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Posts Tagged ‘Zahnpflege mit Kräutern’

Ja, ja, ich weiß, wir Kräuterfreunde scharren schon ungeduldig in den Startlöchern. Die Meisten wollen raus und ein Paar, die weiter südlich wohnen, dürfen schon die ersten Bärlauchblättchen ernten. Hier bei uns guckt mal gerade der Giersch.

Aber ich kann auch nicht oft genug darauf verweisen, dass gerade die Knospen besonders wertvoll sind. Ihr werdet in meinem Blog einige Beiträge über „Knospentherapie“ finden. Wobei ich persönlich, was ich auch immer wieder betonen muss, weniger die klassische Knospentherapie (mit Glyzerintinkturen) anwende, sondern mich gern an Pfarrer Künzle halte, der mit seiner Knospenkur erstaunliche Erfolge hatte. Gerade gestern konnte ich sogar beobachten, wie ein frecher Erlenzeisig ebenfalls der Knospenkur fröhnte, indem er in meiner Blutpflaume saß und fleissig Knospen knabberte. Machen wir es doch einfach wie der berühmte französische Kräuterheiler Maurice Mességue´und lernen durch Beobachtung unserer Mitgeschöpfe den Wert der Pflanzen kennen.

Ich beobachte aber nicht nur Flora und Fauna, sondern auch meine „Konkurrenz“. 😉

Viele der in wahren Flutwellen erscheinenden Kräuterbücher sind schlichtes Plagiat oder nichtssagend. Der Schwerpunkt liegt in der optischen Aufmachung. Bunt, plakativ, tolle Fotos… nun gut…

Jetzt bin ich über ein Büchlein einer Kräuterpädagogin gestolpert. Ein wenig stellen sich da bei mir die Nackenhaare auf, denn die einfache „Kräuterfrau“ hat ausgedient. Man muss mindestens „Pädagoge“ oder „Experte“ sein. Wo ich schon noch zugeben muss, dass der „Kräuterpädagoge“ meist von der renommierten Gundermannschule kommt und wir haben hier wenigstens noch einen deutschen, logischen Begriff. Aber mittlerweile gibt es auch „Obstpädagogen„, „Naturcoaches“ (Wer wird hier „gecoacht“, die Natur? Diese „gedenglischten“ deutsch-englischen Wortschöpfungen klappen mir wirklich die Fussnägel weg) Und das Hammerhärteste, was mir vor die Pupillen kam: „Wald- und Wiesencoach„.

Wunderbar! Wieder so ein Wortverstümmelungsverbrechen. So ähnlich wie diese „Backfactories„, was wohl vom Erfinder so viel wie „Backfabrik“ heißen soll, aber genau genommen „Hinterhofbäckerei“ heißt. Was mir für Assoziationen bei „Wald- und Wiesencoach“ kommen, möchte ich hier gar nicht preisgeben. Ich fürchte, auch wenn der- oder diejenige ein großes Fachwissen hat, dieser Ausdruck reißt alles wieder runter.

Und genau das ist das Problem mit diesem Urwald an neuen Kräuterberufsbezeichnungen: Sie sagen nicht viel aus. Weder über das tatsächliche Wissen desjenigen, noch über die Qualität seiner Ausbildung. Ein „Kräuterexperte“ kann man schon nach wenigen Stunden werden… Und ich glaube, gerade der „Wald- und Wiesencoach“ tut sich mit diesem Titel keinen Gefallen. Warum denn nicht insgesamt einen englischen Ausdruck verwenden? „Coach“ passt nach meinem Empfinden ohnehin mehr in die Wirtschaft oder in den Sport.

Das ist so typisch deutsch: wir wollen reißerische Bezeichnungen (schlagt doch mal nach, wie sich Buchbinder heute nennen mussen…), Titel und Diplome, Zertifikate, Empfehlungen… dabei könnte ich rein rechtlich hier aus dem Stand ein „Institut“ gründen und auch „Zertifikate“ vergeben…

Aber: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen! Lasst einfach mal die Titel weg und schaut, was die Menschen euch geben können. So kommt dann auch wieder die einfache Kräuterfrau zu Ehren, die die Heiltradition ihrer Familie bewahrt hat. Gerade von diesen bodenständigen Menschen lauschen wir gelernten Kräuterheilkundigen ja gern die Geheimnisse ab (auch hier hat Eunike Grahofer – s. u.-  zwei schöne Bücher herausgebracht).

So pack ich mal eben schnell meine Vorurteile wieder ein, denn die blumigen Bezeichnungen sagen ja nichts über deren Träger und alles, was ich dann vielleicht noch zulassen darf, ist der deutliche Anstieg meines Blutdruckes ob des verschwenderischen Umganges mit neuen irreführenden Wortschöpfungen.

