarbe. Ich nehme mir welche mit.

Die Schafgarbe ist so ein „Hilft-gegen-Alles“-Kraut, ähnlich wie die Kamille. Tatsächlich ähneln sich auch ihre ätherischen Öle in der chemischen Zusammensetzung. Und beide (Öle) sind blau. Sollte man nicht denken. Meistens kennt man die Garbe nur als Magenmittel oder gegen Frauenleiden. Gerade bei Letzteren spielt sie all ihre Trümpfe aus. Sie ist mein erstes Mittel bei Frauenbeschwerden aller Art. Erst wenn sie wirklich nicht mehr helfen kann, geh ich tiefer in die Sache.

Aber nicht nur Frauenleiden: Sie regelt auch zu hohen Blutdruck (schmeisst jetzt bitte nicht eure Bluthochdrucktabletten weg! So was muss langsam gemacht werden! Wenn ihr die Schafgarbe nehmt und sie deutlich hilft, dann wird euer Arzt euch mit den Tabletten neu einstellen!). Und noch einmal ein deutliches Wort: Bluthochdruck kriegt weder der Arzt mit EINER Pille weg, noch die Kräuterhexe mit einer Tasse Tee. Er kann viele Ursachen haben und in der Regel muss man genau DIE beseitigen. Die Schafgarbe hilft hier regulieren, besonders in leichten Fällen. Wer sehr hohen Blutdruck hat, wird seine Lebensumstände ändern müssen (Sorry, kein Medikament, weder Schulmedizin noch Alternativmedizin, können eine gesundheitsschädigende Lebensführung auffangen) und natürlich therapeutischen Beistand suchen. Nicht das irgendwann auf eurem Grabstein steht: Die Kräuterhexe hat gesagt…

Zurück zur Garbe. Ihr Potential ist sehr hoch. Neben o. g. Beschwerden kann sie auch bei Kopfschmerzen und in der Wundheilung hilfreich sein. Das gilt sogar für innere Wunden. Wer nach einer Operation Schafgarbe trinkt, ist meist schneller wieder auf den Beinen. Bei den Bachblüten und in neueren Alternativtherapien wird sie auch bei Strahlungsschäden, bzw. zum Schutz vor diesen und gegen Krebs eingesetzt.

Nicht zu vergessen: Sie ist lecker! War jahrhundertelang so etwas wie Pfefferersatz. Die frischen grünen Blättchen könnt ihr so kauen und in den Salat tun. Werden sie älter und zäher, ergeben sie immer noch ein gutes Suppengewürz. Dem Vergleich mit echtem Pfeffer kann sie m. E. nicht standhalten, aber etwas würziger wird das Ganze schon.

Und auf jeden Fall gehört sie in die Nähe geschwächter Pflanzen und auf den Kompost (als Komposthelfer).

Ich muss aufpassen, das das nicht schon wieder ein Plädoyer für die kleine Garbe wird. Ich habe schon an anderer Stelle viel über sie geschrieben…

Nach dem Abendbrot setzt hier eine Völkerwanderung ein: Alles läuft hoch auf den Deich. Einige haben eine Flasche Wein dabei. Ich frage mich wirklich, was ich gerade verpasse. Dann sehe ich es: Den Sonnenuntergang. Ja, das ist natürlich ein kleines Highlight. Und dann noch eine Flasche Wein links, den Liebsten rechts… meine Güte!

Aber das hier ist trotz des Sonnenunterganges (an der Ostsee hab ich halt den Sonnenaufgang zelebriert) nicht meins. Ich werde mit dem Platz nicht warm. Mir ist schlicht zu wenig „Gegend“ drumrum. Und mir ist völlig unklar, wie so ein Platz eine Bombenbewertung bekommen kann. Sicher: nette Betreiber sollen auch in eine Bewertung einfließen, aber das kann ja nicht Alles sein. Nette Nachbarn hab ich zu Haus auch.

