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Posts Tagged ‘Wolf-Dieter Storl’

Wir waren gestern im Kräuterpark in Stolpe. Ich fahre dort immer wieder gern hin, ich kenne ihn seit seiner Entstehung. Erfreut habe ich die Entwicklung beobachtet. Es war wohl auch naheliegend, diesem Park ein kleines Hexenmuseum anzugliedern. Meine Kräuterhexenseele wurde also zweifach gestreichelt.

In den letzten Jahren hatte der Park immer wieder ums Überleben zu kämpfen. Zwar scheint der Kräuterboom recht ungebrochen, aber man wird nicht unbedingt reich mit Kräutern. Was auch immer der Grund ist, der Park leidet jedenfalls. Man sieht an vielen Stellen das Fehlen der ordnenden Hand.

So kam es, dass viele der Kräuterbeete nahezu die gleichen Kräuter führten. Was sich ungehemmt vermehrt, durfte sich vermehren. Andere Kräuter, die laut Beschriftung hätten wachsen sollen, waren verschwunden. Wir bekamen  nur Altes, Eingewachsenes und Bewährtes zu Gesicht.

Da für den Rundgang nur 1 1/2 Stunden geplant hatten, war das immer noch mehr als genug, aber ein wenig traurig machte mich das schon, schließlich durfte ich den Park auch schon in voller Blüte (im doppelten Sinne) erleben.

Eines der Kräuter, das sich diesen Umstand zu nutze gemacht hatte, war der Gundermann. Nun, mir behagt die Bezeichnung „Gundelrebe“ mehr. Für mich haben die Kräuter eigentlich mehr etwas Weibliches.

Auch das „Gund“ von „Eiter“ kommt, gefällt mir nicht. Klar – das könnte schon stimmen, schließlich weist das auf eine Anwendung der Gundelrebe hin. Viel schöner finde ich aber den Gedanken, dass die Gundelrebe ihren Namen von der altnordischen, wunderheilenden Walküre Gumir, althochdeutsch Gundja, bekommen hat,  die diese Pflanze als Heilmittel verwendet haben soll (Jakob Grimm).

Zum Heilen ist es letztendlich nicht wichtig, wo der Name herkommt. Ich liebe die Gundelrebe, sie hört zu meinen Lieblingspflanzen. Da gehts mir wie Wolf-Dieter Storl. Ich mag den herbwürzigen Geruch und Geschmack.

Auf deutschen Kräuterseiten ist nicht allzuviel über die Anwendung zu finden. Sie wird als ausgezeichnetes Wundheilmittel und entgiftende Pflanze gelobt. Sie war das tägliche Teekraut der Maler und Gerber, die mit ihrer Hilfe die Gifte (der damals rech blei- und schadstoffhaltigen) Farben und Gerbemittel ausschwemmten.

Die besten kulinarischen Rezepte mit Gundermann hab ich den Büchern von Dr. Brigitte Klemme von der Gundermannschule zu verdanken (Noch ein Fan!), die, wie ich jetzt leider erfahren musste, im April verstorben ist. Von dieser Stelle aus einen herzlichen Dank an Frau Dr. Klemme. Ich bin sicher, dass wir zu einem sehr großen Teil ihr zu verdanken haben, dass die Wildgemüse wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt sind.

Meine Lieblingsrezepte (aus ihrem Buch „Delikatessen am Wegesrand„): Gundermanneis, Gundermannkonfekt und Gierschlimonade… wers mal googelt wird sehen, dass die Rezepte oft kopiert wurden. Das sagt ja Einiges aus. Ob der Tipp „3 Blättchen in die Sahnesoße“ auch von ihr stammt, vermag ich gar nicht zu sagen.

Im Frühjahr ist die Gundelrebe jedenfalls unser bester Petersilienersatz.