Zurück zu einem neuen und wie ich zugeben muss, sehr gutem Buch einer Kräuterpädagogin, mit fundiertem Wissen im Stil der Gundermannschule:

 

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Hausmittel im Jahreskreis

 

Das Büchlein ist aus dem „freya-Verlag“ in Österreich, was ja an sich schon ein Qualitätsversprechen ist. Eunike Grahofer setzt damit eine kleine handliche und preiswerte Buchreihe fort, die optisch schön aufgemacht ist und als eine der wenigen Neuerscheinungen auch neue Rezepte bringt. Und zu meiner allergrößten Freude und damit zurück zum Thema meiner Überschrift: Ein Knospensalz!

Eunike sammelt im Februar Knospen, die sich mit denen aus Künzles Knospenkur nahezu decken: dornige Büsche wie Schlehe, Weißdorn und Rose, sowie essbare Bäume (Birke, Linde, Apfelbaum) und natürlich die potente schwarze Johannisbeere. Das Ganze verreibt sie zu einem Salz, das über das Jahr noch andere Kräuter hinzubekommt. Geballter geht Gesundheit nicht. Wer allein das „Vitalsalz“ kennt, das nur aus Brennnesselsamen gemacht wird, der dürfte ahnen, was in diesem Salz steckt. Ich finde die Idee so klasse, weil es eine natürliche Möglichkeit ist, die Knospenwirkstoffe zu konservieren und das ganze Jahr davon zu profitieren.

Ich habe Salz mit Knospen noch nicht ausprobiert. Manchmal verreibe ich Zucker mit Knospen. Zum Beispiel mit denen der Vogelbeere, weil das wie Marzipan schmeckt. Allerdings verschwindet der Marzipangeschmack allmählich, man sollte ihn schnell verbrauchen. Oder ich nehme Birkenzucker (den Guten aus Finnland, den „Xucker„, nicht irgendso ein Zeug aus Genmais) und verreibe mit Eberesche oder Salbei zum Zahnputzmittel. Durch den Birkenzucker (der maximal Bruchteile von Birken enthält) ist das Ganze höchst gesund und zahnfreundlich. Wer es noch über sich bringt und eine viertel Stunde Ölziehen mit Kokosöl  anfügt, der macht der Karies den Garaus. Es sollen sich sogar Löcher wieder remineralisiert und geschlossen haben. Zu Letzterem liegen mir aber keine Erfahrungen vor.

Eunikes Büchlein hat in meinen Augen nur einen Wermutstropfen, der aber gleichzeitig ein Vorteil ist: Es ist dünn und hat nur  1 – 4 Rezepte pro Monat. Mir ist das ein bisschen zu wenig Info. Aber für jeden, der immer mal „was mit Kräutern“ machen wollte und sich nie ran traute, ein wahrer Segen. Er wird hier wirklich an die Hand genommen und mit einfachen Schritten an die Sache herangeführt. So steht in jedem Monat, was man denn tun könnte. In Bezug zum Knospensalz z. B. findet sich regelmässig der nächste Vorschlag zur Ergänzung und man bekommt eben nicht das tausendste Rezept zum Bärlauchpesto vorgesetzt, sondern erfährt wirklich Neues. Das macht Lust! Auch erfahrenen Kräuterhexen, die sich mit ihren „das-muss-ich-unbedingt-noch-machen“ – Plänen gern unter Druck setzen. Also eine glatte Empfehlung von mir! Mit einem Preis von 7,90 Euro auch für den schmalen Geldbeutel erschwinglich.

Soo… ich muss dann mal eben raus… die Ernte retten. Die Stadtgarten- und Friedhofsämter lassen die Baumpfleger los und mit ein wenig Glück kann ich noch den Schnitt der Balsampappeln erhaschen. Wer welche in der Nähe weiß: Schlagt zu! Neben der schwarzen Johannisbeere ist die Balsampappel die Königin der Knospe. Kostbar in jeder Beziehung und leider heutzutage sehr selten geworden…

Was tun, wenn ihr welche gefunden habt? Trocknen, Tinktur, Öl…

Ich nehme gern das Öl, da die Balsampappel (Nomen est Omen) ein wahres Balsam für die Haut ist. Sie soll schon in der Bibel genannt sein… Gourmets bevorzugen sie feingerieben in Süßspeisen. Seid ein bisschen experimentierfreudig! Das heute vorgestellte Buch sollte euch wirklich Appetit machen können!

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