Ich schau mir noch mal die Seite an, wo dieser Platz sogar mit Video in allen Tönen gelobt wird. Da Werbung alles suggerieren kann, schau ich lieber in die Bewertungen, die das normale Volk von sich gibt. Auch dieses Video soll so etwas sein. Nun ja, Geschmäcker sind ja auch verschieden, trotzdem kann ich diese Lobhudelei nicht nachvollziehen… und dann sehe ich: Als Platzbetreiber kannst du bei diesem „privaten“ Anbieter ein Video von deinem Platz machen lassen. Ziemlich professionell und mit einem Gütesiegel. Das Siegel vergibt er also nicht, es wird gekauft… naja.. von der Wirtschaft kenne ich das ja. Oder er findet wirklich jeden super, der ihn bezahlt.

Wie dem auch sei… Ich fühle mich nicht wohl. Ein bisschen wie abgeschoben. „Eingedeicht“. Vielleicht wirklich nur Geschmackssache, aber ich mach mich wieder auf die Reifen, hoffe auf genügend Fahrtwind, denn Reibung soll ja warm machen…

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Die Überschrift ist geklaut, wie ihr vielleicht schon aus den Kommentaren entnommen habt.  Ich habe mal wieder Hausarrest. Es sind nicht nur die technischen Ausfälle, sondern einfach auch die Termine… du kriegst ja nicht sofort einen in der Werkstatt und schon gar nicht, wenn du zwischen Wohnaufbau-Werkstatt und Basisfahrzeug-Werkstatt und Fahrzeughersteller (hier soll wohl extra mal ein Spezialist für den „Schleuder“-Sitz kommen) hin und her koordinieren musst.

Toll… ein nagelneues Wohnmobil… bis ich das wirklich mal länger als zwei Wochen am Stück nutzen kann, ist es nicht mehr nagelneu. Hast du einen Hobby, hast du ein Hobby. Du lernst nette Leute können (Werkstatt), auch mal nicht so nette (Werkstatt), lernst spontan zu sein und zu improvisieren (Heizungsfehler… Werkstatt kennt den Fehlercode nicht… muss Termin abmachen… bis dahin dicke Decke kaufen), trainierst deine Autoschrauber- und Heimwerkerfähigkeiten (wenn das Dachfenster mal wieder runterkommt, die Verlängerung der Arbeitsplatte bricht, der Nupsi des Abflussstopfens abgeht…)

Bisher hat man ja immer geglaubt, der normale User vor dem Computer sei ein Beta-Tester und müsse sich mit Bugs quälen…

Weit gefehlt… auch der frischgebackene Neuwagenbesitzer, zumindest wenn es ein Wohnmobil ist, kann seinen Wagen erst im vollen Umfange nutzen, wenn er ein paar „Updates“ gemacht hat.

Also eine kleine Zwangspause. Mal wieder. Aber zu Hause ist es ja auch ganz schön und im Sommer fällt einem im eigenen Garten bestimmt Etwas ein…

 

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Auch zu Hause ist es schön

 

Im Sommer bieten sich aromatische Kräuter an. Da ich doch noch hoffe, mit meinem Mobil wieder auf Tour gehen zu können und ich dafür die Vorräte etwas aufstocken will, gibt es einen super Weg um das Aroma einzufangen:

 

Knoblauch-Kräutersalz
1/2 Tasse grobes Salz (Ich nehme gern Meersalz)
2 Tassen frische Kräuter (z. B. je 1/2 Tasse Salbei und Tymian und 1 Tasse Rosmarin) 
Schale einer Zitrone (Bio ist klar, oder?)
5 grob gehackte Knoblauchzehen

Den Ofen auf 120 Grad vorheizen (oder einen Dörrapparat nehmen). Die Kräuter (locker in der Tasse abgemessen, nicht reinstopfen!) und das Salz im Mixer zerkleinern, bis alles gut gemischt und das Salz feiner ist.
Die Masse auf Packpapier geben und mit dem Backblech in der Mitte einsetzen und trocknen lassen (etwa 15 – 30 Minuten). Am Besten alle 10 Minuten mal nachschauen und dabei gleich ein bisschen umrühren.
Das Salz ist lange haltbar, aber wegen des Aromas sollte man es innerhalb von drei Monaten aufbrauchen.