Auf unsere Schleimhäute wirkt die Rebe heilend. Sinusitis, Bronchitis, chronischer Schnupfen sind ihre Anwendungsgebiete. Sie wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, astringierend, stoffwechselanregend, entgiftend, verdauungsfördernd, appetitanregend, harntreibend, fiebersenkend, hustenlösend, wurmwidrig und tonisierend.

Man hat auch positive Wirkung bei der Behandlung von hypersensitiven Kindern und bei Nierenproblemen festgestellt.

Der Presssaft wird bei Wunden und Hämatomen (auch das berühmte „blaue Auge“) eingesetzt.

Hildegard von Bingen empfiehlt die Rebe bei Mattigkeit und schwindender Vernunft (sollten wir sie nicht einmal den Köchen unserer Politiker empfehlen?) und bei Geschwüren in der Brust.

Eines ist klar, das Kräutlein verdient mehr Beachtung. Für Wolf-Dieter Storl ist sie der ständige Begleiter bei öffentlichen Auftritten. Er steckt sich einen Stängel ins Haar oder windet sich die Rebe gar um den Kopf.  Ich hab gestern im Kräuterpark ein Stängelchen an meinen Kragen gesteckt. Mein Mann meint, ich hätte sehr gut vorgetragen. Ich denke, ich werde das jetzt öfter machen – sowohl das Vortragen, als auch die Gundelrebe tragen.

Wie das wirkt? Große Güte, ich weiß es nicht. Vielleicht der Geruch, der uns ja nachweislich noch beeinflussen kann, obwohl er bewußt schon nicht mehr wahrnehmbar ist. Oder auf ganz anderer, feinstofflicher Ebene. Letztendlich finde ich das nicht wichtig. Wenn wir Heilkräuter erst dann verwenden, wenn wir durch unzählige Labortests alles nachgewiesen haben, bleiben wir noch lange krank. Erstens bezahlt das keiner, zweitens will das eine große Lobby gar nicht und drittens können wir mit heutigen Mitteln nur labortechnisch überprüfen und finden, was wir suchen. Für viele Dinge haben wir die Gerätschaften einfach nicht.

Vor ein paar hundert Jahren hätten Wissenschaftler exakt Volumen und Gewicht eines Steines feststellen können, eine eventuelle Radioaktivität wäre ihnen aber entgangen. Woher nehmen wir die Ignoranz zu behaupten, da gäbe es nicht mehr in Pflanzen? Halten wir uns für allwissend?

Nach unserem Tode kann uns die Medizin in alle Einzelteile zerlegen und sicherlich Zeugnis darüber ablegen, an welchen körperlichen Krankheiten wir litten, oder wie wir aussahen. Über den Geist können Sie gar nichts sagen. Auch nicht über die Talente. Sie können nicht sagen, ob sie einen Heiligen oder einen Massenmörder seziert haben, ob es jemand war, der außergewöhnlich gut Musik spielen konnte, oder jemand, der selbst beim Schuhezubinden Hilfe brauchte…

Entschuldigung, wenn ich das mal so krass sage, aber die Wissenschaftler, die behaupten, mehr als sie finden können, wäre in einem Wesen nicht, die können sich ihre Messmethoden gelinde gesagt in den…  ihr wißt schon – schieben!

Was viele auch vergessen, die Pflanzenheilkunde ist nunmal zum größten Teil „Erfahrungs“-Heilkunde. Wir heilen aus Erfahrung. Diese teils mehrere Hundert Jahre dauernden Erfahrungen sind ja wohl weitreichender, als zwei, drei Laborstudien. Ja, ich halte das Anwenden über Generation für die umfassendsten Studien überhaupt! Wenn dann so ein Laborkittel uns grinsend einen fürchterlich gefährlichen Inhaltsstoff unter die Nase reibt, gleichzeitig die eigene über unsere naiv-blöden Ahnen rümpft, würde ich ihm gern einmal eine meiner ganz eigenen Kräutermischungen verabreichen, damit er sich den Blödsinn aus dem Leib k…

Oha… irgendwas reizt mich heute.