 

 

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24.06.15
Nach dem Frühstück geh ich den Stellplatz bezahlen. Leider muss ich da durch den Duft von frischen Brötchen. Ich darf auch ein paar meiner Flyer hierlassen. Dabei entdecke ich den Flyer von „Kräuter Simon“. Das ist ja nur einen Katzensprung von hier entfernt!
Nun, als Katze hätte ich viel springen müssen, denn wir fahren hier auf dem platten Land irgendwie dreimal um den Pudding. Endlich erlöst uns ein kleines Hinweisschild. Ich wünsche mir fast, wir wären zu Fuß und durch die Pampa gelaufen, dann hätten wir an unseren Fußstapfen erkennen können, ob wir an diesem Ort schon mal vorbeigekommen sind. Laut Navi war es nur 8 km vom alten Pastorat, gefahren sind wir gut und gern das Dreifache.

Kräuter Simon ist eine gemütliche kleine Kräuterei mit viel Auswahl auf kleinem Raum. Da die Hauptpflanzzeit vorrüber ist, sieht manches Tomatenpflänzchen ein wenig müde aus, in seinem Töpfchen. Ich versuche mit nahezu geschlossenen Augen an den anderen Pflanzen vorbeizugehen, um die Haushaltskasse zu schonen. So richtig will mir das nicht gelingen.
Drinnen komme ich noch mit der Chefin ins Gespräch. Wir klagen uns gegenseitig ein bisschen das Kräuterleid.
Frauke Simon wird manchmal gefragt, ob sie denn Kräuterexpertin sei. Da soll ihr schon mal ein „Nein, ich hab wirklich Ahnung!“ rausgerutscht sein. Wir lachen beide. Ich weiß ja, wie sie das meint. Leider tummeln sich auf dem Markt der Kräuterexperten und -tinnen auch die, die mal gerade die Nase kurz in ein Buch gehalten haben. Manche von ihnen sind talentierte Schreiberlinge oder kennen einen tollen Fotografen und da ist es dann schon: das nächste Kräuterbüchlein, bildreich und inhaltsarm oder schlicht gut abgeschrieben. Die, die nicht schreiben, schaffen es immerhin Wanderungen und Kurse anzubieten. So lange sie sich dabei auf Kräuter wie Brennnessel und Löwenzahn beschränken, ist ja fast nichts dagegen einzuwenden, das gehört beinahe zur Allgemeinbildung. Aber wenn dann frei von der Leber weg der Verzehr des Wiesenkerbels propagiert wird, dann krieg ich Bauchschmerzen. Wiesenkerbel ist zwar wirklich sehr lecker, aber viel zu leicht mit anderen giftigen Pflanzen, allen voran dem Schierling, zu verwechseln. Nie würde ich Anfängern zu diesem Gemüse raten! Nein, auch nicht wenn Opa zu Hause einen dicken Sparstrumpf zu vererben hat!

Von den Schandtaten Einzelner kommen wir schließlich auch zu bösartigen Verboten. Ich sage hier bewusst bösartig, weil ich hinter solchen Gesetzen nur Gott Monsanto Mammon grinsen sehe.
Viele der leckersten Tomatensorten dürften gar nicht mehr als Lebensmittel gehandelt werden. Nicht, weil irgendjemand da irgendwas Gefährliches drin entdeckt hat, sondern weil diese Tomaten dem wichtigsten Organ des der Saatgutriesen schaden: dem Geldbeutel!

Also nicht nur du und ich als gute Deutsche, auch unsere Gemüse- und Obstsorten müssen regelmäßig ihre Lebensberechtigungsscheine beantragen. Wir in Form von Personalausweisen, das Gemüse in Form von Zulassungen. Wer das nicht tut ist persona non grata oder wird zu „Zierpflanze“ degradiert.

„Verzehr der Früchte nur außerhalb der EU möglich“, müsste man auf die Pflanzen schreiben, sagte Frauke Simon, wenn alles absolut rechtssicher sein soll. Demnächst dürfen wir also auch bei Gemüse den Beipackzettel lesen, oder die geprüften, gentechnisch perfektionierten, geschmacksbefreiten Standardgemüse essen.

Ja, Big Brother in Brüssel versucht alles, um uns den Appetit zu nehmen. Vorsichtige Versuche, auch den Kleingärtnern das Saatentauschen zu verbieten, sind allerdings im Keim erstickt. Vermutlich ist das eh wurscht, da der Großteil der deutschen Saaten bereits den Monsantostempel tragen und/oder schlicht Hybriden sind.

Für mich war der Besuch bei Kräuter Simon recht lehrreich. Wer in der Gegend ist, sollte mal reinschauen. Wer so gar nicht ins platte Land kommt:
Die Simons haben auch einen Online – Shop:  www.kraeuter-simon.de

Unsere Bordelektrik spinnt mal wieder und wir machen uns auf den Heimweg. Zwei Wochen am Stück Urlaub im Vantana geht gar nicht….

Wir nutzen die Gelegenheit und kehren dann wenigstens noch im roten Haubarg ein. Was bietet sich für eine Hexe denn eher an, als ein Haus, das der Teufel erbaut haben soll?

Ob wirklich der Teufel hier Hand angelegt hat, weiß ich nicht. Aber das Essen oder auch nur eine Tasse Tee sind hier teuflisch lecker. Das versöhnt ein klein wenig mit der frühen Heimfahrt.
Als wir wieder in Richtung Parkplatz schlendern, entdecken wir dieses schöne Arrangement.

 

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Die magische Gundelrebe! (Vordergrund)

 

Ob die Gundelrebe hier absichtlich hineingepflanzt wurde, oder sich nur dekorativ in Szene setzen wollte, weiß ich nicht. Ich bin jedenfalls begeistert. Sie gehört zu meinen Lieblingspflanzen.  Ich spreche sie lieber in der weiblichen Form an: Gundelrebe, statt Gundermann. Ihren Namen soll sie durch ihre hervorragenden wundheilenden Eigenschaften bekommen haben (Gund = Eiter). Diese Interpretation hat mir nie so gefallen. Ich möchte nicht an Eiter denken, wenn ich sie pflücke, schon gar nicht wenn ich sie ins Süppchen oder ins Eis gebe. Irgendwo  hab ich dann mal gelesen, das „Gundel“ in der Gundelrebe würde sich auf eine Walküre gleichen Namens beziehen. Das fand ich viel sympathischer.

Abgesehen von den vielen Heileigenschaften der Gundelrebe (z. B. als bestes Kraut zum Ausleiten weicher Schwermetalle), hat sie auch magisches Potential. Besonders zur Abwehr schwarzer Magie. Das erste Melken der Kühe geschah aus diesen Gründen auch oft durch einen Gundelrebenkranz. Wer wissen wollte, wer bösen Zauber gegen einen ausschickt, der legte einen Gundelrebenkranz um den Fuß einer gelben Kerze und entzündete diese an einem Dienstag. Der Verursacher wurde preisgegeben.