Letzendlich würden wir nicht mal mehr von Luft und Liebe leben können, wenn unsere Lebensmittel durchs Labor gingen. Kaffee und Kartoffeln kämen auf den Index, Salz gleich hinterher. 2 Esslöffel davon reichen schließlich, um einen kleinen Menschen umzubringen.

Mein Teerezept für alle, die Kräuter anwenden:

1 Teel. Kraut auf eine Tasse

*1 Prise Menschenverstand

Das Kraut mit kochendem Wasser überbrühen, Tasse abdecken, nach etwa 10 Minuten abseihen. 3 x tgl. eine Tasse.

* Diese Zutat ist enorm wichtig: Ich informiere mich über jedes Kraut gründlich. Ich beobachte, wie es mir bekommt. Ich nehme typische Heilkräuter nur kurmässig und nicht maßlos. Ich überprüfe jede Dosierung. Ich glaube nicht alles, was Kräutergegner veröffentlichen.

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Endlich! Am Samstag war es soweit. Ich konnte an einem Seminar von Wolf-Dieter Storl teilnehmen. Vormittags referierte er über die ganz normalen Kräutlein, die er grad eben mal als unerwünschte Beikräuter aus der gepflegten Anlage des Veranstaltungsortes gepflückt hatte. Ich hab all seine Bücher gelesen und konnte teilweise fast mitsprechen, wenn er liebevoll Anwendung und Heilpotential erklärte. Aber bei Storl ist mehr. Es ist nicht nur das reine Wissen, was er vermittelt.  Storl kann über Klimakatastrophe, Teslastrahlen und Umweltgifte erzählen, ohne das man in Panik verfällt. Es überkommt einen das Gefühl, dass alles gut gehen wird, das Mutter Erde schon Einiges in Gang setzen wird, um das Chaos, dass ihr die Menschen bereiten, wieder zu glätten. Da ist Hoffnung in seinen Berichten. Hoffnung, dass wir nur mit offenen Sinnen durch die Natur gehen müssen, um Heilung zu erfahren, für uns und für unsere Mitgeschöpfe.

Am Nachmittag war daher auch ein Heilungsritual vorgesehen. Von einem Treffpunkt aus marschierten wir los… das war ein Fehler! Eine normale Wohnsiedlung ist noch zu grün für einen Storl. Er entdeckte so viel in den Mauerritzen, Ödflächen und Vorgärten, dass man sich ernsthaft fragt, warum unsereins sich das Gemüse noch aus dem Supermarkt holt. Sogar Feldsalat hat er aufgespürt.

In seiner ganz eigenen Art gab er zu jedem Pflänzchen eine Geschichte preis. Nicht nur die Teilnehmer lauschten andächtig. Auch so mancher Passant wurde aus seinem Alltag gerissen um gebannt den Ausführungen zu folgen.  Von vielen unbemerkt, lockte der Pflanzenfreund sogar tierische Begleiter an. Recht hartnäckig zeigten sich dabei ein Kleiber und ein Eichhörnchen, die ebenfalls aufmerksam zuhörten – so schien es jedenfalls. Damit zog sich der Weg zum Ritualplatz, mit seinen mächtigen 800 Metern Länge, nahezu eineinhalb Stunden hin.

Vor Ort schließlich wurden die Teilnehmer eingestimmt und das Ritualzubehör verteilt.

Die Teilnehmer schmückten den Baum mit kleinen Blumensträußchen und legten Teilweise ihren Schmuck zu Füssen dieses mächtigen Baumwesens. Storl erläuterte, dass der Schmuck durch das Ritual mit aufgeladen werden könne. Begleitet durch ein kraftvolles Mantra, gesungen von den Teilnehmern, gab sich Storl den rituellen Handlungen des Räucherns, Anrufens (und sicher auch Dankens) hin.