Die Gundelrebe (bzw. ihre Wurzel) ist in ihrer krebswidrigen Wirkung das heimische Pendant zum Cancerweed, einer gegen Krebs eingesetzten Salbeiart. Ich nutze sie daher in Krebssalben. Leider sind meine persönlichen Erfahrungen hierzu nicht repräsentativ und schon gar nicht EU-Studien gesichert, ihr müsst schon warten, bis die Forschung hinterher kommt (so etwa am St. Nimmerleinstag). Da die Gundelrebe nicht giftig ist, schadet sie aber auch nicht…

Selbst in der Küche hat sie ihren festen Platz: Als Würzkraut (Soldatenpetersilie) unschlagbar! Natürlich nur in den entsprechend geringen Dosen. Irgendwo hab ich mal gelesen: „Drei Blättchen in die Sahnesauce“ und das kommt auch gut hin. Sonst wird sie zu dominant. Oder eine Seite mit geschmolzener Schokolade bestreichen: Bestes „After eight“. Erst hier schmeckt man die Verwandtschaft zu den Minzen heraus.
Die Gundelrebe ist eine sehr polarisierende Pflanze. Die Einen lieben sie, die Anderen hassen sie. Es ist wie immer: ihr müsst die Pflanzen wählen, zu denen ihr eine Beziehung aufbauen könnt. Vielleicht gehört die Gundelrebe dazu.

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11.06.15
Da steht es nun, in voller Pracht: Das kleine Wohnmobil, dass ich mir geleistet habe. Das hat meine finanziellen Reserven gefressen und manchmal hab ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Andererseits hab ich schon in jungen Jahren davon geträumt, in einem VW Bus durch die Lande zu fahren und zu schreiben.
Nun, ein VW – Bus ist es nicht geworden, so dick waren meine Reserven nicht, außerdem bin ich doch froh, keine Betten umbauen, oder ins Obergeschoss krabbeln zu müssen. Mit schmerzenden Gelenken kommt doch der Wunsch nach mehr Luxus.
Ich hab das Kleinste genommen, was ich mit Sanitärraum finden konnte. Schließlich erfülle ich das Klischee „Frau und Parklücke“ und muss mit dem Womo umgehen. Ich fahre allein, mein Mann bleibt daheim. Nicht nur, weil er wie bereits angedeutet, immer gut zu tun hat, sondern auch, weil mein Vater seit zwei Jahren bei uns wohnt und doch etwas Betreuung braucht. Zudem möchte mein Mann in meiner Abwesenheit unsere Dauerbaustellen im Haus beseitigen. Da fährt man doch fast gerne.

Mir ist mulmig. Allein – nur meine beiden Hunde kommen mit, die im Ernstfall aber keine Hilfe sind, mein Iphone und mein Macbook.

Weil ich eben keine Übung im Kastenwagenfahren und Alleinreisen habe, will ich zunächst kleine Kreise ziehen. Das heißt: erstmal nur Schleswig-Holstein. Danach Dänemark und mit viel Mut der Rest von Skandinavien.

Meine beiden kleinen Mitreisenden sind nicht so einfach. Eine Hündin mit Impfschaden, die seitdem ein bisschen räudig aussieht und ein Prager Rattler, der sowohl im Halbstarkenalter ist, als auch ziemlich ängstlich und damit das Klischee des kleinen Kläffers bis ins Kleinste erfüllt. Da ich früher selbst nur Großhunde hatte, was ich jetzt, mit einem Pflegefall im Haus, aber nicht mehr riskieren möchte, weiß ich, mit welchen Augen andere Hundebesitzer diese kleinen Pöbler oft sehen. Aber wir haben leider keine Welpenspielkreise in der Nähe… ich hab es nicht geschafft, ihn unter andere Hunde zu bringen, was ihm beim Erwachsenwerden vielleicht geholfen hätte.

Als Ideengeber und Orientierung hab ich den Reiseführer „Mit dem Wohnmobil nach Schleswig-Holstein“ gewählt und hoffe, mit ihm schöne Stellplätze und Wandergebiete zu finden.

Gut… also dann! Mein erstes Ziel heute soll ein Ort bei Lüneburg sein. Kurz dahinter wird ein Stellplatz beschrieben, der zwar ohne Strom und Wasser, aber mit sehr viel Grün aufwarten kann. Der Platzwart sollte ein „Original“ sein. Noch ahnte ich nicht, wie das gemeint war.
Ich hab kein Navi im Auto, ich nutz eh nur mein iPhone. Und bei den klassischen Navis finde ich es nervig, die immer irgendwie über Computer zu aktualisieren. Wer über Handy navigiert, weiß, wie das Batterie frisst. Ich entschloss mich also, das Handy erst hinter Hamburg damit zu quälen. Ja hätt´ ich mann…

Ich hab aber nicht. Hinter Hamburg war das mit meinem Empfang von GPS Signalen ungefähr so, wie mit dem guter Ideen: Schlichtweg nicht vorhanden. Nachdem zwei meiner Navigationsapps in den kurzen Empfangsfenstern absolut gegensätzlicher Meinung waren, verließ ich die Autobahn nach eigenem Gutdünken. Dunkel in Erinnerung, dass ich nach rechts unten will.
Und schon stand ich in der Pampa. Eine App wollte mich zurückschicken, die andere hatte einen gleichnamigen Ort in Polen gefunden. Ich fuhr stur weiter nach „rechts unten.“ Schließlich gab es ein Hinweisschild zur Autobahn, die ich vor gefühlten 2 Stunden verlassen hatte. Ich hielt an, gab meine Zielwünsche noch mal ein und als sich beide Apps einig waren, fuhr ich wieder los.

Hätte ich die Ruhe bewahrt, wäre die von mir händeringend gesuchte Abfahrt von ganz allein gekommen… ausgeschildert… so wie früher.

Ich hab ihn dann gefunden, den schönen Stellplatz. Außer mir noch sechs Mobile. Ich stellte mich ganz hinten in die Ecke in den Schatten. Mir war schon heiß genug. Es war recht uneben hier, aber ich hoffte auf Abkühlung.

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Ein lauschiges Stellplätzchen am See

Ein freundliches Pärchen aus den Niederlanden, das vor mir stand, fragte ich nach den Bezahlungsmodalitäten. Die wussten es aber auch nicht. Eine Infotafel wies darauf hin, man hätte an der und der Tankstelle bezahlen können, oder in dem Café oder…

Nun, ich tat es meinen Nachbarn gleich und wartete einfach ab. Nach einer Weile hörte ich eine laute Stimme über den Platz hallen. „Ja, jetzt sehe ich, das sind Viezen! Also Holländer, keine Belgier!“ Viezen, das wusste ich, war die niederländische Bezeichnung für Fahrräder. Der Sprecher erläuterte noch eine Weile seine Kenntnisse belgischer und holländischer Unterschiede. Ich wunderte mich, wer sich darüber so lautstark ausließ und lugte aus dem Fenster. Da stand jemand in weißem Polohemd und dunklen Hosen… Aha, das konnte nur der Platzwart sein. Gut, dann würde ich meinen Obolus jetzt ja los werden.
Tatsächlich stiefelte der Mann jetzt in meine Richtung. Ich legte schon mal das Geld zurecht. Er begrüßte mich, ebenfalls nicht sehr leise, und zückte seinen Quittungsblock. Ob ich denn schon mal hier gewesen wäre. Ich verneinte. „Oh das wird teuer!“, sagte er. Ich bekam einen Schreck! Hätte ich doch irgendwo voranmelden, buchen oder sonst was müssen?
Schnell erläuterte ich, dass ich allein unterwegs sei, das alles recht neu für mich wäre, mein Mann hätte ja keine Zeit, das wäre so einer, der immer nur arbeiten würde…
Der Platzwart hielt inne, stemmte die Fäuste in die Hüften und meinte: „Sie werden es kaum glauben, aber ich arbeite gerade!“ Dann fing er an, all die Tätigkeiten aufzuzählen, die neben dem Platzwartjob noch auf ihn warteten. Man hatte den Eindruck, der Mann könne mit einem normalen 24 Stunden Tag keines Falles auskommen. Oh mann, was hatte ich da nur wieder gesagt! Ich versuchte ein paar beschwichtigende Sätze und redete mich fast um Kopf und Kragen.
„Haben Sie ein Fahrrad?“ fragte er ungerührt. Ich verneinte. „Gut, das wäre teuer geworden!“ Langsam wurde ich jetzt aber doch nervös.
Er kramte in seiner Tasche. „Wenn ich ins Büro gehen muss, wird’s teuer!“ sagte er schon wieder. In meinem Kopf kreisten die Eurozeichen. Dann legte er mir ein paar Veranstaltungs- und Infoprospekte hin. „Reicht Ihnen das? Wenn ich noch die Fahrradwege hole, die kosten was. Aber sie haben ja kein Fahrrad. Ich sag ihnen, das wird teuer…!“
Er trollte sich. „Ach noch was!“ rief er und wandte sich mir nochmal zu, „Wenn es regnet, dann müssen sie da weg. Dann fahren sie mehr in die Mitte. Wo sie grad stehen, wird es nämlich ganz schlammig und sie kommen nicht mehr weg.“