Auf Wunsch der Teilnehmenden wurde ein deutsches Mantra gewählt. Für mich war das eine ungewohnte Geschichte. Ein DEUTSCHES Mantra…. da kann man mal sehen, wie wenig ich in der eigenen Tradition verwurzelt bin. Der Mantrachor wurde nur noch gelegentlich von einem mächtigen Hörnerklang übertönt. Ich hatte das Gefühl, wir wären im Umkreis von mehreren Kilometern zu hören. Trotzdem verlief sich nur selten einmal ein Zuschauer hierher… hierher, zu der mächtigen Buche inmitten eines belebten Parks in einer deutschen Großstadt.

Das Ritual klang aus, mit einem stillen Lauschen und Spüren, manch einer saß oder lag der herrlichen Sonne zugewandt, während die laue Sommerbrise die Sinne streichelte. Wer mochte, erhielt noch den Puja-Segen und wurde herzlich von Storl verabschiedet.

Mir lag noch so viel auf der Seele, was ich hätte fragen wollen, aber ich wollte auch mit mir und meinen Eindrücken zunächst allein sein. So nahm ich meine Kette wieder an mich und machte mich auf den Heimweg. Storl, ja – der Mann ist eine Urgewalt. Aber eine sanfte. Der Weise, der Fels, die Zuversicht, die wir in unserem hektischen Alltag suchen. Manchmal höre ich einfach in seine CD „Die Seele der Pflanzen“ und obwohl es „nur“ ein Hörbuch ist, entspanne ich mich nahezu auf der Stelle. So einen Großvater hätte ich mir gewünscht. Einen, der mich bei der Hand nimmt, mir die Welt erklärt und mir Sicherheit gibt.

Ja, es gibt noch wirklich viel, was ich Wolf-Dieter Storl gern gefragt hätte. Aber da war ich nicht die Einzige. Mir behagen Menschenmassen nicht so. Ich ziehe mich da eher zurück. Vielleicht ergibt sich für mich ja nochmal die Chance, meine Fragen loszuwerden. Wer Wolf-Dieter Storl selbst einmal persönlich erleben möchte, der sollte es bald tun. Er ist ein gefragter Mann mit vollem Terminkalender. Und er lebt schon eine ganze Weile auf diesem Planeten. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich in ein paar Jahren vielleicht wieder in die Stille der Natur zurückzieht und die Gesellschaft seiner Pflanzenverbündeten dem hektischen Treiben der Städte vorzieht.

Was hab ich gelernt? Nix… nein wirklich, „lernen“ war nicht mein Anspruch. Was Kräuterkunde angeht, da kenn ich mich selbst gut aus. Das Seminar war auf Interessierte ausgerichtet und fing mit Grundlagen an. Ich glaub schon, dass Wolf-Dieter noch Einiges im Schatzkästlein hat, dass ich ihm gern entlocken würde, aber das gehört sicherlich nicht in ein Anfängerseminar. Ich wollte dieses Mal auch nicht lernen, sondern „erleben“. Am Ritual teilnehmen und spüren. Und natürlich auch Storl hören: Er könnte mir das Münchner Telefonbuch vorlesen und ich würde sofort entspannen…

Ja und „erleben“ durfte ich. Das sind Dinge, die man nicht in Buchstaben und Sätze quetschen kann. Ich denke auch, dass jeder anders erlebt. Darum empfehle ich: Erfahrt es selbst. Unter http://www.storl.de findet ihr alle Termine und Publikationen. Ich wäre nicht böse, wenn ihr eventuelle Bestellungen von Büchern über meine HP macht. Da habe ich meine Lieblings-Storlbücher auch aufgelistet. War nicht schwer, sind eigentlich alle.

So… ich ziehe mich wieder ein wenig zurück – Eindrücke verarbeiten. Wie gesagt: In Worte fassen kann man das alles nicht… man muss spüren und dafür sollte man sich Zeit nehmen.

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