Meine Güte… ich war immer noch, wie vom Donner gerührt. Erst so allmählich, als ich in die Prospekte schaute, dämmerte mir, was er meinte. Ich kannte die Gegend nicht und wenn ich mir alles anschauen wollte, was er mir da reingereicht hatte… das würde teuer werden… und jetzt verstand ich auch die Äußerung in dem Buch „der Platzwart ist ein Original“…

So… da stand ich nun. Allein auf einem Platz, ganz hinten in der Ecke. Ich ging mit den Hunden noch runter zum See. Hier war es wirklich schön. Es waren kaum Leute unterwegs. Nun, das ist ein Anfang. Ich bin hier. Zwar wagte ich mich mit den Hunden nicht wirklich vor das Womo, aber eins nach dem Anderen.

Da ich ja meine beiden Vierbeiner mit hatte und bei so einem Wetter Plagegeister wie Zecken, Mücken und Flöhe gut gedeihen, hab ich natürlich etwas vorgesorgt…

 

In meiner Reiseapotheke:

  • Patchouliöl – ein Tropfen auf die Schnürsenkel bei mir, einen aufs Halsband bei den Hunden. (Nicht mehr, sonst riecht es unterirdisch!) Zecken mögen uns seitdem nicht mehr. Ich nutze es bei jeder Wanderung. Scheinbar überdeckt es den körpereigenen Geruch, denn auch andere Wildtiere nehmen uns erst spät wahr, so konnten wir einige gut beobachten.
  • Kokosöl – Das Allheilmittel – Das bekommen meine Kleinen innerlich (1/4 Teel. bei 6 kg Körpergewicht). Seitdem haben wir keine Flohprobleme mehr. Ich rücke außerdem potentiellen Flohattacken mit Flohlampen zu Haus äußerst erfolgreich zu Leibe.
  • Schwarzkümmelöl – Auch das mögen Parasiten scheinbar absolut nicht. Außerdem bekommt es meiner kleinen Impfgeschädigten sehr gut. Ihr Immunsystem entspricht mittler Weile etwa dem eines normalen Hundes. Ich gebe den Kleinen auch hier nur ein, zwei Tropfen.

Da ich meine Hunde aufgrund ihrer Unverträglichkeiten „barfen“ muss, sind sowohl das Kokos- als auch das Schwarzkümmelöl wichtige Nahrungsergänzungen für uns. Getreide vertragen meine beiden Hunde nicht, dass scheint ein zunehmendes Problem bei Hunden allgemein zu sein. Von daher scheiden leider auch alle Mineralstoffmischungen aus, die es zu kaufen gibt. Ich habe bisher jedenfalls keine ohne Getreide oder Hefe finden können. Auch Milchprodukte werden nicht vertragen. Ich füttere daher Kräuter wie Löwenzahn, Brennnessel und Alge dazu.

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